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Flachbildfernseher und Projektoren

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Wer sich anlässlich der WM keinen neuen Fernseher zugelegt hat, aber zu Weihnachten darüber nachdenkt, kann auf der IFA die aktuelle Gerätegeneration in Augenschein nehmen. Geboten werden nicht nur LCD- und Plasmafernseher; große Rückprojektionsgeräte findet man ebenso wie handliche Beamer fürs Riesenbild.

Derzeit gehen vor allem 80-cm-Fernseher in LCD-Technik über die Ladentheken, zum Weihnachtsgeschäft sollen jedoch die 96-cm-Fernseher mit 1920 x 1080 Pixeln das Rennen machen. Weil Geräte ab dieser Schirmgröße in der Standard-Schrankwand nur knapp Platz finden, haben viele Hersteller die Lautsprecher unter dem Display angeordnet.

Plasmadisplays gibt es erst ab etwa 100 cm Diagonale, wobei die Full-HD-Auflösung hier eher selten anzutreffen ist. Die meisten der aktuell angebotenen Plasmafernseher begnügen sich mit XGA- (1024 x 768 Pixel) oder allenfalls WXGA-Auflösung (1366 x 768 Pixel). In den Hallen der Funkausstellung wird man dagegen auf einige hochauflösende Plasmadisplays mit echten 1080 Zeilen treffen, beispielsweise an den Ständen von Hitachi und Pioneer. Solche Full-HD-Panels werden zumeist mit Displaydiagonalen ab 127 cm realisiert, denn die Pixelzellen, in denen die Plasmazündung erfolgt, lassen sich nicht beliebig klein gestalten.

Grenzen in die andere Richtung gibt es bei der Fertigung von Kathodenstrahlröhren: Wer ein Fernsehgerät mit einer sichtbaren Diagonale von über einem Meter haben möchte, muss sich zwangsläufig für einen Flachbildfernseher entscheiden.

Die Entwicklung bei den Flachbildfernsehern verlief aus Anwendersicht erfreulich: Die gut gefüllten Lager der Panel-Hersteller haben in den vergangenen Wochen zu deutlich gesunken Preisen geführt. Je nach Displaygröße lässt sich ein Verfall um 100 bis 250 Euro pro Gerät verzeichnen. Um diesen Abwärtstrend zu stoppen, haben die meisten Panel-Hersteller ihre Produktion zurückgefahren und den Ausbau neuer Fertigungsstätten auf Eis gelegt. Nur Samsung und Sharp bauen eifrig weiter an ihren Panel-Fabriken der neuesten Generation - man will trotz Preisverfall und Überkapazitäten nicht ins Hintertreffen geraten, wenn die Nachfrage spätestens zum Weihnachtsgeschäft anzieht. Zum Herbst werden deshalb wohl auch die anderen Hersteller die Produktion wieder hochfahren. Für einen Preisanstieg wird die künstliche Verknappung nicht ausreichen.

Unabhängig von Auflösung und Bildschirmgröße geht heute auch im Einstiegsbereich (fast) nichts mehr ohne digitale Schnittstellen und das Logo HD ready. Und weil die Displays selbst kaum mehr als Alleinstellungsmerkmal herhalten können, werden die Flachbildfernseher besser ausgestattet. So bauen die Hersteller DVB-T-Tuner, mehrere Digitaleingänge, USB-Anschluss, Kartenleser oder Festplatten in die Geräte ein.

Full-HD-Auflösung mit 1080 Zeilen zeigt JVCs LCD-Flachbildfernseher LT-46D27 auf 1,17m Bilddiagonale für 4000 Euro.

Während Fernsehspezialist Loewe auf individuell konfigurierbare Displays setzt, bietet das Gros der Hersteller unterschiedliche Produktlinien für unterschiedliche Ansprüche an. Dann findet man in der unteren Preisklasse beispielsweise LCD-TVs mit 1366 x 768 Pixeln, einer HDMI-Schnittstelle, einem Analogtuner und eventuell noch einem DVB-T-Empfänger; bei Plasmadisplays bleibt die Auflösung in dieser Klasse zumeist auf magere 480 Zeilen beschränkt. Die Geräte der nächsthöheren Gruppe haben eine weitere Digitalschnittstelle (meist als DVI), Kartenleser oder zwei TV-Tuner an Bord und erst die Premium-Linie glänzt dann mit Full-HD-Auflösung (1080 Zeilen), allem Ausstattungs-Schnickschnack sowie mit einer durch diverse Optimierungstechniken verbesserten Bildqualität.

Grundigs Lenaro Concept-TVs mit 66 cm oder 80 cm Diagonale können dank integriertem Media Player über ihre Kartenleser oder den USB-Anschluss Videos im MPEG-4-Format wiedergeben. Die Top-Displays der Lenaro-Serie zeigen auf 94- oder 107-cm-Bilddiagonale die volle HD-Auflösung, mithin 1920 x 1080 Pixel.

Loewe integriert in seinen individuell ausbaubaren Selection-Fernsehern neben diversen Tunern (Kabel, Sat, DVB-T) zusätzlich eine Festplatte, mit der sich Fernsehsendungen direkt im Gerät als MPEG-2 oder MPEG-4-Datei aufzeichnen und bei Bedarf auch Unterbrechungen durch Telefonate von Muttern via Timeshift überbrücken lassen. Auch LG hat seinem aktuellen LCD-TV mit 107-cm-Diagonale einen solchen Festplattenrecorder spendiert.

Fujitsu-Siemens will seine Myrica-Geräte in LCD- und Plasmatechnik mit einem drahtlosen Netzwerkanschluss ausstatten, wodurch das Fernsehgerät zum Streaming-Client wird und man sich Filme, Videos oder Bilder aus dem eigenen LAN auf den Schirm holen kann. Ähnliches bieten bereits der 96-cm-Fernseher AT3705 von Acer (siehe c't 11/06, S. 114) und die drahtgebundene Streaming-Variante des Cineos 37PF9731 von Philips.

Sogar eingebaute HD-Tuner findet man in einigen Geräten, beispielsweise bei Humax im LDE-HD32S und auch in den Geräten aus Loewes Individual Compose-Serie. Allerdings sollte man sehr genau hinschauen, ob der HD-Empfänger Premiere-zertifiziert ist, denn andernfalls kann man das ohnehin noch karge Angebote an verfügbaren HDTV-Quellen nur eingeschränkt nutzen. So bieten die Displays von Loewe zwar zwei Common Interfaces, doch ein Nagravision-CAM für den Empfang von Premiere ist derzeit nicht zu haben.

Sharp setzt bei seiner neuen Aquos-Serie auf höhere Kontraste und eine verbesserte Farbwiedergabe: Ein modifiziertes Backlight soll für ein warmes und natürliches Farbspektrum sorgen. Samsung erzielt ein größeres Farbspektrum in einem der präsentierten Displays mit einer LED-Hinterleuchtung. Der 101 Zentimeter große LED-Fernseher hat zudem zwei HDMI-Eingänge, integriert einen USB-Anschluss und einen Multiformat-Kartenleser. Außerdem kann man am Samsung-Stand hochauflösende Fernseher begutachten, bei denen die Verdoppelung der Bildwiederholfrequenz auf 120 Hz für eine gestochen scharfe Bewegtbilddarstellung sorgen soll.

In diesem Bereich legen die LCD-Hersteller derzeit die größten Aktivitäten an den Tag: Während man sich im Monitorbereich mit Overdrive-Techniken begnügen muss, wurden für Flachbild-TVs zusätzliche Beschleunigungstechniken entwickelt. Dazu gehören Modifikationen der Displayhinterleuchtung (Blinking oder Scanning Backlight), das Einfügen schwarzer Zeilen, das Berechnen von Zwischenbildern und die Verdoppelung der Bildwiederholfrequenz.

Ein schnelles Panel und Overdrive sind Voraussetzung für solche Techniken. Es mangelte bislang jedoch an ICs, mit denen die sehr komplexen Berechnungen auch bei hoher Bildauflösung erfolgen können. Die Firma Micronas bietet nun Frame Rate Converter an, die auch 1080i-Signale verarbeiten: Der truD(R)HD-Chip erhöht die Bildwiederholrate und berechnet dafür zusätzliche Frames - möglich sind 120 Bilder pro Sekunde aus 50- und 60-Hz-Signalen und auch aus Filmquellen mit 24 Vollbildern.

Das von Toshiba präsentierte SED-Display (Surface-Conducting Electron Emitter) braucht solche Beschleunigungsverfahren nicht. Die bereits im vergangenen Jahr hinter verschlossenen Türen gezeigte Displaytechnik will der Hersteller in diesem Jahr erstmals auch dem breiten Publikum präsentieren. SED-Displays arbeiten ähnlich wie Kathodenstrahlröhren, nur wird hier jeder einzelne Bildpunkt von einer eigenen kleinen Elektronenkanone - den Emittertips - zum Leuchten angeregt. Schnelle Bewegtbilder bereiten den Displays ebenso wenig Probleme wie einem Röhrengerät, auch die Farbwiedergabe ähnelt der Kathodenstrahlröhre. Allerdings musste Toshiba bei der SED-Technik in der Vergangenheit bereits einige Male zurückrudern. So wurde der Produktionsstart eins ums andere Mal verschoben - er soll jetzt im kommenden Jahr erfolgen - und die zunächst angepriesenen, geringen Kosten der SED-Displays relativiert.

Eingefleischte Cineasten werden zum Stand von Mitsubishi pilgern. Dort gibt es mit dem HC5000 den ersten Heimkinoprojektor mit 1920 x 1080 Bildpunkten für unter 5000 Euro zu sehen. Internetangebote versprechen schon einen Einstandspreis von 4000 Euro, womit der HC5000 nur halb so viel kosten würde wie der bisher preiswerteste Beamer mit dieser Auflösung. Mitsubishi setzt anders als die Konkurrenz von Cinetron, JVC, Optoma oder Sony, die entweder LCOS- oder DLP-Technik nutzen, auf LCD-Panels der neuesten Generation. Die von 3LCD nach dem D6-Prozess gefertigten Panels lassen im spannungsfreien Zustand kein Licht passieren (normally black), was bereits ohne den Einsatz automatischer Blenden zu einem dunkleren Schwarz als bei anderen LCD-Beamern führen soll. Den spezifizierten Maximalkontrast von 10 000:1 erreicht der Projektor aber erst mit einer automatischen Irisblende. Die Aufstellung erleichtert ein voll motorisiertes Lens-Shift-Objektiv mit 1,6-fachem optischem Zoom, die Signalaufbereitung erledigt ein Prozessor mit HQV-Technologie von Silicon Optix.

Drei 0,74"-LCD-Panels in Mitsubishis (relativ) leichtem HC5000 sorgen für eine HD-Projektion mit 1080 Zeilen.

Ebenfalls zu sehen gibts Mitsubishis DLP-Projektor HC3100 mit WXGA-Auflösung (1280 x 768 Mikrospiegel), der dank motorisierter Blende einen Kontrast von 4500:1 erreichen soll, sowie die beiden DLP-Projektoren HC1100 und HD1000 mit 720p-Auflösung (1280 x 720 Bildpunkte).

Hitachi hat seinen Stand nach dem Motto „Japans größtes Geheimnis“ landestypisch gestaltet. Heimkinofans erwartet der Illumina PJ-TX300, der wie sein Vorgänger TX200 ein LCD-Panel im 720p-Format einsetzt. Die werbewirksamste Veränderung ist der nun fünfstellige Kontrastwert von 10 000:1, den der Projektor durch Verbesserungen an der automatischen Irissteuerung erreichen soll und die hoffentlich weniger auffällig arbeitet als beim Vorgänger (siehe c't 1/06, S. 108). Acer zeigt im Heimkinosegment den PH730, einen DLP-Projektor mit WXGA-Chip für 1700 Euro.

Texas Instruments präsentiert seine DLP-Technik (Digital Light Processing) nicht mehr nur geladenen Gästen, sondern ist auf der diesjährigen Funkausstellung mit einem eigenen Stand vertreten. Gezeigt werden verschiedene Produkte mit DLP-Technik, darunter ein 1080p-Projektor von Sim2. Als Beispiel eines preisgünstigen WXGA-Projektors dient der PH530 von Acer für rund 1000 Euro. Weiterhin präsentiert Texas Instruments DLP-Rückprojektionsfernseher mit besonders geringer Gerätetiefe und mit LED-Lichtquelle sowie hochkompakte Minibeamer, die ebenfalls mit LEDs leuchten.

Nicht auf der IFA vertreten sind namhafte Hersteller wie 3LCD, Epson, NEC, Optoma, Sanyo und Sony. Sie haben sich für einen Stand auf der einen Monat später startenden Photokina entschieden, und Sony zeigt seine Neuentwicklungen zur Messezeit im Sony-Center am Potsdamer Platz. (uk)

Acer Halle 26, Stand 121
Fujitsu-Siemens Halle 1.2 , Stand 101
Grundig Halle 23, Stand 201
Hitachi Halle 23, Stand 106
LG Halle 11.2, Stand 101
Loewe Halle 6.2, Stand 201
Mitsubishi Halle 26, Stand 101/102
Philips Halle 22, Stand 101
Pioneer Halle 17, Stand 101
Samsung Halle 20, Stand 101
Sharp Halle 3.2, Stand 101
Texas Instruments Halle 26, Stand 110
Toshiba Halle 21, Stand 101

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