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Dells Edel-Notebook Adamo

Alu-Flachmann

Wissen | Know-how

Das Adamo verhält sich zu Dells Standard-Notebooks wie Audis Spitzensportler R8 zum Alltagsgefährt A3: In beiden Fällen demonstriert ein Hersteller seine technische Kompetenz mit einem begehrenswerten Nischenprodukt.

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Das Adamo verhält sich zu Dells Standard-Notebooks wie Audis Spitzensportler R8 zum Alltagsgefährt A3: In beiden Fällen demonstriert ein Hersteller seine technische Kompetenz mit einem begehrenswerten Nischenprodukt. Doch taugt das Adamo wirklich als Image-Polierer?

Als flachstes Notebook der Welt verschleiert das Adamo seine Herkunft zumindest optisch gekonnt: Bislang war Dell für praktische, eher klobige Mobilrechner bekannt. Fasst man es an, staunt man weiter: Weil das Gehäuse aus einem Alublock gefräst wird, liegt es so kühl und satt in der Hand wie eine Schweizer Präzisionsarbeit. Und erinnert an die MacBooks, die Apple in gleicher Manier fertigen lässt. Gerüchten zufolge stammen Adamo und MacBook Air sogar vom gleichen Auftragsfertiger Quanta. Auch Aufkleber sucht man vergeblich, die Intel- und Vista-Logos wurden dezent auf die Unterseite gelasert.

Leider trägt das Adamo das gebürstete Leichtmetall nicht rundum: Eine Glasscheibe auf dem oberen Teil des Deckels dient den integrierten Antennen (Bluetooth, WLAN und HSPA) als Fenster zur Welt und zieht verunstaltende Fingerabdrücke an. Markantestes optisches Merkmal ist aber der zwei Zentimeter lange Bürzel hinter den Displayscharnieren. Er beherbergt die Lautsprecher und jene Anschlüsse, die nicht in die flachen Flanken passen. Im Vergleich zur fummeligen und spärlich bestückten Schnittstellenklappe des MacBook Air erscheint Dells Lösung als die pfiffigere: Weder für Ethernet noch für Displayport benötigen Adamo-Besitzer Adapter. Obendrein gibt es einen schnellen eSATA-Port und drei USB-Buchsen. Wenn man das Gerät mit aufgeklapptem Display vor sich her trägt, taugt der Stummelhintern zudem prima als Haltegriff. Schlicht genial: Der Bürzeldeckel lässt sich mit dem Fingernagel abheben, weil er mit vier Mini-Magneten befestigt ist – innen klebt das Etikett mit der Vista-Seriennummer.

Die Designer haben es also geschafft, das puristische Äußere mit einer praxistauglichen Ausstattung zu verbinden. Auch die großzügige, hinterleuchtete Tastatur überzeugt mit ihrem präzisen Druckpunkt. Beim Bildschirm offenbart das Adamo allerdings Restgene aus der Großserie: Es ist ein handelsüblicher 13,4-Zoll-Schminkspiegel mit nur durchschnittlich satten Farben. Das relativ kleine Touchpad versteht Zwei-Finger-Zoomgesten, reagiert aber nicht so präzise wie diejenigen von Apple. Im Test erschien das Lupensymbol oftmals bei Berührungen durch nur einen Finger, der Mauszeiger sprang dann nach der Bewegung an seinen Ausgangspunkt zurück. Entnervt schalteten wir die Funktion aus. Außerdem sind beide Touchpad-Tasten außen zu schwergängig.

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Die Ultra-Low-Voltage-Prozessoren und die SSD-Platte sind schnell genug für einen flüssigen Umgang mit Vista. Auch hochauflösende Videos laufen ohne Ruckler, nur an Spiele ist aufgrund der lahmen Intel-Chipsatzgrafik nicht zu denken. Ein separater Grafikchip passt natürlich nicht in das flache Adamo. Zu einem besseren Chipsatz hätte Dell aber durchaus greifen können: Im MacBook Air sorgt der 9400M von Nvidia für die dreifache Punktzahl in 3D-Benchmarks. Auch die Laufzeit könnte angesichts der begrenzten Leistung länger sein, denn im Test war schon nach gut vier Stunden Schluss. Da der Akku fest eingebaut ist, können nur Dells Techniker ihn tauschen – der Preis dafür steht noch nicht fest. Vorbildlich: Auch unter Last sirrt der Lüfter nur mit 0,9 Sone.

Das lateinische „adamo“ bedeutet „ich gewinne lieb“, und in die perfekt verarbeitete Hülle verguckt man sich tatsächlich im Nu. Allerdings kostet das 1,2-GHz-Modell satte 1900 Euro – zwei Hunderter mehr als das schnellere und leichtere MacBook Air. Nur der anschlussfreudige Bürzel liefert im Duell der beiden puristischen Alu-Flundern ein gewichtiges Argument pro Adamo. Ist Schnittigkeit zweitrangig, finden sich in der 2000-Euro-Klasse weitere Konkurrenten: Lenovos ThinkPad X301 und Sonys Vaio Z sind noch besser ausgestattet als die Top-Variante des Adamo mit 1,4 GHz und HSPA. Diese sprengt mit 2600 Euro jeden rationalen Rahmen – und hat anders als der R8 nicht mehr Leistung unter der Haube als die Standard-Klasse, sondern weniger. (cwo [1])

Adamo Thirteen
Edel-Notebook im Alu-Gehäuse
Hersteller Dell [2]
Spezifikation Intel Core 2 Duo SU9400, 4 GByte PC3-8500-RAM, 13,4-Zoll-Display (1366 x 768, spiegelnd), 128 GByte SSD, Intel GS45 mit Grafik GMA 4500MHD, GBit-LAN, WLAN (802.11a/b/g/Draft-n 450), Bluetooth 2.0+EDR, HSPA-Modem, Webcam
Schnittstellen Displayport, eSATA, USB, Kopfhörer
Gewicht / Größe 1,85 kg / 33,1 cm x 24,1 cm x 1,86 cm
Preis der getesteten Konfiguration / Einstiegspreis 2600 € / 1900 € (Intel SU9300 1,2 GHz, kein HSPA, 2 GByte RAM)
externe Laufwerke DVD-Brenner (140 €), BD-ROM (250 €), 250-GByte-HDD (140 €), 500-GByte-HDD (210 €)

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