Kunden, Community, Partner

Wissen | Reportage

Seite 2: Kunden, Community, Partner

heise open: Wie kommt die JasperSoft-Software bei Kunden an?

Paul Doscher: Wenn ich ein paar Statistiken nennen darf: Wir haben über 5000 zahlende Kunden aus insgesamt 82 Ländern der Welt. Monatlich wird die Software mehr als 200.000 Mal heruntergeladen. Der Kunde, oder auch: die Community nimmt das Angebot quelloffener BI-Software an und nutzt es zu ihrem Vorteil.

heise open: Sehen Sie, dass Leute, die die Community-Version herunterladen, zu JasperSoft Professional wechseln und kommerziellem Support kaufen?

Paul Doscher: Genau das passiert. Jemand lädt die Software herunter, registriert sich bei uns, kauft eventuell Dokumentation, eine Schulung oder Support bei Problemfällen. Und je mehr er die Software in seine IT-Umgebung integriert, desto mehr ist er geneigt, sich wegen Support-Verträgen und so weiter an uns zu wenden. Der Kunde entscheidet also, an welchem Punkt er zu uns kommt, sowohl was die Technik, als auch was die kommerzielle Interaktion angeht.

heise open: Das klingt nach einem erfolgreichen Geschäftsmodell.

Paul Doscher: Das ist es. Und der Kunde und der Markt geben vor, in welche Richtung es gehen soll. Unsere Aufgabe ist es, sehr gut auf die Community zu hören, um zu verstehen, was ihr wichtig ist.

heise open: Was passiert mit Codebeträgen der Community? Nehmen Sie die auf?

Teodor Danciu, Schöpfer von JasperReports

Teodor Danciu: Nach dem Prinzip hat es immer funktioniert. Über die Jahre haben wir eine große und starke Community aufgebaut, die uns ständig neue Ideen liefert. Wir ermutigen Entwickler, Funktionsverbesserungen als Patch auf JasperForge einzureichen. Wir überprüfen und überarbeiten den Code und nehmen ihn, wenn wir ihn gut finden, in den Quellcode auf. Diverse wichtige Features sind so in JasperSoft gelangt. Uns hilft es, weil das Feedback das Produkt besser macht und die Lücken füllt, die wir aus unserer Perspektive nicht sehen.

heise open: Ein handfester Vorteil des quelloffenen Entwicklungsmodells?

Teodor Danciu: Genau aus diesem Grund habe ich JasperReports damals nach diesem Modell gestartet. Um Rückmeldungen zu bekommen, die mir den nächsten Entwicklungsschritt zeigen. Ein Vorteil ist auch, dass man sich dadurch auf wirklich nötige Features konzentrieren kann.

Paul Doscher: Ich möchte hinzufügen, dass unser Community-Portal JasperForge mehr als 17.000 registrierte Entwickler zählt. Überdies bietet die Site 90 eigenen Community-Projekten Platz, die unsere Softwäre ergänzen oder darauf aufbauen. Dabei geht es um Erweiterungen für JasperSoft bis hin zu kompletten Anwendungen.

heise open: Ein eigenes JasperSoft-Universum?

Paul Doscher: Ja, der Ort, wo Leute die Plattform ganz nach ihren Vorstellungen erweitern können.

Teodor Danciu: Durch das Offenlegen entwickelt sich die Software auf natürliche Weise. Als ich mit JasperReports anfing, hatte ich eine Liste mit Features. Durch das Feedback, das ich bekam, entwickelte sich das Projekt in Richtungen, die ich nicht hätte vorhersagen können. So ist letztendlich auch unsere BI-Suite entstanden. Alles begann mit JasperReports als Reporting-Engine für Entwickler. Dann kamen Leute ins Forum, die Vorschläge machten und zum Beispiel sagten: Ich möchte eine GUI, könntet ihr eine machen?

heise open: Sie haben vor nicht allzu langer Zeit ein Büro in Dublin eröffnet.

Paul Doscher: Fast ein Drittel unserer Kunden sitzt in Europa. Nach den Vereinigten Staaten steht Deutschland sogar an zweiter Stelle bei den Downloads. Bei weitem die meisten Einkünfte generieren wir aber nach wie vor in Amerika. Um die europäischen Kunden besser zu erreichen, haben wir nun in Dublin eine Niederlassung mit einem Vertriebs- und Support-Team.

heise open: Warum Dublin und nicht eine Stadt in Deutschland?

Paul Doscher: Für Dublin sprachen das Arbeitsgesetz, die vielen Nachwuchstalente und vor allem auch die Tatsache, dass auch MySQL dort eine Niederlassung hat. Wir arbeiten eng mit dem Datenbank-Hersteller zusammen. Für viele US-amerikanische Firmen ist Dublin die erste Anlaufstelle, wenn sie den Sprung über den großen Teich wagen und sich in Europa niederlassen.

In diesem Rahmen machen wir übrigens auch ernst mit der Internationalisierung. Unsere Software lässt sich an die Gegebenheiten jedes Landes und jeder Sprache anpassen. Wir setzen voll auf Unicode und unterstützen auch traditionelle regionale Zeichenkodierungssysteme wie das japanische nShift_JIS. Außerdem haben wir gerade mit JasperBabylon eine Plattform geschaffen, wo die Community sich an der Übersetzung der Software in andere Sprachen beteiligen kann.

heise open: Das scheint mir ein gutes Beispiel dafür, wie man sich das Wissen und Engagement der Community zu Nutze machen kann.

Paul Doscher: Unsere Philosophie zu Open Source ist: Weltweit angeboten, lokale eingesetzt. Aus dem Grund sind wir auch auf der Suche nach deutschen Partnern. Wir können uns gut vorstellen, dass sich auf JasperForge eines Tages auch Partner und Systemintegratoren vorstellen.

heise open: Planen Sie in der Open-Source-Version der Suite, auch andere Datenbanken als MySQL zu unterstützen? Zum Beispiel PostgreSQL?

Paul Doscher: PostgreSQL unterstützen wir auch jetzt schon durch unsere Partnerschaft mit EnterpriseDB. Ihr Produkt basiert ja auf PostgreSQL. Theoretisch funktioniert unsere Software mit allen Datenbanken, die OJDBC und XML unterstützen.

Teodor Danciu: Bei der Open-Source-Variante hat jeder die Freiheit, die Konfiguration nach eigenen Wünschen zu verändern. Dadurch kann man die Software dann auch mit PostgreSQL betreiben. Ich nehme an, dass das in der Praxis auch passiert. Es sollte nicht so schwierig sein.

Paul Doscher: Vielleicht sollten wir ein Projekt daraus machen und es auf JasperForge unterbringen.

heise open: Eine letzte Frage: Sun hat Java unter die GPL gestellt. Hat sich dadurch für Sie was verändert?

Paul Doscher: Nein, obwohl ich finde, dass die Entscheidung längst überfällig war. Auf jeden Fall ist es gut. Gut für Java und gut für Sun, das eigentlich eine Hardware-Firma ist. Software ist für Sun ein Mittel, mehr Serverhardware zu verkaufen. So betrachtet ist auch interessant, dass Konferenzen wie diese [Open Source meets Business] meistens in erster Linie von den großen Hardware-Herstellern – in diesem Fall HP – gesponsort werden. (alle lachen).

Bei einer Implementation geht es immer um drei Dinge: Hardware, Software und Dienstleistungen. Software ist jetzt frei. Mit dem Geld, das so übrig bleibt, kann man entweder mehr oder bessere Hardware kaufen, oder mehr in extra Services investieren, und das ist doch für alle Beteiligten gut. (akl)

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