Adressen für alle dank IPv6

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Die mit IPv4 möglichen vier Milliarden IP-Adressen sind weitgehend aufgebraucht, neue werden nur noch durch Recycling geschaffen oder aus "Lagerbeständen" beschafft. Die Knappheit kommt beileibe nicht überraschend. Seit vielen Jahren gilt IPv6 als die nächste Generation des Internet-Protokolls, die mit der Platznot gründlich aufräumt und obendrein Erleichterungen bei Rechnerkonfiguration und Betrieb bringt.

Obwohl einschlägig kommuniziert, kommt das Netzwerk der Zukunft nicht so recht in Gang. Die verbreiteten Betriebssysteme unterstützen das erweiterte IPv6 zwar längst ohne viel Aufhebens. Doch weiterhin funktioniert der Internetzugang per IPv4 trotz Adressknappheit ohne größere Probleme. Dummerweise; denn das fördert eine gewisse Trägheit und ist einer der Gründe, die den konsequenten Umbau verhindern.

Die Entwicklung des Internet-Protokolls Version 6, IPv6, begann bereits vor 1993, weil damals schon absehbar war, dass der durch den aktuellen Standard IPv4 gebotene Adressraum knapp wird. Aber selbst heute, zeigt sich IPv6 herzlich selten. Der Grund für die zähe Akzeptanz liegt unter anderem auch darin, dass einige der Vorteile von IPv6 wie IPSec der Reihe nach auf IPv4 zurückportiert wurden – es fehlt also der Leidensdruck, um zu IPv6 aufzusteigen.

Das Mega-Netz – IPv6 wird Wirklichkeit

Die aktuell gültige Spezifikation des Internet-Protokolls Version 6 findet sich in den Requests For Comments (RFC) der IETF, wobei unsere RFC-Liste noch rund 1600 weitere Beiträge zu IPv6 enthält.

RFC 2460: Internet Protocol, Version 6 (IPv6) Specification

Wie in IPv4 gibt es auch in der Version 6 reservierte und spezielle Adressbereiche.
Anwender müssen diese in der Regel nicht kennen, die Adressen verwalten die Provider.

Reservierte und spezielle IPv6-Adressen


Da die Vorgängerversion IPv4 noch längst nicht obsolet ist, unterstützen aktuelle Betriebssysteme beide Protokoll-Versionen, IPv4 und IPv6, mit Hilfe eines sogenannten Dual-Stack für TCP/IP.

Erfahrungen mit dem neuen Internet-Protokoll unter Linux, Mac OS X, Windows XP und Vista:

IPv6 für kleine Netze

Die Experten hatten gedacht, die Umstellung von IPv4 auf IPv6 wäre erledigt, bis die Adressen zur Neige gingen. Weit gefehlt, in 2008 wurde es schon eng, obwohl IPv6 noch in weiter Ferne.

IPv4-Adressen werden knapp

Während Betriebssysteme beide Protokolle nebeneinander nutzen, um die Zeit bis zum echten IPv6 zu überbrücken, gibt es auf Netzwerkerseite das Tunneln in die nächste Generation des Internet. Der sogenannte 6in4-Tunnel transportiert das IPv6 über bestehende IPv4-Leitungen. Ein Weg, um ein LAN mit langen IPv6-Adressen ans Internet anzubinden, das ja weitgehend noch auf IPv4 baut.

IPv6-Internetzugang für Lokale Netze

Microsofts Tunnel-Mechanismus heißt "Teredo" und ist bei aktuellen Windows-Versionen mit an Bord. Er muss nur noch konfiguriert werden.

Teredo bohrt IPv6-Tunnel durch Firewalls


Seit März 2009 läuft für heise online ein Probebetrieb über IPv6, um damit Erfahrungen zu sammeln. Unter der Adresse http://www.six.heise.de sind die meisten Inhalte von www.heise.de auch per IPv6 erreichbar.

IPv6-Testbetrieb für heise online

Während der IPv6 Probebetrieb noch einen separaten DNS-Namen nutzte, sodass das Heise-Angebot immer über die Standard-Domain verfügbar blieb, wollen wir am 16. September 2010 den Ernstfall proben. Für einen Tag sollen unsere Seiten auch unter dem Namen www.heise.de per IPv6 ausgeliefert werden. Damit testen wir nicht nur unsere Netzwerktopologie, sondern auch die Provider, Server, Router und Software draußen.

Der IPv6-Tag bei www.heise.de

Und so ist er gelaufen:

IPv6-Tag bei heise.de: Erste Ergebnisse

Und als Konsequenz daraus hat

bei heise online am 29.9.2010 die Internet-Zukunft begonnen

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Infos zum Artikel

Kapitel
  1. Problem & Lösung
  2. Umsetzungen
  3. IPv6 bei heise.de
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