DVB-T2

Das digitale Antennenfernsehen zündet die zweite Stufe

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Schon Ende dieses Jahres soll knapp die Hälfte aller Deutschen das „ÜberallFernsehen“ im DVB-T-Standard empfangen können. In den Startregionen hat man nun einen guten Grund, fast vergessene Dach- und Zimmerantennen mal auf ihre Wiederverwendbar-keit zu inspizieren.

Aufmacher

Nach dem erfolgreichen Start in den Regionen Berlin/Potsdam, Bremen/Bremerhaven, Frankfurt/Wiesbaden/Mainz, Hannover/Braunschweig und Köln/Bonn wächst die DVB-T-Familie ab November um drei weitere Mitglieder: Neben Hamburg/Lübeck und Kiel ist dann auch die Region Ruhrgebiet/Düsseldorf mit von der Partie. Auch dort wird man dann mit dem Laptop bei Starbucks sitzen können, um Sex and the City zu schauen. Gleichzeitig wird das Programmangebot in verschiedenen DVB-T-Regionen ausgeweitet und das dort teilweise noch im Simulcast parallel ausgestrahlte analoge Fernsehen endgültig eingestellt. Die GFU rechnet bis Jahresende mit einer Million verkauften DVB-T-Receivern.

Bei den DVB-T-Endgeräten ist die Auswahl inzwischen deutlich breiter geworden, einfache Settop-Boxen sind inzwischen ab 75 Euro zu haben. Gerade für PC-User hat der Standard einiges mehr in petto. In unserem Test ab Seite 172 geben wir einen Überblick über 17 DVB-T-Produkte, mit denen man das ÜberallFernsehen empfangen und auf Festplatte bannen kann. Darunter befinden sich auch drei PC-Cards, die auf dem Laptop für mobiles Fernsehvergnügen sorgen sollen.

Die digitale Übertragung des Fernsehsignals hat gerade für PC-Benutzer einige Vorteile: Der bei analogem Empfang notwendige Schritt der Kodierung des teilweise verrauschten Bild- und Tonmaterials beim Aufzeichnen entfällt. Das entlastet den Rechner, und bezüglich der Qualität gilt für die Heimaufzeichnung erstmals die Formel „Empfangsqualität = Sendequalität“. Letztlich bestimmt also die Sendeanstalt, mit welcher Videobitrate und welchen Tonspuren die TV-Sendungen über den Äther wandern.

Gerade beim guten Ton hat DVB-T einiges zu bieten, denn Sender wie Sat1, Pro7 oder das ZDF statten ausgewählte Sendungen mit diskretem 5.1-Sound im Dolby-Digital-Format aus und bringen so die Heimkinoanlage rundum zum Klingen. Der nächste Schritt - das Archivieren des Blockbuster auf einer DVD - ist momentan noch ein Dreisprung, denn der mit dem DVB-Signal ausgestrahlte MPEG-Strom ist von Haus aus nicht DVD-konform. In unserem Praxis-Tipp auf Seite 184, c't 22/04 erfahren Sie, wie Sie die MPEG-Hürden nehmen und ohne langwierige Neukodierung zu ihrem privaten, völlig legalem DVD-Archiv gelangen.

Auch in Sachen Zusatzdiensten bietet DVB-T ein Plus: Neben dem gewöhnlichen Videotext-Signal speist das ZDF sein programmbegleitendes Portal ZDF-Digitext im MHP-Standard ein - leider momentan fast ohne Zuschauer, denn es gibt erst ein Standalone-Produkt am Markt, das MHP-Anwendungen auf den Bildschirm bringt und ausgerechnet die PC-Produkte, die am ehesten auf MHP zu trimmen wären, lassen das Angebot komplett links liegen.

Die Kabelbetreiber kommen durch die neue terrestrische Konkurrenz in Zugzwang. Innerhalb der Pilotphase in Berlin war die Stimmung noch gut, und man sprach sogar von Zuwächsen durch die Abschaltung der analogen Versorgung. Inzwischen scheint es jedoch in einzelnen DVB-T-Versorgungsgebieten zu spürbarem Kundenschwund zu kommen. Kein Wunder also, dass die Kabel Deutschland trotz des momentanen Hickhacks um den Aufkauf der kleineren Netzbetreiber mit Hochdruck am Ausbau ihres digitalen Angebots arbeitet.

Nicht ohne Grund startet Kabel Deutschland mit Kabel Basic und Plus parallel zur DVB-T-Erweiterung sein digitales Zusatzangebot im DVB-C-Standard. Im Angebot ist ein ganzer Strauß eher unbekannter Programme: Neben dem Actionkanal Silverline und Kinowelt TV Premium finden sich viele Sender, die via Satellit kostenfrei zu empfangen sind. Ob die Kundschaft bereit ist, für das digitale Angebot zusätzlich zu den ohnehin anfallenden Kabelgebühren in die Tasche zu greifen, darf bezweifelt werden - die DVB-T-Konkurrenz ist bis auf die GEZ-Gebühren ohne laufende Folgekosten zu nutzen.

Trotzdem ist es nicht unbedingt angesagt, die Kabelschnur endgültig zu kappen, denn die neue DVB-T-Technik kann das gute alte Analog-Kabel längst nicht in allen Punkten überstrahlen. Ab Seite 180, c't 22/04 erfahren Sie, wo die Stolperfallen der neuen Technik liegen und warum „digital“ im Gegensatz zu den großspurigen Werbebotschaften nicht immer gleich „besser“ heißt.

Auch wenn man der inhärenten Aufforderung nicht unbedingt folgen muss, kann man das ÜberallFernsehen zumindest als AndersFernsehen nutzen. Die Digitalisierung bietet mit der verlustfreien Aufzeichnung die Möglichkeit, sich vom festgelegten Sendestrom zu lösen und sein eigenes, privates TV-Programm zu gestalten. (sha)

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DVB-T-Programmbelegung nach Regionen
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"Umsteigen auf DVB-T"
Weitere Artikel zum Thema DVB-T finden Sie in der c't 22/2004:
Mehr Sender, mehr Programme S. 170
DVB-T gegenüber Kabel und Satellit S. 172
PC-Lösungen und Festplattenreceiver im Test S. 180
Mitschnitte auf Video-DVD brennen S. 184

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