Alphabetisch

Alpha 7.1-flexibler Texteditor für MacOS

Test & Kaufberatung | Kurztest

Wer viel mit Texten arbeitet, egal ob als Entwickler oder beim Schreiben eines Handbuchs, braucht einen leistungsfähigen und flexiblen Texteditor. Alpha unterstützt unzählige Programmiersprachen und läßt sich beliebig an eigene Bedürfnisse anpassen.

Unix-Jünger schwören auf die Flexibilität eines Emacs: Dieser Editor verfügt über sogenannte Modi, die ihm je nach Art des Textes beziehungsweise der Programmiersprache die gewünschten Features verleihen und unerwünschte deaktivieren. Alpha von Peter Keleher vereint die Mächtigkeit von Emacs, dessen Befehle teilweise implementiert sind, mit dem User-Interface des Macintosh und versteht sich darüber hinaus mit gängigen Entwicklungsumgebungen wie CodeWarrior und MPW.

Das Konzept hinter Alpha ist genial: Den Kern des Editors bildet ein Tcl-Interpreter (Tool Command Language). Nahezu sämtliche Funktionalität wird durch Tcl-Makros sowie etliche Alpha-spezifische Befehle beschrieben. Die Makros werden an Menübefehle oder Tastatur-Kürzel gebunden - voilà, fertig ist der Editor! In unterschiedlichen Modi stehen dabei verschiedene Makros zur Verfügung, im HTML-Modus beispielsweise 'mutiert' Alpha zu einem vollwertigen HTML-Editor inklusive Keyword-Highlighting. Der aktuelle Modus wird beim Öffnen von Dateien automatisch anhand deren Suffixes eingestellt, läßt sich aber auch manuell über ein Popup-Menü bestimmen. Unter den über 30 (!) vorinstallierten Modi für so gängige Sprachen wie C, C++, Java, Perl oder HTML finden sich auch welche für seltenere Spezies wie etwa SQL oder TeX. Nicht nur deshalb eignet sich Alpha hervorragend als Schnittstelle zu Unix-Systemen: Man kann mittels ftp auf Remote Hosts zugreifen, diese werden über einen ftp-Client (Fetch, Anarchie) angesteuert.

Die Integration von Eudora erlaubt es, E-Mails aus dem Editor heraus zu verschicken, ein recht nützliches Feature. Ein Apfel-Klick auf eine URL öffnet diese mit dem voreingestellten Web-Browser. Apropos URL: Wer mit Alpha Dokumentation erstellt (und liest), kann diese durch eingefärbten Hypertext enorm aufbessern, denn hinter den Links dürfen sich nicht nur lokale, sondern auch globale Verweise sowie ein beliebiges Makro verbergen.

Neben einer guten Suchfunktion, die reguläre Ausdrücke unterstützt (grep), bietet der Tcl-Zauberer eine inkrementelle Suche an, das aktuelle Wort läßt sich sogar per Tastendruck übernehmen. Gerade für Programmierer sinnvoll sind Befehle wie Datei-Info oder der Unix-diff, der Aufschluß über die Unterschiede zwischen zwei Dateien gibt. Wie in den großen Entwicklungsumgebungen stehen auch in Alpha Markierungen und eine Funktionsliste zur Verfügung, die die Navigation in größeren Dokumenten vereinfachen. C- und C++-Quelltexte können zum Übersetzen an CodeWarrior- oder THINK-Compiler weitergereicht werden. Hilfreich für den Anwender ist weiterhin die Möglichkeit, Tastatur-Makros festlegen und benutzen zu können. Die Menüs lassen sich abreißen und schweben dann in einem Fenster über allen anderen Textfenstern.

Die herausragende Eigenschaft von Alpha ist seine universelle Erweiterbarkeit. Neue Modi und Makros lassen sich mit wenigen Tcl-Befehlen beschreiben, zum Testen steht eine Shell bereit. Aufnehmen, so wie andere Programme es mit AppleScript-Makros machen, kann man Tcl-Makros allerdings nicht, hier ist Handarbeit gefragt. Zugegeben: Dieser Editor wird nicht jedermann begeistern, dazu ist er zu komplex. Der einzige wirkliche Haken des Makro-Konzeptes ist die Geschwindigkeit. So benötigt selbst die PowerPC-optimierte Version oft mehrere Sekunden, um eine Datei zu öffnen und zu formatieren. Wer darüber hinwegsieht, wird sich so schnell sicher nicht mehr eingeschränkt fühlen. (adb)


Alpha 7.1fc6 (Shareware, 30 US-$) findet sich unter http://www.esm.psu.edu/mac-tex/editors.html und in der c't-Mailbox. Die endgültige Version wird auf http://www.bcity.com/alphatext/ stehen.

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