Die zehn besten Antworten auf Verschwörungstheorien

Gehen Ihnen Conspiracy-Freunde genauso auf die Nerven wie mir? Hier eine kleine Argumentationshilfe für die nächste Cocktailparty.

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Von
  • Gregor Honsel

Verschwörungstheorien sind eine gewisse Zeit lang lustig. Doch irgendwann fangen sie an zu nerven – vor allem wegen ihrer Mischung aus Denkfaulheit und Durchblicker-Gehabe. Ich habe einmal versucht, Repliken auf die zehn nervigsten Verschwörungssprüche zusammenzustellen. Hier ist meine Top Ten.

1. Die stecken doch alle unter einer Decke.

Diese Decke muss aber dick gewebt sein. Haben Sie schon einmal an einem Projekt mit mehr als zehn Personen mitgearbeitet? Und haben Sie dabei je erlebt, dass alle am gleichen Strang zogen und nichts nach außen drang? Und nun soll genau das, was nicht einmal dann funktioniert, wenn es ausdrücklich gefordert und gefördert wird, in trauter Runde von CIA, Mafia, Mossad, Nasa und den Freimaurern klappen?

2. Egal, was es ist, es ist bestimmt nichts Nettes.

Ist der Mensch gut oder böse? Ich denke, weder noch. Moral und Integrität dürften genauso normalverteilt sein wie die Schuhgröße. Das heißt, es gibt genauso viele unterdurchschnittlich wie überdurchschnittlich integre Menschen (so ist der Durchschnitt in einer Normalverteilung nun einmal definiert). Dass nun gerade die böse Hälfte der Glockenkurve die Fäden in der Hand hält und die gute Hälfte unterjocht, ist nicht wahrscheinlicher, als dass alle Männer mit einer Schuhgröße von kleiner als 44 ein gemeinsames Hobby haben.

3. Wem nutzt denn das?

Schon klar: wer von einem Ereignis profitiert, hat das Ganze natürlich auch von langer Hand angezettelt. Nur: ein versierter Verschwörer würde sich natürlich niemals dadurch zu erkennen geben – nach der üblichen verschwörungstheoretischen Dialektik müssten die Profiteure demnach gerade unverdächtig sein.

4. Ein Hinweis allein wäre noch kein Beweis, aber es passt doch alles ins Bild.

Routinierte Verschwörungstheoretiker sind nie um Einzelheiten und Details verlegen. Hat man erst einmal die richtige verschwörungstheoretische Brille aufgesetzt, wird man sich vor Fakten, die diese Theorie stützen, kaum retten können. Diese Denkfigur nennt sich "hermeneutischer Zirkel" und ist, wie der Name nahe legt, ein Zirkelschluss. Wie einfach sich mit hermeneutischem Denken eine beliebige Verschwörungstheorie basteln lässt, zeigt Umberto Eco in seinem Roman "Das Foucaultsche Pendel".

5. Das kann doch kein Zufall sein.

Ach nein? Grundsätzlich kann alles, was nicht ganz und gar unmöglich ist, zufällig passieren. Es ist mitunter nur eben extrem unwahrscheinlich. Die Frage müsste also lauten: Wie unwahrscheinlich ist ein Ereignis tatsächlich? Aber für Wahrscheinlichkeiten haben sich Verschwörungstheoretiker noch nie interessiert. Im Gegenteil: Der Zufall ist in seiner Sinnlosigkeit der natürliche Feind jedes Verschwörungstheoretikers, die lieber dunkle Mächte am Werk sieht als sich mit Sinnlosigkeit und Ungewissheit abzufinden.

6. Die Wahrheit ist immer kompliziert.

Das würden Verschwörungstheoretiker zwar nicht explizit so sagen, aber wer auf sich hält, der verbreitet möglichst elaborierte Theorien. Dagegen hilft, Ockhams Rasiermesser zu zücken. Dieses nach dem englischen Scholastiker Wilhelm von Ockham benannte Prinzip besagt, dass von mehreren Theorien, die Beobachtungen gleichermaßen gut erklären, die einfachste und sparsamste vorzuziehen sei.

7. Nichts ist, was es zu sein scheint.

Dies ist das Credo der einzigen Verschwörungstheorie mit Krankenkassenzulassung – der Psychoanalyse. "Der psychoanalytische Denkstil hat dem Prinzip ,Im Dunkeln ist gut munkeln' zu wissenschaftlichen Weihen verholfen", schreibt Dieter E. Zimmer in seinem Buch "Tiefenschwindel". Groucho Marx soll dazu gesagt haben: "Manchmal ist eine Zigarre auch einfach nur eine Zigarre."

8. SIE sind so mächtig, dass SIE alles vertuschen können.

Fehlen die Beweise, ist auch das wieder ein Beweis. Es müssen also wieder einmal alle unter einer Decke stecken, um ihr Wirken vertuschen. Damit kann man nun wirklich alles und dessen Gegenteil behaupten.

9. Nur, weil Du paranoid bist, heißt das nicht, dass sie nicht hinter Dir her sind.

Guter Punkt. Den muss ich wohl so stehen lassen.

10. Das ist das, was Du glaubst.

Dies ist der schlimmste Satz von allen. Damit ernennt sich der Verschwörungstheoretiker zum großen Durchblicker und alle anderen zu naiven Deppen. Wenn sich zu Verschwörungstheorien nicht so gerne diese pseudointellektuelle Attitüde gesellen würde, fände ich sie ja noch lustig. Aber mit diesem Satz hört's auf, Spaß zu machen.

Fazit: Wer zur Abwechslung lieber mit eigenen Verschwörungstheorien kontern möchte, wem es aber an Phantasie gebricht, dem sei diese Webseite empfohlen: "Make Your Own Conspiracy Theory".

Was sind Ihre Erfahrungen mit Verschwörungstheorien? Welches sind die absurdesten Verschwörungstheorien, die Ihnen aufgetischt wurden? Und was haben Sie darauf geantwortet? (wst)