Business Intelligence für jedermann

Wissen | Reportage

Business Intelligence ist nicht mehr exklusiv die Domäne großer proprietärer Hersteller. Mit seiner quelloffenen BI-Suite will die junge Firma JasperSoft Business-Intelligence-Funktionalität auch für kleine Unternehmen zugänglich machen.

Auf der zweiten Auflage der Konferenz Open Source Meets Business (OSMB), die Ende Januar in Nürnberg stattfand, sprachen wir mit Paul Doscher, Chef des kalifornischen Unternehmens JasperSoft, und Teodor Danciu, Schöpfer der Java-Bibliothek JasperReports und Mitglied der JasperSoft-Geschäftsführung.

heise open:Herr Doscher, wie und wann genau ist Ihre Firma entstanden? Der Grundstein wurde ja bereits 2001 gelegt – ziemlich früh für ein Unternehmen, sich mit quelloffener Business-Intelligence-Software auf den Markt zu trauen. Bei JasperSoft denke ich sofort an JasperReports. Ich nehme an, mit diesem Reportingtool fing alles an?

JasperSoft-Chef Paul Doscher

Paul Doscher: (lacht) In der Praxis sieht die Entstehungsgeschichte von JasperSoft etwas weniger geradlinig aus. Die Firma, die 2001 mit Risikokapital gegründet wurde, nannte sich Panscopic und befasste sich mit embedded Reporting [die Einbindung von Reporting-Funktionalität in Anwendungen]. Zur gleichen Zeit startete Teodor JasperReports als Open-Source-Projekt. Er wollte damit eine quelloffene Alternative zu CrystalReports von Business Objects schaffen. Erst 2004, als wir Teodor an Bord holten, änderten wir den Namen in JasperSoft. Der offizielle Start als kommerzielles Unternehmen unter dem neuen Namen erfolgte dann im April 2005.

heise open: Das rückt die Geschichte in die richtige Perspektive.

Paul Doscher: Wir waren also nicht so visionär, wie es vielleicht aussah (lacht). Aber es stimmt, wir haben mit Reporting angefangen und daraus eine komplette BI-Suite entwickelt. Was sich nicht verändert hat, ist unser Credo, dass operative Business Intelligence für alle zugänglich sein muss, das, was die Analysten die nächste Welle in diesem Bereich nennen.

heise open: Das ist auch Ihr Motto, oder?

Paul Doscher: Genau. Und mit den Möglichkeiten von Java – die Sprache in der unsere Anwendungen geschrieben sind – lässt sich BI-Funktionalität relativ einfach in bestehende Anwendungen integrieren. Dadurch entsteht eine Art "out-of-the-Box" Business Intelligence für eine große Anwendergruppe.

Wenn man diesen Ansatz vergleicht mit Business Objects und Cognos, beides sehr erfolgreiche Unternehmen, sieht man, dass sie sich mit ihrem Angebot an die Global 2000 richten. Ihre Software ist für Spezialisten. Auch im günstigsten Fall kommen höchstens 15 Prozent der Belegschaft in einem Unternehmen mit ihr in Berührung. Unsere Chance sind also nicht nur kleine und mittelgroße Unternehmen, sondern auch die Abteilungen großer Konzerne: Die bis zu 85 Prozent, für die teuere Spezialsoftware nicht in Frage kommt.

Open Source ist die beste Distributionsstrategie, die es für Software jemals gegeben hat. Entwickler können den Quellcode herunterladen, anpassen und in ihre eigenen Anwendungen integrieren, sodass Anwender damit arbeiten können. Und mit Jasper4Salesforce können wir unsere Software seit ein paar Monaten auch als On-Demand-Lösung im Rahmen des CRM-Systems von Salesforce anbieten.

heise open: Was ist eigentlich mit JasperDecisions passiert?

Paul Doscher: Das ist das kommerzielle Produkt der alten Firma gewesen. Alle Funktionen der Software finden sich in der neuen JasperIntelligence-Suite wieder. Wir unterstützen JasperDecions bei Bestandskunden, verkaufen es aber nicht mehr.

heise open: Bis vor Kurzem fehlten in Ihrem Angebot noch eine OLAP-Engine und ein ETL-Tool. Das haben Sie jetzt mit JasperAnalysis und JasperETL nachgeholt.

Paul Doscher: JasperAnalysis setzt, wie alle anderen freien Lösungen in diesem Bereich, auf den freien OLAP-Server Mondrian auf. Mondrian ist ein wirkliches Open-Source-Project in dem Sinne, dass es niemandem gehört. Das Copyright ist extrem verworren. Im Moment sind wir sehr aktiv im Projekt und versuchen, es besser für den Unternehmenseinsatz zu machen.

JasperETL haben wir gerade freigegeben. Die Software ist eine Entwicklung des französischen Dienstleisters Talend. Wir haben uns wegen der sehr intuitiv zu bedienenden GUI dafür entschieden, mit der sich auch Nicht-ETL-Profis zurechtfinden. Mit diesem Tool haben wir die Möglichkeit, in den wachsenden Markt der Data-Stores und Data-Marts vorzustoßen.

heise open: Ihr größter Mitbewerber, Pentaho, setzt auch auf Mondrian. Wo sehen Sie die Unterschiede zwischen Pentaho und ihrer Firma?

Paul Doscher: Zum einen richten wir uns mit unterschiedlichen Philosophien auf unterschiedliche Marktsegmente. Ich glaube, und werde in dieser Meinung von Analysten bestätigt, dass der Markt für praktische, direkt einsetzbare Business-Intelligence-Software mindestens so groß ist wie der aktuelle – traditionelle – BI-Markt, wo es um sechs bis zehn Milliarden Dollar geht. Und im diesem operativen Segment sind wir der Marktführer. Pentaho tritt, sofern wir das beurteilen können, gegen die Großen wie Business Objects und Cognos an. Sie wollen den Enterprise-BI-Player sein, nur auf Open-Source-Basis und dadurch günstiger.

Daneben halten wir die Rechte an all unserem Sourcecode. Durch diesen strategischen Vorteil können wir Kunden vor Patentansprüchen schützen und Garantie und Entschädigung im Schadensfall bieten. Pentaho schnürt ein Paket aus diversen sehr unterschiedlichen Open-Source-Projekten, wie Mondrian, Kettle und Weka.

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