SAP-Altsysteme ablösen: Ab in die Cloud

  • Beitrag vom: 09.07.2019

SAP macht Ernst: Bereits 2014 hat sich der Walldorfer Konzern zur Cloud und damit zur Standardisierung bekannt. Und damit eine harte Deadline für SAP-Altsysteme wie ECC 6.0 gesetzt: 2025 ist Schluss mit dem Support, bis dahin müssen Firmen den Sprung in die Cloud geschafft haben. Wie das gelingen kann, wo Fallstricke lauern und worauf es bei der Wahl eines Partners ankommt, der den Wandel begleitet, erklären Pascal Brumm von der Telekom Deutschland und Tibor Kosche von T-Systems im Interview.

Herr Brumm, wie können Unternehmen sich von ihren Altsystemen lösen und den Sprung in die SAP-Cloud-Welt schaffen, ohne den Betrieb zu gefährden?

Pascal Brumm: In der Telekom setzen wir dafür auf unsere sogenannten Managed Application Retirement Services – kurz: M.A.R.S. Ein Ende-zu-Ende-Angebot zur Historisierung von Daten aus komplexen Systemlandschaften, in einer zentralen Cloud-Plattform. Dabei ist es egal, ob es sich um SAP- oder Non-SAP-Daten handelt. Die Daten des Kunden werden unveränderbar und rechtssicher EU-DSGVO-konform aufbewahrt und bleiben für ihn auf lange Sicht verfügbar und recherchierbar. Über eine URL kann er jederzeit von jedem Ort aus auf seinen Datenpool zugreifen. Nach der Datenmigration und -historisierung übernehmen wir bei Bedarf auch den Betrieb, der in einer dedizierten Umgebung in der Private oder Public Cloud erfolgt. Management Application Retirement Services sind also eine Care-Free-Lösung für Kunden; ein Gesamtpaket, das alles abdeckt, was für den Shift in die Cloud und darüber hinaus nötig ist.

Wie gehen Sie dabei konkret vor?

Pascal Brumm: Mit einem simplen Lift-and-Shift ist es nicht getan. Zunächst einmal ist Ausmisten angesagt. Wie bei einem Umzug. Wenn ein Unternehmen die Telekom beauftragt, schauen wir uns als erstes an, was in die Kategorie Altlasten und Ballast gehört. Erst wenn das erledigt ist, erhalten wir einen klaren Blick auf das produktive Umfeld. Zu diesem Zweck nutzen wir ein Datenanalysetool, das uns in kürzester Zeit genau zeigt, wie viele und welche Daten wo im Unternehmen zum Einsatz kommen. Das läuft zum Beispiel auf der SAP Cloud Plattform. Es analysiert die Datenströme und die Datennutzung im Unternehmen. Damit identifizieren wir Überflüssiges und legen gleichzeitig fest, welche Komponenten wir beispielsweise aus S/4HANA brauchen werden, um die Prozesse im Unternehmen künftig abzubilden.

Werden die Prozesse dadurch schlanker?

Pascal Brumm: Deutlich schlanker sogar. Wir erfahren damit beispielsweise ganz genau, welche Datenströme und -silos wegfallen oder migriert werden können. Daraus ergeben sich teils erhebliche Einsparpotentiale. Mit SAP HANA lässt sich beispielsweise die Zahl der Tabellen auf 20 Prozent reduzieren. Wer es schafft, sich von Eigenentwicklungen zu trennen und so doppelte oder nicht genutzte Altapplikationen abschafft, macht bis zu 85 Prozent des Datenbestandes überflüssig. Das zeigt unsere Erfahrung aus unzähligen Datenmigrationsprojekten in Unternehmen. Dabei achten wir penibel darauf, nicht die falschen Daten abzuschaffen oder zu entfernen, um ihre gesetzlichen Aufbewahrungspflichten zu erfüllen. Denn bestimmte Daten müssen dauerhaft oder zumindest für einen sehr langen Zeitraum vorgehalten werden. Bei Kernkraftwerken wird für bestimmte Daten beispielsweise eine Aufbewahrungsfrist von 50 Jahren und mehr vorgeschrieben.

Herr Kosche, Cloudmigration ist ihr Spezialgebiet. Ist eine solche dauerhafte Datenhaltung in der Cloud nicht unheimlich teuer? Schließlich kostet es kontinuierlich Geld.

Tibor Kosche: Deshalb ist es so wichtig, genau zu bewerten, welche Daten es wert sind, aufbewahrt zu werden. Um die Kosten darüber hinaus so gering wie möglich zu halten, sollten Unternehmen außerdem für Archivdaten auf günstige Langzeitspeicher setzen. Diese sind vergleichsweise langsam im Zugriff, dafür aber sehr günstig im Unterhalt. Daten, die nur sehr selten gebraucht werden, kommen also in die Daten-Gefriertruhe und werden bei Bedarf mit einem gewissen Vorlauf wieder aufgetaut.

Viele Unternehmen bieten Services zur Migration von SAP On-Premises in die SAP S/4HANA-Welt an. Warum sollten sich Unternehmen ausgerechnet für Telekom und T-Systems als Partner für ein solch großes Projekt entscheiden?

Tibor Kosche: Der Markt ist voller Anbieter, das ist richtig. Das Problem liegt nur darin, dass sehr viele dieser Projekte scheitern, weil die meisten Dienstleister sich jeweils nur auf einen Teilaspekt spezialisiert haben. Wir bieten hingegen einen Ende-zu-Ende-Ansatz – betrachten also nicht nur einen Teil des Problems, sondern begleiten Unternehmen auf ihrem Weg in die Cloud von der Datenmigration über die Netzanbindung bis hin zum dedizierten Betrieb in einem unserer deutschen Rechenzentren. Wir begleiten bei Bedarf nicht nur den Shift in die Cloud, sondern übernehmen falls nötig auch den Betrieb und das Management der Systeme.

Pascal Brumm: Außerdem verfügen wir bei Telekom und T-Systems um einen im Markt einzigartigen Umfang an Erfahrung, die wir mit digitalen Transformationsprojekten über Jahrzehnte gesammelt haben. Unzählige solcher Projekte haben wir bereits erfolgreich durchgeführt. Projekte, bei denen nicht selten 20, 30 oder mehr Applikationen historisiert wurden. Und wir haben so ziemlich jede Hürde, die sich dabei ergeben kann, schon einmal genommen.

Pascal Brumm (45) ist im Cloud Partner Vertrieb der Telekom Deutschland für SAP verantwortlich. Der ehemalige SAP Alliance Manager der T-Systems ist seit knapp zwei Jahren für den strategischen Aufbau des Geschäftsfelds SAP mitverantwortlich.

Tibor Kosche ist Datenmigrations- und Historisierungsexperte bei T-Systems. Als Unternehmensberater bei Detecon gestartet und seit 2008 für den Telekom-Konzern tätig, begleitet Kosche gemeinsam mit seinem Team seit 2012 Unternehmen bei Überführung von Daten aus SAP-Altsystemen in Cloud-basierte Historisierungsservices.

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