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Das passende Tablet für jeden Zweck

Test & Kaufberatung | Kaufberatung

Keine Gerätekategorie ist so vielseitig, aber auch unübersichtlich wie die der Tablets. Android, iOS und Windows eignen sich für ganz verschiedene Aufgaben. Wir geben Tipps fürs richtige Tablet.

Die erste Grundsatzentscheidung beim Tablet-Kauf trifft man mit dem Betriebssystem. Denn trotz mitunter sehr ähnlicher Preise und Fähigkeiten der Tablets haben die Systeme andere Stärken und Schwächen. Bevor man sich auf eine Preiskategorie festlegt, sollte man daher zwischen Android, iOS, Windows 10 und den exotischeren Alternativen auswählen.

Wenn Sie schon wissen, welches System für Sie in Frage kommt, dann sollten Sie direkt zum Hardware-Ratgeber-Teil für Tablets auf Seite 2 springen [1].

Das Apple iPad mit iOS stellt quasi die Blaupause für moderne Tablets dar. Kein anderes System ist so konsequent sowohl auf die Touch-Bedienung als auch auf die jeweilige Größe der Geräte optimiert. Für iOS gibt es die meisten angepassten Tablet-Apps, die den zusätzlichen Platz sinnvoll ausnutzen. Das Medienangebot ist umfangreich, und wer etwa Zeitschriften digital lesen will, der findet hier die größte Auswahl und die besten Umsetzungen. Auch an Unterstützung von Streaming-Anbietern wie Netflix und Spotify mangelt es nicht und die Ausgabe auf den Fernseher ist zumindest mit proprietärem Zubehör meist kein Problem. Geht es hauptsächlich darum, Apps und Inhalte zu konsumieren, ist iOS und damit das iPad eine unkomplizierte Wahl.

Die neuen iOS-Features in Bildern (0 Bilder) [2]

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Was iOS fehlt, ist die Freiheit, aus Apples Umklammerung auszubrechen. Wer sich an Darstellung, Bedienung und App Store reibt, wird auf Dauer kaum glücklich damit. Was Apple nicht vorsieht oder erlaubt, lässt sich nicht nachrüsten. Auch die Fähigkeiten zum Teilen und Weiterverarbeiten von Daten bleiben eingeschränkt im Vergleich zur Konkurrenz. Mangels Zugriff auf das Dateisystem sind der lokale Austausch von Daten oder auch eine Speichererweiterung mit zahlreichen Hürden versehen. Apple hat das Teilen von Daten zwischen Apps zwar in den letzten Versionen etwas aufgebohrt, doch am Ende bleiben Apps viel zu oft in ihrem eigenen Mikrokosmos mit Cloud-Anbindung hängen.

Großer Vorteil von iOS gegenüber den Konkurrenten ist die Update-Politik: Fünf Jahre lang erhielt das iPad 2 alle Updates und das zeitgleich mit dem Rest der Apple-Smartphones und Tablets. Grundsätzlich sollte man mit zwei Jahren Versorgung von kompletten Updates und neuen Funktionen rechnen, Sicherheitsupdates bekommen iPads aber deutlich länger und auch verlässlicher als bei Android.

Android gibt sich wesentlich offener und anpassungsfreudiger als iOS. Apps haben mehr Freiheiten, sich ins System zu integrieren, Nutzer können das System großzügiger auf ihre Bedürfnisse trimmen. Ob andere Oberflächen, bessere Tastaturen oder informative Widgets: Alles ist innerhalb weniger Klicks erledigt. Einen kompletten Zugriff auf alle Systemkomponenten gibt es zwar nicht ohne weiteres, doch die Abhängigkeit von Google lässt sich leichter minimieren als die von Apple.

Android 7 für Tablets (0 Bilder) [4]

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Ein weiterer Vorteil ist die große Auswahl an Hardware. Hier wird man zwischen 40 und 560 Euro fündig, von 6 Zoll bis 10,2 Zoll. Da findet fast jeder ein passendes Gerät für seine Zweck (siehe weiter unten). Der Nachteil der Formenvielfalt: Richtig optimiert auf große Bildschirme sind nur wenige Apps und auch Android selber nutzt oft nicht das ganze Potential aus.

Android-Updates sind notorisch zu spät und die Versorgung mit einer neuen Version Glückssache. Besonders bei den billigen Geräte sieht man neue Android-Versionen selten und selbst bei den High-End-Tablets meistens später als bei den Smartphones. Dass in späteren Versionen eingeführte Funktionen nachgeliefert werden, darauf kann man sich nicht verlassen. Dem von Google eingeführten Patch-Level hinken aber selbst Spitzenmodelle oft Monate hinterher. Größere Hersteller wie Samsung, Sony oder Asus liefern immerhin bei schweren Exploits Updates nach, bei den Billig-Geräten aus China ist selbst das unwahrscheinlich.

Seine Herkunft als Desktop-System kann Windows auf Tablets noch immer nicht verbergen. Auch wenn mit Windows 10 viele Funktionen besser auf die Fingereingabe angepasst wurden: Immer wieder stößt man selbst im Tablet-Modus auf fummlige und umständliche Menüs oder muss auf die Desktop-Ansicht zurück, weil manche Einstellungen einfach fehlen. Auch die Auswahl an Apps im Windows Store lässt weiterhin stark zu wünschen übrig, viele bekannte Programme von den anderen Tablet-Systemen fehlen hier als touch-optimierte Version. Dazu lassen sie oft an Funktionen vermissen, die ihre Entwickler für Android oder iOS implementiert haben. Wer ein Tablet vor allem als Tablet und per Touch benutzen möchte, ist daher mit Android oder iOS besser beraten.

Windows 10 Version 1607 (0 Bilder) [6]

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Andererseits laufen grundsätzlich alle herkömmlichen Windows-Programme auf den Windows-Tablets. Damit steht eine enorme Bandbreite an Funktionen zur Verfügung, die andere Tablet-Systeme so nicht bieten können. Um das voll ausnutzen zu können, braucht man am Ende zwar oft Maus und Tastatur, doch so flexibel und mächtig ist letztendlich kein anderes Betriebssystem. Als reines Tablet-System lässt Windows immer noch einiges vermissen, es stellt aber insgesamt den besten Kompromiss zwischen klassischem Notebook und Tablet dar.

Bei Windows ist die Supportzeit vergleichsweise lang, was Sicherheitsupdates angeht, zudem sind hier die Hersteller als bremsender Faktor außen vor. Mit den (derzeit) kostenlosen regelmäßigen Updates von Windows 10, erhält man sogar neue Funktionen und deutlich verlängerte Supportzeiten. Allerdings behält sich Microsoft vor, Geräte die nicht mehr den Mindestanforderungen entsprechen, vom Upgrade auszuschließen.

Alternativen zu den großen Drei sind selten geworden. Wer nicht selber basteln möche, dem steht Amazon mit seinem System Fire OS zu Auswahl, das auf Android baut. Von dem bekommt man allerdings unter den Anpassungen nur wenig zu sehen, zudem fehlen der Play Store und viele weitere Dienste von Google. Wer als Prime-Kunde hauptsächlich Filme, Bücher und Musik von Amazon als Flatrate nutzt, kommt mit den Fire Tablets voll auf seine Kosten. Andere Medien-Angebote sind zwar über Apps zugänglich, integrieren sich aber nicht ins System. Der Amazon App-Store kann in Sachen Auswahl und Aktualität nicht mit den beiden Konkurrenten mithalten.

Sehr günstige Tablets ab 40 Euro nutzen vorwiegend Android als Grundlage, doch auch einige Windows-Tablets gibt es schon unter 100 Euro. Das klingt verlockend, allerdings machen die vermeintlichen Schnäppchen oft nicht glücklich. Von absoluten Preisbrechbern sollte man daher in jedem Fall die Finger lassen, sie sind fast unbenutzbar langsam, haben flaue, niedrig aufgelöste Displays mit kleinen Blickwinkeln und kommen mitunter mit dubiosen Android-Apps auf dem Markt. Langeblebigkeit kann man bei den Billiggeräten nicht unbedingt erwarten. Einfacher Flash-Speicher, veraltete Akkutechnik nachlässige Verarbeitung und hingeschluderte Software sorgen häufig für Unmut und mitunter ein vorzeitiges Ableben. Bei den günstigen Android-Tablets ist meist das System schon lange veraltet, und Updates gibt es in dieser Preisklasse kaum.

Los geht es bei den 7-Zoll-Tablets im Bereich um die 40 Euro, in dem das Amazon Fire 7 (2017) mit dem auf Android basierenden Fire OS den Takt vorgibt. Die Verarbeitung ist solide und der Prozessor schnell genug, um Oberfläche und Apps flüssig auf den Schirm zu bringen. Das Display ist dabei sogar recht farbkräftig und dank IPS-Display kann man auch mit mehreren Leuten gleichzeitig aufs Gerät schauen und Oma zum Beispiel Bilder von den Enkeln zeigen. Filme in SD-Qualität spielt das Tablet problemlos ab. Allerdings ist man beim Fire an Amazons Ökosystem gebunden, was auch den niedrigen Preis etwas relativiert. Für das technisch vergleichbare Lenovo Tab3 Essential mit Androids Google Play Store und damit einer deutlich größeren und freieren App-Auswahl werden schon fast 80 Euro fällig.

Mit dem Fire HD 8 hat Amazon ein attraktives Angebot für weniger als 100 Euro, das zudem lange Laufzeiten verspricht – in der Preisklasse äußerst selten. Größter Haken auch bei diesem Amazon-Gerät: der fehlende Play Store. Bei den 10-Zoll-Geräten stößt man fast an die 100 Euro-Grenze. Dort befinden sich gerade noch so das solide Alcatel One Touch Pixi 3 als einzige sinnvolle Option in dieser Klasse. Rausnehmen, in 8-Zoll nicht mehr verfügbar: Auch die ähnlich ausgestattete und etwas günstigere 8-Zoll-Version des Pixi ist einen Blick wert.

Wunderdinge darf man von solchen Geräten generell nicht erwarten: Im c't-Test fielen sie in der Regel mit kurzen Laufzeiten, häufig schwacher WLAN-Verbindung und unbrauchbaren Kameras auf. Auch die IPS-Displays sind gewöhnungsbedürftig: Sie sind mit 1024 × 600 Pixeln nicht nur recht grob aufgelöst, sie ziehen auch den Bildschirminhalt leicht in die Breite. Die Kategorie ist als Zweit- oder Drittgerät zum schnellen Nachschlagen neben der Couch am besten aufgehoben. Die besseren, wie das Amazon Fire, fallen im Alltag aber nicht weiter unangenehm auf.

Häufig steckt in Billiggeräten aber nicht einmal die halbwegs brauchbare Technik wie im Fire oder Lenovo Tab3 Essential. Oftmals werden ältere Modelle als vermeintliche Schnäppchen verscherbelt. Geräte, die nicht mindestens Android 5 aufweisen können, sind schlicht veraltet und schon aus Sicherheitsgründen nicht zu empfehlen. Ebenfalls "Hände weg!" gilt bei Geräten mit nur zwei oder weniger CPU-Kernen, weniger als einem GByte RAM und weniger als 8 GByte internem Speicher.

Tablets unter 100 Euro (6 Bilder) [9]

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Amazon Fire 7 (2017)

7-Zoll-Display, Mediatek CPU, 8 GByte, Fire OS 5, mit Werbeeinblendungen ab ca. 40 €

(technische Details zum Amazon Fire 7 (2017) über den heise Preisvergleich [11])

Wer nicht auf den letzten Euro schauen muss, sollte sich im Bereich über 100 Euro begeben. Hier fangen Tablets an, wirklich Spaß zu machen und ihr Potential auszuspielen. Deutlich schneller wird es bis 150 Euro zwar auch nicht, aber die Ausstattung ist hochwertiger, der Bildschirm schärfer und die Verarbeitung besser. So sollte man hier vom Display mindestens 1280 × 800 Pixel erwarten und auf 8 oder besser 16 GByte internen Speicher achten. Zwar können die meisten Geräte mit MicroSD-Karten aufgerüstet werden, doch die Auslagerung von Apps auf die Karte unterstützen viele Anwendungen nicht und auch längst nicht jeder Hersteller lässt das zu. Für etwas mehr Geld gibt es dann auch mehr als nur 1 GByte RAM, wovon Android deutlich profitiert, wenn man häufiger zwischen Apps wechselt.

Für rund 110 Euro ist das Samsung Galaxy Tab A 7.0 eine gute Wahl. Auch das Acer Iconia One 8 B1-850 für 15 Euro mehr ist einen Blick wert.

Das Samsung Galaxy Tab A 10.1 (2016) kann mit einen Achtkern-Prozessor, schnellem ac-WLAN und Android 7.0 aufwarten. Damit erfüllt es bereits die meisten Ansprüche an ein unauffälliges Couch-Gerät. Nur wer eine schnellere Grafikeinheit, besseren Klang, Stifteingabe oder knackigere Display-Farben will, muss teilweise deutlich mehr Geld ausgeben. Vorsicht aber vor älteren Galaxy Tab A, die es ebenfalls noch gibt: Die sind mit ihrem sehr niedrig aufgelöstem Display und lahmen Prozessor keine gute Wahl.

Das Acer Iconia One 10 mit Full-HD-Display ist für den Alltagsgebrauch gut geeignet, ist mit rund 130 Euro für die gebotene Leistung und kurze Akku-Laufzeit jedoch zu teuer. Auch das Huawei MediaPad T3 10 für ein paar Euro mehr ist nicht schnell und bietet lediglich eine brauchbare Minimalausstattung. Mit dem Fire HD 10 mit integriertem Sprachassistenten Alexa hat Amazon ein Gerät auf den Markt gebracht, dass sehr gut für Kinder geeignet ist, da es eine Kindersicherung bietet. Für knappe 170 Euro bekommt man mit dem TrekStor Primetab 10 ein bezahlbares Tablet mit hoher Auflösung und guten Lautsprecher – für den Preis ist das Gerät eine gute Wahl.

Zumindest als flexibler Netbook-Ersatz eignen sich die Windows-Geräte für knapp unter 200 Euro, die für den Preis dann auch für Windows sinnvollere 10-Zoll-Displays und mehr bieten können. Interessant sind vor allem das TrekStor SurfTab Duo W3 und TrekStor SurfTab twin mit 11,6-Zoll-Bildschirm, Full-HD-Auflösung, Tastatur und USB-3.0-Anschluss. Das Odys Cosmo Win X9 gibt es auch mit Windows 10 für schon für knapp 140 Euro, dafür aber mit 8,9-Zoll-Display.

Zwischen 200 und 300 Euro ist das Angebot an Tablets erstaunlich dünn. Zwischen den Vernunft-Tablets um 200 Euro und den deutlich teureren High-End-Geräte, gibt es aber dennoch einige interessante Modelle.

Egal für welches System man sich entscheidet, mit weniger als Full-HD-Auflösung sollte man sich über 200 Euro nicht zufrieden geben. Bei 10-Zoll-Tablets sind das über 200 dpi, bei 8 Zoll Diagonale und darunter über 300 dpi.

High-End-Geräte zwischen 200 und 500 Euro (12 Bilder) [15]

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Samsung Galaxy S2 8.0

8-Zoll-Display, Qualcomm CPU, 32GByte Flash, Android 6.0, ca. 304 €

(technische Details zum Samsung Galaxy S2 8.0 über den heise Preisvergleich [17])

Samsung bietet im Galaxy Tab S2 einen AMOLED-Bildschirm, der auf Wunsch besonders knallige Farben darstellen kann und nur knapp den erweiterten AdobeRGB-Farbraum verpasst. Nachteil sind aber die in einer Pentile-Matrix angeordneten Pixel, die weniger Subpixel haben; deshalb erscheint die Anzeige bei feinen Details – etwa an Buchstabenkanten – leicht unscharf. Bei Filmen und Fotos fällt das kaum auf, aufmerksame Nutzer stören sich aber daran im Browser oder Mail-Client.

Ansonsten bietet Samsung beim Tab S2 eine sehr gute Ausstattung, ein sinnvoll angepasstes Android und ordentliche Laufzeiten. Mit rund 300 Euro für die 8-Zoll-Version und 330 Euro für die Variante mit 9,7-Zoll-Display gehört das Samsung Tab S2 zudem zu den günstigeren High-End-Tablets.

Apple setzt bei den iPads auf klassische LCDs und erreicht damit eine sehr ruhiges und klares Schriftbild, das beim Lesen kaum ermüdet. Doch nur die mindestens 390 Euro teuren iPad Air 2 und iPad mini 4 schaffen überhaupt den im Segment mittlerweile üblichen sRGB-Farbraum. Bei der CPU-Performance liegen sie mit den Samsung-Tablets in etwa gleichauf, nur der Grafikchip bietet etwas mehr Wumms. Doch auch unter iOS gibt es kaum Apps, die das wirklich ausnutzen.

Eine interessante Alternative zu Samsung und Apple bietet Huawei mit dem MediaPad M2 10.0 und M3 8.4. Das M2 10.0 bietet in der Premium-Version für rund 430 Euro neben einer gehobenen Ausstattung auch eine präzise Stifteingabe. Damit gehört es zu den wenigen aktuellen Android-Tablets, die dies überhaupt noch anbieten. Die Ausstattung ist ansonsten gehoben, mit vier Lautsprechern hat es sogar einen recht ordentlichen Klang. Im MediaPad M3 lite 10 kombiniert Huawei eine umfangreiche Ausstattung und ein schickes Gehäuse mit einem recht langsamen Prozessor. Doch zum Filme und Serien schauen ist das Gerät für circa 250 Euro eine gute Alternative.

Ebenfalls interessante Alternativen gibt es von Asus: Optisch macht das ZenPad 10 LTE viel her und hat in der Preisklasse bis 300 Euro den besten Bildschirm. Möchte man das Tablet mit Tastatur nutzen muss man noch etwas draufzahlen. Etwa 100 Euro teurer ist das Asus ZenPad 3S 10 LTE, das äußerlich an das Samsung Galaxy S3 erinnert. Mit gutem Display, langen Laufzeiten und angemessener Leistung ist dieses Tablet ein schicker Unterhalter.

Eine ungewöhnliche Alternative ist das Yoga Book von Lenovo. Das setzt nicht auf eine normale Tastatur, sondern hat ein zweites Touchfeld, das zwar Tasten anzeigen kann, aber auch als Freifeld für die Stifteingabe dient. Der Clou: Legt man ein Stück Papier zwischen mitgeliefertem Stift und Touchfeld, landen handschriftliche Notizen auf dem Zettel und im Gerät. Wer das Touchfeld nicht braucht, klappt es hinter den Bildschirm.

Lenovo hat sich die Mühe gemacht, Android stärker in Richtung Desktop-System zu trimmen und erlaubt etwa das Öffnen von Apps in Fenstern und zeigt eine Taskleiste an. Obwohl im Hintergrund weiterhin ein herkömmliches Android läuft, kann man deutlich besser mit mehreren Apps gleichzeitig arbeiten als auf anderen Android-Tablets. Für 444 Euro mit Android ist es deshalb einer der interessantesten Zwitter zwischen Tablet und Notebook. Das Yoga Book gibt es auch mit Windows 10, mit dem es sein volles Potential als Arbeitsgerät ausspielen kann – auch wenn das Touch-Keyboard auf Dauer keine Notebook-Tastatur ersetzen kann. Außerdem fühlt sich das 10-Zoll-Display für einige Aufgaben etwas zu klein an.

Wer ein Tablet für mehr als nur Filme, Webseiten oder Touch-Apps nutzen will, der muss in der Regel auch deutlich mehr Geld ausgeben. Zwar gibt es viele günstige 2-in-1-Tablets mit Windows, und auch an Android-Tablets und iPads lässt sich eine Bluetooth-Tastatur anbinden. Doch wirklich rund läuft das oft nicht: Mal ist der Prozessor zu langsam, mal das System nicht auf sinnvolles Multitasking ausgelegt oder die ganze Konstruktion unterwegs nicht unfallfrei nutzbar. Wer mehr als ein bisschen tippen und auf der Dienstreise auch mal sein Notebook zuhause lassen will, muss sich im Bereich ab 500 Euro umschauen.

Samsungs Galaxy S3 ist in dieser Preiskategorie noch das günstigste Gerät. Für rund 530 Euro bekommt man einen flotten Prozessor, gute Laufzeiten und ein hervorragendes Display, das zu den besten im 10-Zoll-Bereich gehört. Zudem gibt es eine praktische Stiftunterstützung mit Handballenerkennung, sodass man ohne Probleme Notizen und Skizzen mit diesem Gerät machen kann.

Google bietet mit dem Pixel C ein 10-Zoll-Tablet an, das mehr als die anderen Android-Tablets sein will. Das fängt beim Seitenverhältnis des Bildschirms an, das exakt dem von Papier im DIN-Format entspricht – und endet bei der ungewöhnlichen Tastatur, die magnetisch am Gehäuse befestigt wird. Sie erlaubt es, das Tablet zwischen 90 und 180 Grad frei nach hinten zu verstellen und damit deutlich weiter als die meisten anderen Geräte mit abnehmbarer Tastatur. Dank Nvidia-Chip gehört es zu den schnellsten Android-Tablets auf dem Markt.

Dass das Pixel C eher ein Versuchsballon ist, wird aber nicht nur bei der fehlenden Stiftunterstützung deutlich. Das Keyboard ist teilweise zu klein zum Arbeiten geraten. Android selbst lernt erst nach und nach hilfreiche Features wie die geteilte App-Ansicht dazu. Flexible Fenster, eine Taskleiste oder Unterstützung für Multi-Monitor-Betrieb über USB-C gibt es bislang nicht. Zudem ist der Preis mit 560 Euro plus 129 Euro für die Tastatur kein Schnäppchen und ein Speicherkarten-Slot fehlt, um den maximal 64 GByte internen Speicher zu erweitern.

Mit mehr Arbeitsfläche kann das iPad Pro in der 12,9-Zoll-Variante punkten. Um es wie ein klassisches Tablet zum Lesen länger in der Hand zu halten ist es etwas zu groß und schwer. Aber die zusätzliche Fläche kommt nicht nur den wenigen professionellen Apps zum Bild und Videobearbeitung zugute, mit dem optional erhältlichen Stift hat man außerdem ordentlich Freiraum zum Zeichnen und Schreiben. Hier liegt auch klar die Stärke des großen iPad Pro. Wer viel Leistung, aber weniger Platz braucht, kommt mit der 9,7-Zoll-Variante billiger und bequemer weg. Die Performance der A9X-CPU kann es mit den stromsparenden Varianten Intel-Core-Modellen durchaus aufnehmen und macht das iPad Pro prinzipiell fit für anspruchsvolle Anwendungen. Das es die kaum gibt, schmälert dies die Attraktivität als Notebook-Ersatz.

Über die Stifteingabe hinaus ist das iPad Pro ebenfalls mit Kompromissen geschlagen. Eine Mausunterstützung fehlt, die Erweiterungsmöglichkeiten sind mangels Schnittstellen begrenzt. Die offizielle Tastatur ist teuer, kann nur in zwei Positionen aufgestellt werden und ist lediglich mit US-Layout erhältlich. Mit mindestens 550 Euro (9,7 Zoll) und 739 Euro (12,9 Zoll) für die mit nur 32 GByte internem Speicher ausgestatteten Varianten kommt man nicht billiger weg als bei den schnellen Windows-Tablets.

Profi-Tablets ab 500 Euro (8 Bilder) [18]

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Samsung Galaxy S3

10-Zoll-Display, Qualcomm CPU, 32 GByte Flash, Android 7.0, ca. 524 €

(technische Details zum Samsung Galaxy S3 über den heise Preisvergleich [20])

Die Windows-Tablets haben in den letzten Jahren einen überraschend starken Aufschwung genommen und sich als interessante Alternative zum klassischen Notebook etabliert. Besonders das Surface Pro von Microsoft hat als Ideengeber und Flaggschiff für frischen Wind gesorgt. Das Surface Pro 4, wartet mit einem hochauflösendem 3:2-Display auf und bietet trotz "nur" gut 12-Zoll-Diagonale viel Übersicht und ausreichend große Arbeitsfläche für unterwegs. Der stufenlos verstellbare Standfuß sorgt für angenehme Arbeitspositionen, nur auf dem Schoß sind klassische Notebooks stabiler.

Auf Leistung muss man nicht verzichten, Microsoft baut maximal einen Intel Core i7, 16 GByte RAM und eine 1 TByte SSD ins Gehäuse. Damit sind auch Photoshop und Anwendungsprogrammierung kein Problem mehr. Ein präziser Stift ist mit dabei, die Tastaturhülle muss man sich aber für fast 100 Euro noch dazu kaufen. Die erlaubt durchaus angenehmes Tippen, nur der geringe Hub und die beim harten Anschlagen etwas nachgebende Rückseite brauchen Gewöhnung. Für das deutlich schwächere Einstiegsmodell des Pro 4 mit Core-m3 sind rund 800 Euro fällig, für die Vollausstattung sind über 2000 Euro aufgerufen.

Wem das Surface Pro nicht zusagt, findet eine ganze Reihe von Konkurrenten mit verschiedenen Stärken, aber ähnlichem Konzept. Interessant ist da zum Beispiel das Acer Aspire Switch Alpha 12, das trotz Core-i-Prozessor lüfterlos arbeitet, eine Tastatur bereits mitbringt und etwas billiger zu haben ist. Das Lenovo ThinkPad X1 Tablet kann mit Modulen erweitert werden, etwa einem LED-Beamer oder einem Modul mit zusätzlichen Akku und mehr Schnittstellen. Es wird allerdings nur mit einem langsameren Core-m-Prozessor angeboten und man muss für dieses Tablet etwas tiefer in die Tasche greifen. Das neue Surface Pro (2017) inklusive Tastaturhülle gibt es, je nach Ausstattung, ab 900 Euro.

Bei den Windows-Tablets muss man sich letztendlich entscheiden: Soll es möglichst schnell sein oder möglichst leicht und dünn. Wer sein schnelles Notebook ersetzen will, wird zwar bei der Flexibilität gewinnen, aber nicht deutlich weniger mit sich herumschleppen müssen.

Klapptastaturen wie die des iPad Pro bieten meist weniger Stabilität und Flexibilität als die der Hybrid-Tablets.
Klapptastaturen wie die des iPad Pro bieten meist weniger Stabilität und Flexibilität als die der Hybrid-Tablets.

Geräte mit abnehmbare Tastaturen lassen es mitunter an Komfort vermissen, in der Regel kommen sie nicht an klassische Notebooks mit fest installierter Tastatur heran. So steckt die Technik hauptsächlich hinter dem Display, also im Tablet-Teil. Das bedeutet je nach Konstruktion einen ungünstigen Schwerpunkt und das Gerät neigt eher zum kippen. Modelle mit Scharnier beschränken daher den Öffnungswinkel, mehr als 110 Grad sind meist nicht drin.

Lösungen wie der ausklappbare Standfuß beim Surface Pro sind standsicherer und erlauben teilweise größere Winkel. Hier sollte man auf eine stufenlose Verstellbarkeit wertlegen, denn die zwei bis drei Stufen die einige Hersteller anbieten, stellen sich schnell als nervige Einschränkung heraus. Klappständer verbrauchen auf dem Schoß generell mehr Fläche und wackeln durch die schmale Kante des Fußes beim Tippen dennoch bedenklich.

Egal welche Variante, ohne stabile Unterlage taugen die Kombi-Tablets oft nur als Notlösung fürs Schreiben. Besser macht es zum Beispiel das Notebook Surface Book, das trotz Tablet-Teil bis zu 130 Grad Öffnungswinkel erlaubt und ohne Standfuß auskommt. Dafür lagert Microsoft aber einen der Hardware in den Tastaturteil aus, der zudem dickerer und schwerer ausfällt als bei anderen Hybriden. Physik lässt sich am Ende nicht einfach überlisten.

Ihre Vorzüge spielen die Kombi-Geräte bei Eingaben mit dem Finger oder dem Stift aus. Hier kann man sich auf das Wesentlich konzentrieren: Keine störende Tastatur, die beim Zeichnen im Weg steht, eine oft intuitivere und schnellere Bedienung als es mit Trackpads und Co. möglich wäre. Da die komplette Power meist im Tablet steckt, kann man auch mal Ballast daheim lassen. Beim Hybrid-Geräten mit 360-Grad-Scharnier muss wie beim klassischen Notebook immer alles dabei sein. Im Tabletmodus sind solche Geräte unhandlicher.

Ganz auf eine Tastatur wird man besonders unter Windows jedoch kaum verzichten wollen. Dazu ist die Bildschirm-Tastatur zu groß und platzfressend, zumal das Tippen auf dem Touchscreen das klassische Tasten-Feedback nicht ersetzen kann. Selbst einfache Tastaturen mit ein wenig Hub und schwammigem Druckpunkt vermitteln da mehr Tippgefühl. (asp [21])


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