Auch AMD-Produkte sind betroffen

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Es scheint, als hätten wir mit unserem Bericht über CPUs mit gefälschtem Aufdruck in ein Wespennest gestochen. Aus allen Himmelsrichtungen tauchen jetzt weitere manipulierte CPUs auf.

Neben den in [1] beschriebenen gefälschten Intel-DX4-100 Prozessoren erreichten uns in den letzten Wochen noch diverse andere CPUs mit manipuliertem Aufdruck. Die Qualität der [[bild_url1] neuerlichen Fälschungen (Bild 90 KByte)] ist erstaunlich. Wo die ersten Chips noch kleine Mängel in den Beschriftungen zeigten, sind die neuen Prozessoren kaum noch von echten zu unterscheiden. Die uns vorliegenden [[bild_url2] i486DX2-66-CPUs (110 KByte)] waren nur noch anhand der [[bild_url3] Prägung "i50"] in der Bodenplatte als Fälschungen zu entlarven.

Die findigen Fälscher haben aber inzwischen auch dagegen ein Mittel gefunden. Eine feine Metallfolie wird mit allen Kennzeichen einer echten CPU versehen und anschließend über die Bodenplatte geklebt. Solcherart manipulierte Prozessoren täuschen selbst Fachleute.

Inzwischen macht die Betrugswelle auch vor AMD-CPUs nicht halt. Dreiste Händler verkaufen angeblich von AMD falsch beschriftete Am486DX2-80 Prozessoren als DX4-100-Typen. Tatsächlich handelt es sich laut AMD bei diesen Prozessoren um waschechte DX2-80-CPUs, die allerdings auch als Clock-Tripler arbeiten, wenn der Pin B13 nicht, wie vorgeschrieben, auf Masse liegt. Die CPUs sind allerdings nur für 80 MHz spezifiziert, wer sie mit 100 MHz betreibt, muß laut AMD mit Fehlern und Ausfällen rechnen.

Die Tarnung der AMD-CPUs erfolgt allerdings noch längst nicht so geschickt wie bei den Intel-Chips. Die Manipulateure beschränken sich darauf, einen Prozessorlüfter direkt auf die CPU zu kleben. Die Mühe, die alte Beschriftung abzuschleifen und eine neue anzubringen, machen sie sich nicht (siehe [[bild_url4] Bild 80 KByte]). Wer den aufgeklebten CPU-Lüfter gewaltsam entfernt, findet darunter die Originalbeschriftung Am486DX2-80 – von 100 MHz DX4 keine Spur. (gs)

[1] Georg Schnurer, Heiße Hunderter, IntelDX4-CPUs "hochgestempelt", c't 3/95, S. 20


Jetzt auch gefälschte SIMMs?

Nach leeren Cache-RAMs und umgelabelten Prozessoren sollen jetzt angeblich auch gefälschte DRAM-SIMMs im Handel sein.

Ein Münchener Händler berichtete gegenüber c't, er habe von einem Distributor eine größere Menge "Marken-Falsifikate" bezogen. Sie trügen das Logo und die volle Bezeichnung eines weltbekannten Markenherstellers. Dieser habe aufgrund der Beschreibung und Bezeichnung "die Fälschung als solche telefonisch vorläufig bestätigt". Es soll sich um 1-MB-Module mit 70 ns Zugriffszeit handeln, die mit drei SOJ-Bausteinen (zwei 1 MBx4, ein 1 MBx1) bestückt sind. Nähere Angaben, insbesondere die angeblichen Falsifikate, wollte der Informant gegen Höchstgebot an Computerzeitschriften versteigern. Da c't grundsätzlich keine Informationen kauft, konnten wir den Wahrheitsgehalt der Behauptungen nicht überprüfen.

Eine Umfrage bei großen Markenherstellern ergab keinerlei nähere Hinweise. Obwohl die Annahme naheliegt, daß betroffene Hersteller spätestens bei Reklamationsfällen auf die unlautere Konkurrenz aufmerksam geworden sein müßten, erklärten die befragten Firmensprecher einhellig, sie hätten nicht einmal gerüchteweise von aktuellen Betrugsfällen gehört. Nach den diversen Chip-Fälschungen, die c't in den vergangenen Monaten aufdeckte, erscheint es jedoch zumindest plausibel, daß auch der großvolumige DRAM-Markt von betrügerischen Machenschaften betroffen sein könnte. Bei dynamischen Speichern gibt es gleichfalls minderwertige Ware, die eventuell billig eingekauft und unter falscher Flagge teuer wieder verkauft werden könnte. Chips, die bei der Endkontrolle durchfallen, weil sie den Anforderungen an Computerspeicher hinsichtlich Timing und Refresh-Verhalten nicht ganz genügen, landen zum Teil als sogenannte 'Audio-RAMs' zum halben Preis auf dem Markt. Einige Markenhersteller bestätigten, daß Zweite-Wahl-Chips zwar relativ häufig nachgefragt, aber nur selten geliefert würden. In diesen Ausnahmefällen seien Abnehmer und Einsatzzweck bekannt. Kein Markenhersteller wolle seinen guten Ruf gefährden, hieß es. (cp)