Bummbumm-Bass: Lautsprecher Google Home Max im Kurztest

Bummbumm-Bass: Lautsprecher Google Home Max im Kurztest

Test & Kaufberatung | Hands-on

Bild: c't

Selbstbewusste Preisgestaltung: Googles smarter Lautsprecher Home Max ist teurer und voluminöser als die Konkurrenz von Apple und Sonos. Im c't-Kurztest fällt er vor allem durch seinen brutalen Bass auf.

Die beiden hierzulande erhältlichen Google-Lautsprecher Home und Home Mini tun sich nicht unbedingt durch ihre gute Tonqualität hervor. Das will Google nun ändern: Der Home Max soll erstmals anspruchsvolle Musikhörer glücklich machen – und ruft dafür auch einen amtlichen Preis auf: Sage und schreibe 400 Euro soll der Soundklotz kosten, das sind 50 Euro mehr als ein Apple HomePod oder ein Sonos Play:1-Stereopaar kosten – ein selbstbewusster Preis.

Optik und Verarbeitungsqualität sind super: Der 5 Kilo schwere und schuhkarton-große Lautsprecher fühlt sich gut an und verströmt eine edle Aura, nichts klappert oder wackelt. Doch schon der Einschalt-Jingle lässt Schlimmes vermuten: Nach gehobenem Hi-Fi klingt das nicht.

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Doch erst einmal wartet die Inbetriebnahme: Mit der Google-Home-App muss das Soundsystem mit dem eigenen Google-Account verbunden werden, ohne Kopplung bleibt es stumm. Der Befehl: "Hey Google, spiel Billie Jean von Michael Jackson auf Spotify" wird auf Anhieb verstanden, nach wenigen Sekunden ertönt der berühmte Basslauf. Und wie: Die beiden 4,5-Zoll-Lautsprecher (11,4cm) dröhnen so laut los, dass man es im Magen spürt. Das ist nett, aber sicherlich kein Hi-Fi – denn während der Bass überbetont klingt, sind die Mitten zu lasch: Jacksons Gesang tritt bei weitem nicht so in den Vordergrund, wie das auf neutralen Hi-Fi-Lautsprechern der Fall ist.

Eine Hörsession in einem anderen c't-Büro bot einen besseren Klang, aber auch hier wirkte der Bass übertrieben und die Mitten ein wenig zu durchsetzungsschwach. Insgesamt hört man deutlich, dass da ein DSP am Sound herumschraubt – es handelt sich dabei um die "Smart Sound"-Automatik, die laut Google mit Hilfe von "machine learning" die Equalizer-Einstellungen an den Raum anpasst. Dieser Equalizer lässt sich auch manuell justieren, auch wenn der Begriff ziemlich übertrieben ist: Hinter der "Equalizer"-Option verbergen sich lediglich Höhen- und Bass-Regler. Welche Anpassungen Smart Sound genau vornimmt, kann der Nutzer nirgends einsehen. Die Google Home Max hat einen mechanischen Schalter eingebaut, der die Mikrofone deaktiviert – das Gerät hört dann nicht mehr permanent zu; außerdem funktioniert die automatische Raum-Einmessung mit abgeschalteten Mikrofonen nicht.

Auch mit manueller Bass- und Höhenanpassung gelang es uns nicht, der Google-Box eine neutrale Klang-Wiedergabe zu entlocken. Zu Googles Ehrenrettung muss man allerdings sagen, dass Apples HomePod ähnliche Probleme mit überbetonten Bässen und zu schwachen MItten (also Gesangsstimmen) hat.

Die Akustik des Home Max ändert sich mit der Ausrichtung: Im liegenden Querkant-Modus spielt er Stereo-Sound aus, stehend schaltet er auf Mono-Ausgabe um. Auf der oberen langen Seite hat das Soundsystem einen Touchsensor eingebaut: mit einem Wisch nach links wird es leiser, ein Rechts-Wisch erhöht die Lautstärke.

Der Home Max produziert deutlich besseren Sound als der konventionelle Home-Lautsprecher und vor allem als der Home Mini – kostet mit 400 Euro aber auch ein Vielfaches: den Home bekommt man inzwischen für knapp 80, den Mini für knapp 40 Euro. Gehobene Hi-Fi-Ansprüche befriedigt der Home Max nicht; aber wem ein kraftvoller Bass wichtiger ist als eine neutrale Wiedergabe, der könnte trotzdem glücklich werden. Denn knallen tut es auf jeden Fall. In Sachen Assistenz-Intelligenz liegt Google Home deutlich vor Apples Siri und ungefähr gleichauf mit Amazon Alexa. Letzteres System bietet zwar mehr Funktionen und "Skills", zieht bei Wissensfragen gegenüber Google aber den Kürzeren.

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