Customer Relationship Management (CRM) mit Open Source

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SugarCRM, unter der Mozilla Public License (MPL) angeboten, setzt auf Apache, MySQL und PHP auf. Die Installation ist deshalb denkbar einfach, sobald die Umgebung vorliegt, und für Neueinsteiger bietet SugarCRM sogar noch ein Windows-Setup zur schmerzfreien Einrichtung aller notwendigen Programmteile an. Auch die Sprache lässt sich durch einfaches Entzippen der benötigten Dateien und einen kurzen Eintrag in der Konfigurationsdatei einrichten und dann bei jedem Log-in auswählen. Darüber hinaus integriert die Anwendung einen bequemen Update-Manager.

Die Software erlaubt den Import von Stammdaten und Verkaufschancen aus Salesforce oder einfachen Komma- oder tabulatorgetrennten Formaten. Accounts ("Firmen") und Kontakte ("Personen") können zudem aus Sages Act!2005 übernommen werden und zu guter Letzt lässt sich auch das gängige vCard-Format für den Import von Adressangaben nutzen. Exporte finden dagegen generell über das kommagetrennte CSV-Format statt.

Während die Anwendergemeinde auf den Foren üblicherweise sehr eifrig postet, ist das deutsche Forum ein wenig unterentwickelt, was schlicht daran liegen mag, dass erfahrene Open-Source-Anhänger den Vorzug der Lingua Franca Englisch auf dem Internet nicht missen mögen. Auch die Zahl der Entwickler ist imposant (aktuell 29) und produziert auf der Website "Sugarforge" eine Menge an Projekten rund um SugarCRM herum. Unsere Versuche einer direkten Kontaktaufnahme mit den Entwicklern über die Kontaktadressen der Website blieben jedoch erfolglos.

Die englischsprachige Dokumentation umfasst ein Benutzer- und ein Installationshandbuch sowie die Übersicht der Release-Neuerungen. Die intuitive Handhabung erfordert freilich nur selten den Rückgriff auf die Dokumente. Viele ansprechende Layouts, die wie die Sprache bereits beim Log-in ausgewählt werden können, runden das angenehme Bild genauso ab wie ein umfangreiches Customizing, das nicht nur die Anpassung von Texten, sondern der gesamten Fenstergestaltung ermöglicht und auch die Anlage eigener Benutzerfelder anbietet.

SugarCRM bietet die üblichen Marketing- und Sales-Funktionen an: Kundenprofile, Kontakt- und Kampagnenmanagement sowie Vorgangs- und Chancenbearbeitung, jedoch ohne eine detaillierte Angebotserstellung: Dazu fehlt die Produkt- beziehungsweise Servicekomponente. Hinzu kommen diverse Zusatzfunktionen: eine (sehr einfache) Projekt- und Dokumentenverwaltung, RSS-Reader, Zugangsportal zu den eigenen Favoriten im Internet.

Neben der Darstellung der Vertriebsaktivitäten (Pipeline) auf der Einstiegsmaske von SugarCRM finden sich unter der Rubrik "Übersicht" weitere grafische Darstellungen dieser Aktivitäten nach Status, Ursprung und Umsatz.

All diese Funktionen stehen als englische Online-Demo im Web zum freien Test zur Verfügung.

TinyERP steht ebenfalls unter der GPL. Im Gegensatz zur Konkurrenz, die sich via Browser bedienen lässt, bringt es einen eigenen, in Python geschriebenen Client mit. Serverseitig kommen ebenfalls Python-Module und die Datenbank PostgreSQLzum Einsatz. Das macht die Installation recht aufwändig, zumal das Windows-Setup häufig weit hinter dem aktuellen Entwicklungsstand herhinkt und nur die Client-Seite abdeckt.

Die Formatauswahl für den Im- und Export beschränkt sich zwar auf das kommagetrennte csv-Format, bietet dafür aber für jeden Objekttyp ein Tool an, mit dem gezielt Felder für den Datentransport ausgewählt und angeordnet werden können.

Ähnlich wie bei OpenCRX ist die Entwicklermannschaft sehr konzentriert, dennoch ist der Fortschritt des Projekts rasant. Die Community ist (bis auf das deutsche Forum) sehr eifrig, und auch die Reaktion auf die direkte Ansprache über die Kommunikationsdaten der Website erfolgte flott und freundlich.

Die englischsprachige Online-Dokumentation deckt zwar eine Vielfalt von Themen ab, ist jedoch nur wenig detailliert und hilft so in all den vielen Zweifelsfällen nicht, wo es gerade auf die Kleinigkeiten ankommt. Und diese Zweifelsfälle tauchen auf, denn TinyERP präsentiert eine recht ungewöhnliche Bedienoberfläche – das aber konsequent. So ist sowohl die Strukturierung der Applikation über die nicht separierte Menüsteuerung gewöhnungsbedürftig als auch die verschachtelte Behandlung der Karteikarten oder die Bearbeitung von Texteingaben. Der gewählte Zugang ist häufig durchaus praktisch, zeigt aber einen gewissen Hang zur Technikverliebtheit auf; beispielsweise Workflows, die zwar äußerst flexibel sind, sich jedoch ohne Programmierkenntnisse nicht wirklich erfolgreich installieren lassen.

Auch die Tatsache, dass die Client- und Serverkonsolen im Hintergrund lauern und viel zu häufig kryptische Fehlermeldungen ausgeben, ist nicht wirklich dazu geeignet, programmierungeübten Anwendern Freude zu bereiten. Hinzu kommt die nicht vollständige Lokalisierung mit zuweilen etwas merkwürdigen Übersetzungen wie ein Menüpunkt "Einkaufsliste", unter dem die Mitarbeiterverwaltung subsumiert wurde. All das weckt Zweifel an der Alltagstauglichkeit der Software, schließlich sind betriebswirtschaftliche Anwendungen in erster Linie pragmatische Werkzeuge, die Unternehmensabläufe erleichtern und daher den Gewohnheiten und Anforderungen von durchschnittlichen Sachbearbeitern entgegenkommen sollen.

TinyERP ist von seinem Anspruch her ein integriertes ERP-CRM-System, sodass die aus der Kundenbetreuung resultierenden Angebote und Aufträge nahtlos in Lieferscheine und Rechnungen übergehen und an die Finanzbuchhaltung übergeben werden können. Leider existiert in der getesteten Version noch keine Integration von Standard-Kontenrahmen, und die Bearbeitung der Kontierung hat mit kaum einer anderen Buchhaltungssoftware Ähnlichkeit. Auch die Marketing- und Sales-Funktionen weisen auf den ersten Blick wenig Gemeinsamkeiten mit anderen Produkten auf, da TinyERP sie auf seine sehr spezielle Weise darbietet.

Die Möglichkeiten, Kundenbewertungen nach eigenen Regeln automatisch durchzuführen, sind durchaus interessant. Bei der Behandlung von Kampagnen beschränkt sich TinyERP dagegen auf hochgradig personalisierte Aufgabenstellungen, da die Software alle Rahmenvorgaben für Marketingaktivitäten als "Kampagnen" versteht, die über einzelne Aktivitäten realisiert werden müssen. Dabei kann man diesen einzelnen Aktivitäten zwar nur eine einzige Adresse zuordnen, aber zumindest lassen sich die Rahmenvorgaben beliebig individualisieren.

Bei den Auswertungen ist TinyERP ähnlich flexibel wie bei den Workflows. So lassen sich Berichte im Administratorbereich unter dem Punkt "Angepasste Berichte" weitgehend verwalten, wobei nicht nur Übersichten, sondern Ausdrucke aller Art an dieser Stelle untergebracht sind. Doch auch hier ist nicht wirklich viel drin ohne Programmierkenntnisse.

TinyERP bietet keine Online-Demo an, sondern zeigt seine Fähigkeiten lediglich in Präsentationen, die man auf der Webseite ansehen kann.

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