DAB a. D.?

Die Einführung des digitalen Radiostandards DAB steht auf der Kippe

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Seit Jahren dümpelt die Einführung des DAB-Standards für digitales Radio vor sich hin. Auf der IFA kann man die ersten portablen Empfänger bewundern, doch die Dienstanbieter machen sich schon wieder aus dem Staub.

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Ein klassisches Henne-Ei-Problem - so heißt es seit Jahren bei den Verantwortlichen, wenn es um die schleppende Einführung von Digital Audio Broadcasting (DAB) in Deutschland geht. Zu wenig Angebote, sagen die Gerätehersteller - zu wenig Hörer, sagen die Anbieter.

Zumindest in Großbritannien scheint es beides zu geben: Weil die BBC seit geraumer Zeit exklusive Inhalte für die digitale Hörerschaft anbietet, erfreut sich DAB auf der Insel zunehmender Beliebtheit. In Deutschland firmiert DAB seit der IFA 2001 unter dem umgänglicheren Label „DigitalRadio“ und wird von der eigens gegründeten „Initiative Marketing Digital Radio“ (IMDR) verbal vorangetrieben.

Der am britischen Markt sehr aktive Hersteller Pure stellt eine ganze Reihe neuer Geräte vor; etwa das formschöne Kofferradio „Evoke-1“ oder den großen Bruder „Evoke-2“, der auch die klassischen Analogprogramme auf UKW und Mittelwelle empfangen kann. Ebenfalls als Kombi-Tuner ausgelegt ist der DRX-702ES als High-End-Modell für das HiFi-Rack.

Auch die ersten portablen Player sind zu bestaunen: Pures DAB-Porti „PocketDAB 1000“ und der mit 60 x 85 x 20 mm3 bis-her kleinste Empfänger: Adapts „DR 101“. Auch Blaupunkt legt nach: Das CD-MP3-Autoradio Woodstock DAB 53 mit kombiniertem FM/DAB-Tuner kann sogar direkt aus dem digitalen Radiostrom auf SD-Card aufzeichnen.

Die DAB-Eier sind inzwischen also da, schade nur, dass sich die Hennen schon wieder aus dem Staub machen. Hätte man auf der IFA 1995 in Berlin noch 26 Hörfunkprogramme mit den damals leider nicht vorhandenen Endgeräten empfangen können, sind es dieses Jahr nur noch 14 Sender. In Berlin haben private Sender ihre DAB-Lizenzen nämlich schon wieder abgegeben, weil niemand zugehört hat. In vielen anderen Bundesländern sieht es nicht besser aus: Sobald die Förderung für den Sendebetrieb ausläuft, verzichten Privatstationen häufig auf die Ausstrahlung via DAB.

Um mehr Lust auf DigitalRadio zu machen, wird die IMDR für die Zeit der IFA eigens „IFA-Radio“ ausstrahlen: Das Programm soll via DAB in Berlin/Brandenburg empfangbar sein und Informationen rund um die Messe bieten. Unter der Adresse www.ifa-radio.de kann man den Sender auch als Live-Stream empfangen.

In Norddeutschland steht man kurz vor der Erweiterung der Sendenetze, doch auch hier haben die privaten Rundfunkanbieter ihr Engagement auf die Ausstrahlung eines gemeinsamen Klassik-Programms reduziert. Einen regelrechten Bärendienst erweist der NDR dem DAB: Während das sprachlasti-ge Programm NDR Info mit 192 kBit/s im DAB-üblichen MP2-Format ausgestrahlt wird, blubbert der juvenile Pop-Sender NDR 2 mit inakzeptablen 128 kBit/s über den Sender - nicht gerade ein gutes Verkaufsargument für DigitalRadio.

Richtig brenzlig kann es für DAB werden, wenn das terrestrische Digitalfernsehen DVB-T auch bundesweit erfolgreich ist, denn natürlich lassen sich über diesen Übertragungsweg auch problemlos Audiodaten übermitteln. „Es gab schon verschiedene Tests, die nachgewiesen haben, dass DVB-T auch für den mobilen Einsatz im Auto taugt“, so Michael Kornfeld vom Institut für Nachrichtentechnik in Braunschweig, das maßgeblich an der Entwicklung des DVB-Standards beteiligt war. Sollte der Netzausbau von DVB-T wie geplant voranschreiten, könnten die schönen neuen DAB-Tuner schon bald wieder nutzlos in der Ecke liegen.

Auch die Mittelwelle soll über kurz oder lang digitalisiert werden. Digital Radio Mondial (DRM) heißt der Standard, der die vergessenen Frequenzen durch bessere Klangqualität aus dem verrauschten Dornröschenschlaf erwecken soll. Möglich macht es ein mit 24 kBit/s kodierter AACplus-Strom, der annährende UKW-Qualität liefern soll. Während der IFA wird T-Systems einen DRM-Testbetrieb fahren. Mit dem Mayah DRM-Receiver 2010 wird auch ein passender DRM-Empfänger in Form eines Kofferradios vorgestellt. (sha)

IMDR (Initiative Marketing Digital Radio) Halle 5.2,Stand 202
DRM Halle 05.3, Stand 03
WDR Halle 05.3, Stand 04
Blaupunkt Halle 5.2, Stand 201