20 Jahre PC

@ctmagazin | Editorial

20 Jahre PC

das ist ein Grund zu feiern. 20 Jahre lang ist der PC unentwegt gereift und um ein Vielfaches besser geworden, nicht nur schneller. Ebenso seine Software. Trotz Windows-Abstürzen, trotz Gigabyte-Welle, die mit der Installation eines Office-Pakets auf die Platte schwappt. Früher war nicht alles besser, auch wenn Opa noch so davon schwärmt:

"WordStar 4.0, das war eine Textverarbeitung. WYSIWYG, alles über leicht merkbare Tastaturkürzel erreichbar, rasend schnell das Ganze, Textmodus halt, kein Grafik-Schnickschnack. Keine überflüssigen Nager auf dem Schreibtisch. 256 KByte RAM haben völlig ausgereicht, die Text-verarbeitung passte samt Texten auf eine 360-KByte-Diskette.

Das war auch übersichtlich. Keine 20 000 DLLs, von denen niemand weiß, ob sie zu einem Programm, zu Windows oder zu einem Virus gehören. Auch war alles viel stabiler. Falls mal nicht, hatte man dennoch alles unter Kontrolle: Debug anwerfen, ein bisschen stochern, ein bisschen disassemblieren, ein bisschen patchen, und die Sache war gegessen."

Ich fand es nicht besser. Die Programmierer des DOS-Kommandos Copy beispielsweise hätte ich gern mal persönlich kennen gelernt. Ich gebe den Befehl ein, das Programm startet, lädt 20 Sekunden lang die zu transferierende 250-KByte-Datei - und dann heißt es plötzlich "Write Error, Disk Full". Nein, sowas wurde prinzipiell nicht vorher geprüft - schon "damit man schnell die Syntax lernt".

Drucken - solange es um unformatierten Text ging, kam man mit jedem Drucker und einem Copy textdatei lpt1 über die Runden. Wehe aber, es sollte schick werden. Ja, auch unter Windows braucht man dann den richtigen Druckertreiber, aber unter DOS brauchte man den richtigen Druckertreiber für jedes benutzte Programm.

Und erst die Drucker selbst: Nadeldrucker, die Nervensägen schlechthin. Laut, langsam, mieses Schriftbild; die ausgefressenen Ränder verraten stets die Herkunft aus dem Endlospapierstapel.

Apropos laut: Haben Sie mal einer 5,25"-Festplatte voller Bauhöhe aus einem Meter Abstand länger als eine Stunde beigewohnt? "Volle Bauhöhe" heißt übrigens, ein Monster so groß wie zwei CD-ROM-Laufwerke übereinander. Ich musste mal eine abklemmen, als mir von ihren Pfeiftönen schwindlig wurde. Immerhin, ich konnte mit Floppy und RAM-Disk weiterarbeiten.

Nein, ich erfreue mich an den Segnungen des heutigen PC. Da brummt zwar ein Lüfter mehr drin rum als früher, aber insgesamt ist er leiser, der Drucker sowieso. Selbst mein E-Mailer ist komfortabler als einst WordStar. Ich kann heute Musik hören und Schallplattenaufnahmen automatisch entknacksen, ich kann Fotos retuschieren, CDs brennen - alles "einfach so".

Und das Beste: Trotz alledem hat er mich als Redakteur einer Computerzeitschrift noch nicht brotlos gemacht. Herzlichen Glückwunsch PC, auf die nächsten 20 Jahre!

Detlef Grell

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