Bitte um Rückruf

AccessPPP 3.1: PPP-Client mit Call-Back-Funktion

Test & Kaufberatung | Kurztest

Seit es Open Transport/PPP für das MacOS gibt, scheinen alle anderen PPP-Verbindungstools überflüssig geworden zu sein. Doch AccessPPP kann mit Funktionen aufwarten, die Apples Lösung fehlen.

Besonderer Clou an AccessPPP ist, daß es Call-Back beherrscht, das heißt, es kann einen entsprechend konfigurierten Server durch einen Lockanruf dazu bringen, zurückzurufen und erst dann die PPP-Verbindung aufzubauen. Sicherheitsbewußte Netzwerkadministratoren und Außendienstmitarbeiter, die teure Hoteltelefonate vermeiden wollen, wissen diese Funktion gleichermaßen zu schätzen. Die Entwickler bei Apple haben es bisher versäumt, OT/PPP diese Funktion beizubringen.

Für das Call-Back kennt AccessPPP zwei Verfahren: Beim einfachen Call-Back wird die Modemverbindung sofort nach deren Zustandekommen wieder unterbrochen. Der Server ruft die Telefonnummer zurück, von der der Anruf kam (erhalten durch Rufnummernübermittlung) und beginnt erst dann mit der Abfrage von Benutzername und Paßwort.

Gegenüber diesem relativ simplen Verfahren bietet das Call Back Control Protocol (CBCP) eine erhöhte Sicherheit. In diesem Protokoll fordert der Anrufer einen Rückruf an, nachdem er sich eingeloggt hat. Der Server unterhält für jeden Benutzer eine Liste gültiger Rückrufnummern; der Anrufer muß nur noch mitteilen, an welche der Rückruf erfolgen soll. Versuche, sich von einem anderen Anschluß aus anzumelden, haben keine Chance. CBCP läßt auch die Möglichkeit zu, auf einen Rückruf zu verzichten. So kann der Anruf auch von einer nicht registrierten Nummer erfolgen.

Die am häufigsten anzutreffende CBCP-Implementierung ist die des Windows NT Remote Access Server (RAS), der als Standardmethode zur Authentifizierung des Anrufers eine Erweiterung des verbreiteten CHA-Protokolls benutzt, MS-CHAP genannt. Leider beherrscht AccessPPP ausgerechnet diese nicht. Der verbindungssuchende Mac-User muß daher seinen NT-Verwalter überreden, in den Eigenschaften des RAS die Einstellung 'Echtheitsbestätigung' auf eine andere Option als 'Nur Microsoft-verschlüsselte Echtheitsbestätigung' zu stellen.

Während des Verbindungsaufbaus gibt AccessPPP in einer Dialogbox so detaillierte Informationen aus, daß man die meisten Probleme sofort erkennen und beheben kann. Daher läßt es sich auch leicht verschmerzen, daß es keine Logdatei erzeugt. Auf der Haben-Seite stehen die Möglichkeit zyklisch bis zu vier Telefonnummern zu wählen, bis ein Anschluß nicht besetzt ist, und der Zugriff auf alle konfigurierbaren LCP- und IPCP-Optionen.

AccessPPP kommt auf dem Bildschirm als winziges Kontrollfeld daher, das sogar zu schmal für einige seiner Menüs ist. Davon darf man sich aber nicht täuschen lassen: der Autor Kiyohito Kudo hat das kleine Tool vollgestopft mit Funktionen.

Wie das alte MacPPP, auf dessen Quelltext es basiert, faßt AccessPPP die Konfiguration des Modems und der PPP-Verbindung in nur einem Kontrollfeld zusammen. Sowohl die Modem-Strings als auch das Anmeldeskript trägt man in Dialogboxen ein. Eine Skriptsprache, wie sie OT/PPP erfordert, braucht man also nicht zu erlernen. Dafür fehlt leider die praktische Funktion von OT/PPP, das Anmeldeskript während einer Terminal-Session einfach aufzuzeichnen.

Ursprünglich als Verbindungstool für das alte MacTCP entwickelt, spielt AccessPPP auch problemlos mit OpenTransport zusammen. Dazu muß man es allerdings in die 'mdvm'-Resource der 'OpenTransport Internet Library' eintragen, was ein mitgeliefertes krudes Kommandozeilen-Utility halbautomatisch erledigt.

Auch wenn es noch keine PowerPC-optimierte Version gibt, verrichtet AccessPPP sowohl auf 68K-Macs als auch auf PowerMacs klaglos seine Arbeit, bei deutlich weniger RAM-Hunger als OT/PPP. Und wer vom heimischen Mac über PPP auf einen Server mit Call-Back zugreifen muß, hat mit AccessPPP sowieso genau das Verbindungstool, das er braucht. (je/adb)


AccessPPP 3.1 (AccessPPP3.1_US.sit.hqx, Freeware) gibt es auf der Web-Seite des Autors und in der c't-Mailbox.

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