Das VR-Schicksalsjahr: Tolle Software, ordentliche Verkaufszahlen – aber Hype vorbei?

Das VR-Schicksalsjahr: Tolle Software, ordentliche Verkaufszahlen – aber Hype vorbei?

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Mit Beat Saber, Astrobot und Tetris Effect sind 2018 ausgezeichnete VR-Spiele erschienen. Dennoch ist der Hype-Zug gestoppt. Was kommt 2019?

Seit seinem Höhepunkt im Jahr 2016 ist der Hype um Virtual Reality nach und nach abgeflaut; daran hat auch das Weihnachtsgeschäft 2018 nichts geändert. Zwar gibt es nach wie vor viele Fans, aber im Mainstream ist VR noch nicht angekommen (von Playstation VR abgesehen).

Das ist fast ein bisschen tragisch, denn in diesem Jahr sind mehrere VR-Spiele erschienen, die erstmals so etwas wie Killer-Apps darstellen. Allen voran der Musiktitel Beat Saber für Oculus Rift, HTC Vive, Windows MR und Playstation VR. Besonders spektakuläre Beat-Saber-Spielvideos erzielen Milionenzugriffe auf YouTube, komplett erschließt sich der Reiz des Titels aber erst, wenn man selbst die Hand-Controller beziehungsweise Lichtschwerter in die Hand nimmt – und damit entgegenfliegende Blöcke zerhackt.

Sieht auch im Video nett aus, der ganze Reiz von Beat Saber erschließt sich aber erst in VR.

Da das Ganze so überzeugend mit dem eigens für das Spiel komponierten Soundtrack synchronisiert ist, hat man beim Spielen den Eindruck, als würde man die Songs mit seinen Hand- und Körperbewegungen selbst produzieren. Bei den meisten Spielern – definitiv beim Autor – sieht das von außen komplett bescheuert aus, aber als VR-Tänzer fühlt man sich wie ein Musik-Schamane mit Zauberkräften.

Beat Saber ist eines der wenigen VR-Titel, die echte Langzeitmotivation bieten, schon nach wenigen Minuten ist man im "einen Versuch noch"-Strudel und versucht immer wieder, seinen Highscore zu verbessern. Sind die vorinstallierten Songs schon gut für etliche Stunden Laserschwertgehacke, gibt es zudem eine aktive Mod-Szene, die bekannte Songs für Beat Saber adaptiert.

Soll 400 US-Dollar kosten und Hand- und Raumtracking können: Das autarke VR-Headset Oculus Quest. (Bild: Oculus)

In Sachen Hardware ist 2018 ebenfalls einiges passiert: So hat HTC sein PC-Headset Vive Pro herausgebracht, das mit 1440 × 1600 Pixel pro Auge eine gegenüber der Standard-Vive 78% höhere Auflösung bietet. Die Kundschaft wusste das offenbar nicht zu schätzen: Laut Statista-Prognosen hat HTC weltweit nur 600.000 Stück verkauft (Vive und Vive Pro). Die Facebook-Tochter Oculus kratzte 2018 an der 1-Million-Stück-Marke, größtenteils aber wohl wegen des autarken 200-Euro-Headsets Oculus Go. Auch zukünftig will Oculus offenbar eher auf autarke Stand-Alone-Geräte wie die für Frühjahr 2019 angekündigte Oculus Quest setzen statt auf teure PC-Headsets. So nahm Oculus-Mitgründer Brendan Iribe im Oktober laut Techcrunch seinen Hut, weil ihm der immer stärkere Fokus auf günstige Mobilbrillen statt auf qualitativ hochwertige PC-Headsets nicht mehr passte.

Zweifellos das erfolgreichste VR-Headset ist die Playstation VR für PS4 (Pro). Bereits im August 2018 hat Sony drei Millionen verkaufte Exemplare gemeldet. Das lag aber sicher nicht an der Qualität der Hardware, sondern am überzeugenden Softwareangebot: Die VR-Titel Astro Bot (nur mit PSVR spielbar) und Tetris Effect (PSVR-kompatibel) haben es laut Metacritic sogar in die Top-10 der 2018 am besten bewerteten PS4-Spiele überhaupt geschafft. Tatsächlich kann es der Jump'n'Run-Spaß Astro Bot mit Genre-Legenden wie Mario aufnehmen. Obendrein zeigt das Spiel, wie man VR spielerisch sinnvoll nutzen kann.

Tetris in VR? Ja.


Der Puzzle-Klassiker Tetris würde einem spontan eher nicht als geeignetes VR-Spielprinzip einfallen, erstaunlicherweise funktioniert das Ganze in Tetris Effect vom Rez-Erfinder Tetsuya Mizuguchi dennoch sensationell: Das Spiel entfaltet durch den dynamisch erzeugten Soundtrack und ebensolche Animationen einen geradezu synästhetischen Sog. Das klappt schon auf dem flachen Bildschirm super, aber in VR taucht man dann nochmal deutlich intensiver in den Tetris-Flow ab. Wie bei allen VR-Spielen gilt auch hier: Kann man schlecht beschreiben, muss man ausprobiert haben.

Ob Sony diesen Qualitätsstandard auch 2019 hält, wissen wir noch nicht – in Sachen Quantität ist das Line-up aber definitiv stark: Mehr als 100 Titel sind laut GamePro angekündigt, darunter auch das in Deutschland entwickelte Weltraum-Abenteuer Eden Tomorrow. (jkj)

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