Corona-Warn-App: Abwrackprämie für alte Handys

Abwrackprämie für alte Handys

@ctmagazin | Editorial

„Liebe Bundesregierung, mit der Corona-Warn-App ist Dir ja ein richtiger Husarenstreich gelungen“ So beginnt der (imaginäre) Brief von c’t-Redakteur Hartmut Gieselmann an die Bundesregierung.

Liebe Bundesregierung,

mit der Corona-Warn-App ist Dir ja ein richtiger Husarenstreich gelungen. Zum Schnäppchenpreis von 20 Millionen Euro gibst du den Menschen im Land wieder Hoffnung. Nebenbei lenkst Du von Deinen jüngsten Pleiten wie dem BER und dem Zusammenbruch der Telematik-Infrastruktur für Arztpraxen ab. Dank OpenSource jubeln Dir sogar Deine ehemals strengsten Kritiker vom CCC zu - echt clever.

Nur diesen ewigen Nörglern von den Grünen und den Grauen Panthern kannst Du mal wieder nichts recht machen. Die senilen Digitalverweigerer heulen, weil Ihr zwanzig Jahre altes Nokia 6310 sie nicht vor Corona warnt. Die glauben tatsächlich, sie würden den Planeten retten, wenn Sie nicht jede Saison das neueste Handy kaufen.

Aber Du kannst diese ewig Gestrigen schnell auf Deine Seite ziehen. Dazu musst Du nur Deine Abwrackprämie umwidmen. Alte Autos zu verschrotten ist ja so was von 2009. Jetzt in den Zwanzigern musst Du digital denken. Statt Straßenpanzer mit tonnenschweren Giftakkus zu subventionieren, solltest Du den Kauf neuer Smartphones pushen.

10 Euro staatliche Zulage pro Zentimeter Bildschirmdiagonale sollten als Kaufanreiz fürs Erste genügen. Wenn es 5G-fähig ist, gibts das Doppelte. Ausgenommen wird natürlich das Fairphone. Reparaturen vergiften schließlich das Konsumklima.

Denk nur mal an all die schicken digitalen Brücken, die Generationen wieder vereinen. Ein Videotelefonat auf einem iPhone 11 Pro Max bringt Oma und Enkel wesentlich sicherer zusammen als ein Tesla Cybertruck. Die Herzen von Alt und Jung werden Dir zufliegen. Und wenn erst mal die ganze Republik mit den neuesten Gadgets versorgt ist, kommen die Bürgerinitiativen für schnellere Datenautobahnen ganz von allein.

Die Gegenfinanzierung ist kein Problem: Schick einfach den Andi in den unbezahlten Ruhestand, damit er keine Milliarden mehr verpulvert. Weil künftig alle nur noch vor Bildschirmen hocken und sich real eh niemand mehr besucht, braucht auch keiner mehr so viele Straßen. Klima gerettet. Deutschland digitalisiert. Zwei Fliegen mit einer Klappe. Was willst Du mehr? (hag)

Kommentare