Auf Testfahrt mit dem neuen Nissan Leaf Update

Auf Testfahrt mit dem neuen Nissan Leaf

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Der Nissan Leaf ist das weltweit meistverkaufte Elektroauto. Nun hat der Hersteller die zweite Generation des Leaf vorgestellt – c't-Redakteur Sven Hansen ist den Wagen Probe fahren.

Mit dem Leaf auf Teneriffa

Unser Kollege Sven Hansen konnte den neuen Nissan Leaf auf Teneriffa probefahren. Von dort schickt er Berichte, Videos und Bilder in die Redaktion. Der Testbericht erfährt deshalb kontinuierliche Updates.

Der Nissan Leaf gehört zu den erfolgreichsten Elektro-Autos. Mehr als 300.000 Exemplare des reinen Elektro-Autos wurden bislang ausgeliefert. Die zweite Generation des Nissan Leaf bringt einige Verbesserungen mit: Eine Leistungssteigerung auf satte 110 kW (150 PS) und Erhöhung des Drehmoments auf 320 Nm. Damit schafft es der neue Leaf von 0 auf 100 km/h in 8,4 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit bleibt auf 144 km/h begrenzt, um die Batterie zu schonen.

Die Batteriekapazität von 40 kWh sorgt nach NEFZ (Neuen Europäischen Fahrzyklus) für eine Reichweite von 350 bis 378 km. Nach dem eher realistischen WLTP-Fahrzyklus (Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure) sind es allerdings "nur" 285 km. Damit kommt der neue Nissan Leaf im realen Fahrbetrieb etwa 100 km weiter als sein Vorgänger.

Die Batterie des Leaf 2 lässt sich über CHAdeMO mit maximal 50 kW laden, für das heimische Laden gibt es eine Typ-2-Buchse mit maximal 6,6 kW.

Ab März soll es den neuen Nissan Leaf zweiter Generation geben – das Basismodell für 31.950 Euro. Mit besserer Ausstattung, einigen Extras und einer Wärmepumpe, kostet das Elektro-Auto voraussichtlich 34.200 Euro.

c't konnte den Leaf 2 Probe fahren und dabei einige Erkenntnisse zum Fahrverhalten des Elektromobils gewinnen. Mit dem ProPilot fährt der neue Leaf auf der Autobahn teilautomatisch: Der Wagen übernimmt die Lenkung, die Beschleunigungs- und die Bremsvorgänge und hält automatisch das Tempo. Den Fahrassistenten haben wir uns zuerst angeschaut.

In unserem Test funktionierte der PilotPro zuverlässig und stellt auf langen Strecken eine angenehme Erleichterung dar. Einen Spurwechsel vollzieht der Leaf automatisch, wenn man den Blinker setzt. Anders als beispielsweise bei Tesla müssen die Hände des Fahrers aber stets am Lenkrad bleiben.

Video: Das Fahrassistenzsystem PilotPro

Eine weitere Neuerung ist die von Nissan als E-Pedal bezeichnete stärkere Energierückgewinnung. Sobald man sie aktiviert lässt sich der Leaf in den meisten Fahrsituationen ausschließlich mit dem Gaspedal steuern: Schon bei leichter Gaswegnahme rekuperiert der Wagen deutlich stärker als andere Elektroautos – fast wie bei einem leichten Tritt auf die Bremse. Nimmt den Fuß weiter vom Pedal, schalten sich die konventionellen Bremsen dazu. So lässt sich der Leaf nur durch Gaswegnahme sogar zum Stillstand bringen.

Video: Die Energierückgewinnung namens E-Pedal

Bei vorausschauender Fahrweise und mit etwas Übung, braucht man das Bremspedal nur noch für Notfälle und erhält stets die maximale Energierückgewinnung.

Auf der Vorstellung des neuen Nissan Leaf stand den Journalisten das Fahrzeug für etwa fünf Stunden zur Verfügung. Fünf Stunden, in denen wir den Wagen in unterschiedlichsten Umgebungen testen konnten. Der Schauplatz Teneriffa war insofern gut gewählt: Von eher ruhigen Schnellstraßen mit 120 km/h Maximalgeschwindigkeit bis zu Serpentinen am Pico del Teide war alles dabei. Der Nationalpark Teide war wegen Schneefall geschlossen – den Wintertest musste der Leaf daher noch nicht antreten.

Der neue Leaf fährt sich mindestens so gut wie der alte Leaf – hat im Detail dann aber doch ein wenig mehr zu bieten. Im Innenraum hat sich bei der Topausstattung Tekna – wenig getan – hochwertiges Interieur, gute Verarbeitung. Die Schaltung ist gleich geblieben, lediglich das Infotainment und der Tachobereich wurden überarbeitet.

Statt digitaler Geschwindigkeitsanzeige gibt es nun wieder einen analogen Tacho – angeblich auf Kundenwunsch. Links daneben werden weitere Informationen auf einem circa 7-zölligen Display eingeblendet. Das Display wird ausschließlich für Statusanzeigen eingesetzt, hochaufgelöste Informationen wie etwa Kartendaten bei der Navigation sind darauf nicht zu sehen.

Die Kurvenfahrten in die Berge machen einfach nur Spaß. Im normalen Fahrmodus (nicht Eco) nimmt der Leaf die Steigungen souverän und liegt dank etwas strammerer Federung und tiefem Schwerpunkt gut auf der Straße.

Mit dem E-Pedal liefert Nissan zudem eine Möglichkeit, den Leaf fast ganz ohne Einsatz des Bremspedals zu bewegen: Geht man vom Gas, wird das Fahrzeug automatisch abgebremst. Bei höheren Geschwindigkeiten geschieht dies durch Einsatz des E-Motors (Rekuperation), bei niedrigeren Geschwindigkeiten klinkt sich die mechanische Bremse ein. Das Ineinandergreifen beider Systeme ist äußerst flüssig gestaltet und vom Fahrer kaum wahrzunehmen. Am Ende kommt das Fahrzeug zum Stehen.

Video: E-Pedal ausprobiert

Die wohl wichtigste Neuerung ist der ProPilot. Das Assistenzsystem kombiniert – wie von anderen Herstellern bereits bekannt – einen Spurhalteassistenten mit einem radargestützten Abstandhalter. Bei Autobahnfahrten kann man sich so bequem hinter dem vorlaufenden Verkehr halten. Für ein E-Auto eine äußerst sinnvolle Ergänzung. Der ProPilot arbeitet über den gesamten Geschwindigkeitsbereich bis 144 km/h.

Einziger Pferdefuß: Selbst bei navigierten Fahrten schaltet er sich beim Verlassen der Autobahn nicht automatisch ab. Wenn die Straße in der 30er-Zone dann endlich frei wird, kann man schon mal eine Überraschung erleben.

Überrascht hat der ProPilot Park: Der Assistent nutzt sowohl die Ultraschallsensor als auch das 360-Grad-Kamerasystem, um Parklücken zu finden. Dabei erkennt er auch die Streifen leerer Parkplätze.

Wurde ein Parkplatz gefunden, parkt das Fahrzeug bei Drücken der Parkassistenztaste automatisch ein. Dabei muss der Fahrer weder Lenkrad, noch Schaltung oder Pedalerie bedienen. Im Test klappte das Einparken – manchmal mit ein paar Korrekturzügen – ohne Probleme.

Video: Nissan Leaf aufladen

Insgesamt gab Nissan an, einhundert kleine Änderungen im neuen Leaf umgesetzt zu haben. Dazu zählt auch die etwas weiter öffnende Klappe des Nasenladers oder ein veränderter Spoiler, der für 2,5 km mehr Reichweite sorgen soll.

In Sachen Chademo gibt Nissan alles: Selbst der günstigste Leaf kommt jetzt mit Schnelladefunktion. Einen für Endkunden erschwinglichen bidirektionalen Lader soll es im Laufe des Jahres geben. Das wird auch langsam Zeit, denn bereits viele Kunden des ersten Leafs haben ihre Chademo-Fahrzeuge mit Hoffnung auf eine solche Ladelösung angeschafft. Mit ihr ließe sich das Fahrzeug problemlos als Pufferspeicher für die heimische Solaranlage einsetzen.

Wind und Sonne auf Teneriffa: Das Zwischenfazit fällt insgesamt positiv aus. Assistenzfunktionen wie die adaptive Geschwindigkeitskontrolle und der Spurassistent erleichtern das Fahren und klappen einfach. Mit dem E-Pedal entfällt das eigene Spiel mit Gas und Bremse, das Ganze läuft stattdessen unbemerkt und automatisch – und ist etwas gewöhnungsbedürftig. Das Infotainment-System unterstützt jetzt Android Auto, bleibt insgesamt aber weitgehend unverändert. Hier gibt es wohl erst mit dem Leaf 3 ein Update.

Video: Erstes Fazit aus Teneriffa

Haben Sie Fragen zum Leaf? Schreiben Sie uns Ihre Fragen in die Kommentare unter diesen Beitrag! Sven wird versuchen, Ihre Fragen zu beantworten. (spo)

Disclaimer: Testfahrer Sven Hansen wurde von Nissan zur Probefahrt eingeladen

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