Blaue Speicherriesen für Film und TV

Die Branche hofft auf das Geschäft mit optischen Speichermedien und hochauflösendem Fernsehen

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Eines der Schlagworte dieser CeBIT heißt HD - für „High Density“ bei den optischen Medien und für „High Definition“ bei Film und Fernsehen. Obendrein steht HD auch für „Harddisk“ im Festplatten-Videorecorder, auch wenn diese auf der Messe nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Offen ist nach wie vor das Rennen um die DVD-Nachfolge. Nachdem im letzten Jahr vornehmlich Prototypen und Laufwerksattrappen der DVD-Nachfolger HD DVD und Blu-ray Disc zu sehen waren, präsentieren die Hersteller jetzt endlich funktionstüchtige Vorseriengeräte. NEC baut mehrere HD-DVD-ROM-Laufwerke HR-1100A auf seinem Stand auf, die HD-Filmmaterial abspielen. So sollen unter anderem an einem PC das neue Kopierschutzsystem AACS und die Managed Copy demonstriert werden. In Zusammenarbeit mit den Software-Herstellern Cyberlink, Nero, Sonic/Roxio und Intervideo sollen die neuen Authoring-Funktionen von iHD präsentiert werden, die deutlich komplexere Filmmenüs und Zusatzfunktionen ermöglichen als bei der Video-DVD. Die ersten HD-Combo-Laufwerke und HD-Brenner will NEC nur in einer Vitrine ausstellen.

Toshiba arbeitet derzeit am Feinschliff seiner HD-DVD-Player HD-A1 und HD-XA1, die Ende März in den USA für 500 beziehungsweise 800 US-Dollar auf den Markt kommen sollen. Ein Europa-Start ist erst für das vierte Quartal 2006 geplant. Während die Consumer-Player mit Laufwerken von NEC ausgerüstet werden, hat Toshiba das erste Slim-line-Laufwerk für Notebooks selbst entwickelt.

Das TS-L802A soll HD DVDs abspielen sowie DVDs und CDs zusätzlich beschreiben können. Toshiba will es in Notebooks seiner Qosmio-Reihe einbauen.

Im Blu-ray-Lager glänzen hingegen viele Anbieter durch Abwesenheit. Neben Philips und Pioneer fehlt auch Sony, der lediglich einen kleinen Laufwerksstand für Reseller geplant hat. Als erste Adresse zum Thema Blu-ray gilt daher in diesem Jahr Samsung, die bereits zum Jahresanfang einen voll funktionstüchtigen Blu-ray-Brenner zeigen konnten. Auf der CeBIT wird man neben dem internen Brenner SH-B022 auch die externe Version SE-B026 in Aktion sehen, die ab April in Serie gehen sollen. Weitere Blu-ray-Brenner wurden von LG (GBW-H10N) und BenQ angekündigt. Letztere entwickeln zusammen mit Philips den Triplewriter BW1000, der BDs, DVDs und CDs mit nur einer Linse schreiben und lesen können soll. Mit etwas Glück kündigt auch Panasonic konkrete BD-Recorder und Laufwerke an - bisher gab es nur Prototypen von Standalone-Recordern und Slim-line-Laufwerken für Notebooks zu sehen.

Samsungs externer Blu-ray-Brenner SE-B026 soll in den USA ab April für 650 US-Dollar verkauft werden.

Im professionellen Bereich stellt Primera das erste Dupliziersystem für Kleinserien vor. Der Bravo XR-Blu Disc Publisher soll mit BD-Brennern BDR-101A von Pioneer bestückt werden und ab April für rund 6000 US-Dollar erhältlich sein.

Wer sich über das Authoring der neuen Formate und den Kopierschutz informieren will, sollte die Stände der Software-Hersteller aufsuchen. Nero ist bereits sehr weit, was die Brennprogramme angeht, Sonic/Roxio spezialisieren sich auf das Authoring und Cyberlink und Intervideo zeigen neben ihrer HD-fähigen Abspielsoftware auch Authoring- und Brennprogramme. Hier wird man noch am ehesten Fragen zum Kopierschutzsystem AACS, zu iHD und BD-J sowie zu den Systemvoraussetzungen der neuen Film- und Speicherformate beantwortet bekommen. Einen einführenden Vortrag zu Blu-ray Disc und HD DVD sowie den damit verbundenen Schutzmechanismen wird es auf dem Heise-Stand am Donnerstag, den 9. März, um 17 Uhr geben.

Abseits der großen Hersteller entwickelt New Medium Enterprises (NME) die Versatile Multilayer Disc (VMD), die auf einer durchsichtigen Plastikscheibe mit zehn Schichten bis zu 50 GByte speichern soll. Die Laufwerke arbeiten mit einer herkömmlichen roten Laserdiode und sollen in Zusammenarbeit mit chinesischen Herstellern besonders günstige HD-Player für den indischen Markt ermöglichen. Nachdem ihre Technik jahrelang über das Stadium eines Prototyps nicht hinausgekommen ist, soll auf der CeBIT der Startschuss für den ersten kommerziell erhältlichen VMD-HD-Player fallen. Der indische Filmanbieter Bejing E-World soll dazu passend fünf HD-Filme aus Bollywood beisteuern.

Da im Unterhaltungselektronik-Sektor breit aufgestellte Unternehmen wie Sony und Philips in diesem Jahr nicht mit eigenen, thematisch auf Unterhaltungselektronik-Gerätschaften ausgerichteten Ständen in Hannover vertreten sind, bleiben Consumer-Electronic-Themen bei der CeBIT 2006 ein wenig auf der Strecke - wohl eine Folge der nun jährlich stattfindenen IFA.

Einige Unternehmen aus diesem Sektor halten aber der CeBIT die Treue: So präsentiert das südkoreanische Unternehmen LG Electronics in Hannover seine neue DVD-Videorecorder-Reihe im Slim-Design, die alle DVD-Plus- und -Minus-Formate, doppelschichtige DVD+R-Scheiben und DVD-RAM-Discs lesen und beschreiben können. Zudem sind die Geräte in der Lage, Discs mit DivX/MPEG-4 komprimierten Videos wiederzugeben und über einen 9-in-1-Kartenslot beispielsweise Digitalfotos von einer Speicherkarte auf den Fernseher zu bringen. Panasonic hält mit seinem neuen DVD-Festplatten-Recorder DMR-EH56 mit 160-GByte-Harddisc, SD-Speicherkarten-Eingang, DivX-Wiedergabe und DV-Anschluss dagegen, der zusätzlich zu den genannten Medien-Formaten auch noch Double-Layer-Discs im DVD-R-Format lesen und beschreiben kann. Zudem besitzt das Modell einen kostenlosen elektronischen Programmführer.

Ein Buzzword der diesjährigen Messe könnte „Internet Protocol Television“ werden. Anders als der Name vermuten lässt, geht es hier nicht darum, Fernsehinhalte in Form von Videostreams durchs weltweite Netz zu schicken, sondern um Fernsehen über DSL, das Provider wie die Telekom-Tochter T-Online im Rahmen des Geschäftsmodells Triple Play über ihr Netz verbreiten wollen. Erstmals werden in Deutschland die IPTV-Plattformen „Microsoft TV“ und Siemens’ „Myrio“ zu sehen sein. Was sich technisch und inhaltlich konkret hinter IPTV verbirgt, lesen Sie ab Seite 224.

IPTV im Sinne von Internet-Fernsehen präsentieren will die ArtVoice-Gruppe, die nach eigenen Angaben bereits mehr als 200 eigene und Kundensender betreibt - darunter Germany-TV.com und BMW-TV. Das Unternehmen hatte kurz vor der CeBIT mit der Behauptung Schlagzeilen gemacht, das Patent an IPTV zu besitzen.

Aber auch das konventionelle Digitalfernsehen via Kabel (DVB-C), Satellit (DVB-S) und Antenne (DVB-T) ist noch nicht ganz aus der Mode: So zeigt Sagem zwei neue Digital-TV-Receiver, die beide hochaufgelöste Fernsehbilder empfangen und darstellen können, die in den Formaten MPEG-2 oder H.264 kodiert wurden. Das Modell ICDD80 HD ist dabei als Triple-Play-Gerät für DVB-C ausgelegt und bietet folglich neben HDTV-Empfang (über ausgebaute Netze) auch Telefonie und Internet-Zugang via Kabel, während die Variante ITSD81 HD als Hybrid-Receiver Digital-TV-Empfang via Satellit und Antenne ermöglicht. Trotz DVB-S2-Unterstützung und HDMI-Ausgang mit integriertem HDCP-Kopierschutz wird sich das Gerät zunächst wohl nicht für den Empfang von Premiere HD einsetzen lassen, da es bislang an einem passenden CAM mangelt. Ethernet- und USB-Anschlüsse machen beide Modelle für den PC-Anwender interessant, dürften allerdings nachhaltig eine Premiere-Zertifizierung verhindern.

Den Brückenschlag zwischen PC und Unterhaltungselektronik will Creative Labs schaffen - mit der 70 Euro teuren Hardware-DTS-Encoder-Box Home Theater Connect DTS-610, die analog angelieferten 5.1-Surround-Sound in Echtzeit in einen DTS-Audiostream konvertiert und via SPDIF-Interface an Geräte wie Digital-Surround-Receiver ausgibt.

Der Wohnzimmer-PC wird auch in diesem Jahr einer der Präsentationsschwerpunkte namhafter Hersteller sein. Neben Fujitsu Siemens und Intel zeigt auch Microsoft, wie der digital Lifestyle von morgen aussehen soll. Die Redmonder setzen dabei ganz auf die erfolgreiche XP Media Center Edition und deren in Windows Vista integrierten Nachfolger. Zu sehen sein wird die Zusammenarbeit des Multimedia-Betriebssystems mit der XBox 360, die als Streaming-Client die Medieninhalte der MCE in anderen Räumen darstellen kann.

Auch Intel öffnet die Türen seines digitalen Wohnzimmers und will den Besuchern einen Blick auf Home-Entertainment-Produkte mit seiner Viiv-Technologie gewähren. Darunter soll sich auch High Defs BoxOne befinden - ein leistungsfähiger PC auf Mini-ITX-Basis, der dank Passiv-Kühlung und Viiv HD-Videos und multimediale Inhalte ins Wohnzimmer bringen soll. Terratec stellt passend zur MCE seine Cinergy 2400i DT vor, eine PCI-Express-Karte mit DVB-T-Dual-Tuner.

Fujitsu Siemens präsentiert ebenfalls eine MCE-Lösung, mit der neuen Activy aber auch ein geschlossenes Multimedia-System, das mit einem Windows XP embedded arbeitet. Das Myrica Media TV schließlich soll als Kombination aus Plasma-TV mit bis zu 50 Zoll Diagonale und Streaming-Client Medieninhalte im ganzen Haus verfügbar machen. Buffalo Technology stellt NAS-Lösungen vor, die den PC als Lieferanten von Programm-Material im Heimnetz überflüssig machen. DLNA-kompatible Versionen der Link- und TerraStation dienen stattdessen als Zuspieler der Streaming-Clients im digitalen Heim. Ebenfalls zu sehen: Eine kostengünstige Mini-Version des AV/Streaming-Client LinkTheater.

Nicht nur Microsoft gewährt einen Blick auf die überarbeitete Version seiner in Windows Vista integrierten Media Center Edition. Cyberlink präsentiert PowerCinema 5, das erstmals Dualtuner-Betrieb gestattet und DVB-S unterstützt. Dabei steht alles im Zeichen der bevorstehenden Fußball-WM. So wird PowerCinema mit einer WM-Skin ausgestattet und soll mit Hilfe des Plug-in MagicSports ermöglichen, aufgezeichnete Fußballspiele zu analysieren und die Highlights des Spiels zusammenzufassen. Video-DVDs im Kicker-Outfit brennt daraus die neue Version von MakeDVD, das auch im Zusammenspiel mit der Windows XP Media Center Edition funktioniert.

Komplettieren will Cyberlink sein Angebot mit dem Cyberlink TV Server, der das Fernsehprogramm via UPnP übers lokale Netz verteilt, und mit dessen großem Bruder, der auch DRM-geschützte Kaufinhalte im Netz verteilen soll. Zum Anschauen auf dem PC gibt es den passenden Cyberlink SoftDMA (Digial Media Adapter).

Cyberlinks Erzrivale Intervideo wird mit einer neuen Version seiner Media-Center-Lösung „Home Theater“ an den Start gehen. Die Firma will den UPnP-Streaming-Server IMCSvr zeigen, der wie Cyberlinks Lösung auch geschützte Inhalte übers Heimnetzwerk streamen soll. Wie üblich dürften die Cyberlink- und Intervideo-Produkte vorerst nur für den OEM-Markt bestimmt sein. (es)

ArtVoice, Halle 6, Stand C16
BenQ, Halle 1, Stand A39
Buffalo, Halle 15, Stand C56
Creative Labs, Halle 23, Stand A50
Cyberlink, Halle 23, Stand D 26
Fujitsu Siemens, Halle 1, Stand G51
Intel, Halle 2, Stand C46
Intervideo, Halle 22, Stand B36
LG Electronics, Halle 1, Stand C03
Microsoft, Halle 4, Stand A38
NEC, Halle 2, Stand B24
Nero, Halle 2, Stand B20
NME, Halle 1, Stand L81
Panasonic, Halle 12, Stand D66 und Halle 1, Stand C61
Primera, Halle 1, Stand D81
Sagem, Halle 26, Stand E32
Samsung, Halle 1, Stand B41
Siemens, Halle 26, Stand A31
Sonic/Roxio, Halle 12, Raum 124
Sony Storage, Halle 25, Stand D40,
F101 TerraTec, Halle 25, Stand D40
Toshiba, Halle 1, Stand L61

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