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Android Oreo: Features, Download und Smartphone-Unterstützung

Wissen | Hintergrund

Android 8 heißt Android Oreo und ist bereits für einige Smartphones verfügbar. Viele Funktionen und die überarbeiteten Menüs kann man deshalb schon ausprobieren – ein Blick auf die Neuerungen.

Seit dem 21. August ist Android Oreo offiziell: Nutzer einiger Nexus- und Pixel-Smartphones können die neue Version bereits herunterladen. Ein erster Blick verrät: Google hat praktische Funktionen ergänzt, viele davon kennt man schon von alternativen ROMs wie Cyanogenmod oder von Samsungs Galaxy-UI.

Aktualisierungen

Dieser Beitrag wird im Laufe der Zeit um weitere Themen erweitert. Eine Update-Historie finden Sie am Ende des Artikels.

Wir zeigen Ihnen, welche Features neu sind, wie Google die Android-Menüs überarbeitet hat, wo man die Entwicklerversion herbekommt und welche Smartphones Android Oreo unterstützen werden.

Die finale Version hat Google am 21. August vorgestellt. Ab jetzt ist die finale Version fürs Google Pixel, Pixel XL, Pixel C, Nexus 6P, Nexus 5X und den Nexus Player theoretisch verfügbar.

Theoretisch, weil Google das ROM stückweise ausliefert und viele Geräte vermutlich erst in den nächsten Tagen einen Aktualisierungshinweis erhalten werden. Wenn Sie selbst eins der genannten Geräte besitzen und trotzdem noch kein Update erhalten haben, können Sie versuchen, über das Android-Beta-Programm schneller daran zu gelangen:

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Timeline Android O (Bild: Google)

Und bei den anderen Herstellern? Um die Update-Politik zu den zahlreichen Geräten der einzelnen Hersteller übersichtlicher darzustellen, haben wir sie in folgender Bilderstrecke nach Herstellern aufgeteilt:

Diese Hersteller liefern ein Update auf Android 8 (Oreo) (0 Bilder) [2]

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Benachrichtigunskategorien: Google hat wie schon in den vergangenen Versionen am Benachrichtigungssystem geschraubt. Benachrichtigungen werden in Kategorien unterteilt, die im englischen Channels heißen und individuell gesteuert werden können. So kann der Anwender beispielsweise für wichtigere Rubriken wie Mails oder Kalendereinträge etwa Ton und Vibration aktivieren, und dafür Push-Werbung aus Spielen oder Zeitungs-Apps stummschalten.

Android O Developer Preview (0 Bilder) [4]

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Wie eingeteilt wird, entscheidet dabei aber der App-Entwickler: Will der seine Werbung weiterhin pushen, muss er keine eigene Kategorie dafür anbieten. Auch App-übergreifend wird es es keine Kanäle geben, die Einteilung bleibt auf die jeweilige Anwendung beschränkt und damit eher mühselig.

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Bild-im-Bild-Modus (Bild: Google)

Video mit Bild-in-Bild: Android Oreo soll in der finalen Version einen Bild-im-Bild-Modus bieten, wie ihn schon Android-TV-Geräte kennen. So kann etwa ein Video oder ein Videochat in einem verkleinerten Bereich weiterlaufen, während der Anwender eine andere App nutzt. Ein ähnliches Feature gab es schon auf den Smartphones einiger Hersteller – auf einigen Samsung-Geräten zum Beispiel. Überhaupt können mehrere Fenster und mehrere Bildschirme mit unterschiedlichen Inhalten gleichzeitig gerendert und genutzt werden.

Erweiteter Farbraum für Wide-Gamut-Displays: Android Oreo kann auch für Bildschirme mit einem erweiterten Farbraum sowie für 16-Bit-PNG-Bilder genutzt werden. Apps können dem Betriebssystem anzeigen, dass sie einen erweiterten Farbraum nutzen möchten und dann Bilder mit eingebettetem Farbprofil laden, sofern das Display dies unterstützt.

Virenscanner: Play Protect ist hauptsächlich ein Malware-Scan, den Google sowieso schon für alle Apps im eigenen Store durchführt. Dieser ist nun auch als App verfügbar, sodass sich damit auch Apps aus anderen Quellen scannen lassen. Der Scan findet auf dem Gerät statt, Google will ihn ständig verbessern. Ein entsprechendes Update der Store-App dürfte in den nächsten Wochen auch bei den Nutzern älterer Android-Versionen landen; erste Smartphone-Besitzer berichten schon jetzt von einem entsprechenden Update.

Neues Layout in den Einstellungen: Eine der ersten Auffälligkeiten unter Android Oreo sind die Einstellungen. Das Menü hat sich optisch stark verändert und ist nun in weniger Oberkategorien eingeteilt, dafür sind diese stärker verschachtelt. Erst ein Fingerdruck bringt alle Elemente zum Vorschein

Auch die Schnelleinstellungen in der Benachrichtigungsleiste sehen anders aus: Dort sind mehr Funktionen untergebracht, in der aufgeklappten Version führt ein Druck aufs Symbol wieder direkt in die Einstellungen und nur ein Tippen auf die Schrift darunter zu den in Android 7.0 eingeführten Untermenüs.

Noch feiner optimieren kann man über den versteckten SystemUI-Tuner. Ihn schaltet man wie gehabt mit einem langen Druck auf das Zahnrad in den Schnelleinstellungen frei. Über ihn kann man die Navigationsleiste verändern und die Buttons links- oder rechtsbündig verteilen. Zudem können zwei zusätzliche Schaltflächen links und rechts hinzugefügt werden, etwa eine Verknüpfung zur Zwischenablage. Auf den Sperrbildschirm lassen sich nun Verknüpfungen zu zwei Apps links und rechts unten festlegen, bisher war da fest die Kamera-App untergebracht.

App-Benachrichtigungen im Icon: Der Zugang zu App-Benachrichtigungen ist bei Android Oreo nun zusätzlich über das App-Icon möglich. Sobald eine App eine Benachrichtigung erzeugt, bekommt das Icon einen kleinen Punkt. Tippt man länger darauf, erscheint die Nachricht direkt im Display.

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Animierte App-Icons (Bild: Google)

Schönere App-Icons: Mit den neuen adaptiven Icons können Apps je nach Gerät und Oberfläche unterschiedlich aussehen. Statt der von Google bevorzugten runden Symbole sind mit der gleichen Vorlage auch quadratische oder an den Ecken abgerundete Varianten möglich. Dazu muss der Entwickler eine Vorlage mit zwei Ebenen liefern: Einmal das Symbol selbst, das mit 72 × 72 Pixel deutlich größer als zuvor ausfällt. Dazu kommt eine transparente Hintergrundebene. Daraus bastelt das System dann je nach Vorgabe ein passendes Symbol. Darüber hinaus kann das System grafische Elemente wie Schatten oder Parallax-Ebenen einfügen und ohne Zutun des Entwicklers Animationen wie ein pulsierendes Icon bauen.

Safe-Browsing-API: Eine Safe-Browsing-API führt Google nicht bloß für Android Oreo, sondern sogar zurück bis Android Lollipop ein. Über diese Schnittstelle können Apps beim Aufruf einer URL prüfen, ob Google die Ressource als gefährlich eingestuft hat, etwa weil der Server gehackt ist oder die Webseite als Phishing-Falle bekannt ist.

Google Play Protect scannt installierte Apps auf Schädlinge und landet als Teil der Play-Store-App auch auf Geräten mit Android 7 und älter.
Google Play Protect scannt installierte Apps auf Schädlinge und landet als Teil der Play-Store-App auch auf Geräten mit Android 7 und älter. (Bild:  Google [6])

Eingebauter Virenscanner Play Protect: Die Apps im Play Store scannt Google schon lange auf Schädlinge, nun landet der Scanner auf dem Gerät und ist vom Nutzer über die Play-Store-App manuell zu starten. Er überprüft auf Wunsch auch aus anderen Quellen installierte Apps. Play Protect wird auch auf Geräten mit älteren Android-Versionen laufen.

WebView-Komponente: Mit Android Oreo soll die WebView-Komponete standardmäßig in einem getrennten Prozess laufen. Damit würden Inhalte aus dem Netz getrennt von der App laufen, die WebView dafür aufruft. Das soll die Sicherheit und Stabilität erhöhen.

Sideloading: Die Installation von Apps aus externen Quellen wird nun etwas ausgefeilter beschränkt: Statt das Sideloading pauschal zu erlauben oder zu verbieten, wird die Erlaubnis nun für die jeweilige App erteilt, die das Paket geladen hat. So kann die Installation aus dem Browser heraus verboten bleiben, aber etwa dem Amazon Appshop oder F-Droid generell erlaubt werden. Die Option wandert zudem zu den anderen App-Zugriffsrechten ins Einstellungsmenü.

Ausgeweitete Android ID: Jedes Userkonto und jede installierte App soll sich mit einer eigenen Android-ID ausweisen. Das erschwert das Tracking über Nutzerkonten hinweg. Die Werbe-ID bleibt für alle Apps eines Accounts auf einem Gerätes gleich. Andererseits soll es einfacher werden, Google-Accounts mit Konten bei Drittanbietern zu verlinken, auch Bezahlvorgänge will Google vereinfachen.

Vorrang für Apps im Vordergrund: Beschränkt wird der Ressourcenverbrauch von im Hintergrund aktiven Apps: Die aktive Abfrage des Aufenthaltsortes des Gerätes wird beschränkt, der Einsatz von Geofencing oder passives Mithören bei den Abfragen aktiver Apps sind aber möglich. Die in Android Nougat eingeführten Beschränkungen für den Empfang von Broadcasts werden verschärft. Und nach einigen Minuten im Hintergrund werden Apps gestoppt, wobei es aber Ausnahmen gibt. Dies soll die Performance der vom User aktiv genutzten Apps verbessern.

OTA-Updates auch bei knappem Speicher: Mit Android 7 ausgelieferte Geräte haben zwei System-Partitionen, die schnellere Updates erlauben. Auf solchen Geräten wird nun mit Android Oreo ein System-Update – etwa die monatlichen Security-Patches – auch dann möglich sein, wenn der interne Speicher vollgelaufen ist. Anders als bisher wird das üblicherweise mehrere hundert Megabyte bis einige Gigabyte große Update nicht erst als separate Datei gespeichert, sondern direkt beim Download in die inaktive System-Partition installiert.

Android Developer Blog
(Bild:  Android Developer Blog [7])

Schnellere Updates mit Project Tango: Android Oreo führt eine neue Abstraktionsschicht zwischen Hardware-Treibern und Betriebssystem ein, das Vendor Interface [8]. Die Hersteller setzen den Treiberunterbau (die Vendor Implementation) einmal zusammen und können sie so bei Android-Updates unverändert lassen. Das vereinfacht den Update-Vorgang für den Hersteller ein wenig, ändert aber nichts daran, dass dieser die Updates bereitstellen muss. Direkt von Google gelieferte Sicherheits-Patches, die ein Nutzer selbst einspielen kann, bringt Android Oreo also weiterhin nicht.

Autovervollständigen-API: Entwickler können künftig in ihren Apps eine globale "Autofill"-Funktion verwenden, mit der Formularfelder wie E-Mail- oder Postadresse automatisch ausgefüllt werden, sofern der Nutzer das will.

Verbesserte Tastatur-Unterstützung: Google verspricht für Android Oreo eine verbesserte Tastatur-Unterstützung. Unter anderem sollen die Pfeiltasten und die Tab-Taste nun konsistenter arbeiten, wie es von anderen (Desktop-)Systemen gewohnt ist.

Intelligente Zwischenablage: Beim Kopieren von Textstellen hilft Android, die richtige Textstelle zu markieren. Bisher muss man die kleinen blauen Icons zum Markieren eines Texts umständlich zurechtfummeln. Nun versucht sich eine Automatik daran, etwa Adressen, Telefonnummern und Namen komplett zu erkennen.

Bessere Audio-Codecs für Bluetooth: Im neuen Android zieht eine native Unterstützung für hochwertigere, aber proprietäre Audio-Codecs ein. Auf damit kompatiblen Smartphones kann das System nun Qualcomms aptX (HD) und Sonys LDAC verwenden, die Gerätehersteller müssen die notwendige Software nicht mehr selbst ins Android-Image des einzelnen Smartphones einbauen.

Unterstützung für Wi-Fi Aware: Mit dem der Unterstützung für Wi-Fi Aware werden entsprechend ausgestattete Geräte künftig direkt über WLAN miteinander reden können, ohne einen Umweg übers Internet gehen zu müssen. So können Smartphones automatisch von in ihrer Nähe per WLAN erreichbaren Druckern, Displays und Ähnlichem erfahren und ohne Aufbau einer dedizierten Verbindung kleine Informationshappen wie Standortinformationen oder Sensormesswerte austauschen. Was bisher fehlt, sind passende Geräte.

Zweite Sprache neben Java: Die Programmiersprache Kotlin findet nun eine offizielle Unterstützung durch Google; bisher sind dazu einige Umwege nötig. Android Studio 3.0 soll mit dem kompletten Toolset [9] kommen; derzeit steht die Beta 1 zum Download [10] bereit. Siehe dazu auch den zweiteiligen Kotlin-Kurs in c't, Teil 1 in c't 15/17 [11] und Teil 2 in c't 16/17 [12].

[Updates]

[/Updates] (acb [13])


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[1] https://www.heise.de/ct/artikel/Mit-diesem-Trick-bekommt-man-Android-Oreo-schneller-aufs-Handy-3809397.html
[2] https://www.heise.de/ct/bilderstrecke/bilderstrecke_3796166.html?back=3727788
[3] https://www.heise.de/ct/bilderstrecke/bilderstrecke_3796166.html?back=3727788
[4] https://www.heise.de/ct/bilderstrecke/bilderstrecke_3663195.html?back=3727788
[5] https://www.heise.de/ct/bilderstrecke/bilderstrecke_3663195.html?back=3727788
[6] https://www.android.com/play-protect
[7] https://android-developers.googleblog.com/2017/05/here-comes-treble-modular-base-for.html
[8] https://www.heise.de/meldung/Google-I-O-Project-Treble-soll-Updates-bei-Android-O-vereinfachen-3714074.html
[9] https://www.heise.de/meldung/Android-Studio-3-0-hat-Kotlin-an-Bord-3716390.html
[10] https://developer.android.com/studio/preview/index.html
[11] https://www.heise.de/ct/ausgabe/2017-15-Die-neue-Programmiersprache-fuer-Java-und-mehr-Teil-1-3760345.html
[12] https://www.heise.de/ct/ausgabe/2017-16-Die-neue-Programmiersprache-fuer-Java-und-mehr-Teil-2-3771778.html
[13] mailto:acb@ct.de