Datenschutzbeauftragter der Schweiz: "Smart Metering ist grundsätzlich begrüßenswert"

Datenschutzbeauftragter der Schweiz: "Smart-Metering ist grundsätzlich begrüßenswert"

Trends & News | Interview

Auch in der Schweiz sollen Smart Meter flächendeckend eingeführt werden. Im Interview erklärt der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte, welche gesetzlichen Fragen noch geklärt werden müssen und was er sich von der Umstellung erhofft.

Wie anderswo sollen auch in der Schweiz flächendeckend Smart Meter eingebaut werden, um die Grundlage für ein "intelligentes Stromnetz" zu legen. Erste Installationen finden bereits statt. Nur ein Kanton hat jedoch eine explizite gesetzliche Regelung zur Gewährleistung des Datenschutzes. Im Interview erklärt Hanspeter Thür, der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte (EDÖB), was der Gesetzgeber noch tun muss und wie sinnvoll der Wechsel zu Smart Metern überhaupt ist.

c't: Sie haben sich in Ihrer Amtszeit öfters gegen eine unverhältnismäßige Nutzung von Daten aus Smart Metern gewendet, beispielsweise eine unnötige Weitergabe der Daten an Dritte. Was finden Sie dafür sinnvoller, gesetzgeberische Beschlüsse oder freiwillige Vereinbarungen?

Hanspeter Thür (Bild: EDÖB)

Hanspeter Thür: Diese Frage der Zuständigkeiten wird ein Bundesgesetz regeln, das sich in Vorbereitung befindet. Es wird auch klären, ob andere, abweichende Bestimmungen kommunal oder kantonal möglich sind. Ich gehe davon aus, dass es ein verbindliches nationales Gesetz geben wird. Doch soweit sind wir noch nicht.

c't: Was halten Sie von technischen Ansätzen, die erst gar keine zuordnungsbaren Daten entstehen lassen?

Hanspeter Thür: Ja, das Stichwort hier heißt aggregierte Daten. Es dürfen also keine individuellen Daten gespeichert werden, sondern nur zusammengeführte Daten vieler Haushalte, damit die Privatsphäre gewahrt bleibt. Aber wie das vom schweizerischen Parlament entscheiden wird, ist heute noch nicht absehbar.

c't: Ihre Kernempfehlungen für eine allfällige breite Einführung von Smart Meter?

Hanspeter Thür: Das Allerwichtigste ist, dass ein privates Nutzungsverhalten nicht aus den Daten zu rekonstruieren ist. Das darf nicht sein. Unsere Behörde geht davon aus, dass für eine Technologie, die dazu da ist, die Elektrizitätsversorgung zu verbessern, nicht die Nutzerdaten von einzelnen Haushalten erforderlich sind.

c't: Risiken gehen ja offenbar auch durch Hacks von Smart Metern aus. Durch die Vernetzung der digitalen Stromprodukte ließe sich beispielsweise eine E-Werk-Leitzentrale kapern und lahmlegen.

Hanspeter Thür: Das Sicherheitsrisiko ist künftig eines der großen Herausforderungen, die zu beachten und nicht zu unterschätzen sind. Solange eine Stromversorgung zentral angegriffen werden kann, ist das eine sehr gefährliche Situation und integrierte Sicherheitskonzepte deshalb sehr wichtig. In diesem Fall meine ich damit, dass man dezentrale Strukturen schafft. Alles was zentral organisiert ist, kann man zentral angreifen, hat zentrale Gefahren und Auswirkungen.

c't: Als ehemaliger Politiker der Grünen sind sie der Smart-Meter-Technik gegenüber ja wahrscheinlich eher positiv eingestellt. Die tatsächlichen Energieeinsparungen durch Smart Meter scheinen sich ja aber im minimalen Bereich zu bewegen.

Hanspeter Thür: Ich finde Smart Metering grundsätzlich begrüßenswert. Wenn es als die Messstelle im Haushalt dabei hilft, eine effiziente Versorgung zu garantieren, Elektrizität dort und dann bereitzustellen, wenn sie gebraucht wird, dann sehe ich die Technologie als Teil eines intelligenten Netzes. Digitale Zähler, die nur dazu dienen einen Haushalt zu kontrollieren, um etwas Strom einzusparen – davon halte ich nicht viel. Und solange die Einsparungen mit Smart Meter bei lächerlichen drei, vier Franken im Monat liegen, muss man eh keinen Druck machen. Aber das kann ja auch nicht die einzige Begründung sein. Es geht um smarte Netze, die die Elektrizität intelligent verteilen, das geht weiter über Smart Metering hinaus. Und dafür braucht es auch keine haushaltsbezogene detaillierte Erfassung des Verbrauchs.

mho

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