Aus dem Weg

@ctmagazin | Editorial

Aus dem Weg

Leicht wirds heutzutage dem gemacht, der durchs World Wide Web surfen will. Windows aufspielen, wenns nicht eh vorinstalliert ist, Internet Explorer starten, ein paar Fragen zum Zugang beantworten, und los gehts ...

Den Browserkrieg hat Microsoft gewonnen - nicht, weil der Internet Explorer immer schon so gut war, sondern weil er seit Jahren unvermeidlich auf jedem Windows-Rechner präsent ist. Durch die Kopplung von Browser und Betriebssystem habe Microsoft dem Wettbewerb das Wasser abgegraben, lautete deshalb ein Hauptvorwurf in dem seit fünf Jahren andauernden Anti-Trust-Verfahren. Der anfangs mit dem Fall betraute Richter Thomas Penfield Jackson glaubte dem Gates-Konzern nicht, dass Browser und Betriebssystem untrennbar zusammengehörten. Erst recht nicht mehr, nachdem der Zeuge Dr. Edward Felten im Gerichtssaal demonstriert hatte, wie einfach sich der Internet Explorer herauslösen ließ.

Jackson konstatierte die rechtswidrige Ausnutzung eines Monopols und ordnete die Zerschlagung von Microsoft an. Seine Begründung: Die Führungsspitze ist unbelehrbar und nicht vertrauenswürdig. Er prophezeite gar, sie werde niemals ihr monopolistisches Streben ablegen. Dann wechselte die Regierung, die Zerschlagung schlug fehl, Jackson wurde abgesetzt.

Derweil kaufte AOL Microsofts größten Browser-Rivalen Netscape. Die Netscape-Entwickler gaben den Navigator-Quellcode frei, und aus dem wurde Mozilla. Doch der Drache geriet zu fett, Spaghetti-Code macht den Entwicklern das Entwickeln schwer und den Surfern das Surfen leidig. Dann gründete auch noch Apple seinen Safari-Browser auf KHTML - und zerschlug damit Hoffnungen auf eine größere Verbreitung der Mozilla-Engine Gecko.

Der User ist bequem und bleibt bei dem, was den Zweck erfüllt. Die Mehrheit will nicht mit einem trägen Browser browsen, den man erst mühselig saugen muss, wenn eh alle naselang per AOL-CD die aktuellste Fassung des De-facto-Standards ins Haus kommt. Netscape Navigator zur AOL-Zugangssoftware? Das wagt AOL nicht. Dann hätte Microsoft wohl kaum die Schadenersatzforderung in Höhe von 750 Millionen US-Dollar beglichen.

Hat Mozilla überhaupt noch eine Chance im Windows-Imperium? Führt noch irgendein Weg daran vorbei, dass der Monopolist zum Torwächter des Internet wird? Die Aussichten stehen schlecht, nachdem selbst der Netscape-Besitzer und Erzrivale AOL sich den Internet Explorer hat aufdrängen lassen. Und wie zum Hohn wischt der Software-Gigant die Kernfrage, über die sich Experten und Juristen im Anti-Trust-Prozess die Köpfe heiß redeten, vom Tisch: Der Internet Explorer 6 soll die letzte Standalone-Programmversion sein, danach wird der Browser in Windows aufgehen. Basta und Schluss der Debatte.

Das hat Thomas P. Jackson schon vor drei Jahren vorausgesehen. Im Anti-Trust-Prozess durfte er nichts mehr ausrichten - und nun steht er im Alter von 66 Jahren vor der Pension. Aber wer weiß, vielleicht lässt Jackson sich überzeugen, fürderhin als Justiziar bei Mozilla dem müden Drachen gegen Microsoft beizustehen.

Oliver Lau

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