Das bringt das SP3 für Suse Linux Enterprise 11

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Das Service Pack 3 bringt zahlreiche Optimierungen zur Virtualisierung und baut mit Secure Boot-Support und neuen Treibern die Unterstützung für moderne Hardware aus. Zudem gab es zahlreiche Verbesserungen für die Storage- und Netzwerktechniken bei Servern.

Nicht ganz eineinhalb Jahre nach der zweiten Auffrischung des auf Unternehmenskunden ausgerichteten Suse Linux Enterprise (SLE) 11 hat Suse jetzt das Service Pack (SP) 3 freigegeben Es bringt neben Fehlerkorrekturen, frischen Treibern und aktualisierter Software auch eine Reihe neuer Funktionen.

Zu den Neuerungen des SP3 zählt die Unterstützung für UEFI Secure Boot. Die Distribution bootet daher jetzt auch auf typischen Windows-8-Systemen, denn dort ist Secure Boot in der Regel aktiv, sodass die Firmware nur vertrauenswürdige Betriebssysteme startet. Die SLE-SP3-Installationsmedien für x86-64-Systeme gehören jetzt dazu, da sie eine Variante des Bootloaders Shim einsetzen, der von Microsoft signiert wurde – diesen Weg nutzen auch aktuelle Versionen von Fedora, OpenSuse und Ubuntu.

Anders als bei Ubuntu und genau wie bei Fedora führt Secure Boot bei SLE11 zu einigen Einschränkungen im Betrieb. So funktionieren unter anderem Kexec, Kdump und der Ruhezustand (Software-Suspend/Hibernation) bei aktivem Secure Boot nicht; zudem muss man Grafiktreiber mit Unterstützung für KMS (Kernel-based Mode-Setting) einsetzen. Ferner müssen der von Shim aufgerufene Bootloader, der darüber gestartete Kernel und die von ihm geladenen Module signiert sein. Im Auslieferungszustand ist das eine Suse-Signatur. Über den von Suse entwickelten MOK-Mechanismus kann man aber eigene Schlüssel hinterlegen, damit sich selbst kompilierte und anschließend signierte Kernel und Kernel-Module bei aktivem Secure Boot laden lassen. Das verkompliziert den Einsatz externer Treiber; Suse will hier mit Erweiterungen für das Partner Linux Driver Program gegensteuern.

Der Kernel von SLE basiert auf Linux 3.0. Damit nimmt ein Service Pack für SLE 11 zum ersten Mal keinen größeren Wechsel bei der zugrunde liegenden Kernel-Version vor, nachdem SP1 ein Update von Linux 2.6.27 auf 2.6.32 und SP2 den Wechsel auf Linux 3.0 gebracht hat. Offenbar gab es bei Suse zwischenzeitlich ein Umdenken, denn bei der Freigabe des SP2 wurden größere Updates des Kernels noch als ein Vorteil der Distribution bezeichnet, der Teil des damals propagierten Entwicklungsmodells "Forward-looking development" sei.

Durch den Wechsel auf neuere Kernel.org-Kernel als Basis für SLE-Kernel hatten SLE-Kunden neue Funktionen und Treiber erhalten, die zwischenzeitlich in die offiziellen Linux-Kernel eingezogen waren. Durch die Unterschiede bei den Kernel-Versionen funktionierten allerdings Treiber, die etwa für den Kernel von SLE11 SP1 übersetzt wurden, gar nicht oder erst nach Anpassungen mit dem SP2. Einige SLE11-Nutzer haben gegenüber heise open von Kompatibilitätsproblemen mit Userland-Software aufgrund der größeren Sprünge beim Kernel berichtet.

Durch den jetzt unterbleibenden Wechsel sollten solche Probleme seltener sein. Suse hat aber durchaus eine Reihe größerer Änderungen am Kernel vorgenommen und für das SP3 einige Funktionen aus neueren Kernels eingebaut, wie es etwa auch Red Hat bei Red Hat Enterprise Linux (RHEL) macht, bei dem der Basis-Kernel von jeher der gleiche bleibt.

Das SP3 bringt aber auch größere Software-Updates mit – etwa bei MySQL, denn Suse gibt mit dem SP3 das Upstream nicht mehr gewartete MySQL 5.0 auf und legt jetzt die Version 5.5 bei. Da diese Version mit den Datenbanken der alten Ausgabe nicht zusammenarbeitet, muss der Systemadministrator diese durch Aufruf eines Skripts umwandeln – Details erläutern die Release Notes.

Die sollten auch Nutzer von Postfix konsultieren, denn das macht mit dem SP3 einen Versionssprung von 2.5.13 auf 2.9.4; dadurch verhält sich der MTA (Message transfer agent) jetzt an einigen Stellen leicht anders, bietet aber auch zusätzliche Funktionen.

Suse hat zudem zahlreiche Treiber aktualisiert, durch die SLE11 nun die Xeon-Prozessoren der E5-Familie ebenso unterstützt wie die vierte, vor einem Monat freigegebene Version von Intels Core-Prozessoren. Die Distribution eignet sich durch das SP3 jetzt auch für AMDs Opteron der Serien 4000 und 6000.

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