Breit gestreut

Stimmen zur Beta-Version von Windows Vista

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Der Startschuss fiel, einige Tage später als erwartet, in der Nacht vom 7. zum 8. Juni: Seitdem können Interessierte aus aller Welt erstmals eine frei verfügbare Beta-Version von Windows Vista herunterladen, ausprobieren - und Kritik üben.

Schon kurz nach Bekanntwerden der Download-Links kamen die Microsoft-Server an ihre Grenzen. Der Andrang auf die Beta-Version von Windows Vista war so groß, dass die meisten Interessierten erst mal nur in einer Warteschlange landeten. Schuld daran sollen die technischen Gegebenheiten sein: Laut dem offiziellen Vista-Team-Blog (wie alle in diesem Artikel genannten Links über den Soft-Link zu finden) liefert Microsoft die Daten so schnell wie möglich aus, ein noch höheres Tempo würde das Internet nicht mitmachen („we are at the threshold of what the Internet can bear“).

Von alternativen Methoden zur Verteilung von Software etwa über BitTorrent hat man zwar auch in Redmond schon gehört, hält aber nichts davon. Die Gründe zitiert Robert McLaws in seinem Blog: Man könne so nicht garantieren, dass Interessenten wirklich eine unveränderte Version der Beta 2 erhalten, außerdem gebe es rechtliche Bedenken. Und so wurden alle Beschwerden über die Wartezeiten mit dem Hinweis auf die DVD gekontert, die man (angeblich zum Selbstkostenpreis) für 16 Euro plus Mehrwertsteuer bestellen kann. Allerdings müsse man mit einer Lieferzeit von bis zu vier Wochen rechnen.

Microsoft will nach eigenen Angaben insgesamt mehr als eine Million Beta-Versionen verteilen. Sobald die Zahl erreicht ist, soll aber Schluss mit dem offiziellen Download sein. Spätestens dann dürfte die Verteilung über alternative Quellen so richtig aufblühen.

In einem weiteren Blog-Eintrag bittet das Vista-Team alle, die die Beta ausprobieren, sie in den ersten 14 Tagen zu aktivieren. Das soll dabei helfen, die Support-Infrastruktur wie auch die Aktivierung selbst zu testen. Wohl als Anreiz ergänzt das Team, dass nur diejenigen den für das dritte Quartal erwarteten Release Candidate 1 von Windows Vista erhalten sollen, die die Beta aktivieren.

Das erste Echo auf die öffentliche Beta fiel wenig überraschend recht zwiespältig aus: Viele Leser-Mails an c't sowie diverse Einträge in Blogs, Newsgroups und Foren ergeben ein Stimmungsbild, das zwar nicht repräsentativ ist, aber doch zeigt, dass die Bandbreite der Reaktionen von Begeisterung bis Entsetzen reicht. Einige Tester haben wir gebeten, uns ihre Meinung darüber mitzuteilen; etliche ihrer Aussagen stehen im Kasten ab S. 26, c't 14/06, andere dienen im nachfolgenden Text dazu, exemplarisch das Stimmungsbild wiederzugeben.

In einem Punkt sind sich fast alle einig: Auch wenn für Windows-Anwender vieles neu sein wird, ist das meiste doch irgendwo schon mal da gewesen. Typische Aussage: „Ich habe das Gefühl, 90 Prozent von Vista schon mal in irgendeiner Form bei Mac OS X oder auf diversen Linux-Distributionen gesehen zu haben.“ Andere drücken es drastischer aus: Microsoft habe sowieso alles nur geklaut, im Grunde biete Vista nichts, was bei anderen Betriebssystemen nicht längst vorhanden ist. Ein im Internet kursierendes Video karikiert das besonders anschaulich: Während der Vortrag eines Microsoft-Mitarbeiters zu hören ist, was an Vista alles neu ist, zeigen die Bilder, wo genau man hinklicken muss, um die jeweils gerade erklärte Funktion zu finden - unter Mac OS X.

In den Ohren klingeln dürfte den Redmondern zudem der noch weitergehende Vorwurf, dass nicht nur alles geklaut sei, sondern dass man sich dabei auch noch dilettantisch angestellt habe: „Sie haben nur geklaut und sich keine Gedanken darüber gemacht, ob das, was sie klauen, nicht vielleicht verbesserungswürdig ist.“

Mit der Installation von Vista sind ebenfalls viele unzufrieden. Zwar freuen sich manche darüber, dass sie dabei weniger klicken müssen, viele sind jedoch genervt, weil das Vista-Setup keine ausreichenden Optionen zum Anpassen der Partitionsgrößen bietet und andere Boot-Loader zerstört. Außerdem dauere die Installation zu lange.

Mehr Verständnis herrscht für die derzeit noch unzureichende Treiberversorgung, auch wenn die einschlägigen Newsgroups voll von Fragen zur Hardwareinstallation sind. Doch sofern Vista die Hardware nicht dank mitgebrachter Treiber von allein erkennt, sieht es schlecht aus, denn nur wenige Hersteller stellen bisher Treiber bereit (siehe Soft-Link).

Die neue Vista-Oberfläche kommt recht gut an, vor allem die Optik: „Schick“ liest man oft. Die Frage, ob transparente Fensterrahmen wirklich dazu beitragen, sich besser auf das Wesentliche konzentrieren zu können, ist so manchen herzlich egal: „Der modernisierte Desktop macht einfach Spaß. Er hat zwar keinen direkten Einfluss auf die Produktivität, aber genauso wie man sich gern seinen Schreibtisch organisiert, macht es Spaß, seinen Desktop so zu gestalten, wie man es braucht. Wenn das Ganze mit einem ansprechenden Design aufwartet, dann gefällt mir das.“

Dank der vielen kleinen Umbauten scheinen Explorer und Desktop ebenfalls den Geschmack der Tester zu treffen: Die Oberfläche sei „nicht wie bei XP eine Summe von Spielereien, sondern bringt zum Beispiel mit der Vorschau in der Taskleiste wirklich praktische Neuerungen.“ Gern genannt werden in diesem Zusammenhang auch die praktischen Suchfelder im Startmenü und im Explorer. Das über das Startmenü zu erreichende Suchfenster würde so mancher aber doch lieber wieder durch die klassische Suche ersetzen.

Microsoft hat versprochen, dass Vista besonders sicher werden soll. Kernpunkt ist ein Mechanismus namens User Account Control (UAC): Jedes Programm startet grundsätzlich erst einmal mit den Rechten eines eingeschränkten Benutzers, selbst wenn der Anwender, der es startet, über Administrator-Rechte verfügt. Sind wirklich mal Admin-Rechte erforderlich, öffnet sich ein Bestätigungs-Fenster, in dem der Anwender die Aktion per Mausklick bestätigen muss - und das treibt die Tester gleich reihenweise auf die Palme. Zwar sind die meisten davon überzeugt, dass es sich hier im Grunde um einen Schritt in die richtige Richtung handelt, doch ändert das nichts daran, dass sie zum Klicken keine Lust haben. Einige stört auch das Abdunkeln des Desktops vor dem Öffnen des Fensters, es mache „flüssiges Arbeiten unmöglich“.

Veralbert fühlt sich mancher durch den (ohnehin nicht besonders leistungsfähigen) Virenscanner eTrust von Compuer Associates, von dem eine für ein Jahr kostenlose und angeblich speziell für Vista geeignete Version über einen Link im Sicherheitscenter zu finden ist. Denn nach der Installation verlangt der Scanner bei jedem Systemstart von Vista zwei UAC-Bestätigungsklicks. Mit anderen Worten, er läuft nur, wenn ein Administrator es genehmigt, und da das im Alltag kaum praktikabel ist, bleibt nichts anderes übrig, als jedem Nutzer das Admin-Kennwort mitzuteilen. Kommentar eines Beta-Testes zu diesem Unfug: „Toll, ich habe extra für die Nutzung meiner Kinder deren Nutzerkonten bezüglich Internetzugriff eingeschränkt, und nun können die Söhne hingehen und mit Wissen des Admin-Kennworts alles wieder rückgängig machen.“

Andere zeigen sich hingegen verblüfft, wie weit die Sicherheit an anderer Stelle geht: Die bei Vista mitgelieferte Antispyware Defender kümmert sich nämlich nicht nur um Spyware, sondern findet auch Trojaner wie Bagle, für die sich eigentlich Virenscanner zuständig fühlen. Kein Wunder, dass die Antiviren-Hersteller langsam nervös werden, ob Microsoft ihnen mit Vista womöglich das Geschäft ruiniert. Und so üben die sich schon mal in Kritik, wie GData-Vorstand Dirk Hochstrate: „Es ist schon bemerkenswert, dass der Hersteller des unsichersten Betriebsystems der Welt vordergründig vorgibt, mit Vista das Thema Datensicherheit ernster zu nehmen, und gleichzeitig mit seiner neuen Security-Software OneCare und Antigen versucht, aus den eigenen Schwächen kräftig Kapital zu schlagen.“

Nur wenige befragte Tester äußerten sich übrigens von alleine zum Thema Digital Rights Management, obwohl fast alle DRM kritisch gegenüberstehen. Offenbar ist von den befürchteten Restriktionen unter Vista bislang wenig zu spüren. Einigen ist das Thema aber auch gleichgültig: „Mir egal, für meine MP3s spielt DRM ohnehin keine Rolle.“

Obwohl fast alle, die die Beta ausprobiert haben, positive Seiten entdecken können, scheint doch kaum einer rundum glücklich zu sein. Abgesehen von der UAC, für die nach der herben Kritik bereits Nachbesserung versprochen wurde, regen sich viele über den Hardwarehunger auf: Irgendwie fühle sich Vista viel zu langsam an. So mancher hat die Befürchtung, dass es erst mit Hardware der übernächsten Generation so richtig Spaß macht: „War bei XP ja genauso.“ Andere nehmen es mit Humor und hoffen, dass die Ehefrau die neue Optik so toll findet, dass sich im heimischen Haushaltsplan Mittel für neue Hardware losschlagen lassen, um endlich wieder in den Genuss aktuel-ler Spiele zu kommen. Eine gewisse Vorfreude scheint auch bei jenen zu herrschen, die ihr Geld damit verdienen, PCs zusammenzubauen und zu konfigurieren: „Endlich habe ich wieder genug Arbeit, ich muss ja schließlich eine Familie ernähren.“

Trotz der Mängel glauben dennoch die meisten an einen Erfolg von Vista. „Egal, ob nun die guten oder schlechten Eigenschaften überwiegen: Vista wird der Erfolg, den Microsoft erwartet. Dank der Vorinstallationen wird es sich schon verbreiten.“ Anders ausgedrückt: „Im Grunde ist es sowieso egal, wie Vista später aussieht, solange die keinen allzu großen Mist dabei bauen, lässt sich der Erfolg gar nicht vermeiden.“ (axv)

[1] Axel Vahldiek, Bereit zur ersten Ansicht, Ein Reiseführer durch Windows Vista Beta 2

[2] Karsten Violka, Spritztour, Vista-Vorabversion ohne Reue installieren, c't 12/06, S. 106

[3] Axel Vahldiek, Türsteher, 16 Virenscanner für Windows, c't 26/05, S. 190

Soft-Link

Wir haben einige Tester der Vista-Beta gebeten, uns ihre Eindrücke zu schildern. Hier einige Auszüge:

„Im direkten Vergleich zu Windows XP und allen Vorgängern fällt während der Installation angenehm auf, dass diese unbeaufsichtigt erfolgen kann und notwendige Benutzereingaben erst zum Abschluss erforderlich sind.“ (Dr. Endrik Limburg)

„Installation als Update war wie gehabt: Keine Möglichkeit, Partitionen anzupassen, Grub wird beseitigt. Mangelhaft. Man merkt dem Programm an, dass es vor vielen Jahren begonnen wurde, es hinkt bei der Installation im Vergleich zu Ubuntu um Welten hinterher.“ (Reinhard Maluschka)

„Die verschiedenen Aero-Oberflächen wirken sehr modern und aufgeräumt. Die Bedienung ist in vielen Fällen konsistenter und logischer als unter XP. Zusammen mit der deutlich geänderten Benutzerführung offenbart Vista den bisher größten Bruch mit der bekannten Windows-Oberfläche.“ (Dr. Endrik Limburg)

„Zugegeben, auf den ersten Blick sieht Vista ziemlich schick aus. Aufpoppende und durchscheinende Fenster begeistern. Nach der ersten Euphorie fragt man sich aber, ob das wirklich alles so toll ist. Die Animationen beim Ein- und Ausblenden von Fenstern erzeugen zumindest bei mir eine recht unruhige Stimmung, ständig dreht und bewegt sich etwas.“ (Sven Ritter)

„Im Familien- und Freundeskreis konnte ich bemerken, dass vor allem Frauen die neue Oberflächengestaltung sehr positiv aufnehmen, auch wenn sie vorher mit Windows XP gearbeitet haben.“ (Paul Horn)

„Vista fühlt sich gleich nach der Installation wesentlich runder an als ein frisches XP. Auch sind viele Standardeinstellungen sinnvoll. Die Suchfunktion im neuen Startmenü finde ich klasse, ansonsten komme ich mit dem Startmenü nicht zurecht - ich bevorzuge das klassische.“ (Steven Jung)

„Die UAC ist zwar gut gemeint, nervt aber schon, wenn man ein paar Programme hintereinander installieren möchte. Zumal stellt sie für mich auch keine wirkliche Verbesserung der Sicherheit dar, da ich auch unter XP nur mit normalen Benutzerrechten arbeite. Für die Verwaltungsaufgaben gibt es den Administrator-Account - ohne ständiges Nachfragen.“ (Sven Ritter)

„Meiner Erfahrung nach ist es eh nicht möglich, es jedem Benutzer recht zu machen. Manche haben sich nicht einmal an XP gewöhnt, wie sollen die dann auf ständige Meldungen reagieren, ob etwas erlaubt werden soll? Da habe ich mehr zu tun als vorher. Lieber gleich per Default alles Unnötige sperren.“ (Joachim Bräuninger)

„Für mich liegt die Hauptverwendung der UAC nur darin, dass ich mich an Firmencomputern nicht mehr neu anmelden muss, um irgendeinem Anwender ohne Rechte etwas einzurichten. Für mich an meinem PC, an dem ich ständig Admin-Rechte brauche, ist die UAC einfach nervig, und das schon nach weniger als einer Woche.“ (Max Krüger)

„Irgendwie stellt sich bei mir noch nicht das Gefühl ein, dass das Arbeiten in Vista tatsächlich sicherer wird.“ (Achim Barczok)

„Wenn mich etwas an Vista stört, dann ist es der Ressourcenhunger. Es ist schade, dass es offenbar den Programmierern nicht gelingt, Funktionen mit minimalen oder wenigstens gleichbleibenden Hardware-Anforderungen zu kodieren. Auch Vista wird wieder einmal erst besser laufen, wenn man mehr Speicher besitzt, einen schnelleren Rechner anschafft oder in eine moderne Grafikkarte investiert.“ (Thomas Rabenstein)

„Grauenhafte Geschwindigkeit, wie XP auf einem 400-MHz-Rechner mit 128 MByte Speicher. Das ganze System ist grottenlahm, es hat alles sehr viel länger gedauert als geplant. Wenn man auf Systemsteuerung drückt, dann ist die so nach einer Minute da. Starten dauert gefühlt vier Minuten, bis die Sanduhr weg ist und man was machen kann. Beim Herunterfahren friert nach einiger Zeit die Maus ein. Keine Ahnung, ob dann noch was kommt, hab dann immer auf den Reset-Knopf gedrückt.“ (Reinhard Maluschka)

„Die wirklichen Vorteile von Vista gegenüber XP hätten die doch erhebliche Steigerung des Anspruchs an die Hardware nicht notwendig gemacht, das hätte man auch anders und ressourcensparender programmieren können.“ (Paul Horn)

„Was mir gefallen würde, wären weitere kleine Zusatzprogramme, wie sie das System bereits mitbringt, wie Windows Mail, den Terminplaner oder das neue Werkzeug zum Kopieren von Bildschirminhalten.“ (Thomas Rabenstein)

„Da ich von einem Betriebssystem einen ressourcensparenden, stabilen Unterbau für die tägliche Arbeit erwarte, geht das All-in-one-Konzept von Vista an meinen Bedürfnissen vorbei.“ (Dr. Endrik Limburg)

„Mich stört, dass es zig verschiedene Versionen von Vista geben soll, später, wenn es auf den Markt kommt. Mir haben zwei Versionen völlig gelangt, die Home Edition und Professional Edition von XP.“ (Ludger Dreismann)

„Man sieht bei Vista, dass man sich bemühte, die Usability eines komplexen Gerätes wie es doch ein PC nun mal ist, noch weiter zu verbessern. Wenn man bedenkt, dass speziell in Europa - und in Deutschland insbesondere - das Durchschnittsalter der Bevölkerung und damit einhergehend auch der PC-Nutzer immer höher wird, ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. (Paul Horn)

„[...] finde ich den Stand für ein Betriebssystem nach so in etwa fünfjähriger Entwicklungszeit und für einen öffentlichen Test ziemlich bescheiden. Ich kann mir zurzeit nicht vorstellen, dass da jemand freiwillig wechselt.“ (Reinhard Maluschka)

„Microsoft scheint auf das Prinzip zu setzen: Je mehr Entscheidungen das System vorwegnimmt, umso weniger muss sich der Nutzer damit herumschlagen. Das stimmt zwar in gewisser Weise, macht es aber unheimlich schwer, die eigene Arbeitsweise durchzusetzen. Kann sein, dass ich viele dieser Möglichkeiten als Vista-Neuling einfach noch nicht entdeckt habe, kann sein, dass die Beta-Version noch nicht alle Möglichkeiten bieten kann, aber ein ungutes Gefühl bleibt trotzdem, dass der Anwender mal wieder zum unmündigen Computer-Nutzer degradiert wird.“ (Achim Barczok)

„Ein Umstieg auf Vista kommt in absehbarer Zeit nicht infrage. XP ist schnell, stabil und hat sich im täglichen Einsatz bewährt. Für die gelegentlich nötigen Debug-Ausflüge nach Vista reicht vorerst auch eine Dual-Boot-Konfiguration.“ (Sven Ritter)

„Was ich am meisten vermisse? Den Source-Code ;-)“ (Steven Jung)

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