Software killt Hardware

Hersteller bringen Geräte mit immer mehr Funktionen auf den Markt. Blöd nur, wenn die sich kaum nutzen lassen, weil Treiber und andere "weiche" Aspekte der Ansteuerung verbesserungswürdig sind.

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Von
  • Ben Schwan

Ich habe mir pünktlich zum Fest einen neuen Drucker gegönnt. Der Alte tat es einfach nicht mehr: zu hoher Tintenverbrauch, zu schlechte Druckqualität und vor allem viel zu teuer im Unterhalt. (Eines dieser "Die Tinte ist teurer als die Hardware"-Schnäppchen.) Außerdem hatte ich beim Umräumen meines Schreibtisches neulich ein bestimmtes Plastikteil abgebrochen, was dafür sorgte, dass das Gerät in 80 Prozent aller Fälle beim Drucken nach frischem Papier rief, obwohl noch welches eingelegt war. Diese Nerverei musste aufhören!

Also schaute ich in die einschlägigen Verkaufslisten und entschied mich schließlich für ein Gerät einer großen amerikanischen Marke mit zwei Buchstaben. Die neue Maschine schien alles zu haben: Berührungsempfindliches Display, Fax, Scanner, Farbkopierer, Druck auf zwei Seiten (Duplex!) und natürlich Netzanschluss. Es gab sogar die ein oder andere "magische" Funktion – etwa die Möglichkeit, dem Gerät von überall auf der Welt aus eine E-Mail zu schicken, auf dass es diese dann samt Anhang ausdrucke. (Welche neuen Horizonte das Spammern eröffnen könnte, fiel mir erst nachher ein.)

Nach einigen Tagen im Betrieb muss ich allerdings zugeben, dass es sich hier einmal mehr um das klassische Problem der Hardware-Industrie handelt: Ein Gerät, das unendlich viel kann, wird durch miese Software zerstört. Das ahnte ich bereits, als die Installation aller Treiber ungefähr 30 Minuten dauerte und ich nach Einstellungen für Funktionen gefragt wurde, die ich zuvor explizit abgewählt hatte.

Zunächst begann es damit, dass ich bestimmte PDF-Dokumente mit den Bordmitteln meines Rechners nicht detailgetreu ausgedruckt bekam: Es fehlten immer Buchstaben. Na gut, dachte ich mir, schickst Du Dir die Dinger halt per E-Mail an den Drucker – und siehe da, es ging. Wobei mich schon etwas nervte, dass das Gerät dann nicht die beste Druckqualität nutzte – warum auch immer.

Dann fiel mir nach einigen Tagen auf, dass ein Teil der mitgelieferten Software dafür sorgte, dass mein Rechner ständig zu 30 bis 50 Prozent mehr ausgelastet war. Ich musste stets ein Programm namens "Device Manager" killen, damit ich das Gerät noch vernünftig nutzen konnte. Es lag auch nicht an meinem Computer: Auch die Maschine meiner Frau, auf der ich ebenfalls die Treiber installiert hatte, fing an zu spinnen. Die Sache wurde schließlich so übel, dass ich mich nach einigen Tagen entschloss, die Druckersoftware zumindest von unseren Hauptmaschinen zu löschen, zumal die nicht einmal mehr zuverlässig drucken konnten.

Die Alternative, nämlich Druckaufträge wie erwähnt ganz "magisch" einfach per E-Mail zu verschicken, war auch keine: Aus unerfindlichen Gründen nahm das Gerät nämlich bestimmte PDF-Dateien, die ich z.B. aus meinem Browser sendete, nicht an, mailte mir stattdessen eine Fehlermeldung zurück.

Resultat des kleinen Dramas: Ich habe meinen alten, billigen Drucker reaktiviert. Der hat zwar weder Netzanschluss noch E-Mail-Funktion, ließ sich aber mittels simplem doppelseitigen Klebeband am gebrochenen Plastikteil dazu überreden, wieder auf dem Papier zu drucken, das bereits eingelegt war. Was ich mit dem neuen Superdrucker mache, weiß ich noch nicht. Er sieht jedenfalls in meinem Büro echt super aus.

Und die Sache ist nicht das erste Beispiel für gute Hardware gepaart mit mieser Software. Ich würde sogar sagen, dass es heute viel wichtiger ist, vernünftige Software zu entwickeln, bevor es an die Hardware mit Hunderten von Funktionen geht. Aber das scheint der Hersteller meines Druckers nicht bedacht zu haben. (bsc)