Alternative zu Emacs

Nedit 5.0.2: Komfortabler Allround-Editor für X Window

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Kein Programm wird unter Unix so oft genutzt wie der Texteditor. Wem der Emacs zu komplex und xedit zu spartanisch ist, der findet in Nedit eine bedienungsfreundliche und mächtige Alternative.

Nedit ist ein kostenloser X11-Editor, der in vorkompilierter Form nicht nur für Linux, sondern für nahezu alle Unix-Dialekte verfügbar ist. Die Besonderheit dieses Editors ist, daß er - zumindest auf den ersten Blick - keine Besonderheiten hat: Der Benutzer muß keine kryptischen Tastaturkombinationen lernen, um das Programm zu steuern, muß keine obskuren Kommandos für alltägliche Aktionen eintippen oder erst die Bedeutung unverständlicher Menüeinträge enträtseln. Wer aus der Windows-, OS/2- oder Macintosh-Welt kommt, fühlt sich sofort zu Hause.

Nedit öffnet für jede bearbeitete Datei ein eigenes Fenster. Man bewegt sich im Text mit den PC-üblichen Tasten: Ende und Pos1 beispielsweise springen zum Ende beziehungsweise Anfang der aktuellen Zeile, bei gleichzeitigem Drücken der Strg-Taste wird der Cursor zum Ende und Anfang des Textes bewegt.

Der Suchen- und Ersetzen-Dialog kann als schwebendes Fenster geöffnet bleiben. Das Dateimenü bietet eine Liste der zuletzt bearbeiteten Dateien. Der Anwender freut sich über eine zuverlässige Undo-Funktion, abreißbare Menüs, die bequeme Konfiguration über das Preferences-Menü, eine aussagekräftige Hilfe und die hohe Stabilität des Programms. Nedit führt eine Arbeitsdatei mit, aus der sich der bearbeitete Text selbst im Falle eines System-Crashs wiederherstellen läßt.

Pfiffig ist der `continuous wrap mode´, in dem Nedit wie eine Textverarbeitung funktioniert und zu lange Zeilen am Bildschirm umbricht. Während andere Editoren dabei meist Zeilenumbrüche in die Datei einfügen, bleiben die überlangen Zeilen hier auf Wunsch beim Speichern erhalten.

Auf den zweiten Blick glänzt Nedit dann doch noch mit einigen Besonderheiten: Im Suchen- und Ersetzen-Dialog kann man auch mit regulären Ausdrücken arbeiten. Im Gegensatz zu den meisten Editoren läßt sich Text spaltenweise markieren und manipulieren. Über das konfigurierbare Shell-Menü können beliebige Unix-Kommandos auf die aktuell bearbeitete Datei angewendet werden; einige hilfreiche Programme wie spell, sort oder make sind bereits eingerichtet.

Dem Programmierer bietet Nedit Funktionen wie automatisches Einrücken und Syntax-Highlighting für 20 verschiedene Sprachmodi (von C über Java und HTML bis hin zu Shell-Skripten). Markierte Textblöcke lassen sich mit einem Tastendruck zeichenweise einrücken. Nedit unterstützt ctags-Dateien; so ist es möglich, ohne Suchen zu der Stelle im Quelltext zu springen, an der ein Bezeichner deklariert ist.

Für diejenigen, denen ein Editor `von der Stange´ nicht genügt, bringt Nedit eine mächtige Makrosprache mit. Über die Datei .nedit ist nahezu jeder Aspekt des Editors in Form von X-Ressourcen konfigurierbar. Beispielsweise läßt sich hier die Entf-Taste, die Default-mäßig wie Backspace arbeitet, über den Eintrag nedit.remapDeleteKey:False auf die PC-übliche Funktionsweise umstellen.

Nedit ist zwar nicht so flexibel wie der Emacs und leider nur in einer GUI-Version erhältlich, so daß man für die Konsole ein anderes Programm braucht. Wer aber einen leistungsfähigen Editor für X11 sucht, findet in Nedit eine komfortable Lösung. (odi)


Nedit 5.0.2: Nedit-Versionen für alle unterstützten Betriebssysteme finden sich auf http://nedit.org.

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