333: Pentium II, die Dritte

Was Intels neuer Pentium-II-Prozessor "Deschutes" bringt

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Mit dem am 26. Januar vorgestellten 333-MHz-Modell schickt Intel die dritte Variante des Pentium II ins Rennen. Der neue Prozessor soll dank einiger Änderungen im Detail billiger zu fertigen sein als seine Vorgänger und obendrein auch noch schneller arbeiten. Doch wie immer fordert die Sparsamkeit einen kleinen Tribut.

Die Eckdaten des `Deschutes´, wie Intel den neuen Pentium-II-Prozessor hausintern nennt, sind schnell genannt: Der Prozessorkern wird jetzt nicht mehr in 0,35-µm-Technologie, sondern in dem feineren 0,25-µm-Prozeß hergestellt. Zum einen kann der Hersteller dadurch mehr Chips aus einer Siliziumplatte (Wafer) gewinnen, wodurch die Ausbeute steigt beziehungsweise die Herstellungskosten sinken. Gleichzeitig erlaubt dies höhere Taktraten: Feinere Strukturen bedeuten einen besseren Störspannungsabstand, so daß sich die Versorgungsspannung (VCore) von bislang 2,8 auf 2,0 Volt absenken läßt. Das wiederum bewirkt eine geringere Leistungsaufnahme und damit eine reduzierte Verlustleistung, die als Wärme abzuführen ist.

Der Unterschied ist gewaltig: Während der alte Pentium II des `Klamath-Typs´ bei 300 MHz Taktfrequenz satte 32 Watt verbrät, beträgt die Leistungsaufnahme des `Deschutes´ bei 300 MHz knapp 14 Watt, bei 333 MHz nur etwas mehr als 15 Watt. Die interne Architektur des Deschutes-Prozessorkerns hat sich im Vergleich zu der des Klamath nicht geändert: Jeweils ein 16 KByte großer integrierter L1-Cache steht für Daten und Befehle zur Verfügung, die beide - wie auch beim normalen Pentium üblich - mit vollem Prozessortakt laufen. Folgerichtig arbeitet der Prozessorkern des Deschutes bei gleicher Taktrate um keinen Deut schneller als der des alten Pentium II.

Das Deschute-Modul eignet sich wie der alte Pentium II mit Klamath-Kern für Single- und Dual-Prozessor-Betrieb. Der Prozessor-Kern selbst unterstützt sogar Multiprozessing mit bis zu vier CPUs. Diese Fähigkeit kann man allerdings erst dann nutzen, wenn die ersten Slot-II-Prozessoren auf den Markt kommen.

Die auffälligsten Änderungen gab es indes bei dem auf dem Prozessormodul untergebrachten 512 KByte großen L2-Cache. Er läuft zwar immer noch mit halbem Prozessortakt, besteht aber nur noch aus drei Bausteinen: Dem Tag-RAM (Intel S82459AC) und zwei handelsüblichen Burst-Cache-Chips. Bei unserem Testmuster stammten diese von Samsung (SEC KM736V604). Der alte Pentium II nutzte hier noch fünf Chips, also einen Tag-Baustein (Intel S82459AB) und vier Cache-ICs (SEC KM732V595 oder KM736V595).

Die Verringerung der Bauteile senkt zwar die Kosten und die Leistungsaufnahme, schadet aber auch der Performance: Mit vier Chips - organisiert in 32K × 32 - ließen sich zwei 64 Bit breite Cache-Bänke aufbauen, auf die die CPU im Wechsel, also interleaved, zugreifen kann. Das spart bei aufeinanderfolgenden Zugriffen einige Takte, ist also schneller.

Bei 300 MHz arbeitet der L2-Cache des Deschutes deshalb gut vier Prozent langsamer als der eines herkömmlichen Pentium II. Entsprechend beträgt der Vorteil bei 333 MHz bezogen auf den L2-Durchsatz auch nicht zehn, sondern nur sieben Prozent gegenüber einem PII-300.

Wer beim Vergleich mit dem eigenen Pentium II eine noch geringere Differenz zum Deschutes ermittelt, sitzt nicht etwa einem Meßfehler auf, sondern er hat einen (schnelleren) Prozessor ohne Fehlerkorrektur für den L2-Cache im Rechner stecken. Den Pentium II mit 233 und 266 MHz gibt es nämlich sowohl mit einem 2 × 64 Bit breiten L2-Cache ohne ECC (Error Correction Code) als auch in einer Version mit 2 × 72 Bit organisiertem L2-Cache mit ECC. Den Pentium-II-300 gibt es dagegen nur als Version mit ECC. Da der L2-Cache des Deschutes immer mit Fehlerkorrektur arbeitet, beziehen wir uns bei direkten Vergleichen stets auf Pentium-II-Typen mit ECC. In der Tabelle finden sich dennoch auch die Ergebnisse der ECC-freien Prozessor-Version.

Innere eines Pentium-II-Moduls ii module
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Ein Blick ins Innere eines Pentium-II-Moduls: Die obere Platine ist ein altes Pentium-II-Modell der Klamath-Serie. Deutlich sind der kleinere Prozessorkern und die beiden Burst-Cache-Bausteine von Samsung zu erkennen.
Modul-Rückseite ii module
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Auf der Modul-Rückseite befinden sich beim alten Pentium II (unten) der Tag-Baustein und zwei weitere Burst-Cache-Chips.

Die Prozessoren mit ECC sind an dem Zusatz `EC´ hinter der Typenbezeichnung zu erkennen. Wer seinen Rechner nicht aufschrauben will, kann auch unser Programm CTCM (Version 1.6k) zur Identifikation des Prozessortypen verwenden.

Auf einem P2L97-Board von Asus (Revision 1.05) setzten wir 32 MByte SDRAM (10 ns) und eine EIDE-Festplatte von Quantum (Strato ST64A011) ein. Hinzu kam noch eine AGP-Grafikkarte mit 4 MByte Bildspeicher und RIVA-128-Chip (STB Velocity 128). Die Tests wurden, soweit nicht anders angegeben, bei einer Auflösung von 1024 × 768 Bildpunkten und einer Farbtiefe von 16 Bit pro Pixel (High Color) durchgeführt.

Damit das Board den neuen Pentium II korrekt erkennt und seinen L2-Cache richtig initialisiert, ist eine aktuelle BIOS-Version unabdingbar. In unserem Fall war das die Revision 1.05, die auf dem deutschen Asus-Server zum Download bereitsteht. Wer für Pentium-II-Boards aus dem Hause Intel ein neues BIOS benötigt, findet dieses neuerdings hier. Deschutes-taugliche BIOS-Versionen für andere Boards sollten ebenfalls auf den Homepages der jeweiligen Hersteller und auf unserem Treiber-Server vorliegen.

Wie stark sich der gebremste L2-Cache in der Praxis auswirkt, haben wir mit der BAPCo, einem anwendungsbasierten Benchmark, überprüft. Das BAPCo-Ergebnis spiegelt recht gut wider, wie sich der PC bei typischen Büro-Anwendungen schlägt. Der Test deckt die Bereiche Desktop Publishing (Adobe Pagemaker), Präsentationsgrafik (Corel Draw, PowerPoint, Freelance), Textverarbeitung (WordPro, Word), Tabellenkalkulation (Excel) und Datenbank-Anwendungen (Paradox) ab.

Zusätzlich verwendeten wir noch drei PC-Spiele, um die Leistung der Prozessoren in dieser Spezialdisziplin zu prüfen. Unter DOS setzten wir das Ballerspiel Quake I ein, mit dem wir in einer Auflösung von 640 × 480 Bildpunkten einmal die Framerate bei einer Drehung der Spielfigur um 360 Grad (Timerefresh-Wert) und bei einem komplexen Spielablauf (Timedemo Demo1) ermittelten.

Die Spiele-Performance unter Windows 95 prüften wir zum einem mit einer Demo (Version 2.0) des noch nicht veröffentlichten Spiels `X´ aus dem Hause Egosoft. Dieser Benchmark nutzt die Möglichkeiten von DirectX und greift intensiv auf die 3D-Fähigkeiten der Grafikkarte zurück. Das Ergebnis des Tests ist eine mittlere Framerate, die sich beim Abspielen der Demo bei einer Auflösung von 640 × 480 Bildpunkten im High-Color-Modus ergibt.

Benchmark mmx vs. power mac
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Zwischen dem internen Prozessortakt und der Anwendungsperformance besteht beim Deschutes ein linearer Zusammenhang. Die Grafik zeigt den relativen Performance-Gewinn bei Spielen und bei Büroanwendungen im Verhältnis zum Deschutes-300.

Quake II setzt wie `X´ auf DirektX von Windows 95 auf, nutzt aber nicht die 3D-Fähigkeiten der AGP-Grafikkarte. Damit zeichnet der Prozessor für die Berechnung der 3D-Effekte verantwortlich. Das fordert besonders die Gleitkomma-Einheit der CPU. Das Ergebnis entspricht in etwa dem des Quake-I-Tests: Auch bei Quake II ermittelten wir die Framerate bei einer Drehung der Spielfigur um 360 Grad und die mittlere Framerate beim Abspielen der integrierten Demo. Als Standard-Auflösung verwendeten wir allerdings 1024 × 768 Bildpunkte.

Bei gleicher Taktrate von 300 MHz absolvierte der Deschutes den BAPCo-Test in etwa so schnell wie der Pentium II. Die fehlenden 1,2 Prozent sind nicht signifikant, da sie im Bereich der Meßungenauigkeit dieses Tests liegen. Bei 333 MHz sorgt der Deschutes in der Praxis immerhin noch für eine Leistungssteigerung von sieben Prozent.

Ein ähnliches Bild bot der synthetische Media-Bench von Intel. Bei diesem auf MMX-Befehle optimierten Test arbeitete der Deschutes-333 ebenfalls knapp sieben Prozent schneller als der Pentium-II-300, während beide Prozessoren bei 300 MHz wieder in etwa gleichauf lagen.

Die Spiele-Benchmarks erbrachten in etwa die gleichen Resultate: Gleich getaktet nahmen sich Pentium-II und Deschutes kaum etwas, und mit 333 MHz arbeitete der Deschutes etwa sechs Prozent schneller als sein Vorgänger.

Kleine Abweichungen zeigten sich beim X-Bench und bei Quake I für DOS. Quake I scheint sehr stark von der Performance des L2-Cache abzuhängen, denn die Framerate des mit 300 MHz betriebenen Deschutes lag etwa drei Prozent niedriger als mit einem Pentium II bei dieser Taktfrequenz. Bei 333 MHz arbeitete der Deschutes dagegen rund sechs Prozent schneller als der PII-300.

Da der X-Bench von den 3D-Fähigkeiten der Grafikkarte regen Gebrauch macht, wirkte sich hier der höhere Prozessortakt nicht so stark aus. Zehn Prozent mehr CPU-Power sorgten gerade mal für eine um drei Prozent höhere Framerate.

Modul-Rückseite ii module
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L2 Cache performance bei Pentium II und Deschutes

Der Deschutes wird nicht nur in einer Version mit 333 MHz auf den Markt kommen, denn der 0,25-µm-Prozeß ermöglicht schließlich Taktraten von 400 MHz und mehr. Der uns vorliegende Prozessor war für solche Frequenzen allerdings nicht ausgelegt, weshalb wir tief in die Trickkiste gegriffen haben, um seine Grenzen auszuloten.

In einem hermetisch abgeschlossenen Spezialgehäuse kühlten wir Prozessor und Board auf -15 Grad herunter. Nach etlichen Versuchen gelang es uns in dieser Atmosphäre, den Deschutes mit 366 (66 × 5,5) und 400 MHz (66 × 6) zu betreiben. Da diese Tests aber weit jenseits der zulässigen Taktraten liefen und sich trotz des von uns getriebenen Aufwands (siehe Kasten `Übertakten, aber richtig´) einige Instabilitäten zeigten, bleiben wir die Benchmark-Resultate hier bewußt schuldig.

Die Tendenz der Tests zeigt aber sehr klar, wohin die Reise in Sachen Performance geht: Beim Pentium II gibt es sowohl bei den Spiele-Tests als auch bei der BAPCo einen beinahe linearen Zusammenhang zwischen dem Prozessortakt und der gebotenen Leistung. Im Mittel gewinnt man pro zusätzliche 33 MHz bei den Spieletests etwa sechs Prozent Leistung hinzu. Bei der BAPCo sieht die Bilanz mit knapp acht Prozent Leistungsgewinn pro 33 MHz sogar noch etwas besser aus (siehe Grafik).

Dies und die Existenz der Multiplikatoren 5,5 und 6 beim Deschutes legen die Vermutung nahe, daß Intel plant, entsprechend getaktete Prozessoren auf dem Markt zu bringen, wenn der Produktionsprozeß erst einmal optimal läuft.

Interessanter als die hohen internen Taktraten dürften allerdings die Deschutes-Versionen werden, die mit einem externen Takt von 100 MHz zurechtkommen. Den dazu notwendigen Chipsatz (82C440BX plus PIIX4e) hat Intel bereits weitgehend fertiggestellt. Erste Muster befinden sich auch schon seit geraumer Zeit in den Labors der großen Board-Hersteller. Die Auslieferung von größeren Stückzahlen hat Intel allerdings noch keinem Hersteller in Aussicht gestellt.

Der Deschutes selbst scheint auf jeden Fall für höhere externe Taktraten gerüstet zu sein. In unserem `Kühlschrank´ lief der Prozessor bei 373,5 MHz (83 × 4,5) recht stabil. Es spricht folglich alles dafür, daß Intel - wenn erst einmal BX-Boards auf dem Markt sind - auch einen Deschutes mit 350 (3,5 × 100 MHz) und 400 MHz (4 × 100 MHz) liefern wird. Der lineare Zusammenhang zwischen Prozessortakt und Anwendungsperformance bleibt übrigens auch bei einem externen Systemtakt von 83 und mehr MHz erhalten. Der L2-Cache des Pentium II entkoppelt den Speicherbus eben doch recht effektiv.

Der Deschutes ist für Intel ein wichtiger Schritt zu mehr Performance, vor allem aber zu niedrigeren Fertigungskosten. Die Preisgestaltung der jetzt vorgelegten 333-MHz-Version läßt davon allerdings noch nicht viel ahnen. In 1000er Stückzahlen ist das gute Stück für 722 US-$ zu haben, was in etwa einem Distributionspreis von 1325 Mark entspricht. Die Vergangenheit zeigt aber, daß der `Einführungspreis´ schnell sinkt, wenn die Produktion erst einmal voll angelaufen ist. Zusammen mit dem Deschutes-333 führt Intel auch neue Preisstaffeln für die anderen Pentium-II-Chips ein. Der 300er soll in Stückzahlen für etwa 530 US-$ zu haben sein, für den 266-MHz-Typen verlangt Intel in Zukunft nur noch 375 US-$. Die neuen Preise für den bislang noch mit 268 US-$ preiswertesten Pentium-II-233 standen zum Redaktionsschluß noch nicht fest.

Allein der absehbare Preisverfall ist ein gutes Argument dafür, sich jetzt noch keinen Deschutes-333 zu kaufen. Daneben ist der derzeit gebotene Leistungsgewinn im Vergleich zum 300-MHz-Pentium-II auch nicht gerade berauschend: Gegenüber einem Pentium-II-300 für durchschnittlich sechs bis sieben Prozent mehr Performance ein gut 36 Prozent höherer Preis - das ist kein schlagendes Kaufargument.

Das Bild mag sich wenden, wenn die ersten BX-Systeme mit einem externen Systemtakt von 100 MHz auf den Markt kommen. Hier liegt noch ein bislang ungenutztes Leistungsreservoir. Überschätzen sollte man den zu erwartenden Performancegewinn aber nicht, da die Speichertransferrate beim Pentium II nur in den seltensten Fällen ein echtes Nadelöhr darstellt: Der relativ große L2-Cache entkoppelt das System schon recht wirkungsvoll. Der etwas geringere Datendurchsatz im L2-Cache hingegen bereitet mir keine ernsthaften Sorgen. In der Praxis führt er nur in Ausnahmefällen zu spürbaren Leistungseinbußen, und obendrein ist er derzeit eher theoretischer Natur - schließlich wird kein Besitzer eines Deschutes-333 seinen Prozessor mit nur 300 MHz betreiben. Doch selbst wenn Intel in absehbarer Zeit 266er und 300er Pentium II auf Deschutes-Basis in Umlauf bringt, ist das kein Drama, denn drei Prozent Performanceverlust sind eh nur meßbar, nicht spürbar - die statt dessen gebotene halbierte Leistungsaufnahme kann in vielen Fällen weitaus wichtiger sein. (gs)

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Deschutes und seine Brüder
Prozessor Pentium II Pentium II Pentium II Pentium II Deschutes Deschutes Deschutes
ECC nein nein ja ja ja ja ja
VI/O 3,5 Volt 3,5 Volt 3,5 Volt 3,5 Volt 3,5 Volt 3,5 Volt 3,5 Volt
VCore 2,8 Volt 2,8 Volt 2,8 Volt 2,8 Volt 2,0 Volt 2,0 Volt 2,0 Volt
Taktrate 266 MHz 300 MHz 266 MHz 300 MHz 266 MHz 300 MHz 333 MHz
Leistungsaufnahme 22,9 Watt 32,4 Watt 22,9 Watt 32,4 Watt 9,8 Watt 14,0 Watt 15,3 Watt
Datentransferrate, gemessen mit CTCM
L1-Cache 1359 MByte/s 1529 MByte/s 1359 MByte/s 1529 MByte/s 1359 MByte/s 1529 MByte/s 1698 MByte/s
L2-Cache 265 MByte/s 299 Mbyte/s 257 MByte/s 289 MByte/s 253 MByte/s 278 MByte/s 309 MByte/s
Hauptspeicher 79 MByte/s 86 MByte/s 79 MByte/s 86 MByte/s 76 MByte/s 77 MByte/s 76 MByte/s
Intel Media Bench
Video 245 258 245 257 245 258 268
Image Processing 1244 1357 1227 1352 1223 1341 1462
3D-Grafik 279 313 274 308 273 303 336
Audio 450 502 449 500 441 496 543
Total 322 351 319 348 318 346 372
Spiele-Benchmarks
Quake I (DOS-Version, 640 × 480 Punkte)
Timerefresh 52,7 fps 58,7 fps 51,1 fps 58,4 fps 52,1 fps 56,5 fps 61,6 fps
Timedemo 25,8 fps 28,6 fps 25,0 fps 28,2 fps 25,3 fps 27,5 fps 30,0 fps
Quake II (Windows-95-Version, 1024 × 768 Punkte)
Timerefresh 11,0 fps 11,8 fps 10,9 fps 11,7 fps 10,8 fps 11,7 fps 12,5 fps
Timedemo 7,6 fps 8,2 fps 7,5 fps 8,1 fps 7,5 fps 8,0 fps 8,6 fps
X-Demo (Version 2.0, Windows 95, 640 × 480 × 16 Punkte)
Bildrate 67,0 fps 70,0 fps 66,6 fps 69,3 fps 66,8 fps 69,4 fps 71,6 fps
Anwendundsbenchmark BAPCo32 (Windows 95, 640 × 480 × 16 Punkte)
Adobe Pagemaker 238 270 236 253 239 256 273
Corel Draw 433 484 425 469 426 464 511
Lotus Freelance 172 183 160 169 159 171 184
Lotus WordPro 213 226 208 225 211 219 227
MS Excel 262 284 253 275 254 270 298
MS PowerPoint 227 244 219 237 223 234 253
MS Word 258 277 258 275 260 272 296
Paradox 213 230 212 228 213 222 242
SysMark32 234 252 228 245 229 242 262

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Um den Pentium II in den Massenmarkt zu drücken und damit den `alten´ Pentium samt allen Konkurrenten für den Sockel 7 `ins Vergessen´ zu drängen, hat sich Intel so manche Sparmaßnahme ausgedacht: Den Deschutes soll es ab Juni auch in einer Version ohne L2-Cache geben. Dieser Billigst-, aber eben auch Langsamst-Prozessor mit dem Codenamen Covington soll intern mit nur 266 MHz und extern mit 66 MHz arbeiten. Zum Jahresende soll dann `Mendocino´ folgen, ein Pentium-II-Prozessor mit integriertem 128 KByte großem L2-Cache und einer Taktfrequenz von 300 MHz.

Für beide muß natürlich noch ein Low-Cost-Chipsatz her, denn Boards auf Basis des bislang favorisierten 440LX sind einfach zu teuer. Unter dem Codenamen `440LX-R´ entwickelt Intel deshalb gerade eine abgespeckte Version, die etwa 20 US-$ billiger sein soll als der 440LX. Unter der Produktbezeichnung 440EX soll er im Team mit dem ACPI-bug-freien PIIX4e im Juni auf den Markt kommen. Der neue Chipsatz wird nur noch zwei DIMM-Sockel und maximal drei PCI-Master-Slots ansteuern können. Wegrationalisiert wurden auch der Dual-Prozessor-Support und die ECC-Fehlerkorrektur für den Hauptspeicher.

Eine Option, die es ermöglichen würde, einen externen L2-Cache auf dem Board zu installieren, hat Intel dem 440EX übrigens nicht spendiert. Damit arbeitet der Covington-Prozessor ohne jeden L2-Cache, was ihn um Klassen langsamer macht, als etwa den neuen K6-266 von AMD.

Gerüchten zufolge soll es sich zumindest bei den momentan an die Board-Hersteller ausgelieferten 440EX-Chips um vollwertige 440LX-Bausteine handeln, die mittels Bondout-Option, also durch geänderte Chip-Verdrahtung mit den Gehäuse-Anschlüssen, um die genannten Features beraubt wurden. Ob dies auch bei der Serienproduktion der Fall sein wird, bleibt abzuwarten. (gs)

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Prozessoren mit höheren Frequenzen als vorgesehen zu betreiben, hat gewisse Parallelen zum rechts Überholen auf der Autobahn: Man wird geringfügig schneller, und es ist gefährlich. Allerdings steht beim Übertakten lediglich die Stabilität des Rechners auf dem Spiel und kein Menschenleben.

Die Arbeitsfrequenzen von elektronischen Schaltungen sind physikalischen Beschränkungen unterworfen, die stark mit der Temperatur des Chips zusammenhängen. Wenn ein Prozessor zu heiß wird, arbeitet er zunächst instabil und kann auf Dauer auch irreparable Schäden davontragen. Halbleiterhersteller spezifizieren deshalb einen Temperaturbereich, in dem die Chips stabil arbeiten. Um zu gewährleisten, daß dieser nicht überschritten wird, ergreift man üblicherweise Kühlungsmaßnahmen, die die überschüssige Wärme des Chips an die Umgebung abgeben.

Diese Wärmeleitung funktioniert um so besser, je größer der Temperaturunterschied zwischen Prozessor und Umgebung ist. Hat man ein sehr wirkungsvolles Kühlsystem, so kann man auch Prozessoren mit höherer Taktfrequenz betreiben als vom Hersteller vorgesehen. `Wirkungsvoll´ heißt hier aber stets auch aufwendig und teuer. Viele Hochleistungsrechner werden beispielsweise mit flüssigem Stickstoff gekühlt.

Der Heim-Übertakter greift lieber zu Peltier-Elementen und erkauft den Leistungszuwachs meist durch neue Probleme. So kondensiert an dem sehr kalten Peltier-Element oft Luftfeuchtigkeit aus, was zu korrodierten Kontakten und gelegentlich auch zu Kurzschlüssen oder Fehlverbindungen auf dem Board führen kann.

Neben dem Prozessor selbst überfordert man oft auch die anderen Komponenten des Boards, wenn man dieses zum Beispiel statt mit einem externen Takt von 66 MHz mit 75 oder 83 MHz betreibt. Kühlmaßnahmen wären hier nämlich auch beim Chipsatz, den Datentreibern und nicht zuletzt bei den oftmals überforderten Speicherchips notwendig. Gleiches gilt freilich auch für PCI-Steckkarten, die statt mit 33 plötzlich mit 37,5 oder gar 41 MHz Bustakt konfrontiert werden.

Um all diesen Schwierigkeiten bei unseren Experimenten aus dem Weg zu gehen und dennoch das letzte Quentchen Leistung aus dem Deschutes herauszuquetschen, beförderten wir den Prozessor samt Mainboard und Festplatte in den vom Ingenieurdienst Risto (06 21/62 15 14) entworfenen `CryoComp´. Das Gerät sieht aus wie ein überdimensionierter Kühlschrank und funktioniert auch ähnlich: Es führt dem Prozessor und den sonstigen Komponenten in seinem Inneren Kaltluft zu. Das allgegenwärtige Feuchtigkeitsproblem bekommt es mit einem Molekularfilter in den Griff. Dieser fängt die in der Luft herumschwirrenden Wassermoleküle ein und bindet sie mit einem Silikat-Gel.

Das Kühlaggregat senkt die Temperatur der CPU (gemessen mit einem Sensor am Kühlkörper) bis auf 20 Grad Celsius unter Null. Abgesehen von der Verringerung der Luftfeuchtigkeit auf unter 20 Prozent sind noch weitere Maßnahmen erforderlich. So befinden sich das Disketten- und das CD-ROM-Laufwerk außerhalb des isolierenden Gehäusedeckels, um ohne Aufwand Medien einlegen zu können. Die SCSI-Festplatte (Seagate Cheetah) verblieb jedoch im Kühlschrank, wo sie problemlos ihren Betrieb versah.

Ein unvermeidlicher Kontakt zur Außenwelt ist die Verkabelung. Weder Wärme noch Luftfeuchtigkeit sollen in den Cryo-Bereich eintreten. Um dies sicherzustellen, sind alle Kabel durch einen ausgeschäumten Kanal nach draußen geführt. (gs/up)

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