Aldi-TV X18068: blickwinkelstabiles Bild, fragwürdige Helligkeitsautomatik Update

Medion X18068: 55-zölliges Aldi-Fernseher im Test

Test & Kaufberatung | Test

Das 55-zöllige 4K-TV für nur 500 Euro gibt es ab Donnerstag bei Aldi Süd. Der Medion X18068 zeigt im TV-Betrieb ein gutes Bild, hat aber einige Schwächen. Und: Medion cheated bei der Leistungsaufnahme.

Medion hat mit dem X18068 einen echten Knaller gezündet: Einen ultrahochauflösenden, smarten Fernseher mit 1,40 Meter Bilddiagonale (55 Zoll) und 3840 × 2160 Bildpunkten für 500 Euro. In dieser Größe mit der gebotenen Ausstattung gab es so etwas bisher allenfalls aus dunklen Online-Kanälen.

Auch die Ausstattung kann sich sehen lassen: Vier HDMI-Eingänge, alle in Version 2.0 mit HDCP 2.2 für die Wiedergabe von 4K-Filmen von Ultra HD Blu-ray. Drei USB-Ports, einer davon als USB 3.0, für die Wiedergabe von Fotos und Videos vom USB-Speicher. Ethernet-Anschluss und eingebautes WLAN fürs heimische Netzwerk. Triple-Tuner für Kabel, Satellit und Stabantenne – mit Empfang des neuen hochauflösenden DVB-T2 HD.

Besonders schlank ist der Aldi-Fernseher zwar nicht, man kann ihn aber problemlos alleine tragen. (Bild: Aldi Nord)

Der X18068 ist überraschend leicht, sein Display in glänzendem Plastik wird von chromfarbenen Spreizfüßen getragen. Der Displayrahmen ist 1,5 Zentimeter breit, unten sind es etwa 3,5 Zentimeter. Das ist nicht super elegant, aber für 500 Euro sollte man auch keinen Designerstück erwarten. Der Aufbau des TVs geht schnell und einfach und ist angesichts des geringen Gewichts auch von einer Einzelperson zu bewältigen.

Auch die mitgelieferte Fernbedienung ist kein Schmuckstück, liegt aber gut in der Hand und der Fernseher reagiert zuverlässig und zügig auf Eingaben. Das ist heute keineswegs selbstverständlich.

Der Aldi-Fernseher ließ sich unkompliziert installieren, er sucht automatisch Sender und bietet vier Favoritenlisten, in die man seine bevorzugten Sender mit einem Klick befördern kann.

Im Auslieferungszustand ist HbbTV bereits aktiviert – das ist ungewöhnlich. Bei den Geräten der großen TV-Hersteller muss man dem Start des neuen Videotextes bei der Installation explizit zustimmen, da hierüber diverse Nutzerdaten an die Sender weitergereicht werden. Medion setzt offenbar voraus, dass die Aldi-Kunden den Komfort von HbbTV ohnehin wollen und kein Problem mit dem Datenschutz haben. Wem das nicht behagt: Man kann HbbTV im Menü mit einem Klick deaktivieren.

Das Einstellungsmenü ist weder schick animiert noch besonders umfangreich. Es besteht im Prinzip aus Textfeldern und digitalen Schiebereglern. Im Auslieferungszustand ist der Bildmodus „Natürlich“ und die Energieeinstellung „Maximal“ aktiv. Der Fernseher hat allerdings keinen Umgebungslichtsensor, er reduziert stattdessen die Helligkeit des Hintergrundlichts. Die Leistungsaufnahme lag je nach Einstellung bei circa 70 bis 95 Watt und damit im üblichen Bereich; im Standby waren es noch 0,5 Watt.

[Update] Der Bildmodus „Natürlich“ im Auslieferungszustand kommt mit der Energiespar-Voreinstellung „Maximal“. In dieser wird das Backlight im TV aufgedreht, sobald der Schirm ein Standbild mit mehr als 45% Weißanteil anzeigt. In unseren Messungen wechselte die Leuchtdichte eines Schwarzweiß-Testbildes sprunghaft von 200 cd/m2 (unter 45% Weiß) auf satte 305 cd/m2 (46 % Weißanteil). Wenn man im selben Auslieferungszustand ein Video anzeigen lässt, wird die Leuchtdichte automatisch auf den geringeren Helligkeitswert reduziert (das Bild wird also dunkler) und die mittlere Leistungsaufnahme geht von vormals 100 auf 70 Watt zurück.

Diese "Energiespar"-Maßnahme hat Medion weder dokumentiert noch ist sie im Sinne der Erfinder der Energiemessungen bei Fernsehern: Für die Energiemessungen von TVs werden in Testlaboren weltweit genormte Videosequenzen verwendet. Der Leistungsbedarf der Geräte hängt stark von der Displayhelligkeit ab – je heller das TV leuchtet, umso mehr Energie benötigt es. Um zu prüfen, ob die TVs im Auslieferungszustand beim gemessenen Energiebedarf ausreichend hell sind, ermittelt man bei der Leistungsmessung stets auch die Displayhelligkeit – an einem ebenfalls genormten Standbild mit 50% Weißanteil. Wenn wie beim Mediohn-TV automatisch unterschiedliche Helligkeiten beim Test-Standbild und beim Test-Video aktiviert werden, hat das mindestens ein Geschmäckle.

Mit 90 Watt bei etwa 270 cd/m2 steht der Medion-Fernseher im Vergleich ganz ordentlich da. Allerdings spezifiziert Medion für den X18068 die Energieeffizienzklasse A+ mit 86 Watt. Um diesen Wert zu erreichen, müsste das Display ungefähr 260 cd/m2 hell leuchten – tatsächlich sind es im Auslieferungszustand mit 200 cd/m2 aber deutlich weniger. Die EU-Kommission dürfte von solchen Maßnahmen wenig begeistert sein.

Beim Medion-TV X18068 vom Aldi können Nutzer den „Energietest-Modus“ deaktivieren, indem sie im Bildpreset „Natürlich“ die Energiespar-Voreinstellung auf „Auto“ mit dann 285 cd/m2 einstellen oder einen der anderen Modi mit definierter Schirmhelligkeit (Mittel, Minimal, Aus) wählen.

Medion X18068 Energiebedarf im Bildpreset "Natürlich"
Leuchtdichte Leistungsaufnahme
Energieeinstellung "Maximal" 200 cd/m2 <1> 69,3 Watt
Energieeinstellung "Mittel" 238 cd/m2 80,2 Watt
Energieeinstellung "Minimal" 271 cd/m2 90 Watt
Energieeinstellung "Auto" 285 cd/m2 91,3 Watt
Energieeinstellung "Aus" 305 cd/m2 98,5 Watt
<1> im genormten Testbild mit mehr als 45 % Weißanteil sind es 305 cd/m2; sobald das Testvideo läuft, wird das Backlight auf etwa 200 cd/m2 reduziert

Das TV-Bild wirkt auf den ersten Blick ordentlich. Die Voreinstellung „Natürlich“ sorgt für eine ausgewogene Farbmischung und natürliche Hautfarben; nur vereinzelt wirkten Gesichter leicht überhitzt. Es fehlt der Darstellung etwas Pepp, was aber beim Fernsehgucken wenig stört.

Wenn man herkömmliche Videos abspielt, gelingt dem Aldi-Display die Auflösung von Farb- und Grauverläufen sehr gut: Auch in dunklen Partien erkennt man noch Strukturen, helle Bildbereiche werden sauber dargestellt. Nur bei der Farbwiedergabe hapert es ein wenig: Die Farben wirken nicht allzu kräftig und die Darstellung hat leichten einen Hang in Richtung Magenta. Auch der In-Bild-Kontrast ist nicht besonders hoch. Unsere Messungen ergaben einen mittleren Kontrast von nur 635:1 – hier hätten wir uns insgesamt mehr Wumms gewünscht.

Immerhin sorgt die IPS-Technik im LCD dafür, dass die Darstellung von der Seite betrachtet weitgehend so bleibt wie von vorn. Damit taugt der X18068 beispielsweise auch für Räume, in denen die Nutzer mal vom Sofa und mal vom Esstisch aus Fernsehgucken.

Medion X18068 Kontrast- und Farbmessung (3 Bilder)

Im Kontrastbild sieht man, dass im Medion-Fernseher ein blickwinkelstabiles IPS-Display steckt.

Als wir 4K-Filme mit HDR von Ultra HD Blu-ray wiedergaben, zeigten sich am Display überstrahlte gelbe Reflexe statt kontraststarker Lichter. Auch wenn man im Menü den größeren Farb-Gamut an HDMI auswählt: HDR funktioniert mit dem Aldi-TV nicht (was Medion aber auch nie behauptet hat).

Der Home-Screen hält einige vorinstallierte Apps bereit, darunter Netflix und Videociety. Letztere ist offenbar die bevorzuge Videoplattform, denn wenn man auf dem Home-Screen eine Suche startet, werden viele Videos von ebendieser Plattform gefunden. Zum Home-Screen kann man weitere Apps erst hinzufügen, nachdem man sich bei Medion registriert hat – nicht schön.

Das Versprechen, man könne die Apps danach frei auf dem Screen anordnen, hält Medion nicht: Hinzugefügte Apps werden nach Eingangsreihenfolge unter die Zeile mit den vorgegebenen Apps einfach aneinandergehängt.

Großes Manko: Es gibt auf dem Medion-TV keine Amazon-App fürs Videostreaming, weder ist sie auf dem Home-Screen, noch kann man sie aus dem Shop nachinstallieren.

Kleineres Manko: Zwar holt der Aldi-Fernseher Videostreams von Netflix in 4K-Auflösung auf den Schirm, man kann beim Streamen von Netflix-Inhalten aber nichts einstellen – weder Bild noch Ton lassen sich den persönlichen Vorlieben anpassen. Es ist auch nicht ersichtlich, in welchen Bildmodus das TV schaltet. Auf jeden Fall nutzt es einen speziellen Presets für Netflix, denn völlig unabhängig von den von uns im Test zuvor gewählten Bildeinstellungen wurde mit dem Netflix-Start stets derselbe Preset aktiviert.

Die Voreinstellungen sind dabei nicht wirklich schlecht, aber eben fest voreingestellt. So kann man keine Zwischenbildberechnung aktivieren (es ruckelt ganz leicht, aber dafür entsteht kein Soap-Effekt) und auch den Ton-Modus nicht variieren.

[Update] Eine Zwischenbildberechnung fehlt dem Fernseher auch für die normale Video- und TV-Wiedergabe. Das Bild ruckelt deshalb schon mal bei flotten Kameraschwenks. Ohnehin halten sich die Einstellmöglichkeiten in Grenzen, im Grunde reduziert sich das Ganze auf Helligkeit und Kontrast, Schärfe und leichte Farbkorrekturen. Der adaptive Kontrast im Menü zeigt wenig Wirkung und bei der Video-Funktion (Auto/Aus) haben wir keinerlei Änderungen bemerkt. Der größere HDMI-Farbraum führt auf den ersten Blick nicht zu farbstärkeren Bildern, reduziert aber etwas die Bildhelligkeit. Eine 3D-Funktion bietet Medion im X18068 nicht an.

Die Audioqualität des Medion-TVs sind nicht gerade der Burner: Zwar lässt sich der Ton recht laut stellen, er ist aber völlig undifferenziert. So konnten wir bei der Wiedergabe von klassischer Musik keine einzelnen Musikinstrumente heraushören, es war ein einziger Klangbrei. Audiophil veranlagte Zuschauer sollten deshalb für einen ordentlichen Klang unbedingt die Stereoanlage oder eine zusätzliche Soundbar bemühen. Ein optischer SPFID-Ausgang hält das TV dafür bereit.

Sehr kundenfreundlich: Medion hat in seinem Gerät alle möglichen Anschlussvarianten vorgesehen. So findet man außer den vier HDMI 2.0-Ports als analoge Anschlüsse Composite-Video und Komponenteneingänge sowie einen Scart-Eingang. Der Fernseher gibt diverse Medienformate am USB-Port und per DLNA vom NAS über seinen eingebauten Medienplayer wieder. Welche das sind, zeigt die Tabelle am Ende dieses Beitrags.

Was dem Gerät fehlt: Es kann keine TV-Sendungen auf USB-Festplatte mitschneiden. Damit scheidet auch das zeitversetzte Fernsehen (sogenannter Timeshift) aus. Wer Sendungen aufnehmen will, muss also einen externen Recorder anschließen.

Der Aldi-Fernseher ist nicht ohne Schwächen, doch mit seinem Preis von 500 Euro geht das Gerät durchaus als Empfehlung durch. Im Fernsehbetrieb macht er eine gute Figur, die Bedienung ist einfach, die Voreinstellungen sind okay. Die Tonqualität reicht zum Schauen von Talkshows oder Nachrichten, für Blockbuster braucht der TV-Ton Verstärkung von außen.

Streaming-Fans sind am Medion-TV benachteiligt. So brauchen Amazon-Prime-Kunden zusätzlich einen Fire-TV-Stick, um Inhalte per Amazon-App auf den Schirm zu holen. Netflix-Kunden müssen das Bild dagegen so nehmen, wie es ist – einstellen lässt sich darin nichts. Zum Glück sind die Voreinstellungen nicht gar so schlecht.

Für Cineasten kommt der X18068 eher nicht in Frage, seine Einstellmöglichkeiten sind zu begrenzt. Wer nur ab und an ein Video schaut, dürfte mit dem Gerät dagegen klarkommen.

Ärgerlich ist die fehlende Möglichkeit, TV-Sendungen aufzunehmen. Ein TV ohne USB-Recording – auch für 500 Euro – ist nicht mehr zeitgemäß. Dass Medion bei der Leistungsaufnahme cheated, ist unnötig und ärgerlich. (uk)

Unterstützte Formate am Medion X18068
Über USB
Foto
JPG / BMP / GIF √ / √ / –
PNG / TIFF √ / –
Musik
MP3 / OGG / AAC √ / –/ √
WAV / FLAC / WMA √ / –/ √
Videos
MPEG-4: AVI (Xvid) / AVI (DivX) √ / √ (nur HD)
H.264: MP4 / MKV<1> / MOV / M2TS √ / √ / √ / √
MJPEG: AVI /MOV √ / √
MPEG-2: MPG / VOB / TS / M2TS √ /√ / √ / –
WMV: ASF / WMV – / √
HEVC : MP4 / MKV / TS √ / √ / √
Untertitel: Eingebettet / SRT √ / √
Über DLNA<2>
Foto
JPG / BMP / GIF √ / √ / –
PNG / TIFF √ / –
Musik – / √
MP3 / OGG / AAC √ / –/ √
WAV / FLAC / WMA √ / –/ √
Videos
MPEG-4: AVI (Xvid) / AVI (DivX) √ / √
H.264: MP4 / MKV<1> / MOV / M2TS √ / √ / √ / –
MJPEG: AVI /MOV √ / √
MPEG-2: MPG / VOB / TS / M2TS √ / √ / √ / –
WMV: ASF / WMV – / √
HEVC : MP4 / MKV / TS √ / √ / √
Untertitel: Eingebettet / SRT √ / √
Spulen über DLNA
<1>Unterstützung von MKVs mit zwei Tonspuren, <2>Getestet mit Fritzbox 3270

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