Buntes GNU

Bildbearbeitung GIMP (nicht nur) für Linux

Test & Kaufberatung | Kurztest

Man sollte es nicht glauben, aber Linux glänzt auch bei grafischen Werkzeugen und der Bildbearbeitung. Mit einer Reihe von Erweiterungen und Bugfixes tritt die aktuelle Version des frei verfügbaren Programms GIMP gegen die Konkurrenz aus dem professionellen Lager an.

GIMP, das hat keineswegs etwas mit einem Gimpel oder anderen einfältigen Charakteren zu tun. Zunächst ist es nur eine Abkürzung für GNU Image Manipulation Program, also für ein Programm zur nachträglichen Bearbeitung vorhandener Pixelbilder. Das Ganze ist kostenlos für Linux, FreeBSD und andere Unix-Varianten zu haben.

Mit zahlreichen Manipulations- und Verfremdungsmöglichkeiten braucht das Programm den Vergleich mit manch professionellem Bildbearbeitungsprogramm nicht zu scheuen. Auch die Mal-, Selektions- und Retuschewerkzeuge können etwa gegenüber Photoshop ohne weiteres bestehen.

Die offizielle Version 1.0 läßt aber immer noch auf sich warten. Die Programmierer scheinen Spaß daran zu haben, ihr Werk in Promille-Schritten voranschreiten zu sehen: Die letzte Entwicklerversion lag bei 0.99.10. Was die neun Tausendstel, die bis zur Version 1.0 fehlen, noch an Verbesserungen bringen, bleibt der GIMP-Fangemeinde also vorerst noch vorenthalten.

Die letzten Monate haben die Entwickler Spencer Kimball und Peter Mattes damit verbracht, über 60 externe Module zum Einstöpseln (Plug-ins) von der zuletzt offiziell freigegebenen Version 0.54 auf 0.99.X zu portieren oder neu einzubauen. Und bei der Entwicklerversion 0.60 bastelten die Autoren noch daran, die kompliziert zu handhabende und obendrein noch lizenzpflichtige Motif-Anbindung loszuwerden und durch einen eigenen Grafikbaukasten für die Fenster- und Menübehandlung (GDK und GTK) zu ersetzen.

In der aktuellen Version kann sich der Anwender an der neuen Script-Sprache Script-Fu erfreuen, welche die Autoren mit Hilfe von Scheme, einer Lisp-ähnlichen Interpreter-Sprache, aus der Taufe gehoben haben. Mittels Script-Fu lassen sich unter anderem verschiedene Prozeduren zur Pixelmanipulation zusammenfassen oder ineinander verschachteln. Darüber hinaus wurden häufig verwandte Prozeduren zur Grafik-Manipulation in einer eigenen Datenbank (PDB) abgelegt, die dann sowohl intern als auch von äußeren Erweiterungen und den Plug-ins aus angesprochen werden können.

Freilich hat dieses Konzept zumindest unter Linux einen Pferdefuß: Die Plug-ins kommunizieren mit dem Hauptprogramm über gemeinsam verwendete Speicherbereiche (Shared-Memory-Blöcke). Die lassen sich unter Linux nur an einer Stelle verändern: in den Kernel-Quellen (shmparam.h in /usr/src/linux/include/asm/shmparam.h). Unerklärliche Abstürze beim Laden besonders dicker Pixelbrocken sind durch Heraufsetzen der darin definierten Konstanten SHMMAX auf den Wert 0x2000000 größtenteils zu beheben - um ein Neukompilieren und -installieren des Kernels kommt man dann freilich nicht herum.

Die getestete Version 0.99.10 ließ sich nach Einrichtung der aktuellen Grafik-Bibliotheken problemlos übersetzen und installieren. Bleibt zu hoffen, daß die beiden Entwickler ihre Studien nicht allzu schnell beenden, damit noch genügend Zeit für die Vollendung von Version 1.0 übrigbleibt. (jk)


GIMP (Freeware) findet man im Sourcecode und in vorkompilierten Versionen für Linux, FreeBSD, HP-UX, Irix, SunOS und Solaris auf http://gimp.foebud.org/ oder der amerikanischen GIMP-Homepage http://www.xcf.berkeley.edu/. Aktuelle Plug-ins bekommt man unter http://gimp.foebud.org/registry/, die JPEG-Bibliothek unter http://www.funet.fi/pub/Linux/mirrors/sunsite/libs/graphics/ und die TIFF-Bibliothek unter ftp://ftp.sgi.com/graphics/tiff/.

Anzeige
Anzeige