Bit-Rauschen: Intel trotzt Corona, neue CPUs

Bit-Rauschen: Intel trotzt Corona, neue CPUs

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AMD und Intel steigerten trotz ­Corona ihre Umsätze deutlich. Im Juni stehen bei beiden neue ­Prozessoren an und Bei MIPS brennt das Licht immer schwächer.

Trotz beginnender Corona-Krise hat es Intel geschafft, im ersten Quartal 2020 deutlich mehr zu verkaufen als im Jahr zuvor. Vor allem der Umsatz mit Xeons wuchs um 43 Prozent. Damit stieg auch die Profitabilität. Bei den PC-Prozessoren ging es „nur“ um 14 Prozent aufwärts und erstmals liegt der Umsatzanteil der Server- und Speichersparte nun über 50 Prozent – Intel löst sich allmählich von den PCs. Angesichts des Coronavirus wagt Intel keine Prognose fürs Gesamtjahr 2020, hofft im zweiten Quartal aber auf immerhin rund 12 Prozent mehr als im vorigen Jahr.

Auch die AMD-Geschäfte liefen sehr gut, hier legte sogar der Gesamtumsatz um 40 Prozent zu. Doch bei den Servern geht es weitaus langsamer voran, als viele hoffen: Zwar wuchsen die Epyc-Stück­zahlen „im zweistelligen Prozentbereich“, aber die Embedded- und Server-Sparte fuhr wegen der weiterhin schwachen Spielkonsolengeschäfte – dort wird erst im Herbst der Aufschwung erwartet – sogar ein operatives Minus ein.

Eine kleine Delle bekam der Intel-­Aktienkurs durch neue Spekulationen über ARM-Prozessoren in kommenden Apple-­MacBooks. Schon 2018 hatte Bloomberg über das angebliche Apple-Projekt „Kalamata“ für ein ARM-MacBook im Jahr 2020 berichtet. Nun soll es 2021 so weit sein, dann sei ein 5-Nanometer-Chip mit acht starken „Firestorm“-Kernen und vier sparsamen „Icestorms“ geplant. Obendrein, so heißt es in Foren, könnte darin eine neue Mikroarchitektur stecken, die sich an der nächsten ARM64-Generation ARMv9-A orientiert. ARMs erster eigener ARMv9-A-Kern mit dem Codenamen Matterhorn wird demnach erst 2022 erwartet. Bei ­diesem sollen Gleitkomma- und KI-­Rechenleistung deutlich steigen, indem die Scalable Vector Extensions (SVE) weiter zulegen, und durch eine verbesserte ­Matrix-Multiplikation (MatMul). Letztere soll doppelt so schnell arbeiten wie die bei aktuellen Cortex-A-Kernen mögliche SVE-Funktion für General Matrix Multiplication (GEMM). Zug um Zug härtet ARM seine Kerne auch gegen Angriffe vom ­Spectre-Typ ab, etwa mit Pointer Authentication Code (PAC), Memory Tagging und Branch Target Indicators (BTI).

Bei Intel steht diesbezüglich Con­trol-flow Enforcement Technology (CET) auf dem Plan, sie dürfte mit den „Tiger Lake“­Prozessoren für Notebooks einziehen. Die wiederum werden zum Termin der abgesagten Computex erwartet, also Anfang Juni – aber wohl zunächst als bloße Ankündigung. Erst später im Jahr sollen „über 50“ verschiedene Tiger-Lake-Notebooks kommen, die dann gegen die mehr als 100 neuen Ryzen-4000-Geräte antreten. Letztere haben allerdings bis zu acht Kerne, während Tiger Lake-U vermutlich bei vier Kernen bleibt. Das gilt jedenfalls für den Core i7-1185G7, der vor einigen Wochen in einer der üblichen Benchmark-Datenbanken auftauchte.

Intels Tiger-Lake-Mobilprozessoren ­kommen als elfte Core-i-Generation und ermöglichen sehr kleine Notebook-Mainboards. (Bild: Intel)

Während eine Computex-Ersatz­veranstaltung vermutlich im September in Taipeh stattfinden wird, wird wohl auch AMD einige neue Produkte Anfang Juni herausbringen. Zusammen mit zwei neuen Quad-Core-Ryzens für günstige Gaming-PCs (siehe Seite 42) wurde der Chipsatz B550 angekündigt, der PCI ­Express 4.0 in den Massenmarkt bringt – bisher muss es dafür ja ein teures X570-­Mainboard sein. Außerdem dürfte AMD wohl bald die Desktop-Prozessoren Ryzen 4000G mit bis zu acht Kernen und eingebauter Vega-GPU bringen.

Die traditionsreiche MIPS-Prozessortechnik taumelt derzeit ihrem Ende entgegen. Viele ehemalige MIPS-Lizenznehmer satteln auf ARM- oder RISC-V-Kerne um. 2013 hatte Imagination Technologies – das Unternehmen ist für seine PowerVR-Grafikkerne bekannt und steckt derzeit selbst in Schwierigkeiten – die Reste von MIPS Technologies für 80 Millionen US-Dollar übernommen. Doch schon 2017 verkaufte man MIPS mit 15 Millionen US-Dollar Abschlag wieder an einen Investor, der sie dann 2018 an die junge KI-Firma Wave Computing weitergab. Letztere ist nun nach Medieninformationen insolvent. Anfang 2019 hatte Wave Teile der MIPS-Architektur unter eine offene Lizenz gestellt, das aber im November 2019 wieder zurückgenommen. Mit dem Untergang von Wave ist auch die MIPS-Zukunft sehr ungewiss. Eingebettete 32-Bit-MIPS-Kerne stecken noch in vielen aktuellen Komponenten, vor allem in WLAN- und Ethernet-Adapterchips und etwa auch in den DSL-Modems einiger Fritzbox-Generationen.

Der taiwanische Chiphersteller MediaTek hat sich beim ungeschickten Schummeln erwischen lassen: Die Firma UL Benchmarks, die unter anderem den 3DMark und den PCMark for Android ­verkauft, hat einige Smartphone-SoCs der Baureihe Helio aus ihrer Benchmark-­Datenbank entfernt. Anandtech hatte Hinweise darauf gefunden, dass die Firmware von Smartphones mit diesen MediaTek-Chips die Ausführung der Benchmark-App erkennt und daraufhin in einen schnelleren, aber stromfressenden Betriebsmodus umschaltet. Falls MediaTek tatsächlich zu unlauteren Methoden ­gegriffen hat, ist das sehr peinlich – aber es zeigt auch, wie bei Smartphone-Chips mit Hauen und Stechen um Marktanteile gekämpft wird. (ciw)


Dieser Artikel stammt aus c't 11/2020.

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