4K-TV bei Aldi: Smarter HDR-Fernseher im c't-Test

4K-TV bei Aldi: Smarter HDR-Fernseher im c't-Test

Test & Kaufberatung | Test

Ein HDR-fähiger 49-Zoll-Fernseher mit 3840 × 2160 Bildpunkten für 350 Euro: Was bietet der Medion Life X14907 für diesen Preis und taugt er auch als Monitor?

In vielen Aldi-Filialen stehen heute 4K-Fernseher zum Verkauf. Das bemerkenswerte an den Geräten ist der Preis: 350 Euro für ein 49-Zoll-TV mit 1,25 Metern Bilddiagonale sieht man derzeit nirgends. Aldi respektive Medion erweist sich hier einmal mehr als Preisbrecher.

Das Life-TV kommt mit ein paar interessanten Features: Es ist HDR-fähig und beherrscht außer HDR10 sogar Dolby Vision – bislang war das dynamische HDR-Format teureren Geräten vorbehalten. Das Display muss dafür am HDMI-Eingang 10-Bit-Signale entgegennehmen und intern weiterverarbeiten können. Und es sollte ausreichend Helligkeitsreserven für Spitzlichter besitzen. Aktuell finden sich Videos und Filme im Dolby-Vision-Format bei Netflix, iTunes und auf Ultra HD Blu-ray.

Gegenüber dem Aldi-TV aus dem vergangenen Jahr bringt das aktuelle Gerät außer Dolby-Vision-Support auch eine eigene Streaming-App für Amazon Prime Video mit. Apps für Netflix, YouTube, Videociety und die Mediatheken sind ebenfalls an Bord. Netflix, Amazon Prime und YouTube können direkt über eigene Tasten auf der Riegelfernbedienung gestartet werden.

Das schwarze Plastikgehäuse des Life X14907 fasst das Display relativ breit ein – schicke schmale Rahmen wie in teureren Geräten darf man hier nicht erwarten. Die TV-Anschlüsse zeigen ebenso wie zwei HDMI- und die analogen Videoeingänge (Composite, VGA, Komponente per Adapter) nach hinten. Für die Wandaufhängung braucht man deshalb Winkelstecker, um den Abstand zur Wand gering zu halten.

Ein Triple-Tuner für DVB-C/S2/T2 ist eingebaut, wobei das "Triple" hier nicht für drei Tuner steht, sondern für die drei möglichen DVB-Empfangswege. Der gleichzeitige Empfang zweier Sender ist damit ausgeschlossen, was angesichts der fehlenden Aufnahmemöglichkeit (kein PVR) aber nicht weiter stört.

Der Fernseher ist schnell aufgebaut: Die beiden Füße aus glänzendem Plastik werden mit je vier Schrauben am Display befestigt. Beim Anschrauben empfiehlt es sich, das LCD kopfüber auf eine weiche Unterlage auf den Tisch zu legen. Da das Display trotz seiner Größe nur rund 10 Kilogramm wiegt, bekommt man das Ganze auch allein gewuppt.

Aldi-TV Medion Life 14907 (17 Bilder)

Das mitgelieferte Zubehör ist übersichtlich – die Füße werden über die beiden Stützen oben im Bild am Displayrücken befestigt.

Nach dem Anschalten führt Medion die Nutzer sicher durch die Erstinstallation. Man muss wie üblich diverse Datenschutzhinweise abnicken, um Zugriff auf Apps, HbbTV etc. zu bekommen; wer mag, kann mit einem globalen Häkchen alles bestätigen. Wer nur ein "dummes" Display sucht, verweigert einfach die Zustimmung.

Das Medion-eigene Portal erfordert ebenfalls eine Bestätigung der Datenschutzrichtlinien, in diesem Fall der Foxxum GmbH. Anschließend kann man den Medion-Homescreen personalisieren. Im Auslieferungszustand finden sich dort Videociety, Aldi Talk, den Browser, YouTube und Mediatheken von ARD und ZDF. Etwas verwirrend: Drückt man auf die Home-Taste (die mit dem Haus-Symbol), erscheint das komplette Einstellungsmenü und nicht etwa der Homescreen.

Bei der Senderinstallation lassen sich die Bezahlsender ausschließen – theoretisch. In der Praxis durchsuchte der Fernseher dann aber doch auch das Angebot von Sky. Favoritenlisten sind aus der Senderliste schnell erstellt, ein Export auf USB-Stick zur Bearbeitung der Senderliste am PC ist allerdings nicht möglich. Die Senderliste erscheint beim Klick auf den ok-Button in der Mitte des Steuerkreuz. Man kann die Programme in den Favoriten auch direkt über die Zifferntasten erreichen.

Kurz nach Inbetriebnahme bot das TV von sich aus ein Firmware-Update an, das automatisch innerhalb weniger Minuten eingespielt wurde. Die aktuelle Version ist V5.7.100.

Der Fernseher hat ein WLAN-Modul gemäß 802.11a/b/g/n für 2,4- und 5 GHz-Verbindungen eingebaut. Darüber verbindet sich auch die digitale Medion-Fernbedienung – die LifeRemote-App – mit dem TV. Natürlich liegt auch eine echte Fernbedienung im Karton.

Die mitgelieferte Fernbedienung meldete bereits nach wenigen Stunden: Akku alle...

Die mitgelieferte, leicht geschwungene Riegelfernbedienung liegt gut in der Hand. Leute mit normal großen Händen müssen allerding umfassen, um die oberen Zifferntasten zu erreichen. Der übersichtliche Riegel steuert das TV mit Infrarot-Signalen – die modernere Form der Bluetooth-Verbindung ist bei den günstigen Geräten noch nicht angekommen. Letztere hat einen großen Vorteil: Man muss nicht mehr genau zielen, sondern kann mit der Fernbedienung irgendwo hinzeigen. Beim Medion Life X14903 sitzt der Infrarotempfänger unten links in der Displayfront, dorthin sollte man den Bedienknochen auch richten.

Nicht schön: Die Tasten auf der Fernbedienung sind zu viel weich, einen fühlbaren Druckpunkt bieten nur die kleineren Tasten. Dadurch drückt man schon mal zu oft auf dieselbe Taste – auch, weil der Fernseher recht lahm auf Eingaben reagiert – vor allem der Aufruf des Homescreen, von Apps oder Signaleingängen erfordert Geduld. Besonders viel Gleichmut ist gefragt bei Eingaben in Textfeldern etwa bei der Anmeldung beim bevorzugten Videodienst oder bei der Suche nach bestimmten Videos.

Im Auslieferungszustand ist der Bildmodus "Natürlich" eingestellt. Fürs tägliche Fernsehprogramm geht das in Ordnung. Im Einstellungsmenü sollte man unter "Erweitert" den "Dynamischen Kontrast" deaktivieren oder ihn auf Minimum stellen. Außerdem empfiehlt es sich, die Funktion "Energie sparen" auszuschalten – sie verringert lediglich die Bildschirmhelligkeit und unterliegt scheinbar keiner besonderen Steuerung.

Stattdessen kann man die Displayhelligkeit über den Helligkeitsregler reduzieren. Leider verstellt dieser nicht ausschließlich das Backlight, sondern verbiegt auch ein wenig die Gammakurve. Hier ist je nach Anwendung ein wenig Fingerspitzengefühl gefordert.

Das HD-Fernsehprogramm kam im Test in guter Bildqualität auf den Schirm. SD-Sender wirkten dagegen etwas verrauscht – es fehlt eine ausgefeilte Optimierung, wie man sie in besseren Geräten findet.

Der Fernseher beherrscht die von Medion genannten HDR-Formate HDR10 und Dolby Vision. Bekommt das TV diese von Netflix und Amazon Prime Video angeboten, wechselt es automatisch in einen passenden Bildpreset; einstellen lässt sich darin nichts. Für Dolby Vision bietet Medion zwei Modi an (Dolby Vision heller Raum und dunkler Raum) – beide taugen nur für dunkle Umgebungen. Grund: Dem Display fehlt die Strahlkraft. Beim Streamen von HDR10-Inhalten fällt das weniger stark auf.

Sehr angenehm: Das Display aktiviert automatisch den größeren HDMI-Farbraum, sobald man HDR-Inhalte am Videoeingang anlegt und signalisiert das mit einer kurzen Einblendung. Hierum muss man sich also nicht selbst kümmern. Wenn dann später HDR anliegt, erkennt man dies leider nicht ohne Weiteres; nur auf Dolby-Vision-Signale kann das TV mit einer eigenen Einblendung aufmerksam machen.

Mangels Direct-LED-Backlight mit lokal dimmbaren LEDs kann das Display bei Bildinhalten mit hellen und dunklen Bildanteilen wenig ausrichten. Stattdessen strahlt das Licht der Edge-LEDs immer voll ins Panel und muss vom Flüssigkristall an den dunklen Bildinhalten abgeschirmt werden.

Immerhin: Das eingebaute IPS-Panel erreicht einen Spitzenkontrast von fast 1000:1 und es ist vor allem angenehm blickwinkelunabhängig. Die Brillanz der satten Displayfarben leidet etwas unter dem geringeren In-Bild-Kontrast, was vor allem im Vergleich mit anderen – deutlich teureren – Fernsehern auffällt.

Wer den Life X14907 am PC betreiben will, muss als erstes das Bildformat "Vollbild" aktivieren; das voreingestellte "16:9" produziert einen Overscan, der rund ums Bild Teile abschneidet – inklusive der Windows-Taskleiste. Anschließend erhält man einen riesigen Desktop mit 3840 × 2160 Bildpunkten. Aber Achtung: Das Bild ist zwar groß, die Ikons darauf aber ganz schön klein. Außerdem sollte man bedenken, dass man aus der üblichen Monitorentfernung von unter einem Meter den Kopf hin und her bewegen muss, um den kompletten Schirminhalt zu sehen.

Was am PC bei statischen Bildern unübersehbar wird: Der Schirm unseres Testexemplars ist absolut miserabel ausgeleuchtet. Leuchtdichteunterschiede von 165 cd/m2 zwischen der Bildmitte und den Ecken haben wir bei einem TV lange nicht mehr gemessen. Die Mitte überstrahlt, am Rand ist der Schirm sichtbar dunkler. Dabei handelt es sich nicht nur um einen schmalen Rahmen oder ein paar kleine Abschattungen, sondern um richtig dunkle Flecken. So irritierte es beispielsweise beim Spielen sehr, weil vom Rand immer ein zu dunkler Bereich ins Bild ragte.

Die inhomogene Ausleuchtung sieht man interessanterweise stärker in dunkleren Szenen. Doch auch wer das Display als Monitor für klassische Büroarbeit – Texten, Tabellen, Emails, also schwarze Schrift auf hellem Grund – nutzen will, wird auf sie stoßen. Für – auch einfache –Bildbearbeitung fällt das TV damit komplett aus, die Fotowiedergabe leidet ebenfalls darunter.

Zum Spielen am PC wählten wir statt des angebotenen Spiele-Presets den Sport-Modus. Grund: In diesem lässt sich die Helligkeit verändern. Weil dunkle Bereiche etwa in Kellergewölben nicht mehr aufgelöst wurden, mussten wir den Schwarzpegel über besagten Helligkeitsregler etwas anheben (von 50 auf 55). Anschließend wurden die dunklen Ecken etwas besser ausgeleuchtet. Richtig gut war die Darstellung damit aber keinesfalls: Sehr dunkle Graustufen wurden auch dann nicht ordentlich aufgelöst. Als wir den Helligkeitsregler noch höher zogen, wurde Schwarz lediglich grauer.

Immerhin produziert das Display keine Latenz zwischen Ein- und Ausgabe. Das liegt zum einen an der fehlenden Bildoptimierungen und außerdem gibt es keinen Overdrive, um die Schaltzeiten des 50-Hz-Panels zu verkürzen. Entsprechend unscharf geraten schnelle Sequenzen: Beim Schwenk über kontraststarke Objekte bleiben die Objektkanten ohne Schlieren, stattdessen wird das gesamte Objekt matschig.

Dafür unterstützt das TV auch beim Spielen HDR. Dazu muss man zunächst unter Windows im System "Windows HDR Color" aktivieren und am TV den erweiterten Farbraum.

Als wir HDR-Videos von YouTube schauen wollten, durften wir dagegen weder "Windows HDR Color" aktivieren noch am TV den erweiterten Farbraum, sonst bleichte die Darstellung aus. Ohne diese HDR-Voreinstellungen bot der Medion-Fernseher bei YouTube-HDR ein kontraststarkes Bild mit satten Farben.

Ein echter Schwachpunkt ist das Audiosystem des Medion-TV: Nur bei sehr geringen Lautstärken (unter 30 im Menü) ist der Ton erträglich. Sobald man den Fernseher lauter dreht, schrabbelt und grummelt er was das Zeug hält. Bei über 50 steuert der Fernseher unbeholfen gegen – erfolglos.

Den voreingestellten Tonpreset Dolby Audio Smart sollte man als erstes deaktivieren. Er verbreitert die Basis für Pseudo-Stereo und produziert einen künstlichen Raumklang – im Wortsinn. Anschließend gelangt man in die Benutzereinstellung. Per Equalizer kann man Bässe reinmischen, was aber nur theoretisch klappt: Das TV blubbert dann undifferenziert herum.

Im Filmpreset mischt Medion etwas überraschend Hall rein, ebenso im Preset Musik, wo die Steuerung zu arg aggressiv agiert. Insgesamt bleibt der Ton damit hinter der restlichen TV-Ausstattung weit zurück.

Der Medion-Fernseher Life X14907 hat einige Schwächen. So ist die Wiedergabe von kontraststarken HDR-Videos zwar okay, hundertprozentig überzeugen konnte sie uns aber nicht. Der minimale Schwarzpegel des Aldi-TVs liegt zu hoch, sattes Schwarz wirkt dadurch grau, die nötigen Helligkeitsspitzen fehlen. Wer explizit ein Display zum Genießen kontraststarker HDR-Videos sucht, sollte sich deshalb besser in anderen Preisregionen umschauen.

Richtig mies ist die Audioausgabe: Der angebotene Equalizer funktioniert hinten und vorne nicht, der Klang der nach hinten-unten feuernden Lautsprecher ist nur bei geringen Lautstärken akzeptabel. Im Wohnzimmer sollte man den TV-Ton deshalb besser über die Audioanlage ausgeben oder sich eine Soundbar besorgen.

Die Bedienung an sich ist okay, würde das Gerät nur etwas schneller auf Eingaben reagieren. Das Home-Menü von Medion wirkt im Vergleich zu den Homecscreens aktueller Smart-TVs etwas bemüht, die Streaming-Apps tun aber wie sie sollen. Angenehm übersichtlich und sehr einfach personalisierbar ist die Startseite, die man über den Home-Button erreicht …

Als preiswerter Riesenmonitor drängt sich das 4K-TV von Medion geradezu auf. Allerdings spricht zumindest bei unserem Exemplar die inhomogene Ausleuchtung gegen den Desktop-Einsatz. Fürs Gaming taugt der Life X14907 nur bedingt: Wer nur ab und zu ein wenig spielt und nicht gerade auf schnelle Shooter steht, wird mit dem farbstarken Display gut zurechtkommen. Ambitioniertere Gamer dürften sich indes an der unscharfen Bewegtbildwiedergabe des 50-Hz-Panels stören. (uk)

Medion Life X14907
Bilddiagonale 1,24 m (49 Zoll)
Auflösung 3840 × 2160 Pixel (16:9), 90 dpi
Bildgröße 105 cm × 61 cm
Displaytyp IPS mit Edge-LED-Backlight
Ausstattung
Tuner 1 × DVB-C/S2/T2 (1 × CI-Slot)
Lautsprecher 2 × 10 Watt
HDR-Unterstützung HDR10, Dolby Vision
Streaming-Apps Amazon Video, Netflix, Videociety, YouTube, HbbTV, weitere
Anschlüsse
Video 3 × HDMI mit HDCP 2.2, Composite-Video, VGA, Komponente per VGA-Adapter
Audio 2 × Cinch Audio-In, SPDIF, Klinkenbuchse für Kopfhörer
weitere 2 × USB 2.0, 1 × RJ45 (Ethernet)
WLAN 802.11 a/b/g/n, 2,4 und 5 GHz
Lieferumfang Fernbedienung, VGA-Adapter, Handbuch
Maße mit Füßen 111,5 cm x 71 cm x 27,5 cm
Gewicht 10,6 kg (10,3 kg nur Display)
VESA-Lochabstand 20 cm × 20 cm
Leistungsaufnahme Betrieb 79 W (bei 160 cd/m2)
Preis 349 Euro
Garantie 3 Jahre

Kommentare

Kommentare lesen (46 Beiträge)

Anzeige