Was blüht uns da?

Pflanzbestimmung per Smartphone und mit KI, das machen Forscher in dem Projekt Flora Incognita möglich. Wie das klappt? Ein kleiner Test.

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  • Jennifer Lepies

Wie oft streift man beim Sonntagsspaziergang durch das nahgelegene Wäldchen, entdeckt hübsche Blumen und Pflanzen und fragt sich, wie die wohl heißen? Mir geht es auf jeden Fall öfter mal so. Doch da, wo das florale Wissen an seine Grenzen stößt, gibt es heutzutage zum Glück die ein oder andere App, die dem interessierten Spaziergänger weiterhilft.

Mein Kollege Karsten Schäfer hat für die neue Ausgabe von Technology Review (ab 23.5. im Handel) die App PlantSnap getestet. Seine Bilanz will ich hier noch nicht vorweg nehmen. Ich habe mich hingegen auf die Anwendung Flora Incognita konzentriert.

Das Projekt Flora Incognita und die gleichnamige App gehen aus einer Zusammenarbeit der TU Ilmenau und dem Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena hervor. Die Hintergedanken ihrer Anwendung verraten die Forscher auf der Projekt-Website. Neben der Verbreitung von Smartphones führen sie etwa an, dass ein Drittel der in Deutschland vorkommenden Arten auf der roten Liste stehen und die Menschen über eine immer geringere Artenkenntnis verfügen. Ich gehöre wohl dazu, denn die App ist schließlich auf meinem Smartphone gelandet. Zu dem Projekt gehören außerdem die Apps Flora Capture, ein interaktiver Assistent zur Pflanzenbestimmung durch Botaniker, und Flora Key, eine Anwendung, um Pflanzen selbst zu bestimmen.

Die Anwendung Flora Incognita ist simpel: App öffnen, auswählen, ob man eine Wildblume oder Strauch, einen Baum, Gras oder einen Farn fotografiert, Foto machen, warten. Bei der Pflanzenbestimmung machen sich die Forscher die Fortschritte der Künstlichen Intelligenz zu Nutze. Schlaue Algorithmen in einem Convolutional Neural Network (CNN) wurden mit einer Million Bilder aus der Initiative "Encyclopedia of Life" trainiert, die fotografierte Art zu erkennen. Und so dauert es bei meinem Test auch nur wenige Sekunden, bis die App mir nach dem Abgleich mit den 2.700 hinterlegten Arten anzeigt: Frühlings-Greiskaut. Mitgeliefert werden noch weitere Infos zu der Pflanze, unter anderem zum Schutzstatus und ob sie giftig oder essbar ist. Bei meinem nächsten fotografierten Baum, dem Eingriffeligen Weißdorn, erfahre ich zudem noch, wie ich die Früchte des Baums am besten verarbeite.

Bei jeder Pflanzenbestimmung wird mir außerdem verraten, wie viel Prozent Übereinstimmung die Algorithmen zwischen dem fotografierten Bild und denen in der Datenbank hinterlegten ermittelt haben. Halte ich die Übereinstimmung für zu gering, kann ich ein Expertengutachten anfordern.

Die App bietet darüber hinaus eine "Aktuelles"-Rubrik, in der etwa über die im Frühsommer blühenden Blumen und Bäume aufmerksam gemacht werden. In dieser Sparte wird der Nutzer auch informiert, wie er die Pflanze am besten fotografiert, um eine exakte Bestimmung zu erhalten. Die Forscher betonen, dass sich die App nicht über Zier- und Zimmerpflanzen erstreckt. Vielleicht ist das ja die nächste Erweiterung.

Dass die Pflanzbestimmung auf Basis eines Fotos aber auch seine Grenzen hat, verdeutlicht ein Tweet von Flora Incognita: Eine Erweiterung für Pilzarten werde es nicht geben. Zu groß sei die Gefahr, dass sich Menschen aufgrund der Bildanalyse sicher fühlen, einen Pilz zu verspeisen, der durch die App falsch bestimmt wurde. Eine sichere Bestimmung solle nicht ausschließlich auf einem Foto beruhen.

Für Pflanzen mag das sicher auch gelten. Dennoch ist Flora Incognita ein guter Schritt, um der mangelnden Artenkenntnis entgegenzukommen und für den ein oder anderen Aha!-Moment beim nächsten Spaziergang zu sorgen.

(jle)