Auch mitmachen wollen

@ctmagazin | Editorial

Kein Facebook, niemals! Das haben sich viele geschworen, die erst abwarten wollten, statt direkt einzusteigen. Mit beunruhigendem Tempo mutierte die soziale Spielwiese zu einem hungrigen Moloch, der gierig alle privaten Daten seiner Anwender schluckte.

Auch mitmachen wollen

Kein Facebook, niemals! Das haben sich viele geschworen, die erst abwarten wollten, statt direkt einzusteigen. Mit beunruhigendem Tempo mutierte die soziale Spielwiese zu einem hungrigen Moloch, der gierig alle privaten Daten seiner Anwender schluckte, um sie ungefragt zu verknüpfen, mit Dritten zu teilen oder gar der Öffentlichkeit preiszugeben.

Wohl dem, der das von außen beobachten durfte, statt es am eigenen Leibe zu erfahren. Und doch bleibt eine latente Unzufriedenheit; das Gefühl, einen wichtigen Anschluss verpasst zu haben. Klar, bleibt immer noch Twitter, aber dort sind die Möglichkeiten doch sehr begrenzt. Social Media für Frührentner quasi.

Da betritt plötzlich Google+ die Szene. Die leckersten Features von Facebook, mit weniger Nerv. Eine unkomplizierte Oberfläche, gestaltet von einem allseits geschätzten Mac-Guru. Flexible Kontrollschranken zum Schutz der Privatsphäre. Was soll man noch mehr wollen? Nichts wie hin!

Jetzt müsste man nur noch reinkommen. Google+ hat den strengsten Türsteher, den man sich vorstellen kann. Bei Google Mail musste man in Deckung gehen, um nicht vor Einladungen erschlagen zu werden. Bei Google+ bedeutet eine Einladung noch nicht mal, dass man tatsächlich rein darf: "Zurzeit sind unsere Kapazitäten ausgelastet. Bitte versuchen Sie es in Kürze noch einmal." Drei Tage "Aktualisieren" machen mürbe, die F5-Taste leiert schon aus.

Was tun mit der Wartezeit bis zum Einlass? Man könnte darüber meditieren, worauf man sich da gerade einlassen will. Bisher hatte Google ja kein glückliches Händchen mit Social Media. Bei Google Wave verstand erst keiner, was es eigentlich sein sollte, dann fegte schon ein Sturm negativer Schlagzeilen darüber hinweg - alle zum Thema Privatsphäre. Also lieber nicht, davon kriegt man ja schon bei Facebook genug.

Google+ kommt hingegen von vornherein mit einem klaren Konzept daher: "Wie Facebook, aber nicht Facebook." Reicht schon, gekauft. "Mit zusätzlichen Funktionen." Ja bitte, ich will! Lasst mich rein. Nehmt meine Daten. Verknüpft sie mit meinem Suchverlauf, mit meinen YouTube-Videos, mit der StreetView-Ansicht meiner Wohnung. Monetarisiert mich über Google Ads und Google Checkout. Ein Klick und ich gehör euch! Hauptsache, ihr lasst mich endlich rein. F5, F5, F5, F5. (ghi)

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