Wie SaaS-Anbieter in der Cloud unabhängig bleiben

  • Beitrag vom: 07.11.2018

Prinzipiell ist jeder professionelle Cloud-Provider in der Lage, Softwarehäusern IT-Ressourcen für einen unkomplizierten Betrieb von Software-as-a-Service-Anwendungen (SaaS) zu bieten. Doch was passiert, wenn Unternehmen ihren Cloud-Provider einmal wechseln möchten? Ein Wechsel kann Unternehmen mitunter teuer zu stehen kommen, weil der Aufwand dafür, ganz nach Plan der proprietären Cloud-Anbieter, enorme Ausmaße annimmt – der so genannte Vendor-Lock-in wirkt sich aus.

Ein bekanntes Beispiel, welche Probleme durch einen Vendor-Lock-in entstehen können, lieferte 2012 die Übernahme von Instagram durch Facebook. Das rasante Wachstum des erst 2010 gestarteten Bilderdienstes war nicht zuletzt dadurch möglich geworden, dass Instagram konsequent auf Cloud-Ressourcen gesetzt hatte. Weitaus langsamer als das anfängliche Wachstum verlief dann jedoch die technische Portation des Instagram-Backends zum neuen Inhaber: Es dauerte gut ein Jahr, bis der Umzug von Amazons Elastic Compute Cloud (EC2) in die Facebook-Rechenzentren vollzogen war.

Tücken proprietärer Lösungen

Das Beispiel illustriert die unterschiedlichen Arbeitsweisen von Cloud-Providern: Einige Anbieter wie AWS nutzen selbstentwickelte, proprietäre Werkzeuge, andere setzen dagegen auf Open-Source-Software (OSS),  deren Quellcode öffentlich zugänglich ist. Offene Software bietet den Vorteil, langfristig unabhängig von einzelnen Herstellern zu bleiben. Zudem kann jeder, der das möchte, den Quellcode jederzeit einsehen und überprüfen. Eventuelle Hintertüren, die Unbefugten Zugriff auf Nutzerdaten erlauben könnten, würden bei Open-Source-Software deshalb sofort auffallen.

OpenStack zum Beispiel wird von einer riesigen internationalen  Community laufend weiterentwickelt, der Quellcode steht permanent unter Beobachtung der mehr als 82.000 Mitglieder. Eine Hintertür hier einzuschleusen, die der Prüfung der Community Stand hielte und somit in den Quellcode integriert würde, gilt daher als nahezu unmöglich.

Darüber hinaus arbeitet eine solche Community stetig an der Verbesserung und merzt eventuelle Fehler zügig wieder aus. Bei proprietären Programmcodes, die lediglich von einem einzelnen Hersteller betrieben und weiterentwickelt werden, können Fehler schon einmal unentdeckt bleiben – was das Risiko von Sicherheitslücken mit sich bringt.

Mit offenen Standards Handlungsfreiheit bewahren

Für Unternehmen besteht bei proprietären Lösungen naturgemäß eine hohe Gefahr eines Vendor-Lock-ins. Und das nicht nur, wenn sie eine Software-Architektur nutzen, die es nur bei diesem einen Anbieter gibt, sondern auch, wenn sie bestimmte Tools und Funktionen verwenden, die ebenfalls proprietärer Natur sein können. Auf diese Weise können Unternehmen selbst dann einem Vendor-Lock-in unterliegen, wenn sie ihre komplette Anwendungslandschaft in der Cloud mithilfe von Containern betreiben, die sich ja eigentlich unabhängig von der Software-Basis zwischen verschiedenen Cloud-Landschaften verschieben lassen. Und zwar genau dann, wenn sie für das Management von Container-Clustern auf Funktionen und Tools setzen, die es wieder nur bei einem bestimmten Anbieter gibt.

Als Alternative kommen für den Betrieb von SaaS-Anwendungen Tools wie Cloud Foundry, Openshift und OpenStack infrage, die aus dem OSS-Umfeld bekannt sind. Softwareanbieter sind daher gut beraten, ihren möglichen Cloud-Partner und seine Schnittstellen, Tools, Funktionen, Datenformate und Applikationslogiken genauestens unter die Lupe nehmen, bevor sie sie für die eigenen Zwecke nutzen.

Partnerprogramm für Cloud-Einstieg

Um eine zu starke Bindung an einen bestimmten Public-Cloud-Provider zu vermeiden, setzen insbesondere deutsche Softwarehäuser verstärkt auf die Open Telekom Cloud auf Basis der offenen Cloud-Architektur OpenStack. Nun hat der Bonner Provider Deutsche Telekom darüber hinaus ein Partner-Programm ins Leben gerufen, das Softwarehäuser dabei unterstützt, ihre Produkte SaaS-fähig zu machen und als Cloud-Service zu verkaufen: Seit kurzem können sich interessierte Softwarehäuser für das so genannte SoftwareBoost-Programm der Telekom bewerben. Softwarehäuser, die sich dafür qualifizieren, erhalten unter anderem bis zu 250.000 Euro Startguthaben für IaaS- und PaaS-Ressourcen aus der Open Telekom Cloud. Technologie-Experten des Konzerns begleiten die Transformation bis zum Start des SaaS-Betriebs und stehen bei Bedarf auch für Webex-Konferenzen und Vor-Ort-Termine zur Verfügung. Hilfestellungen bei der Vermarktung sowie gemeinsame Auftritte auf Messen gehören ebenfalls zum Leistungspaket dieses Partnerprogramms.

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