Künstliche Intelligenz: Trump berät sich selbst

Der amerikanische Präsident will auch irgendwie in Künstliche Intelligenz machen. Leider mangelt es ihm an wissenschaftlichem Rat.

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  • Anton Weste

So langsam haben die Regierenden der Großmächte verstanden, dass Künstliche Intelligenz eine, wenn nicht gar die bedeutende Technologie der nächsten Jahrzehnte wird. Und wenn sie es möglicherweise nicht verstanden haben, so springen sie zumindest auf den schon fahrenden Zug auf. Wenn alle darüber reden, muss es ja irgendwie wichtig sein.

Der KI-Ausschuss des britischen Parlaments will ethische Verhaltensregeln für den KI-Einsatz entwickeln. Emmanuel Macron pumpt 1,5 Milliarden Euro in einen nationalen KI-Komplex. Und China will ohnehin bis 2030 zur führenden Nation für Künstliche Intelligenz werden.

Aber was macht eigentlich das Weiße Haus? Den USA wurde oft vorgehalten, die Entwicklung zu verschlafen. Das versuchte Donald Trump zu ändern, als er Anfang Mai zum Gipfeltreffen mit dem Thema "Künstliche Intelligenz für die amerikanische Wirtschaft" lud. Dabei gründete er auch das Komitee für Künstliche Intelligenz, das den Präsidenten in Sachen KI ständig beratend zur Seite stehen soll.

Das Problem dabei: Große Teile des Komitees werden von Ämtern gestellt, die vakant sind. Weil Trump sie nicht besetzt hat. Da ist zum einen der wissenschaftliche Berater des Präsidenten, der Leiter des Office for Science And Technology Policy. Trump hat seit seinem Amtsantritt niemanden zu seinem Science Advisor ernannt. Die Vertretung: Der Präsident selbst. Dann wären da noch der Direktor und der Beisitzende des National Science and Technology Council. Beide Positionen sind ebenso frei. Ihre komissarische Vertretung: Der Präsident.

Übrig bleiben im neuen Komitee somit nur noch zwei Personen. Zum einen ist das die Direktorin der National Science Foundation, France A. Córdova, eine noch von Obama eingesetzte Astrophysikerin. Sie steht bei Trump nicht hoch im Kurs. Der andere ansprechbare Kopf ist Steven H. Walker, Direktor der DARPA, der Forschungsabteilung des Pentagons. Man kann begründet vermuten, dass er KI-Fragen vor allem aus dem militärischen Blickwinkel betrachtet.

Trump berät sich also weitgehend selbst, wenn er sich Gedanken über Künstliche Intelligenz macht. Das passt ins Bild: Er dünnt seine Administration dort aus, wo ihn die Themen nicht interessieren. Die Trump-Regierung gilt als wissenschaftsfeindlich, wenn die entsprechende Forschung nicht schnell praktisch nutzbare Ergebnisse produziert.

Na gut, das Komitee ist vorhanden (oder auch nicht), aber was sind die inhaltlichen Eckpunkte der amerikanischen KI-Strategie? In bester libertärer Manier will die Regierung aus dem Weg gehen und KI-Entwickler keinen Regularien unterwerfen. Gefahren durch KI werden, falls es sie überhaupt gibt, als zukünftiges Problem aufgeschoben. ("Our Administration is not in the business of conquering imaginary beasts. We will not try to “solve” problems that don’t exist.") Außerdem: Die USA werden keine internationalen Vereinbarungen unterschreiben, die auf einer übertriebenen Angst vor KI basieren.

Weiterhin summt das Gipfelpapier in fast poetischer Qualität:

"We didn’t roll out the red tape before Edison turned on the first lightbulb. We didn’t cut the lines before Alexander Graham bell made the first telephone call. We didn’t regulate flight before the Wright Brothers took off at Kitty Hawk. And as those great inventions took decades to fully develop, artificial intelligence will too. But today it is still in its infancy."

Im Klartext: Das Silicon Valley darf erst mal machen, was es will. Dann sehen wir weiter.

Eins scheint klar: Wenn sich Verhaltensregeln und Vorsichtsmaßnahmen für die KI-Entwicklung verbreiten, dann werden sie nicht aus dem Weißen Haus kommen.

(anwe)