Die Produktwerker: Emotionen in der Produktarbeit
Welche Emotionen man wie in der Produktentwicklung berĂŒcksichtigen muss, behandelt diese Folge mit Stephanie Weber.
- Dominique Winter
- Stephanie Weber
In dieser Folge spricht Dominique Winter mit Stephanie Weber darĂŒber, wie prĂ€sent Emotionen in der Produktarbeit sind und wie stark sie das tĂ€gliche Handeln beeinflussen. Stephanie Weber bringt ihre Erfahrung als Head of UX Design bei Fielmann ein und kann bestĂ€tigen, dass Emotionen in der Produktarbeit weit mehr sind als ein weiches Thema.
Beide haben erlebt, wie sehr Entscheidungen, Zusammenarbeit und Nutzerverhalten durch GefĂŒhle geprĂ€gt werden, und die gemeinsame Frage, wie man bewusster mit Emotionen in der Produktarbeit umgehen kann, zieht sich durch das gesamte GesprĂ€ch.
(Bild:Â deagreez/123rf.com)
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Angst abbauen â im Team und bei Usern
Es kommt beispielsweise oft vor, dass Angst den Raum verengt. Angst taucht auf, wenn neue Ideen gewagt werden sollen, wenn Entscheidungen unsicher wirken oder wenn Menschen befĂŒrchten, im Team nicht ernst genommen zu werden. Dabei ist psychologische Sicherheit eine der Grundlagen dafĂŒr, dass KreativitĂ€t entstehen kann. Methoden wie Brainwriting oder die Kopfstandmethode helfen Teams, vorsichtigere Stimmen sichtbarer zu machen und die ĂŒblichen Muster offener Brainstormings zu durchbrechen.
Angst entsteht bei Nutzerinnen und Nutzern auch, wenn neue Technologien unerwartet wirken. Und gerade dort kann Gestaltung helfen, etwa wenn ein normalerweise blitzschneller Prozess kleine Verzögerungen erfĂ€hrt, um ihn fĂŒr Kunden verstĂ€ndlicher wirken zu lassen und Vertrauen zu schaffen.
Unterschiedliche Denkweisen gezielt nutzen
Stephanie Weber spricht auch ĂŒber Reibung als bewussten Teil von Produktarbeit. Reibung ist fĂŒr sie nicht unbedingt etwas Schlechtes, sondern ein Werkzeug, um Skepsis aufzufangen und Orientierung zu geben. Im Team entsteht Reibung durch unterschiedliche Denkweisen und Persönlichkeiten. Wenn diese Vielfalt nicht eingeengt, sondern gezielt genutzt wird, werden Ideen robuster und Entscheidungen fundierter. Kreativmethoden, bei denen Ideen weitergereicht und weiterentwickelt werden, zeigen, wie wertvoll diese Reibung ist.
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Beteiligung ohne Scham ermöglichen
Scham taucht ebenfalls hĂ€ufig in der Produktarbeit auf; im Team wie bei Nutzerinnen und Nutzern. Stephanie Weber beschreibt, wie belastend unstrukturierte Gruppenmethoden sein können, vor allem fĂŒr eher introvertierte und ruhige Menschen.
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Struktur schafft hier Raum fĂŒr Beteiligung ohne Scham. Das Manual of Me kann beispielsweise im Team geteilt werden, um persönliche BedĂŒrfnisse und Arbeitsweisen zu verdeutlichen und Unsicherheiten greifbarer zu machen. Und auch bei Kunden im Laden zeigt sich Scham deutlich, etwa wenn Menschen mit hoher SehstĂ€rke eine Brillenfassung testen und sich im Spiegel gar nicht erkennen können. Der Moment wirkt klein, wird fĂŒr die betroffenen Personen aber schnell unangenehm. Genau solche Beobachtungen helfen, Produkte zu entwickeln, die sich nach UnterstĂŒtzung und nicht nach einem Hindernis anfĂŒhlen.
Auch Langeweile ist wichtig
Langeweile wirkt auf den ersten Blick fehl am Platz, spielt aber in der Produktarbeit eine wichtige Rolle. Stephanie Weber macht deutlich, dass Pausen, langsame Momente und gedankliches Abschweifen essenziell sind, weil sie Raum fĂŒr neue Verbindungen und Ideen schaffen. Wer stĂ€ndig durch Meetings, Chats und Aufgaben getrieben wird, nimmt dem Gehirn die Möglichkeit, Dinge sortiert entstehen zu lassen. Kreatives Denken entsteht oft zwischen zwei TĂ€tigkeiten und selten dann, wenn wir es erzwingen. Teams profitieren deshalb stark davon, wenn Langeweile nicht als Mangel an ProduktivitĂ€t verstanden wird, sondern als fruchtbarer Teil der Arbeit.
Emotionen sind in der Produktarbeit unvermeidbar. Sie gehören zu Teams, Entscheidungen, Nutzerverhalten und Produkten. Sie lassen sich nicht abschalten, wenn wir morgens den Rechner einschalten. Je bewusster wir mit ihnen umgehen, desto leichter fĂ€llt es, gute Entscheidungen zu treffen, mutige Ideen zuzulassen und NutzerbedĂŒrfnisse wirklich zu verstehen. Genau darum lohnt es sich, Emotionen in der Produktarbeit nicht als Störung zu sehen, sondern sie zu unserem Vorteil zu nutzen.
Die aktuelle Ausgabe des Podcasts steht auch im Blog der Produktwerker bereit: "Emotionen in der Produktarbeit".
(mai)