DTS:X – Das Rundum-Sound-Format im Test

Rundum-Sound-Format DTS:X am Start

Test & Kaufberatung | Test

Das Warten auf das Rundum-Sound-Format DTS:X hat ein Ende – zumindest für einige Heimcineasten: Nachdem der geplante Start im vergangenen Herbst platzte, veröffentlicht Denon am heutigen Donnerstag das nötige Firmware-Update für den ersten AV-Receiver. c't konnte sich vorab einen Eindruck vom neuen Format verschaffen.

Die Erwartungen an DTS:X sind hoch: Das neue Rundum-Sound-Format soll nicht nur wie das bereits eingeführte "Dolby Atmos" Audio-Objekte in Echtzeit auf Deckenlautsprecher verteilen, sondern auch einen tollen Klang und eine hohe Flexibilität bieten. Da ab heute für Denons AVR-X7200W(A) als ersten Receiver überhaupt die für die Dekodierung nötige Firmware bereitsteht, lassen sich diese Aussagen endlich überprüfen.

c't erhielt dafür die Firmware vorab für seinen Test-Receiver Denon AVR-X6200W. Regulär erscheint sie für dieses Modell – wie für den AVR-X4200W – am 16. Februar. Das wie Denon zur D&M Holdings gehörende Unternehmen Marantz will das DTS:X-Update für seinen AV-Vorverstärker AV8802(A) ab dem 4. Februar 2016 zur Verfügung stellen. Am 3. März sollen dann die Versionen für die Receiver SR7010, SR6010 und AV7702mkII folgen. Für Receiver anderer Hersteller gibt es bislang nicht einmal offizielle Ankündigungen, wann das DTS:X-Firmware erscheinen wird.

Bei den möglichen Boxen-Setups orientierte sich DTS am Konkurrenten Dolby – was nicht sonderlich überrascht. Immerhin unterstützten alle DTS:X-tauglichen Receiver zuerst das Dolby-Format – und Atmos konnte sich bereits einen Vorsprung herausarbeiten.

Der positive Effekt ist, dass sich alle Lautsprecher-Konfigurationen nutzen lassen, die bei Atmos möglich sind. Das schließt nicht nur den Einsatz von Deckenlautsprechern und von an der Wand, knapp unter der Decke installierten "Heights"-Boxen ein. Ebenso lassen sich die nach Dolbys Vorgaben konstruierten, gegen die Decke abstrahlenden "Enabled"-Lautsprecher mit DTS:X nutzen. Sind nur zwei Lautsprecher für die Höhenkanäle vorhanden, verteilt der DTS:X- wie der Dolby-Atmos-Decoder die Signale entsprechend.

...als auch solche mit Heights-Boxen. In beiden Fällen ist ein Parallelbetrieb mit Dolby Atmos möglich.

Allerdings bietet DTS:X auch keine flexiblere Aufstellung als Dolby Atmos. DTS hatte auf Twitter zwar ein Bild eines DTS:X-Testraums veröffentlicht, auf dem neben vier Heights-Boxen ein Deckenlautsprecher für den "Voice of God"-Kanal (VoG) zu sehen war. Mittlerweile erklärte DTS aber, dass aktuell nur eine "Höhenebene" mit maximal vier Kanälen unterstützt wird.

Bezüglich des Angebots von DTS:X-Software sieht es bislang mager aus: Universal bringt am 25. Februar mit "Crimson Peak" die erste Blu-ray Disc auf den deutschen Markt, die einen passenden Soundtrack bietet – allerdings nur mit dem englischen Originalton, nicht mit der deutsche Synchronfassung. In den USA sind bereits zwei DTS:X-Scheiben erhältlich: "American Ultra" und "Ex Machina", beide von Lionsgate – und beide ausgestattet mit einer Regionalcode-Sperre, die die Wiedergabe der Discs auf gewöhnlichen deutschen Blu-ray-Playern verhindert. Die hiesigen Blu-ray-Fassungen enthalten nur gewöhnlichen Surround Sound.

Den aus deutscher Sicht falschen Regionalcode dürfte auch die für Anfang Februar in den USA angekündigten DTS:X-Disc "The Last Witch Hunter" von Lionsgate haben. Dieser Streifen erscheint im März in den Staaten noch einmal auf Ultra HD Blu-ray. Diese Scheibe wäre auch auf deutschen Ultra-HD-Blu-ray-Playern abspielbar, da das neue Disc-Format keine Regionalcode-Sperre kennt. Sie läuft aber eben nicht auf gewöhnlichen Blu-ray-Playern.

Wir waren für den Test mit den beiden verfügbaren US-Blu-rays samt passendem Codefree-Player und zwei nicht frei erhältlichen Demo-Discs gerüstet. Letztere liefern neben Filmausschnitten vor allem Musikvideos und reinen Audio-Tracks mit DTS:X-Ton.

Schon in der ersten Hörunde fällt auf, dass das zur Premiere verfügbare Material wesentlich imposanter ist als das, was Dolby Atmos zum Start im Köcher hatte: Von den Demoscheiben gefällt uns besonders der Ausschnitt aus dem Film "Divergent". Hier ist die Protagonistin in einer Glaszelle eingesperrt – und die Immersion ist geradezu bedrückend, als die Zelle mit Wasser geflutet wird. Einen ähnlichen Effekt gibt es, als der Schläfer Jesse Eisenberg in "American Ultra" aktiviert wird: Der komplette Raum wirbelt akustisch in alle Richtungen um den Zuschauer.

Im Testverlauf zeigte sich, dass DTS:X brachiale Filmmomente (Überflüge, herabstürzende Wagen und Explosionen) mit der nötigen Dynamik rüberbringt und subtile Effekte mit der nötigen Luftigkeit und Präzision. Von Letzteren gibt es eine ganze Reihe in "Ex Machina", darunter Umgebungsgeräusche im Freien. Dadurch gewinnt das Kammerspiel enorm.

Die Szene aus "The Last Witch Hunter" von der diesjährigen Demo-Disc beweist wiederum, dass DTS:X es ordentlich rumpeln lassen kann – und den Zuschauer so akustisch mitten in ein von Turbulenzen geschütteltes Flugzeug versetzt. Zu hoffen ist, dass die gesamte Disc einen derart lebendigen Soundtrack bietet. Letztlich kann aber auch DTS:X nichts daran ändern, wenn dem Tontechniker die Abmischung misslingt.

Aus dem Vergleichstest "Höhere Sound-Sphären" (c't 27/15, S. 116) waren bei uns noch zwei Boxensets für die Höhenkanäle installiert: vier abgewinkelte Height- und vier Deckenlautsprecher auf den Positionen Front und Rear Height beziehungsweise Top Front und Top Rear.

Beim Wechsel zwischen beiden Setups wird deutlich, dass auch DTS:X trotz der flexiblen Audio-Objekte nicht das identische Hörerlebnis auf allen Konfigurationen garantieren kann. Feststellen lässt sich, dass wir etwa noch bei keiner Regenszene in einem Atmos-Film bei der Wiedergabe über ein Setup mit Height-Lautsprechern ein solches Mittendrin-Gefühl erlebten wie bei einer entsprechenden Szene in "American Ultra". Das soll im Umkehrschluss nicht heißen, dass die Szene mit dem zweiten Setup schlecht klingt. Es geht vielmehr um leichte Unterschiede, die erst bei einem direkten Hörvergleich zu Tage treten.

Andererseits gibt es auch Szenen, in denen uns die Konfiguration mit Deckenlautsprechern etwas besser gefällt – nämlich dann, wenn ein Effekt möglichst deutlich von oben kommen sollte. So hat man etwa in "American Ultra" beim Überflug eines Hubschraubers am Anfang des 11. Kapitels stärker das Gefühl, dieser würde direkt über die Köpfe der Zuschauer kreisen. Das entspricht dem, was wir bereits im Artikel in c't 27/15 festgestellt hatten.

Aber solche radikalen "Effekt von oben"-Szene mussten wir wirklich suchen. Im Verlauf des Tests kam daher bei uns das Gefühl auf, dass das aktuell verfügbare DTS:X-Material eher auf die Wiedergabe über Height-Lautsprecher optimiert ist. Regen wurde von Dolby bei Atmos im "Amaze"-Clip jedenfalls so abgemischt, dass das Wasser wesentlich stärker aus der Decke strömt.

DTS selbst nutzte auf der CES ein Boxenset mit Height-Boxenauf der CES für seine DTS:X-Demonstrationen. Bei "Ex Machina" gab es vor der Blu-ray-Veröffentlichung keine Rundum-Sound-Mischung. Spannend wird es daher, wenn Filme DTS:X-kodiert auf Blu-ray erscheinen, die im Kino mit Dolby-Atmos-Ton liefen und bei denen die Tontechniker einfach 1:1-Umsetzungen vornehmen.

Schon angesichts der noch mageren Auswahl an DTS:X-Software ist ein wichtiger Teil der Firmware ein Upmixer, der gewöhnlichem 5.1- und 7.1-Soundtracks akustisch eine obere Ebene spendiert. Bei DTS:X trägt der Upmixer den Namen "DTS Neural:X", er ersetzt den bisherigen "DTS Neo:X". Der Neuling lässt sich nicht mit Dolby-Digital-kodierten Soundtrack nutzen, Dolbys Upmixer "Dolby Surround" (DSU) verweigert sich im Gegenzug DTS-Soundtracks. Das ist keine technische, sondern eine politische Entscheidung: Bei Atmos-Receivern ohne DTS:X-Decoder läuft der DSU auch mit DTS-Quellen.

Beide Upmixer funktionieren aber bei Stereo- und Mehrkanal-PCM-Ton. Letzterer ist beispielsweise auf Blu-ray Discs von Sony Pictures zu finden. Und Mehrkanal-Ton-PCM geben auch eine Reihe von Blu-ray-Playern über HDMI bei der Wiedergabe von Dolby-Digital- beziehungsweise DTS-Soundtracks aus, wenn man sie entsprechend einstellt.

Fast schon ein Klassiker für den Test Rundum-Sound-Upmixern ist die Anfangssequenz von "Transformers: Ära des Untergangs": Auf der Atmos-Spur herrscht hier auf den Höhenkanälen Stille – obwohl Raumschiffe ins Bild fliegen, die Kamera unter einem Wasserfall steht, Dinosaurierer kreischen, ein Raumschiff kleine Satelliten absetzt und am Ende noch ein Flugzeug von hinten rechts nach vorne links fliegt.

Upmixer im Vergleich: DTS:X Neural (unten) fügt der Anfangsszene von "Transformers: Ära des Untergangs" wesentlich mehr Effekte hinzu als Dolbys DSU, wie die Wellenform des linken hinteren Höhenkanals zeigt.

Dolbys Upmixer fügt diesen Szene tatsächlich nur einige wenige Höheneffekte zu – etwa, wenn der Wasserfall zu sehen ist. Alles in allem bleibt das Ergebnis aber unbefriedigend: Beim Überflug von Raumschiffen tut sich weiterhin nur sehr wenig, das Flugzeug hört man nur ein wenig über die Höhenlautsprecher. Daher waren wir gespannt, was DTS Neural:X abliefert.

Tatsächlich legt der DTS-Upmixer von der ersten Einstellung ordentlich los: Raumschiffe und Flugzeug dröhnen nun deutlich hörbar aus den Deckenlautsprechern. Die Geräusche sind dabei nicht nur lauter als beim DSU, sondern auch klarer. Vor allem aber gefällt die Szene mit dem Wasserfall: Das Tosen ist nicht nur deutlich vernehmbar, es wandert auch passend zur Kamerafahrt von der linken zur rechten Seite. DTS Neural:X und DSU lassen sich im Blindtest problemlos unterscheiden.

Klanglich konnte uns DTS:X überzeugen: Die Effekte kommen druckvoll und präzise aus den Höhenlautsprechern und ziehen den Zuschauer so gekonnt ins Geschehen. Die Frage, ob das neue Format besser klingt als Dolby Atmos lässt sich nicht abschließend klären. Aktuelle Atmos-Filme wie "Everest" zeigen, dass sich auch mit dem Konkurrenzformat tolle Höheneffekte realisieren lassen – und dass die Tontechniker immer noch in einer Lernphase sind.

Bei "DTS Neural:X" steht hingegen das Ergebnis bereits klar fest: Der DTS-Upmixer holt aus 5.1- und 7.1-Material wesentlich mehr heraus als das Dolby-Äquivalent. Und er produziert eben nicht nur lautere, sondern auch präzierere Effekte.

Bezüglich des Boxen-Setups lässt sich zunächst feststellen, dass DTS:X ebenso Heights- wie Deckenlautsprechern gut bedient. Doch auch das neue Format kann nichts dagegen ausrichten, dass nicht jeder Mix auf beiden Konfigurationen immer optimal klingt. Dies ließe sich nur durch drei Tonebenen unter Einsatz eines VoG-Kanals bewerkstelligen. Insofern bleibt als Wermutstropfen, dass DTS:X nicht flexibler ist als Dolby Atmos. (nij)

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