Bit-Rauschen: Hoch taktende Serverprozessoren, PowerVR-Probleme und Google-CPU

Bit-Rauschen: Hoch taktende Serverprozessoren, PowerVR-Probleme und Google-CPU

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Die US-slowakische Firma Tachyum plant einen 4-GHz-Chip für Server, Google angeblich einen Smartphone-Chip und Imagination Technologies verliert seinen Chef.

Coronavirus, Covid-19, SARS-CoV-2: Man mag es schon nicht mehr lesen. Vielleicht hilft die Rechenleistung des Folding@Home-Teams Heise-Falter ein bisschen mit, dass ein Impfstoff dem Coronaspuk ein früheres Ende bereitet. Die Langeweile während der Kontaktsperre frisst aber wohl weitaus mehr Rechenleistung für PC-Gaming, Spielkonsolen und Video-Streaming als der digi­tale Kampf gegen das Virus. Computer­gehirne sind dabei ohnehin nicht alles, es braucht auch menschliche Geistesblitze und Mut zu schwierigen Entscheidungen. KI kann uns wohl frühestens bei der nächsten Pandemie helfen, wenn die Maschinen genügend Datenfutter fürs Machine Learning gefressen haben.

AMD füllt mit den für hohe Frequenzen optimierten Epyc-Varianten 7F32, 7F52 und 7F72 eine lukrative Marktnische: Server für Anwendungen, die von hohen Taktraten oder riesigen L3-Caches stärker profitieren als von mehr CPU-Kernen. Auch Intel hat Xeons für solche Einsatzzwecke, etwa für den Hochfrequenz-Börsenhandel, wo es auf das letzte Quäntchen Latenz ankommt. Genau wie Intel langt AMD bei den Preisen ordentlich zu, der Achtkerner 7F32 kostet fast das Vierfache des langsameren 7262.

Der Tachyum Prodigy soll nicht nur KI-Beschleuniger sein, sondern ein schneller Allzweckprozessor auch für Supercomputer. (Bild: Tachyum)

Bei Supercomputing- und KI-Rechenbeschleunigern geht ein weiterer Mitstreiter ins Rennen, der Prodigy von Tachyum. Chef der Firma mit Sitzen in den USA und der slowakischen Hauptstadt Bratislava ist Dr. Radoslav Danilak, der 2007 das seinerzeit viel beachtete SSD-Controller-Start-up SandForce gegründet hatte. Nach einigen Jahren im Storage-Markt verspricht er nun einen grundlegend neuen Prozessor – so wie allerdings auch viele der über 100 anderen Start-ups, die KI-Chips entwickeln. Für die Prodigy-­Chips, deren bis zu 64 und später 128 Kerne eine eigenständige Befehlssatz­architektur namens Tachyum Processing Unit (TPU) nutzen, braucht man Spe­zial-Compiler; Tachyum verspricht aber auch Tools, um einerseits nicht modifizierte Software zu verarbeiten und andererseits, um KI-Frameworks wie TensorFlow rasch ans Laufen zu bekommen.

Der 64-Kerner Prodigy T864 aus der 7-Nanometer-Fertigung von TSMC soll 2021 in einem konkreten KI-Supercomputer zum Einsatz kommen; der Käufer wird aber noch nicht verraten. Die für 4 GHz Takt versprochene Performance von bis zu 131 Teraflops bei KI-Algorithmen mit INT8-Daten und 8 Teraflops mit 64-Bit-­Gleitkommawerten (FP64) entspricht ziemlich genau der schnellsten Nvidia Tesla V100, die TDP soll mit 180 Watt aber um 28 Prozent niedriger liegen.

Nach dem Vorbild von Apple, Samsung und Huawei entwickelt nun angeblich auch Google einen eigenen Smartphone-Prozessor: „Whitechapel“ könnte 2021 im Pixel 6 debütieren. Die Website axios.com hat Gerüchte ausgegraben, laut denen Google den Chip mit acht ARM-Kernen von Samsung mit 5-Nanometer-Strukturen fertigen lassen will und auch die hauseigene KI-Erweiterung Edge TPU alias Coral alias Pixel Neural Engine einbaut. Dann könnte Google auch gleich den eigenen Titan-M-Sicherheitsprozessor integrieren, vielleicht sogar schon die OpenTitan-Version mit RISC-V-Kern.

Stärkere Whitechapel-Versionen treiben später vielleicht auch Chromebooks an, sparsamere Varianten wiederum etwa Smartwatches. Hier sieht die Website Ars Technica eine Marktlücke, weil Qualcomm bisher nicht über den Snapdragon Wear 3100 mit uralter ARM-Cortex-­A7-Technik hinauskam – und selbst der hat schon zwei Jahre auf dem Buckel.

In schwierigem Fahrwasser schlingert ­derzeit die britische Firma Imagination Technologies, deren indirekte chinesische Besitzer, die staatliche China Reform Holdings, kürzlich den Firmenchef Ron Black vor die Tür setzen ließ. Dabei hatte Black einen wichtigen Erfolg eingefahren, nämlich wieder einen Vertrag mit Apple geschlossen. Details dazu wurden zwar nicht ­verraten, aber vermutlich geht es um die Nutzungsrechte an Imagination-Patenten für Smartphone-Grafikprozessoren. Apple hatte in die ARM-SoCs für iPhones und iPads lange die PowerVR-GPUs von Imagination eingebaut und hielt auch einen Minderheitsanteil an dem Zulieferer.

Doch seit 2017 setzt Apple auf eigene GPU-Technik und stürzte Imagination damit in die seither anhaltenden Schwierigkeiten. Apple hatte allerdings auch zahlreiche Imagination-Mitarbeiter übernommen – vermutlich konnten die auch nicht weit genug um die alten Patente „herumarbeiten“. Der ehemalige Imagination-­CEO Hossein Yassaie drängt nun via ­LinkedIn die britische Regierung, den Ausverkauf nach China zu stoppen – auch mit dem Argument, dass man damit wichtiges Know-how für die Rüstungsindustrie aus der Hand gebe. (ciw)

Dieser Artikel stammt aus c't 10/2020.