Bevolution

BeOS 3.2: bessere Hardware-Unterstützung, mehr Software

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Anfangs als MacOS- und Windows-Schreck gefürchtet, später wegen mangelnder Hardware-Unterstützung verlacht, von Apple schließlich ignoriert - das BeOS hat schon so manches Hoch und Tief hinter sich. Die Be-Entwickler lassen sich davon nicht beirren und arbeiten eifrig an der Weiterentwicklung ihres alternativen Betriebssystems. Unterdessen kündigen die ersten Drittanbieter wichtige Applikationen an.

Vielleicht wäre es besser, das BeOS würde den kommerziellen Markt erst jetzt betreten, denn die sogenannte Release 3, die seit einem halben Jahr verkauft wird, konnte den erwünschten Durchbruch nicht schaffen - viele Funktionen fehlten, nur wenige PC-Komponenten wurden unterstützt [1]. Da es seinerzeit noch nicht einmal einen Standard-VGA-Treiber gab, kam das BeOS auf vielen PCs über den Startbildschirm nicht hinaus. So mancher Anwender ärgerte sich schwarz, weil er erst nach dem Kauf des rund 200 Mark teuren Pakets merkte, daß es auf seinem Rechner überhaupt nicht läuft. Das Image des Betriebssystemdebütanten litt arg. Doch mit jedem Update (http://www.be.com/support/updates/index.html) bessert sich der Zustand, die aktuelle Fassung kennt deutlich mehr PC-Komponenten.

Endlich ist ein generischer Treiber für Grafikkarten eingebaut, über den man das System im VGA-Modus mit 640 x 480 Pixel und 16 Graustufen booten kann. Drückt man nach dem Einschalten die Leertaste, fährt das System in dieser Minimalauflösung hoch, so daß man anschließend einen geeigneten Treiber installieren oder mit einer von Drittanbietern veröffentlichten Betaversion experimentieren kann. Version 3.2 macht auch die ersten SCSI-Schritte auf dem PC: unverständlicherweise akzeptiert die aktuelle Fassung allerdings lediglich einen wenig gängigen Adapter von BusLogic (BT948). Die verbreiteten Controller von Adaptec und Symbios Logic sollen frühestens Ende des Jahres unterstützt werden.

Da sich Apple nach wie vor sträubt, den Be-Entwicklern Details über die ASICs aktueller G3-Modelle zu übergeben, drohen die umgekehrt, in Zukunft keine Macintosh-Fassung des BeOS mehr zu pflegen. Ob es dabei bleibt, ob Apple seine Einstellung doch noch ändert oder ob Be gar ohne Apples Segen ein G3-taugliches BeOS fertigstellt, ist derzeit offen. Freilich ist die Firma auch ohne die Spezifikationen imstande, ihr System auf der Power-Macintosh-G3-Serie zum Laufen zu bringen, wie die Be-Entwickler augenzwinkernd zugeben. Doch ihr Chef Jean-Louis Gassée weiß als Ex-Apple-Manager nur zu gut, daß Apples Anwälte seinen Bestrebungen ein schnelles Ende bereiten könnten, deshalb kommt die G3-Fassung nicht auf den Markt. Die anderen Macintosh-Modelle werden bis einschließlich zur R5, angekündigt für `irgendwann 1999´, unterstützt, dann will man erneut über die künftige Strategie nachdenken. Sicherlich wird die entscheidend von dem Marktanteil abhängen, den Apple bis dahin erreicht hat.

Neuerdings hat Be eine Demo-CD im Programm, mit der sich das Betriebssystem ausgiebig testen läßt: Sie installiert keine Dateien auf Festplatte, sondern startet das BeOS direkt von CD-ROM. Auf einer zweiten Partition findet sich eine Image-Datei, mit der man eine Bootdiskette erstellen kann - für den Fall, daß der PC nicht von CD zu booten vermag. Einige Einstellungen, etwa jene für die Arbeit im Netz, lassen sich ebenfalls auf Diskette abspeichern.

Die CD wird von Be selbst (http://www.be.com/demoCD) für 10 Dollar angeboten. Hierzulande kostet sie sogar nur etwa 10 Mark - beim Distributor Jolo Data aus Hildesheim (http://www.jolodata.com, Tel. 0 51 21/17 99-0). Für den Macintosh ist eine solche CD derzeit nicht geplant. Mac-Anwender, die das BeOS ausprobieren möchten, müssen daher das vollständige Paket kaufen, denn die Preview Release 2 steht nicht länger zum Download bereit.

Der Zeitplan für die künftigen Versionen hat sich etwas verschoben. Die R4 ist nunmehr für Dezember angekündigt. Sie soll laut Be erheblich schneller werden, mit Adaptec-Controllern auch weit verbreitete SCSI-Hardware unterstützen und endlich von SCSI-Festplatte booten. Neben weiteren Soundkarten verspricht Be außerdem USB-Support (Universal Serial Bus) und lesenden wie schreibenden Zugriff auf FAT32-Partitionen. Die R3 kann derzeit nur von FAT16-Laufwerken lesen.

Eine deutsche Version ist frühestens für Anfang ´99 zu erwarten. Die Distributoren Jolo Data und Mindwork (http://www.mindwork.de, Tel 0 71 31/76 69-0) wollen zwar bei der Lokalisierung gerne helfen, aber Be muß dazu erst die passenden Mechanismen vorsehen. Die R4 werde derzeit dafür vorbereitet, erklärte der Be-Europa-Chef Jean Calmon gegenüber c't.

Das Softwareangebot wächst, wenn auch langsam. Die Liste unter http://www.be.com/beware/ wies zum Redaktionsschluß 758 Einträge auf, vom kleinen Utility zum Ballerspiel, vom Programmierwerkzeug zum Dateibetrachter, vom Office-Programm zum Web-Browser. Unter dem Namen `BeSpecific5´ wird eine Sammlung von fünf CD-ROMs mit BeOS-Shareware vertrieben.

Zu den Highlights unter den BeOS-Applikationen zählen nach wie vor die Office-Produkte BeBasic von Beatware und Gobe Productive von Gobe. Beide waren bislang beeindruckend schnell, aber recht instabil. Die aktuellen Versionen 2.1 respektive 1.0 holen in dieser Hinsicht einiges nach, mit ihnen läßt sich gut arbeiten. Um den großen Office-Herstellern auf anderen Betriebssystem-Terrains das Wasser abzugraben, müssen beide Firmen aber noch reichlich Bugs beseitigen und Funktionen einbauen. Die Textverarbeitung von BeBasic beispielsweise bearbeitet Dateien im RTF-Format noch mit kleinen Fehlern. Wichtige Funktionen wie Fußnoten oder automatisch generierte Inhaltsverzeichnisse sucht man in beiden Paketen weiterhin vergeblich.

Gobe Productive
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Gobe Productive bringt Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Bildbearbeitung und Präsentationsprogramm unter einen BeOS-Hut.
Writer von Beatware
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Verschiedene Sichten auf ein Dokument sind die Stärken der Textverarbeitung Writer von Beatware.

Das Engagement von Shareware-Autoren und kleinen Programmierbuden ist löblich, aber wie jedes andere Betriebssystem auch wird sich das BeOS nur durchsetzen können, wenn es Rückendeckung von bekannten Softwarefirmen erfährt - Gassée wirbt derzeit fleißig darum. Erste Ergebnisse: Opera Software hat ihren beliebten Web-Browser jüngst für BeOS angekündigt, die deutsche Firma Maxon die Anpassung des Animations- und Raytracing-Programms Cinema4D XL in Angriff genommen. Auf der CeBIT Home wurde bereits eine frühe Alphaversion gezeigt. Deren Portierung habe nur wenige Tage gedauert, so Maxon. Der Editor funktioniert, einzelne Bilder lassen sich berechnen - samt Multiprozessorunterstützung, wie es sich für BeOS-Software gehört. Ende des Jahres will man eine Betafassung fertig haben.

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Derzeit noch im Entstehen: das Animations- und Rendering-Paket Cinema4D XL von Maxon.

Be selbst arbeitet an Release 2.0 des WWW-Clients NetPositive. Die erste Vorversion kommt besser mit Frames und Tabellen klar, listet die bislang angesurften Sites in einem `Go´-Menü auf und erlaubt eine hierarchische Verwaltung von Bookmarks. JavaScript und SSL (Secure Sockets Layer, Sicherheitsstandard) sind für eine spätere Version angepeilt.

Bleibt abzuwarten, wie die BeOS-Fans die schwankende Plattformpolitik aufnehmen. Nach der BeBox- droht nun auch der Power-Macintosh-Fassung das Aus. Der PC-Markt ist zwar groß genug für ein weiteres Betriebssystem, doch hier kann sich nur durchsetzen, wer den Löwenanteil unter den Hardware-Komponenten unterstützt. Daran muß Be noch arbeiten. (se)

[1] Stephan Ehrmann, Dirk Olbertz: Be-Bauungsplan, Erste BeOS-Version für den PC, c't 9/98, S. 120

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Prozessoren

  • AMD K5, K6, K6-2
  • Cyrix 6x86MX
  • IDT WinChip C6
  • Intel Pentium, MMX, Pro, II, Celeron, Xeon

Chipsätze

  • 430FX, 430HX, 430TX, 430VX
  • 440FX, 440LX, 440BX
  • 450GX, 450KX
  • Cyrix 6x86MX

Grafikkarten

SCSI-Adapter

  • BusLogic BT948; zu finden unter /optional/experimental/drivers/kernel

Soundkarten

  • SoundBlasterAWE 64
  • OPTi931
  • Yamaha YMF715

Netzwerkadapter

  • 3Com Etherlink XL (3C900) bei 10 MBit/s, Fast Etherlink XL (3C905 und 3C905B) bei 10 MBit/s; 3C905B mit 100 MBit/s; zu finden unter /optional/experimental/ec9xx
  • NE2000-kompatible PCI-Karten; zu finden unter /optional/experimental/drivers/net_server/ne2000pci
  • NE2000-kompatible ISA-Karten (vorkonfiguriert per Jumper, nicht Plug & Play)
  • PCI-Karten mit DEC-21040- und 21041-Chipsatz
  • Ein dhcp-Treiber für IP-Netze steht unter /optional/experimental/dhcp

Modem

  • ISA Plug & Play Modem; zu finden unter /optional/experimental/Serial%20Pref

Drucker

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