Ausgespäht: Historische Spitzeltechnik im Deutschen Spionagemuseum

Ausgespäht: Historische Spitzeltechnik im Deutschen Spionagemuseum

Wissen | Reportage

Während seiner Teilung galt Berlin als Hauptstadt der Spione. Heute zeigt das Deutsche Spionagemuseum am Potsdamer Platz Spionagetechnik von der Antike bis (fast) in die Gegenwart.

Bei keinem der Berliner Museen sind die Einlasskontrollen so streng, wie beim Deutschen Spionagemuseum am Potsdamer Platz: Ohne Ganzkörperscan kommt man nicht hinein. Doch gleich danach ist es mit dem beim Thema der Ausstellung unvermeidlichen Augenzwinkern wieder vorbei – fürs erste jedenfalls. Denn zunächst erwartet den Besucher ein Ausflug in die antike Vorgeschichte der Spionage.

Zu deren Kerngeschäft zählte und zählt natürlich die Übermittlung von geheimen Informationen an der Aufklärung des jeweiligen Gegners vorbei, mithin die Verschlüsselung von Botschaften. Auch diese Geschichte beginnt lange vor computergestützter Kryptografie. Aus dem Fundus der Chiffrier- und Dechiffriermaschinen entstammen die anschaulichsten Exponate der Ausstellung – neben ein paar Waffen, Funkgeräten und einigen Gerätschaften, die aus dem Labor von "Q" kommen könnten, dem legendären Tüftler des MI6 in James-Bond-Filmen.

Ebenfalls aus zahlreichen Verfilmungen berühmt ist ein weiteres zentrales Ausstellungsstück: Die Glienicker Brücke. Ursprünglich sollte das Museum in der Nähe der Brücke an der Stadtgrenze Berlins angesiedelt werden, es fand sich jedoch keine passende Immobilie. Nun kann der Besucher sie in einem großen Modell betrachten, mit nachgestellter Szenerie eines Agentenaustausches.

Einblicke in das Deutsche Spionagemuseum (4 Bilder)

Exponate anschauen und testen

Chiffrier- und Dechiffriermaschinen gehören zu den wichtigsten Exponaten des Spionagemuseums. Die dahinterstehende Krypto-Techniken kann man an verschiedenen Stationen selbst ausprobieren.


Wie skrupellos Geheimdienste mitunter zu Werke gehen, veranschaulicht die Giftküche des Museums am besten. Sie zeigt zahlreiche Rezepturen, die zur möglichst spurlosen Beseitigung gegnerischer Agenten eingesetzt wurden. Wie aktuell das ist, veranschaulicht nicht zuletzt der Fall des ehemaligen sowjetischen Geheimdienstagenten und Überläufers Sergei Wiktorowitsch Skripal, der vor einigen Monaten in London vergiftet wurde.

Auf solch aktuellen Vorgänge, etwa auch die Enthüllungen Edward Snowdens, geht die Ausstellung aber nicht ein. Es fehlt auch der gesamte Komplex der Wirtschaftsspionage, die mindestens vergleichbare historische Bedeutung haben dürfte. So begann etwa die Produktion von Naturseide in Europa der Überlieferung nach mit dem Schmuggel der benötigten Seidenraupen-Larven aus China im ausgehölten Spazierstock eines Mönchs.

Nicht nur jugendlichen Besuchern bietet die Ausstellung zahlreiche Gelegenheiten, sich selbst in der einen oder anderen Spionagetechnik zu probieren, etwa beim Entschlüsseln von Nachrichten. Und die Live-Demonstration zur Passwortsicherheit ist dann auch an Aktualität kaum zu überbieten. Wer beim Berlin-Besuch einen regnerischen Tag erwischt, kann ihn mit einem spontanen Besuch im Spionage-Museum sicher sinnvoll und abwechslungsreich überbrücken. (tig)

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