Das passende Tablet für jeden Zweck

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Keine Gerätekategorie ist so vielseitig, aber auch unübersichtlich wie die der Tablets. Android, iOS und Windows eignen sich für ganz verschiedene Aufgaben. Wir geben Tipps fürs richtige Tablet.

Die erste Grundsatzentscheidung beim Tablet-Kauf trifft man mit dem Betriebssystem. Denn trotz mitunter sehr ähnlicher Preise und Fähigkeiten der Tablets haben die Systeme andere Stärken und Schwächen. Bevor man sich auf eine Preiskategorie festlegt, sollte man daher zwischen Android, iOS, Windows 10 und den exotischeren Alternativen auswählen.

Wenn Sie schon wissen, welches System für Sie in Frage kommt, dann sollten Sie direkt zum Hardware-Ratgeber-Teil für Tablets auf Seite 2 springen.

Das Apple iPad mit iOS stellt quasi die Blaupause für moderne Tablets dar. Kein anderes System ist so konsequent sowohl auf die Touch-Bedienung als auch auf die jeweilige Größe der Geräte optimiert. Für iOS gibt es die meisten angepassten Tablet-Apps, die den zusätzlichen Platz sinnvoll ausnutzen. Das Medienangebot ist umfangreich, und wer etwa Zeitschriften digital lesen will, der findet hier die größte Auswahl und die besten Umsetzungen. Auch an Unterstützung von Streaming-Anbietern wie Netflix und Spotify mangelt es nicht und die Ausgabe auf den Fernseher ist zumindest mit proprietärem Zubehör meist kein Problem. Geht es hauptsächlich darum, Apps und Inhalte zu konsumieren, ist iOS und damit das iPad eine unkomplizierte Wahl.

Was iOS fehlt, ist die Freiheit, aus Apples Umklammerung auszubrechen. Wer sich an Darstellung, Bedienung und App Store reibt, wird auf Dauer kaum glücklich damit. Was Apple nicht vorsieht oder erlaubt, lässt sich nicht nachrüsten. Auch die Fähigkeiten zum Teilen und Weiterverarbeiten von Daten bleiben eingeschränkt im Vergleich zur Konkurrenz. Mangels Zugriff auf das Dateisystem sind der lokale Austausch von Daten oder auch eine Speichererweiterung mit zahlreichen Hürden versehen. Apple hat das Teilen von Daten zwischen Apps zwar in den letzten Versionen etwas aufgebohrt, doch am Ende bleiben Apps viel zu oft in ihrem eigenen Mikrokosmos mit Cloud-Anbindung hängen.

Großer Vorteil von iOS gegenüber den Konkurrenten ist die Update-Politik: Fünf Jahre lang erhielt erhielt das iPad 2 alle Updates und das zeitgleich mit dem Rest der Apple-Smartphones und Tablets. Grundsätzlich sollte man mit zwei Jahren Versorgung von kompletten Updates und neuen Funktionen rechnen, Sicherheitsupdates bekommen iPads aber deutlich länger und auch verlässlicher als bei Android.s

Android gibt sich wesentlich offener und anpassungsfreudiger als iOS. Apps haben mehr Freiheiten, sich ins System zu integrieren, Nutzer können das System großzügiger auf ihre Bedürfnisse trimmen. Ob andere Oberflächen, bessere Tastaturen oder informative Widgets: Alles ist innerhalb weniger Klicks erledigt. Einen kompletten Zugriff auf alle Systemkomponenten gibt es zwar nicht ohne weiteres, doch die Abhängigkeit von Google lässt sich leichter minimieren als die von Apple.

Ein weiterer Vorteil ist die große Auswahl an Hardware. Hier wird man zwischen 40 und 600 Euro fündig, von 6 Zoll bis 18 Zoll. Da findet fast jeder ein passendes Gerät für seine Zweck (siehe weiter unten). Der Nachteil der Formenvielfalt: Richtig optimiert auf große Bildschirme sind nur wenige Apps und auch Android selber nutzt oft nicht das ganze Potential aus.

Android-Updates sind notorisch zu spät und die Versorgung mit einer neuen Version Glückssache. Besonders bei den billigen Geräte sieht man neue Android-Versionen selten und selbst bei den High-End-Tablets meistens später als bei den Smartphones. Dass in späteren Versionen eingeführte Funktionen nachgeliefert werden, darauf kann man sich nicht verlassen. Dem von Google eingeführten Patch-Level hinken aber selbst Spitzenmodelle oft Monate hinterher. Größere Hersteller wie Samsung, Sony oder Asus liefern immerhin bei schweren Exploits Updates nach, bei den Billig-Geräten aus China ist selbst das unwahrscheinlich.

Seine Herkunft als Desktop-System kann Windows auf Tablets noch immer nicht verbergen. Auch wenn mit Windows 10 viele Funktionen besser auf die Fingereingabe angepasst wurden: Immer wieder stößt man selbst im Tablet-Modus auf fummlige und umständliche Menüs oder muss auf die Desktop-Ansicht zurück, weil manche Einstellungen einfach fehlen. Auch die Auswahl an App im Windows Store lässt weiterhin stark zu wünschen übrig, viele bekannte Programme von den anderen Tablet-System fehlen hier als touch-optimierte Version. Dazu lassen sie oft an Funktionen vermissen, die ihre Entwickler für Android oder iOS implementiert haben. Wer einen Tablet vor allem als Tablet und per Touch benutzen möchte, ist daher mit Android oder iOS besser beraten.

Andererseits laufen grundsätzlich alle herkömmlichen Windows-Programme auf den Windows-Tablets. Damit steht eine enorme Bandbreite an Funktionen zur Verfügung, die andere Tablet-System so nicht bieten können. Um das voll ausnutzen zu können, braucht man am Ende zwar oft Maus und Tastatur, doch so flexibel und mächtig ist letztendlich kein anderes Betriebssystem. Als reines Tablet-System lässt Windows immer noch einiges vermissen, es stellt aber insgesamt den besten Kompromiss zwischen klassischem Notebook und Tablet dar.

Bei Windows ist die Supportzeit vergleichsweise lang, was Sicherheitsupdates angeht, zudem sind hier die Hersteller als bremsender Faktor außen vor. Mit den (derzeit) kostenlosen regelmäßigen Updates von Windows 10, erhält man sogar neue Funktionen und deutlich verlängerte Supportzeiten. Allerdings behält sich Microsoft vor, Geräten die nicht mehr den Mindestanforderungen entsprechen, vom Upgrade auszuschließen.

Alternativen zu den großen Drei sind selten geworden. Wer nicht selber basteln möchte, dem steht bei Linux in Deutschland nur das BQ Aquaris M10 mit vorinstalliertem Ubuntu Touch ab 230 Euro zur Auswahl. Das Linux mit Touch-optimierter Oberfläche bietet rudimentären Tablet-Fähigkeiten wie Browser, Musik und Filmwiedergabe und ein paar weitere angepasste Apps.

Mit der großen App-Auswahl der anderen System kann Ubuntu jedoch nicht dienen. Dafür laufen nahezu allen herkömmlichen Linux-Programme auf dem Gerät, sodass es ähnlich wie die Windows-Tablets auf eine Unmasse an Software zurückgreifen kann. Im Verbund mit Tastatur und Maus wird daraus ein brauchbarer, wenn auch etwas langsamer Linux-Rechner für unterwegs. Als Tablet-System bleibt es vorerst ein interessantes Kuriosum.

Amazon baut bei seinem System Fire OS zwar ebenfalls auf Android. Von dem bekommt man allerdings unter den Anpassungen nur wenig zu sehen, zudem fehlen der Play Store und viele weitere Dienste von Google. Wer als Prime-Kunde hauptsächlich Filme, Bücher und Musik von Amazon als Flatrate nutzt, kommt mit den Fire Tablets voll auf seine Kosten. Andere Medien-Angebote sind zwar über Apps zugänglich, integrieren sich aber nicht ins System. Der Amazon App-Store kann in Sachen Auswahl und Aktualität nicht mit den beiden Konkurrenten mithalten.

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