3D-Paket Blender 2.76 arbeitet deutlich schneller

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Bild: wiki.blender.org

In Blender 2.76 sind zahlreiche Bereiche beschleunigt und in Hinsicht auf Ressourcen-Nutzung optimiert worden. Dazu zählt der Viewport, der jetzt besser mit großen Szenen zurecht kommt, der Datei-Browser, OpenSubDiv für schnelleres Anzeigen von Animationen sowie der Cartoon-Renderer Freestyle, der jetzt weniger Arbeitsspeicher benötigt.

In Blender 2.76 sind zahlreiche Bereiche beschleunigt und in Hinsicht auf Ressourcen-Nutzung optimiert worden. Dazu zählt der Viewport, der jetzt besser mit großen Szenen zurecht kommt, der Datei-Browser, OpenSubDiv für schnelleres Anzeigen von Animationen sowie der Cartoon-Renderer Freestyle, der jetzt weniger Arbeitsspeicher benötigt.

Der Viewport hat einige Optimierungen erfahren, die sowohl die Geschwindigkeit erhöhen, als auch den Verbrauch an Arbeitsspeicher reduzieren. In komplexen Szenen, beim Sculpting und beim Bemalen von 3D-Objekten sollten sich diese Verbesserungen bemerkbar machen. Der Partikel-Info-Node aus Cycles wurde zum klassischen Renderer Blender Intenal portiert, womit sie jetzt auch direkt im 3D Viewport für Live-Rendering mit GLSL verfügbar ist. Mit diesem Node können Objekte, die über ein Partikel-System dupliziert wurden, in ihrem Shading verändert werden – auf Basis von auf Partikel-Informationen wie Alter, Lebenszeit, Größe oder Geschwindigkeit.

Vergrößern Der Partikel-Info-Node kann jetzt auch für Live-Rendering mit OpenGL direkt im Viewport eingesetzt werden.Bild: wiki.blender.org

Auch der Dateibrowser wurde optimiert: Die Erzeugung und Darstellung von Thumbnails sollte jetzt deutlich schneller ablaufen und weniger Arbeitsspeicher benötigen. Der Dateibrowser zeigt keine betriebssystemspezifischen Informationen wie Zugriffsrechte oder den Besitzer einer Datei mehr an. Der gesamte Inhalt einer Blender-Datei lässt sich jetzt in einer flachen Ansicht ohne Ordner darstellen und man kann in Ordnern und Blender-Dateien inzwischen mit den Pfeiltasten navigieren.

Previews innerhalb einer Blender-Datei können jetzt auch von Objekte, Gruppen und Szenen erstellt werden; zudem können Add-ons in die Preview-Erstellung eingreifen. Anhängen und Linken von Daten aus anderen Blender-Dateien funktioniert jetzt mit beliebig vielen Datenblöcke in einem Schritt, sogar über Datei-Grenzen hinweg. Alle diese Neuerungen sind die ersten Schritte in Richtung eines Asset-Management-Systems direkt in Blender, womit sich zum Beispiel Material- oder Objekt-Bibliotheken anlegen ließen.

Im Node-Editor können Teile des Node-Trees jetzt automatisch verschoben werden, wenn ein neuer Node eingesetzt wird. Die Richtung kann man dabei mit der Taste T ändern. Dadurch spart man sich einige unnötige Verschiebe-Arbeit. Das neue Verhalten ist standardmäßig eingeschaltet, lässt sich aber deaktivieren.

In der 3D-Ansicht kann man jetzt Objekte an einem festen, globalen Gitter ausrichten. Bisher gab es Gitter relativ zum Ursprung jedes Objekts, die neu hinzugekommene Option nutzt ein Gitter für alle Objekte. Die Ausrichtung von Objekten anhand des Volumens eines anderen Objekts soll jetzt zuverlässiger arbeiten.

Die Render Engine Cycles kann nun auch auf der Mac-OS-X-Plattform mit AMD-GPUs eingesetzt werden. Voraussetzung ist allerdings das neue Mac-OS 10.11 El Capitan, da es als einzige Version die Verbesserungen am OpenCL-Treiber bereitstellt, die dafür notwendig sind. Unter Windows und Linux können nun deutlich mehr Grafikkarten-Modelle von AMD eingesetzt werden. Einer der Fixes geht die Neigung zum Absturz an, wenn man mit bestimmten Karten in die Benutzereinstellungen wechselt. Da der Fehler leider nicht sauber zu beheben ist, wird stattdessen eine Whitelist für unterstützte Karten und Treiber gepflegt. Wer mit einem neuen Modell von AMD und installierten OpenCL-Treibern in den Einstellungen unter Compute Device keine GPU findet, ist aufgerufen, einen Bug-Report einzureichen.

Vergrößern Point-Density-Texturen in Verbindung mit Partikel-Systemen eröffnen interessante Möglichkeiten in Cycles.Bild: wiki.blender.org

Der neue Textur-Typ Point Density erlaubt, Knoten aus Geometrie oder Partikel als volumetrische Kugeln darzustellen. Diese lassen sich im Nachhinein noch mit Texturen verzerren, wodurch sich damit zum Beispiel Wolken darstellen lassen. Aber auch für visuelle Effekte (VFX) und Motion Graphics lässt sich diese Art von Texturen gut einsetzen. Bewegungsunschärfe ist jetzt auch beim Zoomen mit der Kamera möglich und für Bild-Texturen gibt es nun unterschiedliche Optionen für das Verhalten ihrer Ränder. Bisher wurden die Texturen dann einfach wiederholt; jetzt lassen sich die Rand-Pixel alternativ bis in die Unendlichkeit erweitern oder die Textur wird weder wiederholt noch erweitert.

Als Optimierung kann man nun Objekte, die sich nicht im Sichtfeld der Kamera befinden, beim Rendern aus der Szene ausschließen. Dadurch erscheinen diese nicht mehr in Spiegelungen und tragen kein indirektes Licht bei. In vielen Situationen – etwa bei Grasflächen – kann man darauf aber gut verzichten.

Das Videoschnitt-System Vidoe Sequence Editor (VSE) unterstützt jetzt auch Text-Strips. Diese unterstützen allerdings nur jeweils eine Zeile Text pro Strip und sind hauptsächlich zur Untertitelung gedacht. Alle Text-Strips in einer Sequenz lassen sich gemeinsam in das Untertitel-Format SRT exportieren, inklusive Timings.

Vergrößern Im Video Sequence Editor lässt sich jetzt auch Text darstellen, allerdings beschränkt sich die Ausgabe auf Einzeiler.Bild: wiki.blender.org

Mit dem Speed-Effekt-Strip im VSE lässt sich die Geschwindigkeit eines Strips verändern. Beim Anwenden auf einen Szenen-Strip, also auf eine noch nicht gerenderte Animation, arbeitete der Effekt bisher auf den Frame genau, was zu Stottern führte. In der neuen Version arbeitet der Effekt in diesem Fall auf Subframe-Basis, wodurch auch weiche Übergänge von einer Geschwindigkeit zu einer anderen möglich werden.

Der Animations-Player spielt eine gerenderte Sequenz direkt ab, unterstützt jetzt auch Ton-Wiedergabe bei Video-Dateien und hat einen kleinen Frame-Cursor erhalten, um anzuzeigen, an welcher Stelle in der Animation man sich gerade befindet. Mit der Leertaste kann die Animation pausiert und wieder fortgesetzt werden.

Die Render-Engine für Linien namens Freestyle hat weitere Optimierungen beim Speicher-Management erhalten. Finanziert wurden diese Arbeiten über den Blender Development Fund. In Freestyle stehen jetzt zusätzliche Modifikatoren für Striche zur Verfügung. So kann die Dicke, Farbe und Transparenz von Strichen jetzt über prozedurales Rauschen beeinflusst werden, womit scheinbar organisch dicker und dünner werdende Striche erzielt werden können

Vergrößern Striche können jetzt dicker und dünner werden, kontrolliert von Perlinschem Rauschen, was eine sehr organische Erscheinung erlaubt.Bild: wiki.blender.org

Die Erscheinung von Strichen kann nun auch anhand ihrer Richtung beeinflusst werden und anhand der Schärfe der Kante, die sie visualisieren. Außerdem lassen sich Teile von Strichen, die dicht beieinander liegen, vereinen, analog zum Decimate Modifier für Oberflächengitter (Meshes).

Beim Sculpting, also der Bearbeitung von 3D-Objekten ähnlich der Bildhauerei, kann jetzt eingestellt werden, dass Striche gekachelt werden. Damit lassen sich zum Beispiel große Mengen an Fischschuppen gleichzeitig auftragen oder Texturen erstellen, die keine sichtbaren Ränder haben. Beim Weight Painting ersetzt das Smooth-Werkzeug das bisher vorhandene Blend-Tool. Smooth glättet Gewichtungen in mehreren Iterationen und kann Bereiche ausweiten oder zusammenschrumpfen.

Vergrößern Das neue Smooth-Tool kann Gewichtungen nicht nur in mehreren Iterationen glätten, sondern auch erweitern und schrumpfen.Bild: wiki.blender.org

Für das Modellieren ist ein Werkzeug hinzugekommen, mit dem sich Oberflächen planar machen lassen. Über Edge Offset lassen sich um eine Schleife von Kanten (Edge Loop) zwei weitere mit einem definierten Abstand erzeugen. Der Operator zum Transferieren von Gitternetzdaten von einem Objekt auf ein anderes hat eine neue Option namens Auto Transform erhalten. Sie versucht, das Ziel-Objekt so zu verändern, dass es dem Quellen-Objekt möglichst ähnlich wird. Das kann etwa nützlich sein, wenn man ein Objekt dupliziert hat und die Kopie danach rotiert und skaliert. Wenn man dann Änderungen am ursprünglichen Objekt durchführt, kann man sie auf das duplizierte übertragen, obwohl dieses gedreht und skaliert wurde. Beim Auswählen von Kurven kann man jetzt kürzeste Pfade von einem Punkt auf der Kurve zu einem anderen auswählen sowie Kurven, die der aktuell ausgewählten ähnlich sind. Beim UV-Editing lassen sich UV-Inseln jetzt um ihren individuellen Ursprünge drehen und skalieren.

Im F-Curve-Editor für Animationen, in dem man Keyframes und deren Interpolation bearbeitet, steht jetzt nach Drücken der X-Taste zur Wahl, ganze Kanäle aufzuräumen. Dabei werden zum Beispiel Kanäle gelöscht, deren Keyframes alle denselben Wert haben. Nützlich ist das etwa, wenn bei Animationen alle Knochen ausgewählt und dafür Keyframes gesetzt wurden, obwohl sich manche Knochen gar nicht bewegt haben. Diese überflüssigen Keyframes verschwinden über die Clean-Channel-Option alle auf einmal. Eventuell vorhandene Modifikatoren auf den F-Curves können jetzt pro Kanal und Keying-Set in einem Rutsch ein- und ausgeschaltet werden.

Das Dissolve-Werkzeug, bei dem ein Element zwar gelöscht, aber die Verbindung zu anderen Elementen beibehalten wird, steht jetzt auch für Grease-Pencil-Striche und Knochen zur Verfügung. Über ein Add-on können mehrere Knochen zu Auswahl-Sets zusammengelegt werden, womit durch einen Klick auf das Set alle darin enthaltenen Knochen an- oder abgewählt werden.

Mittels OpenSubdiv von Pixar kann die Glättung von Objekt-Geometrie durch wiederholtes Unterteilen jetzt auch mit der Grafikkarte berechnet werden. Dadurch werden Animationen deutlich flüssiger dargestellt als mit dem normalen, CPU-basierten Subdivision-System von Blender. Um die Vorteile nutzen können, sind allerdings ein paar Einschränkungen zu beachten: OpenSubdiv in Blender funktioniert noch nicht unter Mac OS X, für andere Systeme wird eine Grafikkarte samt Treiber benötigt, die mindestens OpenGL 4 unterstützt. Die hohe Performance kann nur genutzt werden, wenn der Modifier der letzte im Stack ist und davor keine Modifier sitzen, die während einer Animation die Topologie eines Meshes verändern. Eine weitere Limitierung ist, dass ein Objekt mit OpenSubdiv derzeit auf ein einziges Material beschränkt ist und generierte Texturkoordinaten nicht untersützt werden. In zukünftigen Blender-Versionen sollen diese Einschränkungen Schritt für Schritt abgebaut werden bis OpenSubdiv den bisherigen Subdivision-Code von Blender komplett ersetzen kann.

Neben den beschrieben Neuerungen wurden zahlreiche kleinere Funktionen und Detail-Verbesserungen an der Bedienoberfläche sowie beim Import und Export eingepflegt. Außerdem haben die Entwickler nach eigenen Angaben zusätzlich mehr als 410 Programmfehler aus vorhergehenden Versionen behoben.

Blender 2.76 ist das letzte große Release in der 2.7er-Serie. Ab Ende Oktober wollen sich die Entwickler auf das Projekt Blender 2.8 konzentrieren, das bis zur ersten Version einige Monate in Anspruch nehmen wird und sich ganz auf Verbesserung der Workflows konzentrieren soll. Während Blender 2.8 entwickelt wird, sollen zwar weiteren Releases für die 2.7er-Serie erstellt werden, diese werden aber nicht mehr so umfangreich ausfallen.

Blender läuft unter Windows, Mac OS X und Linux und steht ab sofort in Version 2.76 zum Download bereit. (pek)

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