Das Schöne und die Biester

Surf-Smartphones mit Fingerbedienung

Wissen | Know-how

Drei Touchscreen-Smartphones wollen mit für die Fingerbedienung optimierten Oberflächen und verbessertem Opera-Mobile-Browser zeigen, dass Surfen nicht nur mit dem iPhone Spaß macht.


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Handys und Smartphones mit großen, für die Fingerbedienung optimierten Displays sind seit dem Erfolg des ersten iPhone im Kommen. Statt sich mit dem Steuerkreuz durch unübersichtliche Menüs und Optionstabellen hangeln zu müssen, erreicht man mit einer einfachen Wischbewegung schnell die gewünschte Funktion. Die hochauflösenden Anzeigen bieten nach dem Motto "Was Du berührst, bekommst Du auch" eindeutige Symbole und Beschriftungen an. So muss man nicht mehr überlegen – oder sogar nachlesen –, ob nun die Raute-Taste oder eine der Funktionstasten des Handys zum gewünschten Ziel führt.

Gut ein Jahr nach der Einführung des iPhone setzen nun etablierte Handyhersteller ihre Touchscreen-Geräte mit verbesserter Fingerbedienung und dem aktuellen Opera-Mobile-Browser 9.5 dagegen. Insgesamt vier Smartphones mussten in unserem Test zeigen, wie gut sie sich zum Surfen, Organisieren, Knipsen, Musikhören und Telefonieren eignen. Das aktuelle iPhone 3G bietet 3,5 Zoll Display-Diagonale und arbeitet mit einer Mobilversion von Mac OS X. Die drei Kontrahenten stammen von HTC und Samsung und setzen auf das Windows-Mobile-Betriebssystem 6.1. HTCs Touch Diamond – das kleinste und leichteste Smartphone im Test – und sein deutlich dickeres Schwestermodell Touch Pro mit ausziehbarer Qwertz-Tastatur, größerem Akku und HSUPA unterscheiden sich nur in Details. Beide haben ein 2,8-Zoll-VGA-Display. Samsungs SGH-i900 Omnia bietet mit 3,2 Zoll deutlich mehr Displayfläche sowie eine 5-Megapixel-Kamera.

Vor der ersten Inbetriebnahme muss man das iPhone aktivieren. Dazu ist ein Windows-PC mit XP oder Vista oder ein Mac-OS-X-Rechner, jeweils mit Internetzugang nötig. Nachdem man die aktuelle Version von iTunes installiert und das Apple-Handy via USB mit dem Rechner verbunden hat, startet die Freischaltprozedur automatisch, die ein iTunes-Konto anlegt und erst danach das iPhone aktiviert. Die drei Windows-Mobile-Smartphones funktionieren auch ohne eine solche Prozedur und sind wie andere Handys nach Eingabe der PIN sofort nutzbar.

Das iPhone ist konsequent für Fingersteuerung ausgelegt. Die Konkurrenzprodukte setzen dagegen auf Windows Mobile 6.1 Professional, dessen Oberfläche kaum für die Bedienung mit dem Finger taugt. Die Hersteller versuchen dieses Manko mit eigener Software zu beheben: HTC setzt in seinen Geräten die schon von anderen Touch-Modellen bekannte Oberfläche namens Touch Flo 3D ein, Samsung nennt seinen Bedienaufsatz TouchWiz. Mit der schicken Touch-Flo-Oberfläche kann TouchWiz nicht mithalten. Im Bereitschaftsschirm bietet es aber frei positionierbare Widgets wie eine Uhr, einen Kalender und einen MP3-Player.

Die großen Icons aller Windows-Mobile-Aufsätze lassen sich gut mit dem Finger treffen. Mittels Wischbewegungen wechselt man bei den HTC-Geräten zu den verschiedenen Anwendungen, beim Samsung Omnia zwischen Haupt- und Benutzermenü. Berührungen von zwei Fingern gleichzeitig (Multitouch) erkennen die iPhone-Konkurrenten nicht. Zudem reagieren sie auf Fingergesten oft zu langsam, was vor allem beim Scrollen durch Menüs stört. Häufig interpretieren sie eine Geste zum Weiterschieben als Auswahl und öffnen ungewollt Eingabefenster oder starten Programme; hier fällt besonders das Omnia von Samsung unangenehm auf. Bei ausgelastetem Prozessor oder mehreren im Hintergrund laufenden Programmen sind Verzögerungen von einigen Sekunden keine Seltenheit – zügiges Bedienen ist so unmöglich.

Mit den für die Finger optimierten Windows-Mobile-Oberflächen erreicht man zudem nicht alle Funktionen. Wer etwa Kontakte einpflegen oder andere Standardanwendungen von Windows Mobile benutzen möchte, braucht weiterhin den Eingabestift, der allen iPhone-Konkurrenten beiliegt. Die HTC-Geräte besitzen dafür einen Einschub mit integriertem Magnethalter und einem Sensor, der beispielsweise im Stromsparmodus das Display einschaltet, wenn man den Stift herauszieht. Samsung legt dem Omnia lieblos einen Stift bei, der sich mit einer Schlaufe am Smartphone befestigen lässt.

Das Omnia stellt noch eine Alternative zu Eingabestift und Touchscreen bereit: Die Oberfläche der schwarzen Eingabetaste unter dem Display funktioniert wie ein kleines Touchpad, mit dem man einen Mauszeiger steuern kann. Mit etwas Übung lassen sich damit auch kleine Schaltflächen betätigen oder Eingabecursor positionieren.

Insgesamt hat das iPhone bei der Bedienung klar die Nase vorn. Die Schaltflächen reagieren meist ohne merkliche Verzögerungen. Leichtes Ruckeln bei Fingergesten etwa beim Verschieben von Bildausschnitten stören kaum. Anders als die Konkurrenten vermittelt das iPhone dem Nutzer das Gefühl, es per Finger wirklich sicher zu handhaben. Fehlbedienungen kommen kaum vor. Als einziges Smartphone beherrscht das Apple-Handy die Multitouch-Technik zum Zoomen mit zwei Fingern, etwa zum Vergrößern von Fotoausschnitten oder Webseiten.

Bis auf den iPod-Player beendet das iPhone fast alle Programme per Tastendruck. Bei einigen Anwendungen wie dem Browser speichert es dabei den Bearbeitungszustand, sodass man beim nächsten Start gleich weiterarbeiten kann. Auf Windows-Mobile-Smartphones verbleiben die meisten Anwendungen dagegen im Hintergrund, belegen Speicher und bremsen das System aus. Um dieses jahrelange Manko zu beheben, hat Samsung dem Omnia zum Beenden dieser Programme einen Taskmanager spendiert, der bei langem Druck auf die seitliche Menütaste erscheint. Der Taskmanager der HTC-Geräte geht noch einen Schritt weiter: Statt der üblichen O.-K.-Schaltflächen stattet er jedes Programm mit einem X zum Beenden der Anwendung aus. Je nach Vorgabe entfernt ein langer Druck auf das X die Anwendung aus dem Speicher oder bereits ein kurzes Antippen.

Technische Daten
Die technischen Daten der hier vorgestellten Handys listet unsere Handy-Galerie:

Einen direkten Vergleich der Handys bietet unsere Vergleichsfunktion. Wenn Sie bereits Handys über die Funktion "vormerken" ausgewählt haben, werden diese ebenfalls in die Gegenüberstellung aufgenommen.

Zum Tippen von SMS, E-Mails und Notizen stellen alle vier Kandidaten eine virtuelle, mit dem Finger bedienbare Tastatur dar. Beim Omnia verdeckt sie aber oft die Eingabezeile, sodass man auf eine kleinere Tastatur wechseln muss, für die man den Stift braucht. Die HTC-Touch-Geräte stellen eine große Tastatur nur in einigen Anwendungen wie dem Webbrowser bereit, wo dieses Problem nicht auftaucht. Insgesamt verlangt die Texteingabe über die virtuellen Tastaturen etwas Übung und gutes Zielen, was auch für das iPhone gilt. Dessen Tastatur stellt gewählte Buchstaben beim Tippen zur Kontrolle immerhin vergrößert dar. Die automatische Worterkennung des Apple-Telefons ist nicht sehr hilfreich, da sie oft nicht das gewünschte Wort findet.

Windows Mobile stellt zudem mit kleineren Tastaturen, einer Zeichen- und einer Handschrifterkennung weitere Eingabemethoden zur Wahl. Der Touch Pro mit seiner gut mit zwei Daumen bedienbaren Ausziehtastatur dürfte für Vieltipper die erste Wahl sein. Über den in vier Reihen angeordneten Tasten melden sogar zwei winzige LEDs den Status der Umschalttasten CAPS und FN.

Das Omnia widersetzte sich zeitweise der Bedienung, da das Display öfter nicht aus dem Stromsparmodus erwachte und dunkel blieb. Nur ein Aus- und wieder Anschalten half. Über dieses Problem klagen in den einschlägigen Foren auch viele Omnia-Käufer.

Auch die Geräte von Apple und HTC zeigen Fehler, doch korrigieren sie die Hersteller mit regelmäßigen Firmware-Updates. Samsung dagegen stellt sich stur und teilte uns mit, das Omnia habe alle großen Netzbetreiber mit seiner stabilen Software überzeugt. Mittlerweile soll es ein Firmware-Update für das Omnia geben, doch muss man das Gerät dafür einschicken. Samsung ist der einzige der großen Handy-Hersteller, der kein vom Nutzer selbst durchführbares Update für seine Geräte anbietet.

Sowohl der Safari-Browser des iPhone als auch der Browser Opera Mobile 9.5, der auf den Windows-Mobile-Testgeräten installiert ist, lassen sich per Finger bedienen. Für den auf den HTC-Smartphones und dem Omnia ebenfalls vorhandenen Internet Explorer braucht man dagegen einen Eingabestift.

Die Browser von Apple und Opera öffnen eine Webseite zunächst in einer Übersichtsdarstellung. Auf den großformatigen Displays von iPhone und Omnia sind zumindest Überschriften meist schon lesbar. Falls nicht, kippt man die Geräte in die Horizontale, worauf das Bild sich dreht und an die größere Breite anpasst.

Die Displays der HTC-Geräte besitzen mit 640 × 480 Pixel – beachtliche 280 dpi – zwar die höchste Auflösung, gut gefüllte Webseiten lassen sich in der Übersicht auf den 2,8-Zoll-Anzeigen aber kaum lesen. Immerhin kippen sie den Bildschirminhalt ebenfalls automatisch – zwar ohne die nette Animation, dafür aber etwas schneller. Sind die Surf-Telefone gerade mit dem Seitenaufbau beschäftigt, verzögert sich der Kippvorgang bei den Windows-Mobile-Geräten deutlich um mehrere Sekunden, beim iPhone nur unwesentlich um etwa eine Sekunde.

FTP-Durchsätze EGPRS
Dateigröße500 KByte60 KByte
 Empfangen
besser →
Senden
besser →
Empfangen
besser →
Senden
besser →
HTC Touch Diamond (26,4) (23,9) (25,4) (22,4)
HTC Touch Pro (26,4) (24,9) (25,1) (21,5)
Samsung SGH-i900 Omnia (26,2) (22,3) (25,5) (21,5)
alle Angaben in KByte/s

Um einen Teil der Webseite, etwa eine News-Meldung, genauer zu betrachten, reicht zweimaliges kurzes Antippen der betreffenden Stelle. Sowohl Safari als auch Opera Mobile vergrößern dann den Teil der Webseite automatisch. Der Opera-Browser formatiert außerdem Text für die Displaydarstellung so um, dass er bequem lesbar ist. Die stufenlose Zoomfunktion, indem man das Display mit zwei Fingern berührt und diese auseinanderzieht oder zusammenführt, gibt es nur beim iPhone. Bei HTCs Touch Diamond und Touch Pro lässt sich die Größe der Darstellung über den im Tastenfeld unter dem Display integrierten Sensor-Jogdial manuell anpassen – praktisch, wenn auch nicht so intuitiv wie beim iPhone.

Beide Browser bieten die wichtigsten Bedienelemente als Icons in einer Zeile am unteren Rand an. Opera Mobile blendet sie fünf Sekunden nach Laden einer Seite aus, um mehr Platz für deren Darstellung zu schaffen. Ein Antippen des Symbols in der rechten unteren Ecke holt die Menüleiste wieder zurück.

Wie schon die Bedienoberfläche arbeitet auch der Browser des iPhone merklich zügiger als der Opera-Browser der Windows-Mobile-Geräte. Mit den HTC-Smartphones macht das Surfen nur Spaß, wenn das Windows-System nicht mit anderen Programmen beschäftigt ist. Beim Omnia dauert der Seitenaufbau etwas länger. Dafür punktet es mit seinem großformatigen Display. Beide Browser beherrschen JavaScript, Ajax, Cookie-Verwaltung und https. WAP-Seiten (WML) kennt Safari jedoch nicht. Komfortfunktionen wie das Kopieren von Text in eine Zwischenablage oder einen Download-Manager findet man nur beim Opera-Mobile-Browser. Flash kennt keines der Testgeräte.

Anders als das iPhone 3G lassen sich die Windows-Mobile-Smartphones auch als Funkmodem für Windows-Notebooks einsetzen. Dazu muss auf dem Notebook ActiveSync installiert sein, das auch USB-Treiber enthält. Zum Koppeln der Geräte sollte man USB benutzen; Bluetooth funktioniert zwar auch, bremst schnelle HSDPA-Verbindungen aber aus. Alle drei Windows-Telefone erreichen mit HSDPA hohe Durchsätze in Empfangsrichtung, das HTC Touch Pro als eines der ersten HSUPA-Handys schaffte im Test auch in Senderichtung knapp 200 KByte/s. Das Touch Diamond und das Omnia senden Daten nur mit normalen UMTS-Raten, wobei das Omnia etwas schechter abschnitt als das Touch Diamond.

FTP-Durchsätze HSPA
Dateigröße5 MByte2 MByte500 KByte60 KByte
 Empfangen
besser →
Senden
besser →
Empfangen
besser →
Senden
besser →
Empfangen
besser →
Senden
besser →
Empfangen
besser →
Senden
besser →
HTC Touch Diamond (528) (45) (426) (44) (307) (44) (88) (42)
HTC Touch Pro (544) (195) (452) (191) (298) (168) (93) (107)
Samsung SGH-i900 Omnia (551) (44) (446) (42) (301) (41) (77) (33)
alle Angaben in KByte/s

Alle Touchscreen-Smartphones haben eine virtuelle Wähltastatur. Tippt man bei den Windows-Mobile-Modellen mittels der Handy-üblichen Buchstabenzuordnung der Wähltasten die Initialen von Namen ein, erscheint eine Kurzwahlliste mit passenden Kontakten. Beim iPhone muss man zum Suchen in die Kontaktliste wechseln.

Die beste Sprachqualität bietet das Samsung Omnia, dicht gefolgt von den HTC-Telefonen. Das iPhone klingt im Vergleich etwas dumpfer, aber jederzeit verständlich. Auch die Freisprechfunktionen sind durchweg brauchbar. HTC und Samsung haben ihren UMTS-Geräten eine Zweitkamera über den Displays spendiert, die beim Videotelefonieren zum Einsatz kommt. Das iPhone eignet sich trotz UMTS nicht dazu, da sowohl Zweitkamera als auch Videofonie-Funktion fehlen. Auch auf den Versand von MMS-Nachrichten muss der iPhone-Nutzer verzichten. Fotos schickt er stattdessen als Mail-Anhang. Die Windows-Mobile-Telefone besitzen sowohl Attachment-fähige E-Mail-Clients als auch MMS-Editoren, mit denen man kleine Präsentationen mit Bildern, Musik oder Videos erstellen und verschicken kann.

Bei der Akkulaufzeit punktet Apples Touchscreen-Handy. Obwohl die Hersteller der Windows-Geräte fast durchweg höhere Laufzeiten als Apple angeben, hielten deren Telefone während unseres Tests gerade einmal halb so lange durch wie das iPhone.

Mit Organizerfunktionen sind die Windows-Mobile-Smartphones traditionell gut bestückt. Outlook Mobile lehnt sich nahe an Outlook auf dem Windows-PC an, sodass es beim Synchronisieren kaum Unstimmigkeiten gibt. Das Touch Pro kann die Daten abfotografierter Visitenkarten mittels OCR scannen und die Adressdaten ins Kontakteverzeichnis einpflegen, was auch recht gut klappt.

Das iPhone bietet ebenfalls ein umfangreiches Adressbuch inklusive einfacher Suchfunktion. Die Synchronisation mit Outlook oder den PIM-Programmen des Mac übernimmt iTunes. Wer gewohnt ist, Rufnummern zur besseren Lesbarkeit mit Trennzeichen zu versehen, wird enttäuscht. Als Sonderzeichen stehen nur + * und # zur Wahl. Außer einem Terminkalender stellt das iPhone im Auslieferzustand keine weiteren Organizerprogramme bereit. Wer eine Aufgabenliste oder Sprachnotizen braucht, muss Apples AppStore nach passenden, zum Teil kostenpflichtigen Anwendungen durchforsten.

Alle Geräte im Test sind mit einem GPS-Empfänger bestückt. Die Google-Maps-Anwendung auf dem iPhone bestimmt zunächst den Aufenthaltsort über das Mobilfunknetz und bekannte WLANs. Wenn GPS-Koordinaten vorliegen, erhöht sich die Genauigkeit, dargestellt durch einen kreisförmigen blauen Schatten, drastisch. Google Maps berechnet auch Routen, taugt mangels Sprachausgabe aber nicht zum Navigieren. Das iPhone versieht Fotos beim Knipsen mit den Positionsdaten.

Auch den HTC-Geräten fehlt eine Navigationsanwendung; man findet lediglich das Programm QuickGPS, das Satellitenpositionen übers Funknetz lädt, um die Positionsbestimmung zu beschleunigen. Die Netzbetreiber, die Geräte von HTC meist unter eigenem Namen verkaufen, liefern aber meist Navi-Lösungen mit. Alternativ kann man das kostenlose Google Maps installieren. Da die Kartendaten nur online bereitstehen, sollte man eine Daten-Flatrate besitzen.

Samsung legt dem Omnia die Navigationssoftware Route 66 bei. Für den Einsatz im Auto muss man – je nach Lieferumfang des Smartphones – noch 12-Volt-Kabel und eine Halterung für rund 50 Euro zukaufen. Während der Fahrt stören zudem das spiegelnde, zu dunkle Display und die leise Sprachausgabe. Die Navigation klappt ordentlich, als Ersatz für ein separates Navi taugt das Omnia jedoch nicht. Immerhin bietet es beim Fotografieren eine Geo-Tagging-Option.

Zum Knipsen besitzt das iPhone 3G wie sein Vorgänger eine einfache Fixfokus-Kamera mit zwei Megapixeln. Die geradezu spartanische Kameraanwendung nutzt fast das ganze Display als Sucher und stellt darunter nur einen Auslöser und ein Symbol für die Bilder-Galerie zur Verfügung. Auf weitere Einstellungen, Zoom, Videos oder einen Selbstauslöser muss man verzichten. Die Bilder sind unscharf und bei dunklen Motiven verrauscht. Die stimmigen Farben und der hohe Kontrastumfang gefallen jedoch. Mit seiner halbwegs geringen Auslöseverzögerung taugt das iPhone gut als einfache Schnappschusskamera.

Die HTC-Geräte sind mit je einer Autofokuskamera ausgestattet, das Touch Pro außerdem mit einer schwächlichen Fotoleuchte. Beim Knipsen dient die runde O.-K.-Taste unter dem Display als Auslöser: Zum Fokussieren berührt man die Sensortaste nur, drückt man sie, löst die Kamera aus. Die meist scharfen Fotos zeigen sehr kräftige Farben und überhöhte Kontraste, aber nur wenige Bilddetails. Für Schnappschüsse taugen die Kameras der HTC-Smartphones wegen der Auslösezeit von über zwei Sekunden nicht. Video-Clips nehmen beide in CIF-Auflösung (352 × 288) auf; bei schnellen Schwenks zeigen sie einige Ruckler und Artefakte.

Mit 5-Megapixel-Kamera und heller Foto-LED nimmt das Omnia beim Knipsen die Spitze des Testfeldes ein. Fokussieren und Auslösen dauert eine bis 1,5 Sekunden – auch hier nichts für schnelle Motive. Die Kamera liefert Ergebnisse mit brauchbarer Schärfe und wenig Rauschen, bei wenig Licht fallen Artefakte vom Rauschfilter auf. Bei gutem Licht eignen sich die Aufnahmen auch für – nicht zu große – Papierabzüge. Videos zeichnet das Omnia mit hoher Auflösung (640 × 480), aber geringer Bildrate (18 fps) auf. Bei Schwenks entstehen deutliche Bewegungsartefakte. Samsungs Omnia, das Touch Pro von HTC und Apples iPhone 3G stellen Bilder und Videos sogar auf einem Fernseher dar, ein passendes AV-Kabel muss jedoch zugekauft werden.

Musik spielt das iPhone nur in den Formaten M4A und MP3 ab, andere Formate wandelt iTunes vor dem Übertragen auf den Handyspeicher passend um. Die Windows-Mobile-Geräte verhalten sich am PC auf Wunsch wie ein USB-Speichermedium, das iPhone kommuniziert dagegen nur mit iTunes; ein Wechselspeicher-Slot fehlt. Das mitgelieferte Headset gibt Musik mit guten Bässen und klaren Höhen wieder, an die 3,5-mm-Klinkenbuchse passen anders als beim ersten iPhone problemlos handelsübliche Kopfhörer. Zur Klangregelung gibt es Presets. Quicktime-Videos spielt das iPhone 3G ruckelfrei ab, andere Videoformate wandelt iTunes in das Quicktime-Format um.

Die Player der Windows-Mobile-Telefone spielen mit MP3, WMA, M4A und AAC alle verbreiteten Audioformate ab, die beiliegenden Headsets klingen gut. Während sich beim Omnia andere Kopfhörer an eine 3,5-mm-Buchse im Mikrofonteil des Headsets anschließen lassen, muss man sich bei den HTCs dazu einen Audioadapter auf MiniUSB besorgen. Zur Klangregelung stellen sie eine separate Anwendung mit 10-Band-Equalizer und Presets bereit.

Touch Diamond und Touch Pro geben Videos ohne viel Geruckel wieder, manchmal fallen aber wegen der geringen Farbtiefe (Windows Mobile erlaubt maximal 16 Bit) Schlieren in Farbflächen auf. Beim Omnia ruckeln Videos zum Teil deutlich, auch Farbschlieren sind zu erkennen. Es spielt außer den Standardformaten 3GP und MPEG-4 (AVC) auch DivX/Xvid-Filme ab, verweigert aber höhere Auflösungen als QVGA (320 × 240). Bei ungewöhnlichen Formaten stürzt der Player auch schon einmal ab.

Mit der Kombination aus intuitiver Touchscreen-Bedienung und schnellem Webbrowser ist das iPhone 3G das ideale Surf-Handy. Doch muss man beim iPhone auch viele Kröten schlucken, von der Zwangsaktivierung bis zu fehlenden Funktionen wie Funkmodem, MMS, Videotelefonie, Sprachaufzeichnung oder Bluetooth-Datenaustausch. Wer nach einem guten, per Finger bedienbaren Touchscreen-Smartphone sucht, muss sich daher angesichts des mangelnden Angebots bislang entscheiden, ob ihm eine einfache Bedienung oder ein großer Funktionsumfang wichtiger ist.

Die Konkurrenten mit Windows-Mobile-Betriebssystem bieten zwar eine kaum noch Lücken lassende Funktionsvielfalt, die aufgesetzten Oberflächen sind zum flüssigen Bedienen aber zu träge. Der Opera-Browser gefällt zwar mit seiner eingängigen Bedienerführung, doch auch er müsste deutlich schneller werden. Wer schon ein Windows-Mobile-Smartphone mit Touchscreen besitzt, kann sich die Betaversion von Opera Mobile 9.5 herunterladen und installieren; auch eine Version für UIQ-Geräte mit Touchscreen ist mittlerweile verfügbar. Stabile Versionen kosten bei Opera rund 20 Euro.

Der HTC Touch Pro gefällt mit HSUPA, Qwertz-Tastatur und größerem Akku von den Windows-Smartphones noch am besten. Beide HTC-Geräte punkten mit cleveren Detaillösungen, auch lässt sich die verspielte Touch-Flo-Oberfläche noch einigermaßen bedienen, sonst greift man eben wieder zum Eingabestift. Das Samsung i900 Omnia knipst zwar die besten Fotos und bietet den meisten Speicherplatz, die hakelige Oberfläche, die Software-Fehler und vor allem der umständliche Update-Service sind aber alles andere als eine Kaufempfehlung. (rop)

[1] Harald Bögeholz, Zweite Auflage, Das iPhone 3G mit UMTS und GPS, www.heise.de/mobil/artikel/114231
Surf-Smartphones
ProduktiPhone 3GTouch DiamondTouch ProSGH-i900 Omnia
HerstellerAppleHTCHTCSamsung
Lieferumfang (kann je nach Anbieter variieren)Ladegerät, Stereo-Headset, USB-Kabel, Lederputzlappen, KurzanleitungLadegerät, Stereo-Headset, USB-Kabel, Ersatz-Stift, Software, KurzanleitungLadegerät, Stereo-Headset, USB-Kabel, Tasche, Ersatz-Stift, Software, KurzanleitungLadegerät, Eingabestift, Stereo-Headset, USB-Kabel, Speicherkarte mit Adapter, Software, Handbuch
Technische DatenHandy-GalerieHandy-GalerieHandy-GalerieHandy-Galerie
Besonderheitenauch mit 16 GByte Speicher lieferbar, TV-Out, AV-Kabel kostet rund 40 EUR-TV-Out, passendes AV-Kabel kostet etwa 23 EURauch mit 16 GByte Speicher lieferbar, TV-Out, AV-Kabel kostet rund 16 EUR
Preis ohne Kartenvertrag (UVP / Straße)570 EUR mit Prepaid-Karte (100 EUR Guthaben)500 EUR / 480 EUR700 EUR/ 630 EUR650 EUR / 500 EUR
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