Aldi-PC mit Ryzen 5: Medion Akoya P56000 bei Aldi-Nord Update

Aldi Medion P56000 (MD 34030)

Test & Kaufberatung | Test

Bild: Medion

Aldi Nord verkauft ein "Performance-PC-System" mit AMD Ryzen 5 1600, Radeon RX 560 und 128-GByte-SSD für 600 Euro: Schnäppchen oder nicht?

Im "Performance-PC-System" Medion Akoya P56000 stecken der AMD-Prozessor Ryzen 5 1600 mit sechs Kernen sowie eine Grafikkarte mit AMD Radeon RX 560. Windows 10 Home ist auf einer M.2-SATA-SSD mit 128 GByte Kapazität installiert; zusätzlich steckt eine 1-TByte-Magnetfestplatte im Gehäuse. Der Hauptspeicher fasst 8 GByte in Form eines einzigen DDR4-DIMM.

Auch wenn der Aldi-PC seine Glanzzeit hinter sich hat und längst keine Warteschlangen vor Aldi-Märkten mehr verursacht: Einige der flächendeckend in Deutschland und Österreich angebotenen Medion-Computer haben immer noch Bedeutung für den hiesigen Markt. Der aktuelle Akoya P56000 ist vor allem auch für AMD wichtig – er soll beweisen, dass es der Ryzen mit Intels Core i aufnehmen kann. Die Aldi-Angebote jeweils im November der Vorjahre 2016, 2015 und 2014 waren mit Intel-Prozessoren bestückt.

Den Medion Akoya P56000 (MD 34030) hat Aldi-Süd bereits vor zwei Wochen verkauft; am 30. November kommt er zu Aldi-Nord und zu Hofer in Österreich. Schon vor unserem Test ist klar: Für 599 Euro schnüren Aldi und Medion ein Paket mit kaum schlagbarem Preis-Leistungsverhältnis. Der Ryzen 5 1600 kostet alleine schon 200 Euro, eine vergleichbare Grafikkarte 100 Euro, 8 GByte RAM 60 Euro. Rechnet man noch Mainboard, SSD, Festplatte, Gehäuse, Netzteil, DVD-Brenner, WLAN-Adapter, SD-Kartenleser, Festplatten-Wechselrahmen, USB-Tastatur, USB-Maus, Windows-10-Lizenz und drei Jahre Garantie hinzu, ist der von Aldi genannte Preis kaum zu unterbieten.

Wenn der Medion Akoya P56000 nicht zu laut ist und tatsächlich die Performance liefert, die er auf dem Papier verspricht, handelt es sich um ein ausgezeichnetes Angebot. Laut Medion-Datenblatt "gemäß EU Verordnung 617/2013" liefert das Netzteil ab 10 Prozent seiner Nennleistung mindestens 80 Prozent Wirkungsgrad; im Leerlauf soll der P56000 27,2 Watt Leistung aufnehmen und sein Schalldruckpegel soll unter 26 dBA liegen.

Auch wenn AMD vermutlich mit einem Rabatt geholfen hat, das prestigeträchtige Aldi-Angebot zu ermöglichen, sind bei diesem Preis Abstriche nötig. Die treffen vor allem die derzeit teuren Speicherchips, und zwar in drei Aspekten: Die Grafikkarte hat nur 2 GByte GDDR5-SDRAM, die SSD ist mit 128 GByte etwas knapp bemessen und auf dem Mainboard steckt nur ein einziges Speichermodul.

Der schmerzlichste Einschnitt ist der knappe Grafikspeicher: Der zwingt bei einigen Spielen zu Abstrichen. Wer nicht spielt, wird damit gut leben können; Einschränkungen der Karten mit 2 GByte RAM in Bezug auf HDR-Videos – bei Nvidia klappt das angeblich bei Netflix nur mit GeForce 1000 mit mindestens 3 GByte RAM – sind bisher bei AMD nicht bekannt. Allerdings hinkt AMD bei den HDR-tauglichen Treibern hinterher, siehe unten.

Mehr als 8 GByte RAM wiederum kann man angesichts der hohen DRAM-Preise derzeit bei einem 600-Euro-PC nicht erwarten. Die Kapazität genügt auch für viele Anwendungen. Allerdings profitieren die sechs Kerne des Ryzen 5 1600 in manchen Anwendungen durchaus von hohen RAM-Transferraten, die ein zweites Modul verdoppeln würde. Das Mainboard im Medion P56000 hat zwei DIMM-Slots, der zweite ist für ein Upgrade frei. Maximal sind zwei 16-GByte-Riegel möglich, also bis zu 32 GByte Hauptspeicher.

Für die SSD gilt ähnliches wie fürs RAM: Mehr als 128 GByte sind bei 600 Euro Gerätepreis aktuell kaum machbar. Auch die SSD ließe sich austauschen, aber man müsste dann auch das Betriebssystem umkopieren – ein erheblicher Aufwand.

Wer den Medion P56000 kauft und sofort auf- oder umrüstet, verlässt rasch die Schnäppchenzone. Auch die Garantie gilt selbstverständlich nur für den ursprünglichen Lieferumfang.

Wem der Medion P56000 nicht gefällt, sollte lieber schauen, ob er anderswo die Wunschausstattung findet, die zu den eigenen Anwendungen passt. Wenn es unbedingt von Aldi sein soll: Am 4. Dezember kommt mit dem Medion Erazer X67015 (MD 34050) ein wesentlich stärker bestückter Gaming-PC, der allerdings auch mehr als das Doppelte kostet.

Leicht nachrüsten lässt sich eine weitere SATA-Festplatte oder auch eine SSD: Dafür gibt es einen Schnellwechselrahmen für Speichermedien in den Formaten 3,5 oder 2,5 Zoll. Man sollte dann allerdings keine laute Festplatte verwenden.

Wir konnten heute um kurz nach 8 Uhr einen Medion Akoya P56000 in einer Aldi-Filiale kaufen, besonderer Andrang war nicht zu bemerken. Das Gerät ließ sich problemlos in Betrieb nehmen, augenscheinlich funktioniert alles. Es wird mit Windows 10 Home in der Version 1703 ausgeliefert, seit ungefährt 45 Minuten laufen Updates, zuerst für 1703 und dann auf 1709 (Fall Creators Update). Auch für den Grafiktreiber werden wir die neueste von AMD empfohlene Version einspielen, obwohl es eine "Non-WHQL Beta" ist: Wir wollen ausprobieren, ob auch HDR-Videos laufen.

Die Grafikkarte hat 896 Shader-Kerne und nicht 1024 wie die üblicherweise im Einzelhandel verkauften Karten mit Radeon RX 560. Es handelt sich wohl um die auch als RX 560D bezeichnete OEM-Version. Die Performance dürfte also niedriger liegen als bei einer "normalen" Radeon-RX-560-Karte mit 1024 Shadern und 4 GByte Grafikspeicher.

Die SATA-6G-SSD im M.2-Format stammt vom Hersteller Foresee. Als Festplatte kommt ein Single-Platter-Drive von Toshiba mit nur einer Scheibe zum Einsatz, sie macht sich akustisch kaum bemerkbar. Die USB-C-Buchse überträgt bis zu 10 GBit/s, also USB 3.1 Gen 2 beziehungsweise SuperSpeedPlus.

Der PC hört sich akzeptabel leise an.

Im c't-Schallmessraum machte sich der Akoya P56000 im Leerlauf mit 0,43 Sone aus 0,5 Metern Abstand akustisch bemerkbar. Das entspricht der Note "sehr gut". Die Festplatte ist bei Zugriffen nur leise hörbar (0,7 Sone). Unter Volllast mit Prime95 dreht der CPU-Lüfter hoch, aber 0,8 Sone liegen noch im Bereich "gut". Deutlich wahrnehmbar unter Last wird der Lüfter der Grafikkarte, dann sind es knapp über 1,2 Sone, also "zufriedenstellend".

Im Leerlauf unter Windows 10 Home 1709 an einem Full-HD-Display mit abgeschaltetem Ethernet und WLAN zieht der Akoya P56000 30 Watt aus der Steckdose. Wenn die Festplatte stillsteht, sind es 27 Watt, was der Angabe im Datenblatt entspricht (27,2 Watt).

Der Prozessor liefert im Cinebench R15 exakt die Werte, die man von einem Ryzen 5 1600 erwartet. Bei diesem Benchmark spielt der einkanalige Hauptspeicher keine Rolle.

Die abgespeckte Radeon RX 560 liegt im 3DMark Fire Strike mit 5167 Punkten 11 Prozent niedriger als eine Karte mit der "normalen" Radeon RX 560 mit 1024 Shadern und 4 GByte GDDR5-RAM. Damit ist der Aldi-PC nur eingeschränkt zum Spielen anspruchsvoller Titel in Full-HD-Auflösung (1920 x 1080) geeignet, etwa wenn man Kantenglättung abschaltet. Ashes of the Singularity meldet zu wenig Speicher.

206 Watt beträgt die maximale Leistungsaufnahme im eher theoretischen Grenzfall mit Prime95-Last auf allen CPU-Kernen und dem Testprogramm Furmark auf der Grafikkarte. Das zeigt aber, dass das 250-Watt-Netzteil keine großen Reserven für eine stärkere Grafikkarte hat. Letztere lässt sich zwar tauschen, aber es fehlt ein PCIe-Stromkabel am Netzteil: Man kann nur Grafikkarten nachrüsten, die mit dem Leistungsangebot des PEG-Slots auskommen.

Das Mainboard hat zwei freie PCIe-x1-Slots für Erweiterungskarten. Auch ein SATA-6G-Port ist noch frei, aber es fehlt Einbauplatz für ein weiteres Laufwerk. Besser nutzt man den Wechselrahmen oder tauscht die Festplatte komplett.

Die Datentransferraten der SSD, via Ethernet, USB 3.0 und USB 3.1 sind ordentlich. Der SD-Kartenleser ist leider nur per USB 2.0 angebunden, bremst also schnelle (UHS-I/II-)Karten deutlich.

Mit Windows 10 Home 1709 und dem aktuellen AMD-Grafiktreiber 17.40.2511.1015 ließ sich an einem HDR-fähigen 4K-Display der HDR-Modus (HDR und erweiterte Farbeinstellungen) aktivieren. Das klappte sowohl via DisplayPort 1.4 als auch via HDMI 2.0.

Doch anders als erwartet, lieferte YouTube im Browser Edge keine HDR-Videos aus. Schlimmer noch: YouTube bot Videos maximal bis zur 1440er-Auflösung an und lieferte sie dann AVC1-kodiert. Mit Google Chrome gab es Videos auch in 4K (2160p/VP9), aber da klappt HDR bisher nicht. Vermutlich ist das noch ein Problem des AMD-Grafiktreibers.

Genau wie erwartet, lässt sich der Hauptspeicher problemlos auf bis zu 32 GByte hochrüsten; das haben wir mit zwei G.Skill-Ripjaws-Modulen der Geschwindigkeitsklasse DDR4-2133 mit je 16 GByte getestet. Der Ryzen verträgt aber auch Mischbestückung: Man kann zum vorhandenen 8-GByte-DIMM ein 16-GByte-DIMM stecken. Das System nutzt dann 24 GByte RAM. Der Zweikanalbetrieb funktioniert dann bei Zugriffen auf bis zu 16 GByte (8 + 8). Bei der Kombination des vorhandenen DDR4-2400-Moduls mit einem DDR4-2133-DIMM sinkt die RAM-Frequenz automatisch.

Im Akoya P56000 funktioniert alles so, wie es die Papierform erwarten lässt. Wie bei solchen Kampfpreis-Systemen üblich, baut Medion viele billige Bauteile ein – aber durchaus sorgfältig und durchdacht. So beherrscht der WLAN-Adapter beispielsweise nur einen Stream, aber die damit erreichbaren Datenraten genügen für DSL. Und es ist ein gängiger Intel-Adapter, per M.2/PCIe angebunden: Treiberprobleme sind weder unter Windows, noch unter Linux zu erwarten. Der Gehäuselüfter ist elastisch befestigt, damit das Gehäuse weniger vibriert. Der Wechselrahmen macht das Nachrüsten einer Festplatte oder Backups leicht.

Bei der Qualität der SSD eines wenig bekannten Zulieferers muss man Medion vertrauen - aber das gilt etwa auch für das Mainboard. Ein bisschen ärgerlich ist, dass dem Akoya P56000 noch das Fall Creators Update fehlte. Es lässt sich zwar problemlos nachinstallieren, doch das frisst Zeit.

Aldi und Medion schnüren ein Paket, das möglichst viele Käufer zufriedenstellen soll. Grundsätzlich ist das sehr gut gelungen. Der niedrige Preis macht aber deutliche Abstriche nötig, die man bei individueller Konfiguration anders setzen könnte: Lieber keinen WLAN-Adapter und keinen DVD-Brenner, dafür 30 Euro mehr für eine bessere Grafikkarte. Oder den deutlich billigeren Ryzen 3 1300X mit nur vier Kernen in Kombination mit einer GeForce 1050 Ti für Spiele (siehe dazu unseren PC-Bauvorschlag in der nächsten c't 26/2017). Oder die Festplatte weglassen und eine größere SSD nehmen. Doch individuelle Ansprüche kann eine dank großer Stückzahlen besonders preiswerte Konfiguration eben nicht optimal erfüllen.

Medion Akoya P56000 (MD 34030)
Verkauf Aldi
Hersteller Medion, www.medion.de
Prozessor AMD Ryzen 5 1600 (Summit Ridge, 6 Kerne/12 Threads, 3,2/3,6 GHz)
Grafikkarte AMD Radeon RX 560, 2 GByte GDDR5, 896 Shader-Kerne
RAM 1 × 8 GByte DDR4-2400 (Kingston KVR24N17S8/8, Single Rank, 1 Slot frei)
M.2-SSD Longsys/Foresee 128 GByte, S40J 128GB, SATA 6G, Marvell 88NV112x
Festplatte (HDD) 1 TByte, 3,5 Zoll, SATA 6G (Toshiba DT01ACA100, 7200 1/min, 32 MByte Cache)
WLAN 802.11 ac: Intel Dual Band Wireless-AC 3165 1x1 (M.2, BT4.2)
Gigabit Ethernet Realtek RTL8111
Soundchip Realtek 7.1
DVD-Brenner Lite-on DS-8ACSH DVD-R 8X (Slimline, vertikal)
Kartenleser SD, MS, MMC
Mainboard MicroATX, 2 × PCIe x1 frei, 1 × SATA 6G frei
Anschlüsse vorne 2 × USB 3.0, 2 × Audio-Klinke, SD-Kartenleser, Wechselrahmen 3,5/2,5 Zoll SATA
Anschlüsse hinten 1 × DisplayPort 1.4, 1 × HDMI 2.0, 1 × DVI-D, 1 × USB 3.1 Typ C, 1 × USB 3.1 Typ A, 4 × USB 3.0, 2 × USB 2.0, LAN, 5 × Audio-Klinke, 1 × SPDIF opt.
Netzteil Fortron/Source FSP250-50AMDN (250 Watt), kein 80-Plus-Logo, aber laut Medion über 80 Prozent Wirkungsgrad
Abmessungen 17 cm × 38 cm × 38,5 cm, 7,8 kg
Betriebssystem Windows 10 Home
Lieferumfang USB-Tastatur, USB-Maus (optisch)
Messwerte
Leistungsaufnahme Leerlauf, Platte steht/dreht 27/30 Watt (ohne Ethernet/WLAN)
Volllast CPU/CPU+GPU 122/206 Watt
Betriebsgeräusch aus 50 cm Leerlauf/Plattenzugriff 0,43/0,7 Sone
Volllast CPU/CPU+GPU 0,8/1,2 Sone
Cinebench R15 Single-/Multithread 148/1140 Punkte
3DMark Fire Strike 5167
Rise of the Tomb Raider DX12, Full HD, "Hoch" (kein AA/SMAA) 44/40 fps
Deus Ex: Mankind Divided DX12, Full-HD, "Hoch" (kein AA/2xMSAA) 32/19 fps
Ashes of the Singularity DX12, Full-HD, "Hoch", kein AA 28 fps
Transferrate SSD schreiben/lesen: 427/530 MByte/s
Transferrate USB 3.0 (USB 3.1 Gen 1) schreiben/lesen: 462/458 MByte/s
Transferrate USB 3.1 Gen 2 (Typ A und Typ C, mit SanDisk Extreme 900) schreiben/lesen: 980/962 MByte/s
Transferrate SD Kartenleser schreiben/lesen: 28/36 MByte/s
Preis/Garantie 599 €, 3 Jahre Bring-in

(ciw)

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