Blaues Wunder

Digitales Video mit Iomega Buz

Test & Kaufberatung | Kurztest

Iomega stellt mit Buz eine Kombination aus SCSI-Hostadapter und Video-Digitizer/ Kompressor vor, die unproblematisch und professionell arbeiten soll.

Über die ersten Gehversuche mit Buz haben wir im letzten Heft berichtet (c't 14/98, S. 18). Inzwischen mußte der Proband in einer längeren Testphase beweisen, was er kann.

Buz besteht aus der Kombination eines SCSI-Hostadapters mit einem Video-Digitizer und nachgeschaltetem Kompressor; ein Konzept, das schon vor Jahren realisiert worden ist (vgl. [1]). Auf der PCI-Steckkarte von Buz residiert ein Ultra-SCSI-Controller von Advansys (ASC-3050B), der einen maximalen Datentransfer von 20 MByte/sec leisten soll.

Die Verbindung zum Rechnersystem stellt eine PCI-to-PCI-Bridge von National Semiconductor her. Die Videokompressorchips stammen aus der Produktion von Zoran. Als maximale Bildgröße lassen sich 720 x 576 Pixel bei 25 Bildern/s (PAL) einstellen, die Motion-JPEG-Kompression läßt sich in drei Qualitätsstufen betreiben (hoch, mittel, niedrig). Den Kompressionsfaktor stellt man über die Datenmenge pro Videobild ein, als maximale Datenrate für die Videosequenzen nennt Iomega 6 MByte/s.

Eine blaue rundliche Box wird über ein dickes Kabel mit der Steckkarte verbunden; die Box enthält Anschlüsse für Composite- und S-Video sowie für Stereo-Audio. Letztere sind auf Klinkenstecker am rechnerseitigen Ende des Verbindungskabels geführt; hier sollte man eine Soundkarte ankoppeln.

Auch ohne angeschlossene SCSI-Festplatte funktioniert die digitale Videoaufzeichnung. Bei unseren Tests verhaspelte sich Buz jedoch, wenn eine Plattenpartition größer als 8 GByte ausfiel. Obendrein steht zu befürchten, daß Buz nicht mit jedem Motherboard harmoniert: während es auf einem Asus P55TP4N (mit neuestem Asus-Award-BIOS) und auch auf einem Aldi-PC (Board: ATC-6130 mit Award-Bios) anstandslos lief, streikte es auf einem Micronics-Board (M54Hi mit MR-BIOS, P54 166 MHz): der Rechner bootete nach der Installation nicht mehr korrekt und blieb hängen. Tatsächlich informiert Iomega auf dem Karton und auf ihrer Homepage über Inkompatibilitäten zu verbreiteten PCs - nicht ohne Grund ...

In Sachen Video präsentiert sich Buz einigermaßen zahm, solange man bei der vom Hersteller vorgeschlagenen Einstellung bleibt. Denn dann reduziert sich die Bildgröße auf ein Viertel der eigentlichen PAL-Auflösung, die Datenrate wird mit 50 KByte/Frame zusätzlich ziemlich niedrig gehalten. Und siehe da: Buz läuft stabil und liefert eine recht brauchbare Videoqualität. Die kann allerdings nicht mit dem mithalten, was die bekannten Vertreter der Digitalvideo-Branche (Fast AV-Master, Miro DC-30) üblicherweise zeigen - für den doppelten Preis, ohne SCSI-Baustein auf der Platine. Um Buz unter Vollast zu betreiben, schraubten wir die Datenrate auf 200 KByte/Frame und die Bildgröße auf volle PAL-Auflösung (720 x 576 Pixel). Dabei geriet die Wiedergabe des so digitalisierten Take ins Stottern, auch wenn wir auf die Aufzeichnung des Tons verzichteten.

Zudem fielen uns einige Seltsamkeiten auf: Beim `Capturen´ per VideoWave SE oder auch mit Premiere zeigt das Vorschaufenster zunächst nur schwarzweiße Bilder. Erst wenn man den Capture-Vorgang abbricht und bei laufendem Recorder (Bildquelle) neu startet, zeigt sich die Vorschau in Farbe. Obendrein erscheint die Vorschau nur auf dem PC-Monitor, nicht am Videoausgang, was in der Praxis schnell zur Verwirrung führen kann. Des Rätsels Lösung: Szenen, die zuvor nicht den Buz-Codec durchlaufen haben - also ein `Make Movie´ absolvierten -, lassen sich nur im Vorschaufenster anzeigen, nicht auf einen angeschlossenen Videorecorder oder Monitor durchschleifen. Auf einem der Testsysteme gelang die Ausgabe des fertig geschnittenen Videos nur in Schwarzweiß - jedenfalls zeigte die Bandaufnahme dieses Take bei Wiedergabe keine Farbe.

Auch die beiliegende Video- bearbeitungssoftware, eine Light-Version (SE) von Video Wave, ist zu leicht ausgefallen. Das Programm verfügt zwar über eine Anpassung an die Buz-Hardware, bietet aber nur zwei Effekte und drei Blenden. Die Gesamtlänge von Videodateien im AVI-Format ist auf 33 Minuten beschränkt. Mit einer so bescheidenen Grundausstattung können weder Multimedia-Produzenten noch ambitionierte Videoamateure zufrieden sein, zumal die Software bei der Blendenregelung auf Tastatureingaben mit unangenehmen Zeitverzögerungen reagiert. Dagegen ließ sich Buz gutwillig auf die Zusammenarbeit mit Premiere ein.

Angesichts dieser Erfahrungen kommen leise Zweifel daran auf, daß sich Buz tatsächlich zur professionellen Video- und Multimedia-Produktion eignet, wie die Homepage von Iomega empfiehlt. Die Hardware scheint in ihrer uns vorliegenden Version nicht ganz fehlerfrei; sie sorgte jedenfalls für seltsame Effekte auf unseren Testrechnern. Auch die Software überzeugt nicht; ein Mehr an Funktionalität wäre uns statt des aufwenigen Designs lieber gewesen. Ob man für den Preis von knapp 500 Mark mehr erwarten darf, sei dahingestellt. (uh)

[1] Ulrich Hilgefort: Auf eine Karte, Digitalvideosystem für Windows-PCs: ProMotion c't 4/95, S. 62

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PCI-Steckkarte mit externer Anschlußbox

Hersteller Iomega
Treiber Windows 95 (für G3-Mac in Vorbereitung)
Software MGI VideoWave SE (WinPC)
Videosignale Composite, S-Video
Bildformat max. 720 x 576 Pixel, 25 Bilder/s (PAL) max. 720 x 480 Pixel, 30 Bilder/s (NTSC)
Kompression M-JPEG (Zoran), max. 200 KByte/s
Preis 500 Mark
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