Das Handy kennt den Weg

Location Based Services

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Das Handy als Allzweck-Orientierungshilfe: Standortbezogene Dienste, so genannte Location Based Services (kurz: LBS), gelten neben UMTS als die kommende Killertechnik der Mobilfunkbranche.


Ortsbezogene Informationen werden auch ohne die Positionsbestimmung via Funkzelle angeboten. Hier bestimmt der Nutzer seinen Standort selbst, in dem er dem Diensteanbieter zuvor die Ortsvorwahl, Postleitzahl oder den Städtenahmen seines jeweiligen Standortes übermittelt. Pech gehabt hat, wer in fremden Terrain unterwegs ist und die benötigten Lokalisierungsinformationen nicht weiß.

Neben D2-Vodafone, T-Mobil und Viag Interkom als Mobilfunknetzbetreiber, stellen noch Jamba und Wapme als netzunabhängige Anbieter LBS-Dienste bereit. Das Angebot umfasst vor allem Reisedienstleistungen wie Routenplaner, City-Guides, Hotel- und Restaurantführer sowie Tankstellenortung. Darüber hinaus bieten die Dienste Hilfe beim Shopping, indem sie den Weg zu den nächstgelegenen Supermärkten und Geldautomaten weisen oder nach Schnäppchen in der näheren Umgebung fahnden.

Alles in allem stellen die bisherigen Anbieter bestenfalls ein Grundsortiment an standortbezogenen Informationen zur Verfügung - bei aller Nützlichkeit - das Zeug zur Killeranwendung, das dieser Dienstegattung zum Durchbruch verhelfen würde, hat bisher keines der vorhandenen Angebote. Dazu ähneln sie zu sehr bereits bestehenden Diensten, die ohne automatische Ortung auskommen, auch in Bezug auf ihre Fehleranfälligkeit.

Allerdings haben die Mobilfunkanbieter bereits potenzielle Killerdienste auf ihren To-Do-Listen. Insbesondere Community-Funktionen sollen LBS zu solcher Popularität verhelfen, wie sie heutzutage SMS erfährt: Dabei zeigt das Handy Freunde oder beliebige andere Handy-nutzer an, die sich zurzeit in der Nähe aufhalten. Die Branche nennt eine solche Funktion 'Friends around'. Die Mobilfunkanbieter malen bereits die verschiedensten Anwendungsszenarien hierfür aus, von der spontanen Verabredung fürs Kino bis zum Handy-vermittelten Blind Date.

Hierzulande ist eine Funktion wie Friends around noch nicht verfügbar. In der Schweiz stellt Swisscom ihren Kunden mit der 'friendZone' bereits einen solchen Dienst zur Verfügung: Wer will, kann sich dort von Freunden oder beliebigen anderen friendZone-Nutzern orten lassen und mit ihnen via SMS Botschaften austauschen - so wird die Fußgängerzone zum Chat-Channel.


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Location Based Service bedeutet nicht zwangsläufig WAP. Viag Interkom bietet als erster deutscher Netzbetreiber mit seinem CityScout ortsbezogene Dienste auch per SMS an. Dazu sendet der Benutzer eine SMS mit einem Suchbegriff an die Nummer 3463 ('f-i-n-d'). Mit der Antwort erhält der Kunde automatisch die nächstgelegene Adresse, kann aber auch weitere anfordern. Der Infrastruktur- und Inhalteanbieter mecomo sieht die Zukunft in sprachgesteuerten Location Based Services. Die Firma will die Informationen, die bisher nur per WAP-Seiten abrufbar sind, über Sprachportale zugänglich machen. Dabei soll die Kommunikation zwischen Benutzer und Portal komplett über Spracherkennungs- und -synthesesysteme ablaufen. Wie sich ein solches System 'anfühlt', lässt sich zum Beispiel beim Berliner Stadtlotsen ausprobieren. Unter der Rufnummer 030/52 00 51 informiert der Dienst über Events, Kinos, Essensgelegenheiten et cetera in der Bundeshauptstadt.


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Doch die standortabhängigen Dienste müssen sich nicht zwangsläufig an die verspielte "Generation SMS" oder an Geschäftsleute richten, sondern können auch kranken oder alten Menschen zu neuer Mobilität verhelfen. Durch die Ortung des Handys besteht die Möglichkeit, in Notfällen Hilfskräfte zu seinem Besitzer lotsen. Gefährdete Personen können sich so, zumindest im Netz ihres Mobilfunkbetreibers, ein wenig sorgloser bewegen.


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Der beste ortsbezogene Dienst nutzt wenig, wenn die zugrunde liegende Positionsinformationen zu ungenau sind. Heutzutage benutzen die Mobilfunkbetreiber ausschließlich die Information über die Funkzelle, zu dem das Handy in Kontakt steht beziehungsweise Informationen zur Teilzelle: Da eine Funkzelle typischerweise aus mehreren Antennen besteht, die ein Teilsegment bestrahlen, lässt sich das Handy noch ein wenig genauer orten.

Für exakte Routenplanung oder das Herbeilotsen von Rettungskräften in Notfällen ist dies jedoch immer noch zu grob. Etliche Infrastruktur-Provider arbeiten daher an ausgefeilteren Techniken, mit denen sich Handys präziser orten lassen. Beim EOTD-Verfahren (Enhanced Observed Time Difference) beispielsweise misst das Handy Laufzeitunterschiede von Signalen zu mehreren Sendern. Damit lässt sich die Position des Handys auf bis zu 30 Meter genau berechnen.

Die Mobilfunkbetreiber versprechen sich mit Location Based Services ein großes Geschäft: Laut einer Untersuchung, das der LBS-Infrastruktur-Hersteller AirFlash beim Marktforschungsunternehmen Mori in Auftrag gegeben hat, ist ein Großteil der Handybenutzer, die sich für Location Based Services interessieren, bereit, dafür bis zu 14 Euro pro Monat auszugeben.

Zurzeit scheinen die Anbieter ihre Kundenbasis noch mit attraktiven Tarifen vergrößern zu wollen: So berechnen weder Viag Interkom noch D2-Vodafone neben den Verbindungsentgelten zusätzliche Gebühren für Location Based Services.

Standortbezogene Dienste können die Informationssuche mit dem Handy wesentlich erleichtern. Derweil existiert ein Basisangebot, mit Diensten vor allem für Reisende und einigen Shopping-Helfern. Wirklich neuartige Anwendungen, die sich außer dem Komfortgewinn von bestehenden WAP-Diensten unterscheiden, lassen bis auf die Abrechnungsmodelle und den Handy Finder noch auf sich warten. Aber die Netzbetreiber bauen ihr Angebot kontinuierlich aus. In der momentanen Einführungsphase lassen sich viele der Dienste günstig testen. In Zukunft muss man allerdings damit rechnen, dass die Mobilfunkunternehmen sich ihre Angebote teurer honorieren lassen werden.

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