CD-Schutz kontra Verbraucherschutz

Mit dem c't-CD-Register mehr Überblick beim CD-Kauf

Praxis & Tipps | Projekt

Spielt Ihre letzte Kauf-CD auch am Computer? Glück gehabt. Schweigt sie im CD-Porti? Pech gehabt. Die Musikindustrie versieht inzwischen fast jede Neuerscheinung mit diversen Abspielsperren. Das c't-CD-Register soll helfen, die Kompatibilität der Wunsch-CD schon vor dem Kauf zu überprüfen.

Aufmacher

Für Herbert Grönemeyer war es ein furioses Comeback - für viele Kunden wurde sein Megaseller ‘Mensch’ spätestens am heimischen PC zum ‘Mensch ärger dich nicht’: In vielen PC-Laufwerken ließ sich die CD nicht abspielen, das Umwandeln in MP3s war nicht möglich. Da viele moderne Stand-alone-Geräte inzwischen auch MP3-Dateien abspielen können, kommen auch hier häufig Laufwerke aus dem EDV-Bereich zum Einsatz - betroffen sind also nicht nur PCs, sondern auch DVD-Spieler, Autoradios, Mikroanlagen und portable CD-Spieler. So ließ sich der Nobel-CD-Porti ‘SlimX’ erst nach einem Firmware-Update zum Abspielen der CD bringen. Einziger Trost für PC-User: Der auf ‘Mensch’ eingesetzte Schutzmechanismus ‘Cactus Data Shield 200’ bietet eine integrierte Player-Software für den Computer. Hier plärren die Tracks allerdings nur mit 47 kBit/s aus den Lautsprechern - wahrlich kein Ohrenschmaus.

Wurden im vergangenen Jahr Audio-CDs eher sporadisch mit Abspielsperren versehen, scheint 2003 das Jahr zu sein, in dem die Musikindustrie die Schutzmechanismen auf breiter Front einführen will. Kombiniert mit der angekündigten Umsetzung der Urheberrechtsnovelle der EU in nationales Recht soll so der Kopierfreude der Kundschaft ein Dämpfer verpasst werden (zur Urheberrechtsnovelle und deren Auswirkungen für den Konsumenten, siehe auch den Artikel in c't 7/2003 auf S. 150). In Zukunft werden CDs ohne Abspielsperren eher die Ausnahme sein. Ein Blick in die aktuellen Top Ten der Album-Charts vom 10. März 2003 fördert zu Tage: Nur drei der zehn Scheiben kommen ungeschützt daher. Bei zwei der drei ungeschützten CDs handelt es sich um so genannte ‘Enhanced CDs’, die eine zweite Session mit einem Daten-Track mit Multimedia-Daten enthalten. Dieser CD-Typ kann nach Aussagen der Musikindustrie momentan noch nicht geschützt werden, da die Schutzmechanismen die Daten-Sessions benötigen, um die Computerlaufwerke lahm zu legen.

Doch im Grunde genommen handelt es sich bei den CDs mit Kopiersperre überhaupt nicht um Audio-CDs, die dem Standard ‘Compact Disc Digital Audio’ (Red Book) entsprechen, sondern eben nur um ‘Silberscheiben’. Werden die am häufigsten anzutreffenden Abspielsperren ‘Key2Audio’ und ‘Cactus Data Shield’ eingesetzt, weist die resultierende CD zahlreiche Verstöße gegen das Red Book auf (siehe auch unseren Artikel ‘Die Un-CDs’ in c't 7/2003 auf S. 144). Kein Wunder also, dass viele Geräte beim Abspielen der Un-CDs Schwierigkeiten haben. Der Musikindustrie scheint dieses Problem durchaus bewusst zu sein, denn nur drei CDs der Top Ten tragen überhaupt noch das Logo ‘Compact Disc Digital Audio’ - eben die CDs ohne Abspielsperre. Bei den anderen CDs fehlt das Logo, oft ist auch statt der Einprägung des Logos auf der Innenseite der Kunststoffhülle nur noch ein leeres Rechteck zu bewundern. Läuft eine solche CD nicht auf einem CD-Player, der für CD-DA spezifiziert ist, sind die Hersteller demnach fein raus - schließlich hat niemand behauptet, dass es sich um eine CD-DA handelt.

Der Einzelhandel kann von der Entwicklung kaum begeistert sein, schließlich laufen hier die verärgerten Kunden auf. Grundsätzlich hat man durchaus Verständnis für die Belange der Musikindustrie: ‘Die Kids legen hier teilweise das Taschengeld zusammen, um den Bravo-Hit-Sampler zu kaufen, und fragen dann gleich, wo die Rohlinge stehen. Da musste was passieren’, so ein Verkäufer des hannoverschen Saturn-Marktes. Dennoch sieht man sich ungewollt mit dem Ärger der Kundschaft konfrontiert: ‘Inkompatibilitäten gibt es vor allem bei Autoradios, die mit billigen Computerlaufwerken arbeiten’, so die Abteilungsleiterin Angela Thiele. ‘Wenn die Kunden die CDs schnell wieder zurückbringen, bekommen sie in der Regel den Kaufpreis erstattet.’ - eine Frage der Kulanz. In der Kundschaft wurden im Kölner Saturn-Markt auch schon Mitarbeiter von EMI gesichtet - CDs mit neuen Kopierschutzvarianten werden hier einem kurzen ‘Alltags-Test’ unterzogen.

Beim Online-Händler Amazon ist schon bei den CD-Infos vermerkt, ob die CD einen Kopierschutz hat oder nicht. Amazon verlässt sich dabei auf die Informationen der Hersteller. Wenn ein Kunde eine CD ersteht, die laut Beschreibung ungeschützt ist und dann doch einen Vermerk aufweist, kann er sie umtauschen - solange sie eingeschweißt ist, eigentlich selbstverständlich. Doch auch wenn man erst nach dem Öffnen auf einen Vermerk stößt oder bemerkt den Schutz erst beim ersten Abspielversuch, gewährt Amazon seinen Kunden ein Rückgaberecht.

Auch die Hersteller von HiFi-Komponenten können mit der momentanen Situation nicht zufrieden sein, denn wenn sich die nicht abspielbaren CDs häufen, trifft der Zorn des Konsumenten nicht die einzelne CD, sondern das Abspielgerät. Nicht nur, dass sich die Abspielsperren nicht an bestehende Spezifikationen halten; ein Teil des Schutzes resultiert daraus, dass die Verfahren in immer neuen Variationen auftauchen, um ein Umgehen der Sperren zu erschweren. Auch für die Entwickler von legaler Hardware ein Katz- und Mausspiel, müssen sie doch ständig hinter den neuen Schutzvarianten ‘hinterherentwickeln’.

Der niederländische Elektrokonzern Philips als Hüter des CD-Audio-Standards sieht diesen Zersetzungsprozess nicht gerne. Anfang vergangenen Jahres war von einem Unternehmenssprecher sogar zu lesen, dass Philips die Hersteller von kopiergeschützten CDs verklagen könne, weil diese nicht den CD-DA-Standards entsprächen: ‘Der Konsument wird die Sache selbst in die Hand nehmen, sodass der Markt das schneller regeln kann als die Gerichte’, so die damalige Aussage. Inzwischen hat man in der Konzernzentrale zu einer moderateren Sprachregelung gefunden. Philips verstehe das Anliegen der Rechteinhaber, sei besorgt über Meldungen von Inkompatibilitäten und sitze mit allen Parteien am Tisch, um eine einvernehmliche Lösung zu finden: ‘Eine Audio-CD ließ sich auf jedem beliebigen CD-Spieler abspielen, das soll auch in Zukunft so bleiben’, so Pressesprecherin Jeannet Harp gegenüber c't. Man sei zuversichtlich, die Probleme zu lösen.

Bis dieser Tag gekommen ist, ist der Verbraucher auf sich allein gestellt: Er kann CDs meiden, die nicht auf den heimischen Geräten abspielbar sind, und den Händler freundlich bitten, die nicht kompatiblen CDs in einem separaten Regal auszustellen - unter dem CD-DA-Logo haben sie eigentlich nichts zu suchen - oder versuchen die Sperren mit geeigneter Hard- und Software im Alleingang zu umgehen (siehe Artikel in c't 7/2003 auf S. 140), um der Musik doch noch am Computer oder im MP3-Porti lauschen zu können.

Damit man sich schon vor dem Kauf über die bei einer bestimmten CD eingesetzten Kopier- oder Abspielsperre informieren kann, möchten wir daher zusammen mit unseren Lesern das ‘c't-CD-Register’ aufbauen. Hier erfährt man nach Eingabe eines Künstlernamens oder des Albumtitels, welche Erfahrungen andere Konsumenten mit dieser Scheibe gemacht haben: Spielt die CD im Laufwerk X? Kann man die CD mit Laufwerk Y in MP3s wandeln? Hakt die Wiedergabe in der Micro-Anlage Z? - Das c't-CD-Register soll Auskunft geben.

Damit das c't-CD-Register so umfangreich wie möglich wird, möchten wir Sie dazu aufrufen, Ihre Erfahrungen mit Ihrer neuen Kauf-CD in das CD-Register einzutragen. Hierzu müssen sie sich zunächst als heise-online-User registrieren lassen. Danach können Sie das c't-CD-Register unter www.ctmagazin.de/cd-register aufrufen. Nachdem Sie die zwölf- oder dreizehnstellige Zahl (EAN-Code) unterhalb der Barcode-Striche auf der Rückseite des CD-Covers eingegeben haben, können Sie nun eintragen in welchen Laufwerken beziehungsweise CD- oder DVD-Spielern ihre CD nicht abgespielt werden konnte und bei welchen Sie keine Probleme hatten.

Bei DVD- und CD-Laufwerken in Computern ist dabei wichtig, dass Sie die korrekten Herstellerangaben inklusive der jeweiligen Firmware-Version angeben. Unter Windows können Sie dazu das ‘Nero InfoTool’ nutzen, auf das wir von unserer Website aus verlinkt haben. Benutzer von Mac OS X können die entsprechenden Informationen unter ‘Apple System Profiler/ Geräte und Volumes/ Bus/ CD-RW/DVD’ einsehen. Auch hier ist die Angabe von Hersteller, Produktidentifizierung und Revisionsnummer (Firmware) wichtig. Unter Linux hilft ein Blick in die Boot-Meldungen (nachträglich einzusehen etwa mittels des Befehls ‘dmesg’), um Laufwerkshersteller und Firmware zu identifizieren. Wer die Lauffähigkeit seiner CD auch bei Freunden und Verwandten getestet hat, kann nach dem Anklicken von ‘weitere Laufwerke’ auch mehrere Datensätze im c't-CD-Register anlegen.

Die Abfrage des c't-CD-Registers ermöglicht Ihnen, sich schon vor dem Kauf über Ihre Wunsch-CD zu informieren. Ein an jeder CD angeschlossenes Forum bietet Ihnen darüber hinaus die Möglichkeit, sich mit anderen Nutzern des CD-Registers auszutauschen. Vielleicht finden Sie hier auch einen Hinweis, wie Sie durch ein Firmware-Update eine bereits gekaufte CD doch noch zum Abspielen bringen können.

sha

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Die Top 10 der CDs und ‘Un-CDs’
Titel Interpret Label CD-DA-Logo Kopierschutz
1 United DSDS Hansa Hülle CDS 200
2 Come Away With Me Norah Jones Blue Note (EMI) CD kein Schutz
3 20 Jahre - Nena Feat. Nena Nena WSM - CDS 200
4 Mensch Grönemeyer Grönland (EMI) - CDS 200
5 Escapology Robbie Williams Chrysalis (EMI) - CDS 200
6 200 km/h
In The Wrong Lane
t.A.T.u. Intonation
(Universal)
Hülle, CD kein Schutz/
Enhanced CD
7 Walking On A Thin Line Guano Apes Gun (BMG) Hülle CDS 200
8 Let Go Avril Lavigne Arista (BMG) Hülle CDS 200
9 100th Window Massive Attack Virgin (EMI) Hülle CDS 200
10 I Care 4 U Aaliyah Edel Hülle, CD kein Schutz/
Enhanced CD
- nicht vorhanden

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