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Backup-Blues und -Strategien

Praxis & Tipps | Tipps & Tricks

Eine tragfähige Backup-Strategie schützt Sie vor den Konsequenzen alltäglicher Soft- und Hardwarekatastrophen. Bevor Sie eine solche Versicherung abschließen, sollten Sie aber das Kleingedruckte genau lesen - sonst ergeht es Ihnen im Schadensfall womöglich wie den Anwendern, deren Geschichten dieser Artikel erzählt.

Aufmacher

Es gibt viele vernünftige Möglichkeiten, sich vor einem Datenverlust zu schützen. Das ist gut so, denn das Sicherheitsbedürfnis bei der Datenaufbewahrung ist höchst individuell, vor allem im Hinblick auf die vertretbaren Kosten. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht - irgendetwas kann immer schief gehen. Doch darf man daraus nicht vorschnell den Schluss ziehen, dass Backup eh keinen Sinn hat. Vielmehr sollen die folgenden Fallbeispiele die Tücken der Datensicherung aufzeigen und Ihnen helfen, die für Sie optimale Strategie zu finden.

In der Mittagspause berichtet Franks Kollege sein Unglück: Das Notebook ist gerade gestorben - Festplatten-Exitus - und die Präsentation für das Meeting heute Nachmittag ist dahin. Später auf dem Heimweg kommt Frank ins Grübeln: Sein heimischer PC gab neulich auch so komische Geräusche von sich. Sollte dort eine Zeitbombe ticken, die heute oder morgen seine Musiksammlung und alle Fotos vernichtet?

Ein Backup muss her. Frank eilt in den nächsten Supermarkt und kauft eine USB-Platte mit 300 GByte Speicherplatz. Seine Dateien manuell zu kopieren, findet er nicht allzu elegant. Schließlich wählt er ein vertrautes Werkzeug. Der Windows-Aktenkoffer hat ihm schon beim Dateiabgleich mit dem Firmen-PC treue Dienste geleistet. Einen solchen legt er auf der USB-Platte an und kopiert sein Foto-Archiv hinein. Prima: Jedes Mal wenn er den Aktenkoffer aktualisiert, überträgt der neue Bilder vom PC brav auf das externe USB-Laufwerk - mit der Sicherheitskopie, die er im Schrank aufbewahrt, schläft Frank schon ruhiger.

Ein paar Wochen später nimmt er die USB-Platte mit zu Freunden: Die kennen die Bilder vom gemeinsamen Teneriffa-Urlaub noch gar nicht und möchten sich Abzüge anfertigen. Anstatt sie zu kopieren, nimmt sie Franks Freund per Strg-X aus dem Aktenkoffer heraus. Das böse Erwachen kommt für Frank Tage später, als er seinen PC zu Hause vergeblich nach den Fotos durchwühlt. Beim letzten Abgleich, den er unbesehen abnickte, hat der Aktenkoffer wie befohlen den Inhalt der USB-Platte mit dem Original synchronisiert - nun belegt Teneriffa auch auf Franks PC keinen Speicherplatz mehr.

Eva nutzt ihren PC als bessere Schreibmaschine und zum Surfen. Seit sie einen portablen MP3-Player ihr Eigen nennt, kauft sie auch hin und wieder Musik im Internet ein. Alles was ihr wichtig ist, findet mühelos auf einem DVD-Rohling Platz.

Dass ein Backup Not tut, hat sie gerade hautnah miterlebt: Ihr Freund trauert immer noch Quellcode nach, der ihm durch ein Missgeschick abhanden gekommen ist. Eva sichert nur ihren Ordner „Eigene Dateien“. Falls der PC tatsächlich eines Tages nicht mehr booten sollte, kann sie das System schnell mit den Recovery-CDs restaurieren, die der Hersteller ihrem PC beigelegt hat.

Eva will sich nicht auf einen einzigen Rohling verlassen und verwendet fünf wiederbeschreibbare RW-Medien im Wechsel. Jeden Abend startet sie ihr Brennprogramm und sichert ein Vollbackup ihrer Dateien auf eines der Medien, das sie anschließend unter den Stapel schiebt. Mit dieser Strategie spannt Eva ein Sicherheitsnetz, das sie auch vor Bedienfehlern schützt: Sie behält ihre letzten fünf Backups und kann notfalls auch auf frühere Versionen ihrer Dateien zurückgreifen.

Zum Geburtstag schenkt ihr ihre Mutter eine Digitalkamera. Eva knipst alles, was ihr vor die Linse kommt - bis ihre Brennsoftware eines Tages verkündet, dass ihre Dateien nicht mehr auf einen Rohling passen. Nach einigen Stunden Fummelei gibt Eva den Versuch auf, die Daten auf mehrere Medien zu verteilen.

Schließlich will sie in ihrer Freizeit fotografieren und nicht Daten sichern. Sobald sie Geld übrig hat, so nimmt sie sich vor, kauft sie eine externe Festplatte.

Ein halbes Jahr später bringt eine Freundin ihren USB-Stick mit: „Bei eDonkey habe ich einen Robbie-Williams-Bildschirmschoner gefunden, den musst du dir ansehen!“. Der im Installationspaket versteckte Trojaner braucht nur wenige Sekunden, um Evas komplettes - immer noch ungesichertes - Foto-Archiv zu löschen.

Jens ist Fotograf und hat auf seinem Notebook bereits 30 GByte JPEG-Dateien gesammelt. Um sich gegen Virenbefall oder den Ausfall seiner Festplatte abzusichern, schafft er eine externe USB-Festplatte an, auf der er mit dem Windows-Explorer eine Sicherheitskopie erstellt. Die Platte verwahrt er zu Hause und fühlt sich damit einigermaßen sicher.

Wenige Tage später lässt er tatsächlich sein Notebook im Zug liegen. Nach dem ersten Schock ist Jens erleichtert: Zumindest seine Bilder sind nicht verloren! Er kauft ein neues Gerät, installiert sein Bildbearbeitungsprogramm und verbringt einige Stunden damit, die Skripte für die automatische Bildoptimierung neu zu erstellen - die hatte er leider nicht mitgesichert.

Schließlich will er noch sein gesichertes Foto-Archiv zurückkopieren. Er geht ins Wohnzimmer, wo er die USB-Platte ins Regal gelegt hatte. Auf dem Rückweg stolpert er im Flur über seinen Hund, die Platte segelt durch die Luft und - es erscheint Jens fast wie in Zeitlupe - prallt unsanft auf den Fliesenboden.

Alex kann sich als Freiberufler einen längeren Ausfall seiner Arbeitsumgebung oder gar einen Datenverlust nicht leisten. Allzu große Datenmengen fallen bei seiner täglichen Arbeit nicht an. Damit das Backup schnell geht und wenig Platz frisst, soll es nur die wertvollen Dateien abdecken. Deshalb trennt Alex selbst erstellte Texte, Grafiken und HTML-Dateien säuberlich vom Rest des Systems.

Den Ordner „Eigene Dateien“ hat er dazu auf eine zweite, im PC eingebaute Festplatte (E:) umgebogen. Alle Anwendungen sind zudem so konfiguriert, dass auch Vorlagen, Makros, Skripte und weitere Konfigurationsdateien auf E: landen. So ist alles Wichtige an einem Ort versammelt. Die 10 GByte große Systempartition C: bleibt Windows XP und den installierten Programmen vorbehalten.

Für den Fall, dass Windows oder die Systemplatte ausfallen, bewahrt Alex ein Festplatten-Image seiner fertig konfigurierten Arbeitsumgebung auf. Weil C: nur das Nötigste enthält, passt das Image bequem auf eine DVD. Den Festplatten-Imager startet er von einer Boot-CD. Neumodischen Produkten, die im laufenden Betrieb sichern, traut Alex nicht über den Weg - eine Technik, die sich so tief im Arbeitssystem verankert, mag er nicht zur Datensicherung nutzen.

Das tägliche Backup des Laufwerks E: erledigt ein einfaches Batch-Skript, das mit xcopy arbeitet [1]. Per Taskplaner automatisiert, sichert es jeden Mittag um 12:30 die neuen und geänderten Dateien auf ein Netzlaufwerk, das ein Windows-Server bereitstellt. Das xcopy-Skript orientiert sich für dieses inkrementelle Backup am Archiv-Bit.

Wann immer jemand eine Datei ändert, setzt Windows das Archiv-Bit und markiert sie damit als noch nicht gesichert. xcopy kopiert nur die markierten Dateien und löscht das Bit anschließend wieder.

Für jede Sicherung legt das Skript ein neues, mit dem aktuellen Datum beschriftetes Verzeichnis an. So findet Alex auch ältere Versionen seiner Dateien bequem wieder.

Er verlässt sich nicht allein auf das automatische Backup. Nachdem er ein Projekt abgeschlossen hat, archiviert er die relevanten Dateien in zweifacher Ausführung auf DVDs - um ganz sicher zu gehen, lagert er stets eine Kopie bei seinem Freund aus.

Eines Tages schlägt ein paar Straßen weiter ein Blitz ein, die Überspannung rafft Alex’ Desktop PC samt allen eingebauten Festplatten dahin. Zum Glück stand der Backup-Server zu diesem Zeitpunkt aufgeschraubt und ohne Netzanschluss auf dem Wohnzimmertisch.

Der neu beschaffte PC hat ein moderneres Board - leider funktioniert das von der DVD zurückgespielte Image darauf nicht. Selbst eine Reparatur-Installation scheitert. Alex bleibt nun doch nur, Windows neu zu installieren. Immerhin kann er aus seinem Image ein paar wichtige Konfigurationsdateien fischen.

Bei der Rekonstruktion seiner Arbeitsdaten ärgert sich Alex, dass es dies nicht bereits früher ohne Zeitnot probiert hat. Es ist enorm mühsam, den letzten Stand seines Website-Projekts aus dem Verzeichniswald zu rekonstruieren, den sein Skript mit den inkrementellen Sicherungen angelegt hat.

Von seinem Kumpel Alex weiß Theo: Das A und O einer Backup-Strategie ist es, die wichtigen Dateien auf eine separate Partition auszulagern. Nur dort sind sie sauber vom Betriebssystem getrennt und lassen sich bequem sichern. Wie dumm nur, dass die komplette Platte seines Supermarkt-Schnäppchens mit einer einzigen großen FAT-Partition belegt ist, auf der Theo schon einige MP3s und Office-Dokumente gesammelt hat.

Auf der Heft-CD der c't 24/05 findet Theo eine abgespeckte Version der Disk Director Suite von Acronis, die auch einen Partitionierer enthält. Der verspricht, die Aufteilung der Platte ohne Datenverlust zu ändern. Theo startet das Programm, knappst von seinem C-Laufwerk 30 GByte ab und drückt den Startknopf. Bitte warten. Der blaue Statusbalken kriecht von links nach rechts und wird dort wohl erst in drei Stunden ankommen. Theo legt sich erstmal schlafen.

Am nächsten Morgen wacht er viel zu spät auf. Das Display seines Weckers, der nicht geklingelt hat, blinkt ihn an. Der PC ist aus. Es gab wohl einen kurzen Stromausfall. Als Theo den PC einschaltet, macht sich checkdisk gleich daran, das Dateisystem zu reparieren. Vergeblich. Nach mehreren Stunden bricht er diesen Versuch ab und startet eine BartPE-CD in der Hoffnung, seine Dateien wiederzusehen. Die Platte enthält aber nur noch Datensalat.

Hans schwört auf einen modernen Festplatten-Imager [2]. Die dateibasierten Backup-Programme sind ihm viel zu fummelig. Der Imager erspart es ihm, die auf seinen heimischen PCs gespeicherten Dateien aufwendig in Spreu und Weizen zu trennen. Hans sichert einfach den kompletten Inhalt der Festplatten, die er auch gar nicht weiter in Partitionen unterteilt hat. Selbst die Windows-Systempartition kopiert der Imager Sektor für Sektor in Abbild-Dateien, ohne dass man dafür die Arbeit unterbrechen müsste.

Hans erkauft sich die Gewissheit, keine wichtige Konfigurationsdatei zu übersehen, die im Notfall dann womöglich fehlt, gern mit einem höheren Datenvolumen, das er täglich auf seinen Linux-Server schiebt. So wild ist das gar nicht: Er hat den Imager so konfiguriert, dass er täglich inkrementelle Abbild-Dateien erstellt, also nur die im Vergleich zum letzten Backup geänderten Festplattensektoren festhält. Die täglichen Images sind in der Regel zwischen 80 und 100 MByte groß.

Hans ist zufrieden: Alles läuft automatisch ab, er muss kein Medium einlegen und nicht einmal einen Knopf drücken. Wenn ihm einmal versehentlich wichtige Dateien abhanden kommen sollten, kann er das Image von gestern als virtuelles Laufwerk öffnen, um sie zurückzuholen. Die Images hebt er eine Weile auf, so hat er auch die älteren Versionen seiner Dateien verfügbar. Sollte eine Platte abrauchen, baut Hans einfach eine neue ein und spielt das letzte Image zurück, um das Betriebssystem und alle Dateien originalgetreu wiederherzustellen.

Eines Tages kann Hans plötzlich einige Dateien nicht mehr öffnen. Word meldet einen kryptischen Fehler, während Windows kaum noch auf Mausklicks reagiert. Hans trennt den Rechner sofort vom wild blinkenden Switch. Ein Scan des Rechners bestätigt den Verdacht: Er hat sich einen Trojaner eingefangen.

Hans bootet die Notfall-CD des Imagers. Den Versuch, die letzte Sicherung zurückzuspielen, quittiert dieser aber nur mit einem Fehler: Der Schädling (ein dilettantisch programmierter Abkömmling von Rbot) hatte wahllos ein älteres Image auf dem Netzlaufwerk gelöscht. Die darauf aufbauenden inkrementellen Images sind nun leider wertlos.

Lars’ Mutter ist Lehrerin und schwört auf ihr Word. Nachdem sie nun schon zum dritten Mal verzweifelt anruft und Lars bittet, auf rätselhafte Weise verschwundene Klausuren wiederzubeleben, wird ihm klar: Ein automatisches Backup muss her. Welches Tool wäre dafür besser geeignet als das bewährte rsync, das er als Linux-Fan gelegentlich nutzt?

Lars kauft eine externe USB-Festplatte und eine Spindel Marken-DVD-Rohlinge. Auf Mutterns PC konfiguriert er ein Skript (siehe S. 126, c't 9/06), das mittels rsync ihren kompletten Profilordner „C:\Dokumente und Einstellungen\Helga“ (inklusive der „Eigenen Dateien“) auf die externe, NTFS-formatierte Platte sichert. In die Ausnahmeliste trägt er noch das Browser-Cache-Verzeichnis „Temporary Internet Files“ ein.

Das Skript nutzt den Hard-Link-Modus von rsync: Es erstellt bei jeder Sicherung einen exakten Schnappschuss des Quellordners in einem neuen Backup-Verzeichnis, kopiert aber inkrementell nur die geänderten und neuen Dateien hinüber. Für die seit dem letzten Backup unveränderten Dateien fügt rsync blitzschnell einen Hard-Link-Verweis ein, der so gut wie keinen Speicherplatz einnimmt.

Lars trägt das Skript in den Windows-Taskplaner ein, sodass rsync zu jeder vollen Stunde einen neuen Schnappschuss fertigt. Dem Konto seiner Mutter entzieht er die Administrator-Rechte und setzt die NTFS-Zugriffsrechte so, dass sie die gesicherten Dateien zwar lesen, aber nicht mehr versehentlich löschen kann.

Wenn Lars bei seiner Mutter zum Kaffee vorbeischaut, brennt er ein aktuelles Vollbackup auf DVD und nimmt es mit nach Hause. Sein Telefon hat schon länger nicht geklingelt: Wenn seine Mutter eine Datei vermisst, kann sie sich jetzt selbst helfen. Sie öffnet einfach den letzten Schnappschussordner und kopiert das Dokument zurück in ihr Arbeitsverzeichnis.

Als Lars braungebrannt von einem sechswöchigen Australien-Trip heimkehrt, steht auf Mutterns Schreibtisch wieder die Schreibmaschine. Das Thema PC ist für sie abgehakt: Als neulich wieder eine Datei fehlte, wurde sie auch im Backup-Ordner nicht fündig. Ein Blick in die Log-Datei verrät Lars, dass rsync in den letzten vier Wochen das Ziellaufwerk nicht finden konnte. Seine Mutter hatte beim Putzen versehentlich das USB-Kabel herausgezogen.

Klaus produziert mit seinem PC Musik und schneidet hin und wieder Videofilme. Seine zwei internen Platten füllen sich dabei recht schnell mit großen Datenmengen, derzeit sind es etwa 80 GByte, die er auf keinen Fall verlieren will. Fürs Backup hat er sich drei externe 300-GByte-Platten gekauft - unterm Strich ist das für seine Zwecke günstiger und flexibler als ein Streamer [3].

Klaus will seine Daten jeden Tag inkrementell auf eine andere Platte sichern. In seiner Backup-Software hat er für jede einen eigenen Job erstellt. Damit kann Klaus den Inhalt der gerade angeschlossenen Platte mit dem aktuellen Datenbestand vergleichen und die Änderungen übertragen. So enthält jede Platte stets den kompletten zuletzt auf ihr gesicherten Datenbestand.

Als Klaus eines Morgens sein Studio betritt glaubt er zu träumen: Einbrecher haben sein komplettes Equipment mitgehen lassen - inklusive der drei Backup-Platten.

Horst ist in die Fußstapfen seines Vaters getreten und führt das Architekturbüro fort, das dieser vor über zwanzig Jahren gegründet hat. Er will den Laden modernisieren und hat erstmal einen neuen Server für die CAD-Daten bestellt - der alte ist längst museumsreif.

Der IT-Berater schlägt die Hände über dem Kopf zusammen, als Horst auf die Frage nach der alten Backup-Lösung nur mit den Schultern zuckt. In düsteren Farben malt er Katastrophen an die Wand, die unternehmenenskritischen Daten drohen. Ohne einen professionellen Band-Streamer zu arbeiten sei doch unverantwortlich!

Da Horst im Moment der einzige PC-affine Mitarbeiter im Unternehmen ist, fällt auch die Pflege des Servers in sein Aufgabengebiet. Wie ihm der Berater erklärte, reicht eine einzige Streamer-Kassette für ein sicheres Backup nicht aus. Neben einer täglichen Sicherung sei es wichtig, auch ältere Datenbestände zu archivieren.

Horst schafft also gleich mehrere Kartons Streamer-Bänder an. Für die empfohlene „Großvater-Vater-Sohn“-Strategie braucht er 22 Stück. Durch geschicktes Austauschen und Umsortieren der Bänder stellt Horst sicher, dass er das ganze Jahr über auf die jeweils letzte Sicherung jedes Monats zurückgreifen kann, ebenso auf die letzten Backups der vergangenen vier Wochen und die täglichen Backups der letzten Woche.

Damit er die vielen Bänder nicht durcheinander bringt, besorgt sich Horst bunte Aufkleber: Blau für die täglichen Sicherungen, grün für die wöchentlichen und rot für die Monatsbänder. Nach nur zwei Wochen hat er die Routine verinnerlicht.

Als ein Jahr später die Server-Platte stirbt, wünscht sich Horst, er hätte auch die Wiederherstellung schon früher einmal getestet: Aus unerfindlichen Gründen kann der Streamer keines der Bänder lesen, die er so mühsam mit Daten gefüllt hatte.

Keine Angst: Die Beispiele waren alle fiktiv, wir haben für diesen Artikel keinem Byte ein Haar gekrümmt. Lassen Sie sich nicht abschrecken: In der Regel zahlt es sich sehr wohl aus, seine Daten mit einer angemessenen Backup-Strategie zu versichern - wenn man sich frühzeitig die Gefahren vor Augen führt und gegensteuert.

Für die Planung gelten ähnliche Aspekte wie beim Abschluss einer Versicherung im richtigen Leben: Eine teure Vollkasko-Police, die für alle möglichen Schäden aufkommt, rechnet sich nicht für jeden.

Vielleicht genügt es Ihnen ja schon, die Familienfotos hin und wieder auf einen Rohling zu brennen. Ein Freiberufler, dessen Existenz vom Erhalt seiner Daten abhängt und der bei einem Ausfall schnell wieder arbeitsfähig sein muss, wird andere Vorsorge treffen. Behalten Sie stets im Hinterkopf: Keine der Strategien ist perfekt und rein technische Lösungen scheitern, wie unsere Beispiele zeigen, allzu oft am menschlichen Faktor.

Wer sich nicht die Mühe machen will, die zu sichernden Dateien selbst auszuwählen, sondern sein Arbeitssystem samt den Nutzdaten lieber komplett sichert, ist mit einem modernen Festplatten-Imager gut bedient, der Windows im laufenden Betrieb kopiert [2]. Ein als Image konserviertes Windows-System lässt sich kinderleicht lauffähig auf eine neue Festplatte zurückspielen, was nur wenigen der dateibasierten kommerziellen Backup-Lösungen gelingt.

Für die längerfristige Archivierung von Arbeitsdaten sind Festplatten-Images des kompletten Systems allerdings zu unhandlich. Zudem sind Image-Dateien nicht sehr robust: Schlimmstenfalls genügen wenige defekte Sektoren (vielleicht ein Kratzer auf der DVD) und es lässt sich keine einzige Datei mehr auslesen.

Ein dateiweises Backup erfordert mehr Vorarbeit: Sie müssen sich überlegen, welche Dateien Sie sichern wollen und die Backup-Software entsprechend konfigurieren. Den meisten Anwendern wird es nicht genügen, nur die selbst erstellten Dokumente im Ordner „Eigene Dateien“ ins Backup aufzunehmen. Viele Anwendungen und auch Windows selbst speichern Backup-würdige Daten, etwa selbst erstellte Vorlagen, E-Mails, Einstellungen und Zugangsdaten, an anderer Stelle.

Wer die Vorteile beider Backup-Techniken kombinieren will, sichert nur sein Arbeits-Windows samt den installierten Anwendungen und Einstellungen per Image und die Arbeitsdaten dateiweise. Damit das Windows-Image nicht zu groß wird, muss die Festplatte sinnvoll partitioniert sein.

Das Backup-Medium sollte zu der gewählten Strategie passen: Für größere Datenmengen jenseits von 10 GByte sind für den privaten Einsatz Festplatten derzeit das Speichermedium der Wahl. Teure Bandlaufwerke, die auf einem Medium bis zu mehreren hundert GByte unterbringen, rechnen sich allenfalls für professionelle Anwender [3]. Von allen Speichermedien bieten Festplatten die größte Kapazität und mit die höchste Übertragungsrate. Allerdings sind sie nicht nur mechanisch wenig robust: Die Daten lassen sich blitzschnell manipulieren oder löschen - sei es durch einen Virus oder aus Versehen.

DVD-Medien sind für die Archivierung prädestiniert, denn sie lassen sich leicht transportieren, überleben auch einen Sturz und sind sehr günstig. Fürs tägliche Backup sind sie aber in der Regel nur praktikabel, solange die zu sichernde Datenmenge auf einem Rohling Platz findet. Die Motivation, beim lästigen Backup auch noch den Diskjockey zu spielen, dürften die wenigsten Anwender aufbringen.

Wer Daten auf DVDs über einen längeren Zeitraum archivieren will, sollte Brenner und Rohlinge mit Bedacht wählen. Während gute Kombinationen die Daten durchaus für fünf Jahre oder länger sichern, können schlecht gebrannte Rohlinge, die darüber hinaus noch Materialmängel aufweisen, bereits nach wenigen Tagen nicht mehr lesbar sein.

Der Übergang ist dabei fließend. Um einem Datenverlust vorzubeugen, sollte man deshalb die Empfehlungen unserer regelmäßig erscheinenden Brenner- und Rohlingstests befolgen [4]. Außerdem kann man die Rohlinge, etwa im Abstand von ein bis zwei Jahren mit einem Laufwerk scannen, das die Rohdatenfehler (PI Sum 8) anzeigt. Während ein normales Verify nur im Nachhinein den Datenverlust anzeigt, kann man mit der PI-Analyse Datenverlusten vorbeugen, indem man die Informationen rechtzeitig umkopiert.

DVD-RAM-Medien sind mit einem Preis von etwa 58 Cent pro Gigabyte relativ teuer, sie haben für das Backup aber ein paar Vorteile: Der Brenner selbst verifiziert die Daten beim Schreiben und bietet ein ähnliches Fehlermanagement wie Festplatten: Die Firmware identifiziert defekte Sektoren und sortiert sie automatisch aus, ohne dass Windows davon etwas mitbekommt.

Grundsätzlich ist es empfehlenswert, auf mehrere Medien reihum im Wechsel zu sichern. So schützen Sie sich vor einem Defekt und bewahren gleichzeitig mehrere ältere Versionen Ihres Datenbestands auf. Bewährt hat sich auch eine mehrstufige Strategie: Richten Sie eine Backup-Software ein, die automatisch auf eine Festplatte sichert und erstellen Sie zusätzlich etwa wöchentliche Backups auf DVDs oder anderen Medien, die Sie bei Bedarf extern auslagern.

Einen Test von Backup-Programmen, die dateiweise sichern, finden Sie auf Seite 116. Der Artikel ab Seite 110 zeigt, wie Sie die backupwürdigen Dateien auf Ihrer Festplatte aufspüren. Dazu gehören bei vielen Anwendungen nicht nur die „Eigenen Dateien“, sondern auch Konfigurationen und Einstellungen. Der Artikel auf Seite 126 erklärt, wie Sie ein Windows-Skript installieren, das mit dem Werkzeug rsync regelmäßig Schnappschüsse Ihrer Arbeitsdaten anfertigt. (kav)

[1] Axel Vahldiek, Jo Bager, Backup per Knopfdruck, Eigene Dateien unter Windows sichern, c't 8/03, S. 160

[2] Karsten Violka, Sicherheits-Klone, Sechs Festplatten-Imager für die Systemsicherung, c't 1/06, S. 146

[3] Boi Feddern, Gerettet!, Daten auf Magnetbänder sichern, c't 23/05, S.188

[4] Hartmut Gieselmann, Satanische Scheiben, DVD-Brenner schalten auf 18X und finden Anschluss über SATA, c't 8/06, S. 121

"Vollkasko für Ihre Daten"
Weitere Artikel zum Thema "Vollkasko für Ihre Daten" finden Sie in der c't 9/2006:
Strategien gegen Datenverlust S. 104
Wichtige Daten aufspüren S. 110
E-Mails sichern S. 115
Backup-Programme für Windows XP S. 116
Automatisch sichern per Skript S. 110

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