Browser, aufgebohrt

Tools und Know-how für schnelleres Surfen

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Was bisher Hobby-Automobilisten mit Bastelambitionen vorbehalten war, steht jetzt auch Benutzern von Web-Vehikeln offen: die Möglichkeit, ihre Gefährte zu frisieren, um schneller zu browsen. Auch mit der richtigen Fahrtechnik geht es flotter durchs Netz.

Die Modem-LEDs flackern träge, während dem Surfer die Augen zufallen und er von drehenden Explorer-Logos und Netscape-Kometen zu träumen beginnt. Mal im Ernst: Wer haßt sie nicht, diese ermüdenden und frustrierenden Geduldsübungen am Browser. Mit ein paar Tricks und den richtigen Werkzeugen geht´s schneller.

Hauptansatzpunkt bei der Web-Beschleunigung ist die Tatsache, daß eine Online-Verbindung zeitweise nicht ausgelastet wird. Wenn der Anwender eine Seite liest, hat das Modem oft nichts zu tun. Doch auch, wenn es nur eine Seite lädt, ist es meist nicht voll belastet.

Es läßt sich besser ausnutzen, indem man in mehreren Fenstern surft: Per Dateimenü öffnen sowohl Netscape Navigator als auch Internet Explorer weitere Fenster. Oder man öffnet die Seite, auf die ein HTML-Link verweist, über das Kontextmenü in einem eigenen Fenster. So kann der Anwender im Hintergrund mehrere Dateien laden, während er ein bereits vorhandenes Dokument liest. Im Idealfall sind immer neue Seiten da, wenn der User sie benötigt. Wie viele Browser-Fenster er gleichzeitig benutzen sollte, ist dabei ein Erfahrungswert.

Klickt ein User auf einen Link, lädt FAB diesen im Hintergrund, die aktuelle Seite bleibt zu sehen. Erst wenn der Download abgeschlossen ist, zeigt FAB die neue Seite auf Wunsch an, drängelt sich damit aber nicht wie der Internet Explorer in den Desktop-Vordergrund.

Bis zu vier Seiten kann FAB gleichzeitig laden, die er in maximal zwanzig `Slots´ zwischenspeichert. Über vier URL-Listen (`Hot´, `Warm´, `Cool´, `Startup´), die sich leider nicht hierarchisch strukturieren lassen, hat der Benutzer schnellen Zugriff auf oft benutzte Adressen.

Während FAB nur Seiten lädt, die ihm explizit vorgegeben werden, gehen die folgenden Programme weiter. Sie installieren sich als lokaler Proxy-Server auf dem Rechner des Anwenders, der zwischen Browser und dem Web vermittelt. Auf diese Weise können sie nach vorgegebenen Strategien selbständig Online-Seiten in ihren Cache laden, damit diese bereits vorliegen, sobald der Anwender sie anfordert.

Um PeakJet dem eigenen System anzupassen, kann der Anwender die Anzahl der Threads vorgeben, die im voraus Seiten laden sowie bereits geladene aktualisieren. Die geladenen Seiten zeigt PeakJet in einer Grafik an.

Der Fetcher kommuniziert mit bis zu zehn Web-Sites gleichzeitig, um die Download-Zeiten möglichst gering zu halten. Darüber hinaus beherrscht Got It! das Keep-Alive Feature des http-Protokolls, um Verbindungen zwischen Browser oder einem entfernten Web-Server und sich zu halten und somit die Übertragungszeiten zu minimieren.

Der Beschleuniger erlaubt es, eine voreinstellbare Anzahl von Ebenen tief im voraus zu lesen. Wie er dabei vorgeht, läßt sich mit vier verschiedenen `Geschmacksrichtungen´ voreinstellen. Beispielsweise kann das Programm Seiten auf dem aktuellen Server oder große Dokumente vorziehen. Zusätzlich kann Blaze! die Performance durch ein eigenes Protokoll erhöhen: xSpeed. Unterstützt der Server xSpeed, werden Dateien komprimiert übertragen.

Über alle in einem definierten Zeitraum gelesenen Dokumente führt Blaze! einen Volltextindex. Alternativ befragt seine Suchmaschine bis zu acht Web- oder drei Usenet-Recherche-Server. Selbst die Bookmarks lassen sich durchsuchen.

Apropos: Jedes Suchergebnis wird als eigener Ordner in die URL-Verwaltung integriert, die auch die Bookmarks enthält. Die zu Bookmarks gehörenden Seiten lassen sich beobachten, sogenannte `Schedules´ erlauben es, Blaze! bestimmte Aufgaben zeitgesteuert automatisch ausführen zu lassen.

Auch WBI installiert sich als Browser-unabhängiger lokaler Proxy-Server auf dem PC des Anwenders und vermittelt alle Seiten zwischen dem Browser und dem World Wide Web. Dabei merkt sich das Programm alles: Der Anwender kann den Volltext (oder nur die URL beziehungsweise den Titel) einer Seite durchsuchen - auch lange, nachdem er diese besucht hat. Darüber hinaus bemüht sich WBI, Muster im Surfverhalten zu erkennen. So kann es seinem Benutzer Abkürzungen vorschlagen. WBI läßt sich auch als Wachhund einspannen, der vorgegebene Seiten auf Änderungen beobachtet und den Benutzer gegebenenfalls darüber informiert.

Ein zuverlässiges Mittel gegen Surffrust ist die Web-Ampel: Sie warnt vor nervenden Wartezeiten: Neben jeden Link in einer Web-Seite setzt sie einen kleinen Punkt in einer der Ampelfarben, je nachdem, wie gut der betreffende Server erreichbar ist.

Über eine Menüleiste, die WBI in jeden Seitenkopf einbaut, hat der Anwender immer Zugriff auf alle Funktionen. Allerdings lassen sich via Web-basierendem Setup nicht sämtliche Parameter einstellen, die das Programm grundsätzlich unterstützt. Wer den Web-Agenten feintunen will, muß die Datei wbi.ini von Hand mit einem Texteditor bearbeiten. Hier läßt sich etwa die Anzahl der Links hochsetzen (Parameter `pagemax´, Standard: 10), die WBI auf Erreichbarkeit testet. Da jedoch die Parameter sinnvoll benannt sind, sollte dies kein Problem sein.

Der Begriff `Web-Beschleuniger´ ließe sich noch viel weiter fassen. Natürlich helfen auch Bookmark-Manager, Offline-Reader und andere Tools, das Surfen anzukurbeln. Da wir allerdings solche Tools schon mehrmals besprochen haben [1, 2, 3], beschränkten wir uns an dieser Stelle - mit einer Ausnahme - auf die relativ neuen Beschleuniger.

Einen miserablen Internet-Zugang können auch diese kaum beflügeln. Tröpfeln die Bytes nur im Sekundentakt aus dem Modem, sollten Sie zunächst auf den Seiten 122 ff. weiterlesen und sich einen schnelleren Provider suchen. Apropos Geschwindigkeit: Diese hängt außer vom jeweiligen Tool noch von einer ganzen Reihe weiterer Faktoren ab, etwa dem Surfverhalten des Anwenders, der Netzwerkumgebung und -belastung sowie dem verwendeten Browser. Ich habe daher auf Tests unter Laborbedingungen verzichtet und gebe meine subjektiven Empfindungen wieder, die ich innerhalb einer Woche Arbeit mit den verschiedenen Tools gewonnen habe.

Meine Favoriten sind Got It! und Blaze! - nicht nur in puncto Performance. Ersteres Programm überzeugt durch seine intuitive Bedienbarkeit. Blaze! glänzt mit überlegener Technik - auch wenn ich nicht glaube, daß das proprietäre xSpeed eine Chance am Markt hat. Alles in allem ist das Blaze!-Paket eine gelungene Kollektion von gut aufeinander abgestimmten Tools, die das Surfen so ökonomisch wie möglich machen. Qualität hat aber auch ihren Preis.

Bei allen Vorteilen von Got It! und Co. - über ihren Einsatz läßt sich auch streiten. Einige meiner Leser werden mich verfluchen, daß ich solche Software überhaupt bespreche und sie damit noch bekannter mache. Schließlich bekam ich schon auf eine Kurzmeldung über PeakJet mehrere wütende Briefe (siehe c't-Leserforum 6/97, S. 9).

Die Leser befürchteten nicht ganz zu Unrecht, daß ein massiver Einsatz der Web-Turbolader das Netz unnötig beanspruchen wird. Insbesondere die weniger `intelligenten´ Tools, die blindwütig drauflos laden, werden die Belastung des Netzes steigern.

Dem muß man allerdings entgegenhalten, daß es jedermanns gutes Recht ist, sei-nen Internet-Zugang bis zum Anschlag auszunutzen - die typische Abrechnungsweise von Online-Accounts ist halt zeit- und nicht volumenorientiert. Solche Argumente wie `Das Internet gehört uns allen, es ist egoistisch, Agenten einzusetzen´, hört man verdächtig oft von Studenten - die an ihrer Uni keinen Pfennig für ihren Online-Zugang bezahlen.

Da ich im übrigen über eine schnelle Anbindung verfüge, chaotisch surfe und zu knauserig bin, eine der Lizenzgebühren zu bezahlen, werde ich auf die Tools verzichten. WBI, das ich schon seit längerem schätze, werde ich auch weiterhin einsetzen. Letztlich muß es jeder mit sich ausmachen, ob er eines der Tools einsetzt. (jo)

[1] Verbindung halten, Kommunikations-Shareware, c't 6/97, S. 192
[2] Detlef Knut, Jo Bager: Datenfischer, Metasuchwerkzeuge erleichtern die Recherche im Web, c't 2/97, S. 170
[3] Jo Bager: Informationsdestillatoren, Werkzeuge und Know-how für den komfortableren Online-Zugang, c't 11/96, S. 168
[4] Jürgen Kuri: Flöhe hüten, Agents für Web-Browser unter OS/2 und Windows 95/NT, c't 10/97, S. 66

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Zwar hat jedes gängige Betriebssystem RAM-Disk-Funktionen eingebaut, doch sind diese meist recht unflexibel. Unter Windows etwa zieht man besser das Shareware-Tool VRAMDIR (u. a. auf der c't-Shareware-CD enthalten; Besprechung in c't 12/96) heran, das ein Laufwerk mit dynamischer Größe im Speicher anlegt - es nimmt sich stets nur so viel RAM, wie es für Dateien und Verzeichnisse braucht: zum Browsen ideal. Ein anderes Programm oder eben die eingebaute RAM-Disk funktionieren natürlich ebenfalls, doch die muß man stets mit einer festen RAM-Größe anlegen. In diesem Fall könnte man beispielsweise 2 MByte (oder beliebig mehr, je nach Bedarf und RAM-Ausstattung) für die gecachten Internet-Daten bereitstellen und im Internet-Browser die Cache-Größe entsprechend anpassen. Im selben Einstellungsfenster ändert man in der Regel auch den Laufwerksbuchstaben. Wer die bereits vorhandenen Cache-Dateien nutzen möchte, kopiert sie einfach auf die RAM-Disk. Den bislang belegten Platz auf der Festplatte - häufig mehrere Megabytes - kann man auf Wunsch anschließend löschen (Funktion `Clear Disk Cache Now´ oder ähnlich).

Auch Mac-Anwender sollten ein kleines Tool der Systemlösung vorziehen. Hier bietet sich ShrinkWrap von Chad Magendanz an (ebenfalls auf der c't-Shareware-CD zu finden), das normalerweise dazu dient, Disketten-Images zu bearbeiten. Per Einstellung in den Preferences kann man ShrinkWrap dazu überreden, eine Image-Datei nicht auf Festplatte, sondern im Speicher anzulegen (`Keep mounted images in RAM´) und Änderungen zuzulassen (`Mount images unlocked by default´). Leider gibt es unseres Wissens kein Mac-Utility, das ähnlich wie VRAMDIR für Windows eine dynamische RAM-Disk erzeugt, so daß man sich hier auf eine bestimmte Größe festlegen muß. Der Vorteil gegenüber der in MacOS eingebauten RAM-Disk ist aber, daß die ShrinkWrap-Erzeugnisse deutlich schneller sind, auch nach einem Neustart nicht gelöscht werden und sich zudem nach Gebrauch leicht entsorgen lassen: zieht man das Diskettensymbol in den Papierkorb, wird der benötigte Speicher wieder freigegeben.

Wer sichergehen möchte, daß der Cache-Inhalt auch nach einem Absturz bereitsteht (was den meisten Anwendern egal sein dürfte), der sollte die Image-Datei zwischendurch immer wieder auf Platte sichern. Bei der Arbeit mit Cache-Verzeichnissen übrigens generell sinnvoll: `Check/Verify Documents once per session´ (Netscape) - das stellt sicher, daß der Browser keine veralteten Daten aus dem Cache holt.

Um das Ganze noch komfortabler anzulegen, kann man sich ein Makro schreiben, das auf Mausklick die RAM-Disk anlegt respektive öffnet, anschließend den Browser startet und nach Beenden die RAM-Disk wieder schließt. So steht der `verschwendete´ Speicherplatz anderen Programmen zur Verfügung, solange man nicht surft. Unter Windows sollte die Shareware WinBatch genügen, auf dem Mac drängt sich AppleScript geradezu auf, da ShrinkWrap vorbildlich skriptbar ist. Ebenso gut, aber etwas verschwenderisch ist die Möglichkeit, die Disk-Image-Datei beim Booten automatisch laden zu lassen (Windows: Autostart-Ordner, Mac: Startobjekte). (se)

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Web-Beschleuniger

Name Systemvoraus-
setzungen
Preis Hersteller/ Distributor URL Download-Größe
der Demo-Version
Blaze! Web Performance Pack 1.1 Windows 95/NT 49,99 US-$ Datalytics http://www.xspeed.com/ 4,2 MByte
Fetch Ahead Browser 1.1 Windows 95/NT 2 25,00 US-$ Tools & Toys Software http://www.toolstoys.com/ 2,1 MByte
Got It! 1.1.4 1 Windows 95/NT 19,95 US-$ Go Ahead http://www.goahead.com/ 1,7 MByte
PeakJet 1.5 Windows 95/NT 3 99,00 DM Softline http://www.peak-media.com 3,0 MByte
Speed Surfer 3.01 Windows 95/NT 29,00 US-$ Robsoft http://www.robsoft.net/ 2,3 MByte
Web Browser Intelligence 2.0b3 Windows 95/NT, OS/2 kostenlos IBM http://www3.alphaworks.ibm.com/Home 1,7 MByte
1 Version 2.0 ist im Betastadium
2 läuft nur mit dem Internet Explorer
3 MacOS-Version in Vorbereitung
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